K1600-Computer

(Alias K 1600-Computer, A6400, A 6400, A-6400, K 1600, K-1600)

K1600 war ein Busstandard, der für größere Rechner verwendet und 1981 von Robotron erstellt wurde.
K1600-Computer wurden in der Industrie als Steuerrechner für komplexe Aufgaben, für die Bildbearbeitung sowie als CAD-Station eingesetzt. Ebenso sind Anwendungen zur Platzreservierung in größeren Hotels, als zentraler Steuerrechner für Ampelanlagen im Verkehrswesen sowie als Datenarchivsystem bekannt.

Die K1600-Computer wurden im damaligen Sprachgebrauch als Kleinrechner bezeichnet. Sie gehörten zum System der Kleinrechner (SKR), einen in Osteuropa verbreiteten Anschlussstandard. Er schaffte die Voraussetzung für eine Kopplung mit anderen Komponenten aus diesen Ländern.

Die kleinsten K1600-Rechner waren als Auftischgeräte oder kleine Sitzarbeitsplätze ausgeführt, die größeren Rechner reichten von 1-Schrank-Konfigurationen bis hin zu zimmergroßen Mehrschrank-Konfigurationen (8 Schänke).

Die Rechner waren modular aufgebaut: Ein Schrank bestand aus mehreren mit Kabeln verbundenen Einschüben (z.B. Prozessor, Controller, Bandlaufwerk, Disketteneinheit, Lochbandeinheit, Festplatte, Wechselplatte,...). Prozessor und Controller wiederum waren aus einzelnen Leiterplatten aufgebaut, die (ähnlich wie K1520-Platinen) über zwei indirekte Steckverbinder in eine Backplane gesteckt wurden. Die Auswahl der Leiterplatten konnte dabei entsprechend den Kundenwünschen angepasst werden.

Die Busbreite der K1600-Familie betrug 16 Bit. Die Prozessoreinheit kannte 400 Befehle und benutzte 20 Register. Als Prozessor kam der IC U830 zum Einsatz, einer nur in der DDR existierenden Prozessorgeneration, die nach den K1600-Rechnern nicht weiterentwickelt wurde. Der U830 arbeitete nicht nach einem festen Zeitraster, sondern handshakeorientiert.

Einen direkten Bildschirm- oder Tastaturanschluss hatten die K1600-Rechner nicht. Stattdessen wurde mit einem oder mehreren Terminals (z.B. K8911, K8912, K8913, K8917) gearbeitet.

Rechnerarten

(Alias Robotron A 6401, KRS6401, KRS 6401, Robotron A 6402, KRS6402, KRS 6402, A 6421, A 6422, A 6454, A 6471, A 6472, A 6473, A 6491, A 6492)

Zur Klasse der K1600-Rechner gehörten:

Konstruktionsarbeitsplatz A6454

K1600-Rechner wurden u.a. als zentrale Steuerrechner für Verkehrsampelanlagen zur Realisierung des "Grüne-Welle"-Fahrens benutzt.

Unter dem K1600-Standard wurden zwei Rechnerfamilien realisiert, die sich im wesentlichen in der Speichergröße unterschieden: K1620 und K1630.


Mikrorechner K1620

(Alias K 1620, K-1620, CM1620, CM 1620, CM-1620)

Die K1620-Computer, deren Produktion 1981 begann, stellten das Grundsystem für kleine Leistungen dar und basierten auf der Prozessoreinheit K2662. Sie wurden in den Rechneranlagen A6401, A6471, A6472, A6473 und A6491 benutzt. Der Speicher konnte maximal 32 kWorte (64 KByte) betragen. Der Rechner wurde nur für Singletask-Anwendungen benutzt.
Ein Anwendungsgebiet der K1620-Rechner war die Datenerfassung.


Der A6401, ein Beispiel für einen K1620-Rechner

Das Bildbearbeitungssystem A6471, ebenfalls ein K1620-Rechner

K1620-Einschub

K1620-Prozessor-Einschub, geöffnet

Meist waren die K1620-Rechner in tisch-hohe Halbschränke eingebaut, es gab aber auch Einbauten in große Schränke. Charakteristisch für die K1620-Rechner war die Existenz von nur zwei CPU-Schaltkreisen auf der Prozessorkarte.


K1620-Prozessorkarte

Grundsätzlich scheinen K1620-Rechner seltener gewesen zu sein als K1630-Rechner. Bis heute hat anscheinend nur 1 Exemplar K1620 überlebt.


Mikrorechner K1630

(Alias K 1630, K-1630, CM1630, CM 1630), CM-1630

Die K1630-Rechner waren gegenüber den K1620-Rechnern erheblich leistungsfähiger und wurden ab 1982 produziert. Sie wurden in den Rechneranlagen A6402, A6422, und A6492 benutzt.
Sie basierten auf der ZVE K2623, die in Verbindung mit der Speichervermittlungseinheit K2061 multitaskingfähig war. Außerdem wurde die Rechenleistung durch eine Koprozessoreinheit K2062 erhöht.
Der maximale Speicher betrug 128 kWorte (256 KByte), die Verarbeitungsgeschwindigkeit wurde mit 100.000 Operationen pro Sekunde angegeben.


4-Schrank-K1630.

1-Schrank-K1630.

K1630-Rechner in 2-Schrank-Variante

Prozessoreinheit K2623

Charakteristisch für die K1630-Rechner war die Existenz von vier CPU-Schaltkreisen auf der Prozessorkarte.


K1630-Prozessorkarte

Arbeit am A6402

K1630-Terminal

Mechanisch bestand die Prozessoreinheit aus zwei 19-Zoll-Einschüben, die über Flachbandkabel verbunden waren und die über Rollmechaniken bei Servicearbeiten nach vorn gezogen werden konnten. Um ein Verfitzen der Kabel beim Herausziehen der Einheit zu verhindern, waren die Kabel auf einer Scharniermechanik befestigt.


Speichervermittlungseinheit K2061

(Alias K 2061, K-2061)

Sie hatte folgende Aufgaben:

Koprozessoreinheit K2062

(Alias K 2062, K-2062)

Sie hatte folgende Aufgaben:

mechanischer Aufbau

Die Baugruppen des K1600-Systems bzw. des SKR waren als 19-Zoll-Einschübe ausgeführt, die häufig über Rollmechaniken bei Servicearbeiten ein Stück nach vorn aus den Schränken gezogen werden konnten. Sie wurden meist in Hauptschränke mit 600x1600x800 mm Abmessungen (Leergewicht 100 kg), seltener auch in Beistellschränke mit 600x730x800m (Leergewicht 80 kg) eingebaut. Der Grundaufbau aller Schränke war gleich: Die Temperatur der Lüfter sowie das Verhalten der Stromversorgungsmodule konnte von der Prozessoreinheit überwacht werden und ggf. eine entsprechende Aktion ausgelöst werden (z.B. RESET).

Um eine Verkabelung zwischen den Geräten zu ermöglichen, besaßen die Schrank-Trennwände Durchbrüche. Für entfernt stehende Geräte oder Schränke konnte die Verkabelung auch durch Durchbrüche in den Schrankböden gefädelt werden.


Zubehör

Robotron sowie die anderen Ostblockstaaten lieferte ein weites Spektrum an peripheren Geräten:

Magnetbandlaufwerk CM5300.01

Festplatte. Unten links im Vergleich eine moderne Festplatte

Es existierte Koppeleinheiten, um zwei K1600-Rechner zu verbinden (K4161) sowie zur Kopplung von K1600 mit K1520 (K6561). Über eine speziellen Controllereinschub namens "C-RES" konnten außerdem Baugruppen des westlichen PDP11-Rechners (mit DEC UNIBUS) benutzt werden.

R4000-Emulator

Von der Ingenieurhochschule Dresden (später als Teil der TU Dresden) wurde ein Emulator entwickelt, um die Software des R4000-Rechners auf den K1630-Rechnern betreiben zu können. Der Emulator bestand aus einigen Leiterplatten, die die R4000-Rechnerhardware nachbildeten sowie einem Softwarepaket (Magnetband). Der Emulator bildetet alle Befehle des R4000-Prozessors nach sowie einige zusätzliche Befehle zur Erleichterung der Ansteuerung der K1630-Peripherie. Die Magnettrommel des R4000 wurde auf der CM5400-Wechselplatte nachgebildet, die ISOT1370-Wechselplatten des R4000 ebenfalls auf der CM5400, wobei aber auch originale R4000-Wechselplatten eingesetzt werden konnten.

Zum Betrieb des Emulators wurde der K1630-Rechner zunächst normal gebootet. Durch den Lüfterausfall-Interrupt wurde dann der K1630-Prozessor softwaregesteuert totgelegt und der Emulatorprozessor gestartet. Parallele Arbeit der Prozessoren oder ein Rücksprung zum K1630-Prozessor waren also nicht möglich.

Herzstück der Hardware war ein sowjetischer Prozessorschaltkreis, ein Nachbau des Intel 3000. Die Verarbeitungsgeschwindigkeit des Emulator war sogar größer als die des eigentlichen K1630-Rechners. Und dies, obwohl er nur mit 10 MHz getaktet wurde und eigentlich mit 20 MHz arbeiten könnte. Mangels hinreichend schneller EPROMs musste die Verarbeitungsgeschwindigkeit allerdings herabgesetzt werden.

Die Erkenntnisse aus der Entwicklung des Emulationsprozessors wurden an der TU Dresden später in der Konstruktion eines "Sprachenrechners", also eines Rechners, der auf Hardwareebene eine Programmiersprache (im konkreten Fall die Sprache PASCAL) unterstützt, benutzt. Diese Entwicklung verlief dann aber im Sande.

Software

Anwenderprogrammseitig waren die K1600-Rechner kompatibel mit dem westlichen PDP11-Rechner, was in Hinblick auf geplante Exporte sowie Nutzung westlicher Software sinnvoll war.

Für die K1600-Rechner gab es fünf Betriebssysteme: MOOS, OMOS, LAOS, MUTOS und OS/RW.


Betriebssystem LAOS1600

(Alias LAOS 1600, LAOS 1630, LAOS1630)

LAOS (Laborautomatisierung Operationssystem) wurde für Labor- und Prüffeld-Automatisierung eingesetzt.

Heute gilt das System als ausgestorben.
Besitzt jemand einen Datenträger mit LAOS 1600?


Betriebssystem MOOS1600

(Alias MOOS 1600, MOOS 1630, MOOS1630, MOEX1600, MOEX 1600, MOEX-1600, MOEX1630, MOEX 1630, MOEX-1630)

MOOS (Modulares Operationssystem) war wahrscheinlich das verbreitetste System für K1600-Rechner und wurde benutzt für Nachfolger von MOOS war das modulare OMOS.
Besitzt jemand einen Datenträger mit MOOS 1600?


Betriebssystem OMOS 1600

(Alias OMOS 1600, OMOS 1630, OMOS1630, OMEX1600, OMEX 1600, OMEX-1600, OMEX1630, EIEX 1630, OMEX-1630)

(OMOS=Optimiertes Modulares Operationssystem)
OMOS stellte den Nachfolger von MOOS dar, zu dem es programmseitig kompatibel war. Gegenüber dem monolithischem MOOS hatte OMOS einen Kernel, der beim Booten Treiber laden konnte. Außerdem waren die Multitasking- und Speicherfunktion verbessert.

Als Entwickler des Systems wurde der VEB Robotron-Vertrieb Berlin angegeben, die Auslieferung begann Ende 1988.
Besitzt jemand einen Datenträger mit OMOS 1600?


Betriebssystem OS/RW

Auch bei diesem System scheint es sich um eine verbesserte Variante des Systems MOOS zu handeln. Im Gegensatz zu MOOS und OMOS wurde OS/RW im Quelltext ausgeliefert und konnten von den Anwendern entsprechend ihrer Anforderungen compiliert werden. OS/RW war anscheinend eine Gemeinschaftsentwicklung mehrerer Ostblockstaaten und lief auch auf anderen Rechnern.
Besitzt jemand einen Datenträger mit OS/RW?


Betriebssystem MUTOS1600

(Alias MUTOS 1600, MUTOS 1630, MUTOS1630)

MUTOS1600 war ein Betriebssystem, das die Arbeit von mehreren Nutzern und mehreren Prozessen nach dem UNIX-Standard ermöglichte.

Die Anwendersoftware wurde in vorgefertigten Modulen vertrieben. so gab es z.B. Heute gilt MUTOS 1600 als ausgestorben.
Besitzt jemand einen Datenträger mit MUTOS 1600?


Anwenderprogramme

Ein Teil der Anwendersoftware wurde von Robotron entwickelt bzw. vertrieben. Da zu gehörten die folgenden Programme, eine vollständige Liste gibt es leider nicht.

Verbreitung

Von den K1600-Rechnern wurden ca. 2000 Exemplare hergestellt, eine recht kleine Zahl im Vergleich z.B. zu den Bürocomputern. Heute ist noch die Existenz von fünf Anlagen K1630 bekannt, leider alle in defektem Zustand. Eine davon stammt aus dem Kraftwerk Thierbach und wird derzeit im Rechenwerk Computermuseum Halle wieder repariert. Die anderen befinden sich in den Technischen Sammlungen Dresden, im Zusemuseum Hoyerswerda, in der Rechentechniksammlung der Uni Greifswald und in der Berufsakademie Bautzen.
Vom K1620 ist heute nur noch 1 Exemplar bekannt. Es befindet sich in den Technischen Sammlungen Dresden.



Letzte Änderung dieser Seite: 03.01.2017Herkunft: www.robotrontechnik.de