Computereinsatz im Verkehrswesen der DDR

Computereinsatz im Kraftverkehr war in der DDR eher selten, jedoch gab es auch in diesem Bereich einige interessante Lösungen.


Einsatzbeispiele im Straßenverkehr

Taxameter BOTAX80

(Alias BOTAX 80, BOTAX-80)

Das "Wissenschaftlich-Technische Zentrum Kraftverkehr Dresden" mit seiner Außenstelle in Erfurt entwickelte Mitte der 1980er Jahre ein computergesteuertes Gerät namens BOTAX80, das - in Taxis eingebaut - die zurückgelegten Kilometer und den Fahrpreis ermittelte.

Taxameter gab es auch schon zuvor, aber nicht mit Computersteuerung. Erst in den 1980er Jahren wurde die Computertechnik dann so klein und preiswert, dass man sie in das Cockpit von PKWs einbauen konnte. Das BOTAX80 wurde mechanisch anstelle des Autoradios verbaut. Die Produktion des BOTAX80 übernahm ab 1985 das Wissenschaftlich-Technische Zentrum der Bahn in Meiningen.


Taxameter Botax80

Rückseite des Botax80

Taxameter Botax80

Gefahrene Kilometer und Preis wurden auf Siebensegmentanzeigen (LED) angezeigt, eine gedruckte Rechnung war nicht vorgesehen. Über den Vorwahldrehschalter (VWDS) konnten die vier Tarifstufen (Stadt Tag/Nacht, Fern Tag/Nacht) gewählt werden, außerdem gab es Tasten für Preisaufschläge, z.B. für Nachtfahrten oder beim Fahren mit Anhänger. Der Sicherheitsschlüssel an der Gerätefront betätigte einen Mikrotaster, der die Abrechnungsdaten nach Auslesen zum Schichtschluss zurücksetzte. Den passenden Schlüssel hatte nur die Einsatzstelle/Dispatcher, wo die Abrechnung gemacht wurde (=autorisierter Zugriff). Ein eingebautes Relais steuerte die Taxischildbeleuchtung auf dem Dach.


Botax80-Prozessorkarte

Netzteil und Speicherbatterie des Botax80

Im Inneren des Gerätes werkelte ein Mikroprozessor U880, begleitet von 4 KByte (max. 8 KByte) Festwertspeicher (EPROM), 1 KByte RAM, zwei PIOs U855 und einem CTC U857. Bei Leiterplatten ab Version 3 konnte eine SIO U856 nachgerüstet werden, mit Hinblick auf eine künftige maschinelle Auslesung des Gerätes. Da nur wenige Peripherieschaltkreise verbaut waren, hatte der Entwickler auf den Einsatz von Bustreiber verzichtet. Erhöhter Aufwand musste hingegen für die Stromversorgung getrieben werden, um elektrische Störungen durch das Starten des Autos zu unterdrücken.

Um die Daten auch bei leerem oder ausgebauten Akku des Autos zu erhalten, war eine Batterie eingebaut. Diese Batterie entstammte der Produktion von Herzschrittmachern. Für den BOTAX (genauso wie für den PMM100) wurde Exemplare benutzt, die die geforderten Toleranzen für einen medizinischen Einsatz nicht erfüllten.

Die Geschwindigkeitsinformation wurde an einem Zwischenstück ermittelt, das zwischen Tachowelle und Tachometer geschraubt wurde und die Drehbewegungen der Tachowelle über einen rotierendem Magnet an einen Hallsensor (B461G) gab, der sie in elektrische Impulse umwandelte. Die Wegdrehzahl (Anzahl Tachowellenumdrehungen pro Kilometer) musste für jedes Fahrzeugtyp auf dem Rollenprüfstand individuell ermittelt werden und wurde in das Gerät programmiert (CMOS-RAM), hier kam auch wieder der autorisierte Zugriff via Sicherheitsschlüssel zum Einsatz.


Botax80-Wegsensor

Botax80-Wegsensor

Die Software für den BOTAX wurde auf einem MRES-Computer geschrieben, wobei auch dessen Fähigkeit der In-Circuit-Emulation (Ersetzung des Prozessors im BOTAX durch ein Adapterkabel zum MRES) genutzt wurde.

Die Rechnerkarte wurde als "Bordmikrorechner" (BMR) bezeichnet und kam außer im BOTAX80 auch im Diagnosegerät UDS80 zum Einsatz, außerdem versuchsweise in einem Fahrtenschreiber für LKW (BMR-LKW). Auch vom versuchsweisen Einsatz eines BOTAX auf dem Fährschiff der Strecke Saßnitz-Trelleborg zur Optimierung des Kraftstoffverbrauchs wurde berichtet.

Während der Produktion des BOTAX gab es mehrere Überarbeitungen des Gerätes. In der Serienproduktion bzw. dem Feldeinsatz stellten sich doch Schwachpunkte heraus, die durch neue Geräterevisionen beseitigt wurden. Der 15polige EFS-Stecker war eine Forderung des Produzenten für die Prüfung der Baugruppe. Er wurde erst mit Version 3 der Leiterplatte eingeführt.

Die Berliner Verkehrsbetriebe waren der 1985 Vorreiter im produktiven Einsatz der BOTAXen, ab 1989 war das Gerät dann landesweit flächendeckend in der DDR im Einsatz. Es existieren heute noch ein paar BOTAX80, erfreulicherweise sogar einige in funktionsfähigem Zustand, aber keins mehr im produktiven Einsatz.


Taxameter BOTAX2000

(Alias BOTAX 2000, BOTAX-2000)

Es gab vom BOTAX80 eine (ebenfalls rechnergesteuerte) Nachfolgeentwicklung namens BOTAX2000, die leider nicht über das Entwicklungsstadium hinaus kam. Gegenüber dem BOTAX80 hatte der BOTAX2000 eine vom Grundgerät abgesetzte Bedieneinheit mit LCD-Anzeige und eigenem U8047 Prozessor. Damit konnte das Grundgerät irgendwo im Auto untergebracht werden und blockierte nicht mehr den Platz des Autoradios.

Die Abrechnungsdaten wurden über ein Betriebsdatenerminal Robotron BDT K8902 zur automatischen Weiterverarbeitung ausgelesen.


Im Rechnermodul war die stromsparende CMOS-Version des Prozessors U880 sowie CMOS-RAM verbaut. Außerdem fand zur Reduzierung der Anzahl diskreter Bauelemente, zur Wegstreckenzählung und zur Kommunikation mit dem Bedienteil und den Betriebsdatenterminal ein Gatearray U5201/115 Verwendung.

Das BOTAX2000 gilt heute als ausgestorben.


Elektronischer Fahrscheindrucker FABUS 1

(Alias FABUS1, FABUS-1)

Dieses Gerät war als Ablösung der mechanischen Fahrscheindrucker in Omnibussen geplant und kam 1989 in den Handel. Entwickler war das "Wissenschaftlich-Technische Zentrum Kraftverkehr Dresden", Produzent war das Wissenschaftlich-Technische Zentrum der Bahn in Meiningen.

Der FABUS basierte auf dem Mikroprozessor U880. Die Fahrscheine wurden auf einem speziell dafür entwickeltem Druckwerk ausgegeben.

Es scheinen noch einige wenige Exemplare des FABUS zu existieren, aber wahrscheinlich keins mehr in Funktion.

Universelles Diagnosegerät UDS80

(Alias UDS 80, UDS-80)



Steuerungen für Lichtsignalanlagen

Zur Steuerung von Verkehrsampeln wurden unterschiedliche Rechner eingesetzt. Bei kleineren Ampelanlagen kamen die handelsüblichen Maschinensteuerungen (z.B. MRS7000) zum Einsatz, bei komplexen, über mehrere Kreuzungen gehenden Systemen (Grüne Welle) wurden spezielle Steuerrechner L6000 eingesetzt Für eine zentrale Steuerung ganzer Stadtkerne gab es Lösungen auf Basis der K1600-Rechner.

Das Grüne-Welle-System zeigte auf drei speziellen weißen Ampeln Richtgeschwindigkeiten an, die, wenn man sich an sie hielt, das Überfahren der kommenden Ampel stets bei Grün ermöglichten.

Steuergerät L6000

Diese vom Geräte- und Reglerwerk Leipzig gebauten Geräte beinhalteten ein Steckkartensystem mit DDR-Einschubrahmentechnik. Die Prozessorkarte war mit einem Mikroprozessor U880, einer PIO U855 und einem CTC U857 bestückt. Es gab eine RAM-Karte mit 2 KByte Größe, eine EPROM-Karte mit U555-Speicherschaltkreisen, 8 KByte Größe. Weiterhin eine Karte, die die Echtzeituhr beinhaltete und deren Uhrzeit mit Siebensegmentanzeigen VQE24 angezeigt wurde. In der Baugruppenebene unter dem Rechner befanden sich Triac-bestückte Leiterplatten für die Ansteuerung der Signallampen.

Eine serielle Datenübertragung diente der Koordinierung mehrerer Anlagen oder ganzer Straßenzüge ("grüne Welle") und zur Anbindung an einen Verkehrsleit- und Überwachungsrechner.


Ausgebaute L6000-Rechnereinheit

L6000-Rechnereinheit, Frontklappen geöffnet

Ausgebaute L6000-Rechnereinheit

L6000-Prozessorkarte

Echtzeituhr der L6000

L6000-ROM-Karte

L6000-RAM-Karte

Die L6000 wurden entweder in metallenen Kästen in der Nähe der Kreuzungen aufgestellt oder in naheliegenden Gebäuden, was klimatisch günstiger war.

Verbreitung / Verbleib

Es ist anzunehmen, dass heute noch einige DDR-Rechner an Verkehrsampeln ihren Dienst tun, auch wenn deren Anzahl stetig abnimmt, da neben der knapper werdenden Ersatzteilsituation die DDR-Ampelsteuerungen bestimmte Funktionen, wie verkehrsabhängige Grünphasenlängen und verkehrsabhängige Schaltreihenfolgen nicht unterstützten.
K1600-Rechner als Leitrechner haben vermutlich nicht überlebt.


Automatisierte Tankstelle

In der DDR war es üblich, dass die Betankung (oder zumindest das Ablesen und Rückseiten der Preisanzeige) vom Tankwart gemacht wurde, der auch gleich das Geld entgegen nahm, das Wechselgeld zurück gab und auf Wunsch auch eine Quittung ausschrieb.

Bei der klassischen Zapfsäule wurde der Durchfluss des Treibstoffs mechanisch gemessen und auf einer Rollenanzeige angezeigt. Mit dem Einhängen der Zapfpistole in die Zapfsäule wurde die Pumpe angeschaltet und eine Lampe auf der Zapfsäule leuchtete auf, die den Tankwart auf den Plan rief. Nach der Bezahlung stellte der Tankwart mit einer ansteckbaren Kurbel das Zählwerk auf Null und der nächste Kunde konnte tanken.

Den Treibstoff lieferte die Firma Minol, die auch Betreiber der öffentlichen Tankstellen war. Der Preis pro Liter Treibstoff war konstant und an allen öffentlichen Tankstellen gleich.
An jeder Zapfsäule konnte man stets nur 1 Treibstoffart bekommen.

In den 1980er Jahren wurden in der DDR unter der Bezeichnung ATDE (Automatische Tankdatenerfassung) auch rechnergesteuerte Tankanlagen entwickelt.

Tankautomat 1

Ende der 1980er Jahre entwickelte der VEB VAKA Halle, alleiniger Hersteller der DDR-Zapfsäulen, eine automatisierte Zapfsäule für Tankstellen. Das System war zunächst nicht für öffentliche Tankstellen gedacht, sondern für die - damals recht häufigen - innerbetriebliche Tankstellen, mit denen die Dienstwagen betankt wurden. Dazu bekam die Zapfsäule einen Mikrorechner (auf Basis des Einchipmikrorechners UB8830), der die Treibstoffmenge nun elektronisch erfasste. Als Mengenanzeige diente ein durch einen Schaltkreis UL7211D angesteuertes vierstelliges LCD-Display; auf eine Preisanzeige hatte man verzichtet.


Rechnergesteuerte Zapfsäule, Phantombild

Prozessorkarte der Zapfsäule

Rückseite der Displaykarte

Seitlich an der Zapfsäule befand sich ein Magnetkartenleser Robotron K6503, durch den vor dem Betanken eine Tankkarte (Magnetkarte) durchzuziehen war, wodurch der Automat entriegelt wurde.


Kopf der Zapfsäule mit dem Magnetkartenleser

Automatische Betriebstankstellen waren in der DDR extrem selten. Bis heute hat davon wahrscheinlich nur der Bedienkopf einer Zapfsäule überlebt.

Tankautomat 2

Im nächsten Schritt wurde die Möglichkeit einer automatisierten Abrechnung geschaffen. Ausgangspunkt war die elektronische Zapfsäule B50 des VEB VAKA Halle, diesmal bestückt mit einem zweizeiligen LCD-Display (32 Stellen) zur Anzeige von Menge und Preis. Den Rechnerteil samt Software lieferte Robotron Zella-Mehlis.


Tanken an einer automatisierten DDR-Tankstelle

Betankung an einer automatisierten DDR-Tankstelle

Die Zapfsäule war über ein Betriebsdatenterminal K8902 per Netzwerk (IFLS) mit dem zentralen Auswertecomputer verbunden und lieferte dort ihren Daten ab. Dabei konnten maximal zwei Zapfsäulen vom einen K8902 gesteuert werden, das K8902 war vermutlich nicht in die Zapfsäule eingebaut, sondern separat. Die Zapfsäulen konnten zeitweise autonom arbeiten, da die K8902 die Möglichkeit zum Zwischenspeichern und kumulieren von Daten besaßen.

Als Auswertecomputer konnte beim kleinen Tankstellen ein Bürocomputer K8915 dienen, der mit einem Drucker K6313 ergänzt wurde. Für größere Anwendungen waren stattdessen die großen Datenerfassungs-Basisrechner A5222, A5223 oder A6422 vorgesehen.

Die Autofahrer identifizierten sich an dem System mit Hilfe einer Magnetkarte oder ein Lochkennkarte, ggf. durch Eintippen eines persönlichen Kennwortes.

Über Tasten konnten der Tankstellenbetreiber bei Bedarf den Treibstoffpreis ändern und kumulierte Daten jeder Zapfsäule anzeigen.

Die Basissoftware auf den Betriebsdatenterminals K8902 war IDA. Auf dem Auswerterechner K8915 wurde vermutlich das Betriebsystem SCP benutzt, auf den großen Auswerterechnern die dort üblichen Echtzeit-Betriebssysteme.

Es ist davon auszugehen, dass nur sehr wenige dieser Anlagen in der Praxis eingesetzt wurden. Allen Anschein nach ist diese Variante der automatisierten Betankung heute mit allen Komponenten ausgestorben.


Elektronischer Parkscheingeber

Automatisiert gedruckte Parkscheine waren in der DDR eigentlich nicht üblich. Wenn es sich um gebührenpflichtigen Parkplatz handelte, war der üblicherweise eingezäunt und es gab es einen Platzwart, der die Parkzettel ausstellte, damit handelte es sich um einen bewachten Parkplatz und im Schadensfall war der Fahrer versichert.
Mit der deutschen Einheit (und auch mit der daraufhin stark ansteigenden Zahl an Autos und dem knapper werdenden Angebot an Parkplätzen) wurde es im Osten des Landes Mode, vielerorts Parkuhren als lokalen Geldeinnahme aufzustellen, ohne dabei Geld für einen Parkwart auszugeben. Die Lösung war ein Automat, der nach Münzeinwurf einen (meist zeitlich begrenzten) Parkschein ausspuckte, den der Fahrer sichtbar in seinem Auto hinterlegen musste und der vom patroullierenden Ordnungsamt bzw. der Polizei kontrolliert und bei Fehlen oder Ungültigkeit finanziell bestraft wurde.


Zella-Mehliser Parkscheingeber

Zella-Mehliser Parkscheingeber

Da Robotron Zella-Mehlis, zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich bereits privatisiert, durch die Betriebsdatenterminals bereits Erfahrungen mit der Fernerfassung von Daten hatte, entwarf dieser Betrieb auch einen computergesteuerten Parkscheingeber. Es ist nicht auszuschließen, dass es bei Konstruktion und Produktion Partnerfirmen (Joint Venture) gab.

Am Gerät war per Tastendruck die gewünschte Parkdauer auszuwählen, der Automat forderte daraufhin das Einwerfen der Münzen und druckte bei Erreichen des geforderten Betrags den Parkschein aus. Das Gerät konnte wahlweise mit oder ohne Geldrückgabe arbeiten. Das Gerät akzeptierte maximal fünf Münzsorten (geprüft auf Größe, Gewicht, Magnetismus und Prägung) und konnte drei Münzsorten als Wechselgeld zurückgeben. Um den Betrieb auch in der kalten Jahreszeit sicherzustellen, hatte das gerät eine Heizung eingebaut. Zur Bedienung bei Dunkelheit war die anzeige flutlicht-beleuchtet.

Welche Technik im Gerät verbaut wurde, war leider bislang nicht ermittelbar.

Ob der Parkscheingeber jemals produktiv eingesetzt wurde, ist unbekannt. Wenn, dann sicher nur in ganz kleiner Stückzahl.

Der Zella-Mehliser Parkscheingeber gilt heute als ausgestorben.


Programme zur Tourenplanung

Um möglichst zeit- und kraftstoff-optimal zu fahren war es sinnvoll, die Anfahrtreihenfolge bei komplexen Transporten (mit mehreren Anlieferungsstellen) entsprechend zu planen. Erste Programme dazu gab es für die ESER-Großrechner. In den 1980er Jahren waren dann auch Bürocomputer leistungsfähig genug, solche Aufgaben zu übernehmen.

Voraussetzung dafür war eine Datenbank, die die Strecken zwischen den einzelnen Anfahrtpunkten kannte. Grob konnte man diese aus Landkarten heraus ermitteln, die Protokollierung von echten Fahrten brachte aber wesentlich genauere Werte.


Mähdrescher-Bordcomputer

Informationen zu diesen landwirtschaftlichen Geräten gibt es auf einer eigenen Seite.


Kransteuercomputer

Mit der Möglichkeit des Einbaus in Autokränen entwickelte Robotron einen Steuerrechner, der die maximale Belastbarkeit des Krans ermittelte.
Informationen zu diesem Gerät gibt es auf einer eigenen Seite.


Einsatzbeispiele im Bahnverkehr

Informationssystem RISMU

Im Hafen von Mukran (nahe Saßnitz) wurde Mitte der 1980er Jahre ein Rechnersystem in Betrieb genommen, das eine automatisierte Waggonlogistik bei der Eisenbahn ermöglichen sollte. Es ging darum, vorort die Zusammenstellung der Waggons der Güterzüge zu erfassen und dann zentrale Planungen mit den Daten durchzuführen. Der Name RISMU stand für "Reiseinformationssystem Mukran".

Stationäranlage

In einem Rechenzentrum wurde dazu ein Kommerzieller Basisrechner A6402 betrieben, der mit einer stationären Funkstation gekoppelt war.

Mobilanlage

Bahnmitarbeiter trugen sowieso ein Sprechfunkgerät mit sich, damit lag es nahe, dieses gleich für eine drahtlose Übertragung von Daten zu benutzen. Dazu entwickelte das Wissenschaftlich-Technische Zentrum der Reichsbahn in Meinigen einen mobilen Computer. Das batteriegespeiste Gerät wurde an einem Riemen vor dem Bauch getragen und war mit dem Funkgerät (U700-Serie vom Funkwerk Köpenick) verbunden. Das Gerät besaß eine Folientastatur zur Eingabe und ein LCD-Display zur Ausgabe.


RISMU-Terminal

Prozessorkarte des RISMU-Terminals

Steuerkarte des RISMU-Terminals

Technisch war die Anlage ähnlich dem FOIS-System der Polizei aufgebaut, wenngleich hier geringere Distanzen überwunden werden mussten und damit der Störanteil geringer war.

Verbreitung / Verbleib

Wahrscheinlich war der Güterbahnhof in Mukran der einzige Bahnhof der DDR, wo dieses System eingesetzt wurde. Es stellte also eine Art Pilotprojekt dar. Mit dem Ende der DDR wurde das RISMU-System außer Betrieb genommen, genaue Informationen über die Außerbetriebnahme liegen leider nicht vor. Der A6402-Rechner samt seiner Funktechnik wurde vermutlich verschrottet. Von den Mobilgeräten haben bis heute zwei Exemplare überlebt. Mangels übriger Geräte ist an eine Wiederinbetriebnahme aber nicht zu denken.
Auch in der Bundesrepublik gab es in den 1980er Jahren ein ähnliches Pilotprojekt am Rangierbahnhof Seelze.


DDG2000

Im Jahr 1984 gab es eine Veröffentlichung in einer Zeitung zu einem funkgesteuerten Rechnersystem der Bahn namens DDG2000 (Datendialoggerät 2000), entwickelt im Zentralen Forschungsinstitut des Verkehrswesens der DDR. Das System bestand aus einer Basisstation DFK (Datenfunkkonzentrator) und bis zu 16 Datenfunkterminals DFT, die mit einer Geschwindigkeit von 1200 Baud kommunizierten. Eine konkrete Anwendung wurde nicht angegeben, stattdessen allgemein Transport- Umschlag- und Lagerprozesse aufgeführt.

Ob es sich bei diesem System im das in Mukran aufgebaute System handelt, konnte noch nicht nachgewiesen werden, es ist aber anzunehmen.


Rechnergestützte Wagenüberwachung RWÜ

Der Hafen in Rostock mochte dem in Mukran nicht nachstehen und entwickelte ebenfalls ein rechnergestütztes System.

Projekt RESEG

Das Projekt begann mit einer rechnergesteuerten Wageneingangserfassung namens RESEG. Dazu wurde als Zentralrechner ein Bürocomputer A5120 eingesetzt, der unter dem Betriebssystem SIOS lief und mit einem Lochbandleser gekoppelt war. Die Daten über die Waggons wurden dezentral auf Lochband gestanzt, zur Zentrale gebracht und in den A5120 eingelesen. Mangels Festplattenlaufwerk wurden die Daten auf Disketten abgelegt, was mit einigen Nachteilen verbunden war:

Projekt RWÜ

Ende der 1980er Jahre wurde die Technik wesentlich aufgerüstet: zwei Kommerzielle Basisrechner A6402 wurden angeschafft, die die oben genannten Nachteile der Diskettenlaufwerke überwanden und für gegenseitige Redundanz sorgten. Die Rechner liefen unter einem Echtzeitbetriebssystem (wahrscheinlich MOOS oder OMOS). Über Netzwerk (möglicherweise eine SCOM-LAN-Lösung) wurden mehrere Bürocomputer A5120 als Datenterminals angekoppelt.

Verbreitung / Verbleib

Bislang ist nur der Einsatz an dieser einen Stelle bekannt. Wahrscheinlich wurden alle Komponenten der Anlage in den 1990er Jahren verschrottet.


Rechnergestützte Dispatcherzentrale (RDZ/RZV)

Die Deutsche Reichsbahn hatte ein Interesse daran zu wissen, wie die aktuelle Lage auf dem Schienennetz war, um die Auslastung des Streckennetzes und ihrer Schienenfahrzeuge zu optimieren und Verspätungen zu vermeiden. Außerdem sollte der Energiebedarf durch optimale Nutzung der Loks gesenkt werden.

Traditionell wurde das so gemacht, dass Tagesfahrpläne von einer Zentrale geschrieben und an das Personal verteilt wurden, wann wo welcher Zug entlang fahren sollte. Das Personal auf denn Stellwerken per Wechselsprechanlage meldete, wann der Zug tatsächlich vorbei fuhr und ob es eventuelle Störungen gab. Außerdem wurden die Züge vom Stellwerkspersonal in Meldebücher geschrieben. Die Dispatcher-Zentrale notierte die Gespräche und benutzte die Informationen für weitere Planungen. Dieses Verfahren funktionierte durchaus, hatte aber den Nachteil, dass es relativ langsam war: Die Informationen in der Zentrale waren mindestens eine halbe Stunde alt, zeigten also eher einen Zustand der Vergangenheit anstatt die aktuelle Lage.

Mitte der 1980er Jahre wurde daher unter Leitung des "Zentralen Forschungsinstituts des Verkehrswesens" eine rechnergestützte Lösung entworfen, die quasi in eine Echtzeit-Bewertung der Lage ermöglichen sollte. Das System bestand aus einem Rechenzentrum, einem Dispatcherraum und einer Anzahl an über Fernleitungen angebundenen Melderechnern in den Stellwerken.


RDZ-Gleisbildanzeige auf einem Terminal

Eine aktive Beeinflussung des Fahrbetriebs war nicht vorgesehen, das System sollte also lediglich passiv Daten sammeln. Aus diesen Daten abgeleitete Entscheidungen wurden dann auf anderer Ebene getroffen.

Die Reichweite des Systems war zunächst nicht landesweit angesetzt, sondern bezirksweit. Es wurden ab 1984 mehrere solcher Systeme in Betrieb genommen: zunächst in Erfurt und Halle, später mehrere in Berlin, in Leipzig und Suhl. Die Bezirkssysteme wurden untereinander verbunden und konnten so an den Übergabepunkten automatisch Züge von einem Bezirk in den nächsten übernehmen. Wieviele Stellwerke von einem System verwalten werden konnten, ist nicht bekannt. Die RDZ in Halle hatte ca. 70 Stellwerke angeschlossen und deckte damit das Umland bis Köthen, Wittenberg, Leipzig, Bad Dürrenberg und Eisleben ab.

RDZ-Zentrale

Die Zentrale bestand aus zwei Teilen: einem Kleinrechenzentrum und einem (meist in einem anderen Gebäude befindlichen) Dispatcherarbeitsraum.

RDZ-Dispatcherraum

Hier arbeiteten: Im Vorfeld wurden im Dispatcherraum die Zugdaten in das System eingespeist (Zugnummer, Länge, Last, Achsen). Von den Stellwerken wurden dann Daten zurückgeliefert, die im Dispatcherraum visualisiert wurden.


Dispatcherraum (historische Aufnahme)

Anzeige auf einem Dispatcherbildschirm

Im Dispatcherraum befanden sich vier K1520-Rechner, die die Daten der zwei Kleinrechner des Rechenzentrums zu farbigen Monitorbildern aufbereiteten und diese den Mitarbeitern auf acht großen SONY-Bildschirmen zur Verfügung stellten. Die Informationsdarstellung auf den Bildschirmen erfolgte im Textmodus, entweder in Listenform oder als pseudografische Darstellung.

Bei den neueren RDZ-Anlagen (Bezirk Berlin) erfolgte eine Ablösung der importierten Technik durch DDR-Produkte: es wurde vom Einsatz von Robotron-Farbbildschirmen K7226, Schwarz-weiß-Bildschirmen K7222 sowie Druckern K6313 berichtet. In den 1990er Jahren wurden die Dispatcherarbeitsplätze durch westliche PCs ersetzt.

Zur Anlage gehörten mindestens zwei Drucker: einer für Abfragen/Statistikdrucke/Fahrplanaufbereitung und einer für den Belegblattdruck. Die beiden Drucker konnten sich im Fehlerfall gegenseitig ersetzen.

RDZ-Kleinrechenzentrum

Das Rechenzentrum war als typisch fensterloser Bau mit einem großen Hauptraum ausgeführt, mit schalldämmendender Wandverkleidung, Klimatisierung und Ständerfußboden zum Verbergen der Kabel. Die Belegschaft des Rechenzentrums bestand aus 10 Leuten, zuzüglich Wartungspersonal.


Arbeit in einem RDZ-Rechenzentrum

In den Bauunterlagen zur RDZ Halle war als Leitrechner der Robotron R4000 angegeben. Ob diese Angabe realistisch war oder nur der Tarnung diente, konnte bislang nicht bestätigt werden, denn in der Praxis kam dieser Rechner nicht zu Einsatz. Stattdessen wurden amerikanische PDP11/44-Rechner eingesetzt, die auf verschlungenen Wegen über Österreich in die DDR kamen, da solche Importe eigentlich durch das COCOM-Embargo blockiert wurden. Die Kosten dafür lagen bei über 1 Million D-Mark pro Rechenzentrum, das Ministerium für Staatssicherheit wickelte diesen Kauf ab. In der System-Dokumentation der Reichsbahn wurde jeder Hinweis auf den Hersteller der Rechner vermieden. Da das Rechenzentrum innerhalb der gesicherten Bezirksdirektion der Reichsbahn lag und nur einem sehr kleinen Personenkreis zugänglich war, hatte man allerdings darauf verzichtet, die Typenschilder an den Geräten zu entfernen.


RDZ-Doppelrechner

RDZ-Doppelrechner

rückseitige Kabel der Leitrechner

Notfall-Umschaltvorrichtung

Aus Sicherheitsgründen war der Leitrechner doppelt ausgeführt und schaltete im Fall eines Rechnerausfalls automatisch auf das Schwestergerät um. Ein dritter Rechner stand für Testzwecke zur Verfügung. Am Leitrechner waren mehrere Terminals mit Schwarzweiß-Bildschirmen (westliche Geräte des Typs CIT101) angekoppelt. Die Software für die PDP-Rechner befand sich auf 14-Zoll-Wechselplatten; jedem Rechner waren drei Wechselplattenlaufwerke zugeordnet.

Mehrere Schränke waren mit Übertragungsgeräten gefüllt und für die Anbindung der Stellwerke zuständig. Dieses System nannte sich VWT72, war ebenfalls doppelt ausgeführt und mit automatischen Umschalteinrichtungen versehen. Das Übertragungsverfahren zu den Stellwerken basierte auf Fernschreibertechnologie, konnte außer mit einfachen Stromschleifen auch über Trägerfrequenztechnik erfolgen. Letzteres ermögliche die Nutzung einer Leitung für gleich mehrere Stellwerke, was beim sternförmigen Aufbau des Netzes den Bedarf an Kabeln reduzierte.

Außerhalb des aktiven Betriebs gab es im Rechenzentrum noch einen Programmierrechner (zum Erstellen der EPROMs für die Stellwerke), ein IEG für Diagnosezwecke sowie einen K1520-Rechner, der für Prüfzwecke den PDP-Leitrechner emulieren konnte.


Ein VWT72-Schrank

Programmierrechner

Das Anfahren der Anlage wurde durch das Wartungspersonal gemacht. Lief die Anlage stabil, wurde die Bedienung an die Dispatcher übergeben.

Zur Kopplung mit den anderen RDZ-Rechenzentren wurden zu späterer Zeit VAX-Rechner nachgerüstet, die das DECnet auf TCP/IP umsetzten und dieses über spezielle Übertragungsschränke mit den Fernleitungen verbanden.

RDZ-Informationserfassungsanlage

Auf jedem Stellwerk befand sich ein Rechner (Informationserfassungsgerät IEG), der die Informationen des eigenen Stellwerks sammelte und per Fernleitung an das Rechenzentrum schickte. Zunächst wurde hierzu ein modifiziertes PBT4000 von Robotron und kurz darauf ein auf die Belange der Reichsbahn zugeschnittener K1510-OEM-Rechner benutzt, bei noch späteren Systemen übernahmen ein ebenso bahn-spezifischer K1520-OEM-Rechner diese Funktion. Manchmal wurden diese Rechner in den Aufenthaltsräumen der Stellwerke aufgestellt, manchmal in separaten Räumen.


Typischer Stellwerksbau

IEG-Tastatur, IEG-Bildschirm und Bediengerät der Zugfunkanlage

Unscheinbarer Würfel: der IEG-Rechner

IEG-Tastaturen

Übertragungseinheit VWT6

K1510-IEG-Rechner

Rückseite des K1510-IEG-Rechners

ausgebautes K1510-IEG-Rack

Es gab vier Varianten der IEG: Platinenbestückung des K1510-IEG:
NameKürzelFunktion
K2511ZVEProzessorkarte, Teil 1
K2011ZVEProzessorkarte, Teil 2
K3810PFS4 KByte-ROM-Karte (1-3 Stück)
K8512OSS4 KByte-RAM-Karte
K2012EZUEchtzeituhr
6521.026-01384AFMBahn-spezifische Karte zur Fernverbindung (max. 2 Stück)
K7013ATATastaturcontroller
K7010ABSBildschirmkarte
6521.026-01385DATIBahn-spezifische Karte zur Fernverbindung
K9212.02DEIDigitale Eingabekarte, 16 Bit zum Anschluss der örtlichen Prozesssignale (max. 12 Stück)


Über die digitalen Eingabebaugruppen wertete der Rechner die Stellung der Weichen und Signale und die Strecken-Freimeldeanlage aus, weitere Informationen konnten über die Tastatur eingegeben werden. Anschließend wurden die Informationen über die Fernschreibschnittstelle des Rechners an ein externes Gerät namens VWT6 (das Trägerfrequenztechnik beinhaltete und die Nutzung derselben Fernleitung für gleich mehrere Stellwerke ermöglichte) ausgegeben, woraufhin die Informationen dann in Richtung Rechenzentrum geschickt wurden. Weiterhin befanden sich in dem schrankartigen IEG-Rechner ein TMF-Einschub, der einen direkten automatischen Datenaustausch mit den Nachbar-Stellwerken ermöglichte (z.B. zur Anbindung eines kleineren benachbarten Stellwerkes ohne eigenes IEG), außerdem natürlich die Stromversorgungsmodule.

Zum IEG-Rechner gehörten ein Bildschirm ANA und eine bahnspezifische Tastatur, weiterhin ein oder zwei Anschlussgeräte VTW72 zur Fernverbindung mit der Zentrale.


Offener IEG-Rechner

Da die Zugnummern und die Durchfahrtreihenfolge in der Zentrale vorlagen, war eine Zug-Identifizierung in den Stellwerken nicht notwendig.

Hatte ein Zug einen Bahnhof verlassen, machte er beim nächsten Stellwerk über das TMF automatisch mit einen Signalton auf sich aufmerksam.

Verbleib

RDZ-Anlagen waren eine lange Zeit in Betrieb: sie überlebten auch die Auflösung der DDR und den Übergang zur Deutschen Bahn. Die Anlage auf dem Bahnhof Halle war bis Januar 2015 (also 31 Jahre lang!) im produktiven Einsatz. Um die Anlage am Leben zu halten, war geschultes internes Wartungspersonal notwendig, denn außerhalb der Reichsbahn war diese Generation an Rechentechnik kaum noch anzutreffen. Bis 2016 wurde das System in Halle noch nicht-produktiv weiter betrieben (Verbindungen getrennt, Rechner liefen noch), dann wurde es ausgemustert und durch neue Technik (LeiBIT-System) ersetzt.
Ein Teil der Geräte des Systems wird seitdem im Rechenwerk Computermuseum Halle ausgestellt, einige Geräte gingen an das Bahnmuseum Halle.
Über das Schicksal der Anlagen in Erfurt und Berlin ist bislang nichts bekannt. Vermutlich wurden sie bereits verschrottet und durch neue Systeme ersetzt.


Mikrorechnergesteuerte Halbschrankenanlage

Schrankenanlagen wurden in der DDR meist mit einfacher Relaistechnik gesteuert. Ende der 1980er Jahre bildete sich auch hier die Idee heraus, die Steuerung künftig durch Computer vornehmen zu lassen. Ein Prototyp wurde dazu unter Beteiligung der TU Dresden gebaut. Da man dem Computer nicht recht traute und die ganze Sache durchaus sicherheitskritisch war, ließ man den Prototyp der Computersteuerung probeweise parallel zur herkömmlichen Schrankentechnik laufen, um nachzuweisen, dass er sich identisch verhielt. Über diesen Betriebsversuch hinaus ist es nicht gekommen.

Die computergesteuerte Schrankenanlage gilt heute als ausgestorben.


Elektronische Platzkartenreservierung EPLA

Informationen zu diesem bei der Deutschen Reichsbahn benutzen System gibt es auf einer separaten Seite.


Mikrorechnergesteuerter Schalterdrucker MSD

Informationen zu diesem bei der Deutschen Reichsbahn benutzen System gibt es auf einer separaten Seite.


Fahrkartenautomat MFA

Informationen zu diesem bei der Deutschen Reichsbahn benutzen Gerät gibt es auf einer separaten Seite.


Einsatzbeispiele in der Seefahrt

Ladungscomputer LC80

(Alias Ladungsrechner, LC 80, LC-80)

(nicht zu verwechseln mit dem namensgleichen Lerncomputer LC80)
Der LC80 war ein von der Neuererabteilung der "Deutschen Seefahrtreederei" in Rostock Marienehe entwickelter Computer zur Berechnung der optimalen Position von Fracht auf Schiffen. Damit ein Schiff stabil im Wasser liegt, muss die Fracht so angeordnet sein (Trimmung), dass das Schiff keine Neigung hat .

Anfangs wurden dies per Hand auf Papier, später per Taschenrechner ermittelt. In den 1980er Jahren ersann man dann eine computergestützte Lösung dafür.

Der Rechner hatte kein Gehäuse und war in einem Gestell, ähnlich des K1520-Käfigs, am Schreibtisch des Ladungsoffiziers (Chiefmate) angebaut. Die Platinen waren vermutlich auf dem NANOS-System aufgebaut, hatten zumindest eine ähnliche Größe. Die Tastatur war eine einfache Matrix aus grünen Tasten mit den Zahlen 0-9, Enter und Löschen. Die Anzeige erfolgte auf einem mit grünen LED-VQAs bestückten Display, das dreizeilig (X-, Y- und Z-Achse) war und die Lagewerte und die entsprechende Tonnage des jeweiligen Ladungsteiles angezeigte. Einige Bauteile für den Rechner wurden von Robotron zugeliefert.

Der LC80 war wahrscheinlich nur nur auf älteren Stückgutschiffen im Einsatz. Bei den Containerschiffen erfolgte die Beladung samt Ladungsberechnung von Land aus und die Stabilitätsberechnungen wurden nur noch an Bord überprüft, aber nicht mehr selbständig berechnet.

Die Stabilität der Schiffe wird auch heute noch auf gleiche Weise errechnet, indem man für jedes Ladungsteil - heute Container - die Tonnage und die Lage im Schiff (X-, Y- und Z-Wert, entsprechend Länge, Breite und Höhe vom Schiffsmittelpunkt entfernt) angibt. Bei Containern ist das relativ einfach.

Der LC80 lief nicht sehr stabil und stürzte des Öfteren ab. Daher hatten sich die Chiefmates meistens nicht auf den Rechner verlassen und alles noch einmal per Hand nachgerechnet. Dem LC80 war damit keine größere Verbreitung beschieden: nach ca. 100 produzierten Exemplaren wurde die Herstellung eingestellt. Die LC80 waren vermutlich bis Ende der 1980er Jahre im produktiven Einsatz und wurden dann ausgemustert und verschrottet.

Heute gilt der LC80 gilt als ausgestorben.
Hat irgendwo so ein Gerät überlebt oder hat ein Foto davon?



Letzte Änderung dieser Seite: 23.01.2017Herkunft: www.robotrontechnik.de