Fernschreiber

Auch wenn Fernschreiber nicht direkt zur Rechentechnik zählen, sollen sie hier als verwandte Geräte erwähnt werden.

Fernschreiber (auch als "Telex-Geräte" bezeichnet) dienten der Übermittlung von geschriebenem Text über große Entfernungen. Als Übertragungsmedium kamen entweder spezielle Postleitungen (Standleitungen, Wählleitungen) oder Funkverbindungen zum Einsatz. Somit kann man Fernschreiber als den ältesten Vorläufer der Netzwerktechnik ansehen.

Historischer Vorgänger war der Morsetelegraf, der 1832 erfunden wurde. Bei ihm wurden mit einer Morsetaste die Zeichen gesendet, durch ein Kabel zur anderen Station übertragen und dort durch einen elektrisch bewegbaren Stift auf einen Papierstreifen geschrieben. Nachteilig an dem Verfahren war, dass Absender und Empfänger das Morsealphabet kennen mussten.

Dieses Problem umgeht der Fernschreiber. Er besteht senderseitig aus einer Schreibmaschinentastatur, über die der Text eingegeben wird. Eine Codiereinrichtung wandelt die Buchstaben dann in serielle Daten um und schickt sie nach entsprechender Pegelanpassung auf die Fernleitung bzw. die Funkstrecke. Auf der Empfängerseite ordnet eine Decodiereinrichtung den Datenwörtern wieder Buchstaben zu und gibt diese über ein Druckwerk aus. Als Druckwerk wurden anfangs elektrisch angetriebene Typenkorb-Schreibmaschinen verwendet, später ging man zu Nadel- oder Typenraddruckwerken über. Anfangs erfolgte die Ausgabe einzeilig auf Papierbändern, die im Anschluss zerschnitten und aufgeklebt wurde. Modernere Geräte realisierten stattdessen eine Ausgabe auf normales Büropapier.

Der erste Fernschreiber wurde vermutlich 1854 in den USA hergestellt. Mit der Verbreitung der Schreibmaschinentechnik Anfang des 20. Jahrhunderts erfolgte weltweit der Siegeszug des mechanischen Fernschreibers. Mit der Erfindung der Halbleitertechnik hielt dann die Elektronik ab den 1960er Jahren auch bei den Fernschreibern Einzug. Zusätzliche Funktionen, wie das Speichern von Texten oder die Ausgabe auf Bildschirmen, wurden möglich. Seit den 1990er Jahren und dem Aufkommen des Internets verschwanden die Fernschreiber zunehmend aus den Betrieben. Heute werden Fernschreiber kaum noch eingesetzt und sind durch modernere Verfahren, wie Telefax und Email ersetzt. In einigen Ländern existieren aber auch heute noch Fernschreibnetze.

Um die Leitungskosten zu senken, arbeiteten die meisten Fernschreiber indirekt: Bei älteren Geräten wurde dazu senderseitig der Text zunächst offline auf ein Lochband gestanzt und dieses anschließend mit Höchstgeschwindigkeit mit Hilfe eines Lochbandlesers gesendet. Modernere Geräte realisierten diese Funktion durch einen elektronischen Buchstabenspeicher.

Die Auswahl des Fernschreibpartners erfolgte bei der drahtgebundenen Telegrafie durch Anwahl einer Rufnummer (wie bei einer Telefonnummer) unter Zuhilfenahme eines sog. Fernschaltgerätes. Bei Standleitungen und bei Funkverbindungen entfiel dieser Schritt. Um zu prüfen, ob man mit dem richtigen Fernschreibpartner verbunden wurde, konnte von der Gegenstelle eine eindeutige Gerätekennung abgefragt werden.

Von einigen Fernschreibern gab es abgerüstete Varianten, die weder eine Tastatur noch ein Lochbandgerät hatten und als "Empfangsfernschreiber" bezeichnet wurden. Ihr ursprünglicher Einsatzzweck war der Empfang von Fernschreiben (z.B. Wettertelegrammen), ohne dass mit diesen Geräten Antworten gesendet werden konnten. Diese Geräte eigneten sich aber auch als Drucker an Computern. Da die Bestellungen an Druckern in der DDR kontingentiert waren und die rare und teuren Robotron-Drucker natürlich bevorzugt von Robotron für seine eigenen Rechner eingesetzt wurden, waren die Empfangsfernschreiber besonders für die anderen DDR-Computerhersteller (z.B. MEB und Numerik) die oft einzige Möglichkeit, an Drucker zu kommen.


Empfangsfernschreiber F1100

Dieses Gerät wurde vom VEB Messgerätewerk Zwönitz entwickelt und u.a. als Drucker am Computer PRG600 eingesetzt.
Neben der Nur-Empfangs-Variante gab es den F1100 auch als vollwertigen Fernschreiber mit Sende- und Empfangsfunktion, der dann durch das Vorhandensein von Tastatur und Lochbandtechnik gekennzeichnet war. Der F1100 war speziell für den zivilen Einsatz vorgesehen, die militärische Variante nannte sich F1300.


Empfangsfernschreiber F1100

Rückseite des Gerätes

Unterseite des F1100

Unterseite des Gerätes, Bodenplatte abgenommen.

Geöffneter F1100, Ansicht von vorn

Geöffneter F1100, Ansicht von oben

Innenansicht von hinten. In der Mitte die Zähluhr.

Detailaufnahme der Platinen.

Der F1100 bedruckte A4-Rollenpapier, die Papierrolle wurde in eine Aussparung des Gehäuses eingelegt und nach dem Druck an einer Abreißkante abgerissen. Zum Einlegen des Papiers war der rechts neben der Druckwalze befindliche Knopf zu drücken und nach hinten zu schieben. Dadurch schwenkten die Papierandruckrollen ab und der Papierendestift versenkte sich in einer Aussparung.

An der Geräte-Oberseite befanden sich der Online/Offline-Schalter samt zugehöriger Offline-Anzeige-LED, ein Umschalter für den Zeilenabstand, ein Umschalter für die Übertragungsgeschwindigkeit (50, 75 oder 100 Baud, wobei als Computerdrucker immer 100 Baud benutzt wurden) und ein Umschalter für die Nadelanschlagstärke. Weiterhin befand sich eine grüne LED an der Gerätevorderseite, die die Bereitschaft des Gerätes zur Entgegennahme eines Druckzeichens signalisierte und im Offline-Zustand oder im Stand-By-Zustand erlosch. War das Papier zu ende, ging der Drucker automatisch in den Offline-Zustand.

Wurden ca. 1 Minute lang keine Druckzeichen gesendet, ging der F1100 in den StandBy-Modus (Stromsparmodus), bei dem das Hauptnetzteil abgeschaltet wurde und nur ein kleines Netzteil und die Zeichenempfangselektronik aktiv blieben. Mit dem nächsten eintreffenden Druckzeichen (unter der Voraussetzung, dass der Drucker nicht offline war) erwachte der F1100 wieder automatisch.

Inwendig war das Gerät aufwändig gebaut: Zehn in eine Sloteinheit gesteckte Leiterplatten mit einer Unzahl niedrigintegrierter Schaltkreise darauf. Einen Mikroprozessor hatte das Gerät noch nicht. Um ein Verdrehen oder Falschstecken der Platinen zu vermeiden, befanden sich an unterschiedlichen Stellen der Anschlusskämme Kerben, in die entsprechende Kodierbrücken in den Gegensteckern ragten.

Das Druckwerk des F1100 war genauso aufgebaut wie das des F1200: Beim Rechtslauf des Druckkopfes wurde eine Feder aufgezogen, die nach Auslösung einer elektromagnetischen Kupplung den Druckkopf im freien Flug zurück schickte, an dessen Ende er mit einer Impulsbremse aufgefangen wurde. Ähnlich wie die Typenraddrucker wartet der F1100 mit dem Druck nicht erst, bis alle Zeichen einer Zeile empfangen waren, sondern druckte sofort Zeichen für Zeichen. Mittels eines besonderen Steuerzeichens konnte eine automatische Sichtbarmachung der letzten Zeichen (Vermeidung der Verdeckung des Textes durch den Druckkopf) bewirkt werden: sobald keine Zeichen empfangen wurden, rollte das Papier ein Stück heraus; wurden wieder Zeichen empfangen, wurde das Papier wieder zurückgezogen.

Wie alle Fernschreiber besaß der F1100 das standardisierte Fernschreibinterface, auf einem ADo8-Stecker endend. Konnte der Drucker keine Zeichen entgegennehmen (weil er im Offlinemodus war, z.B. wegen fehlenden Papiers), druckte der Rechner weiter ins Leere, da der Drucker über keine Antwortmöglichkeit verfügte. Der F1100 besaß die Anschlussmöglichkeit für eine externen Klingel zur Signalisierung der eintreffenden Daten bzw. des eintreffenden Fernschreibens.


F1100 als Vollgerät mit Lochbandleser und Tastatur

Beim F1100 scheint sich um den Vorgänger des F1200 zu handeln.
Von der Empfangsfernschreiber-Version existiert heute vermutlich nur noch 1 Exemplar, dieses zum Glück in funktionsfähigem Zustand.


Empfangsfernschreiber F1200

Dieses seltene Gerät wurde vom VEB Messgerätewerk Zwönitz entwickelt und 1979 der Öffentlichkeit vorgestellt. Es diente hauptsächlich zum Empfangen von Telegrammen, wurde jedoch auch vereinzelt als Computerdrucker eingesetzt, so z.B. in der Bauform mit Gehäuse am Messcomputer PSA1305 sowie an den Rechnern der PRG-Serie und in der Einbauvariante im Fahrkartenautomat MFA. Bei letzterem allerdings ohne eigene Elektronik (die Nadeln wurden direkt vom Rechner aus angesteuert).

Bei Benutzung als Fernschreiber sollte der F1200 Einsatz finden: Die Nutzung eines Nur-Empfangs-Fernschreibgeräts hatte neben der Materialkosten-Ersparnis noch einen weiteren Grund: Der Einsatz von Technologien, die unkontrollierten Informationsaustausch ermöglichten, sollten in der DDR nach Möglichkeit gering gehalten werden. Befürchtete die Regierung doch, dass mit Hilfe solcher Geräte zu staatsfeindlichen Aktionen aufgerufen werden könnte.


Empfangsfernschreiber F1200

Rückansicht des F1200

Innenansicht des F1200

Innenansicht des F1200

Der F1200 hatte ein 8-Nadel-Druckwerk (ein Buchstabe wurde aus 5x7 oder 5x8 Nadelpunkten gebildet) und bedruckte Rollenpapier mit einer Breite von DIN A4. Die Papiervorratsrolle befand sich verdeckt in dem äußerst kompakten Gehäuse. Die Kante der vorderen Abdeckung diente dem Abreißen des bedruckten Papiers.


Druckbild des F1200

Der F1200 besaß einen sehr leichten Druckkopf. Außerdem wurden die Farbbandspulen (Schreibmaschinenbänder) nicht mit dem Druckkopf zusammen bewegt. Durch diese Gewichtseinsparungen könnte der F1200 eine recht große Geschwindigkeit erreichen, obwohl er die beim Betrieb als Fernschreiber (400, 600 oder 800 Zeichen / Minute, also max. 13 Zeichen / Sekunde) eigentlich nicht brauchte.
Innerhalb der Zeile arbeitete der F1200 im Einzelzeichenmodus (jedes ankommende Zeichen wurde sofort ausgedruckt). Wegen der langsamen Datenübertragung musste das Druckwerk demzufolge nach jedem Buchstaben warten (Start-Stop-Betrieb).

Druckgeräusch

Da in der Fernschreibübertragung keine Wartezeit für den Wagenrücklauf eingeplant ist (ursprünglich druckten Fernschreiber auf Endlos-Papierbänder), pufferte der F1200 die während des Wagenrücklaufs verpassten Buchstaben im Speicher und druckte diese im Anschluss mit Höchstgeschwindigkeit. Nach wenigen Buchstaben hatte der F1200 den Datenstrom wieder eingeholt und ging zurück in den Start-Stop-Betrieb.

Interessant ist beim F1200 die Bewegung des Druckwagens: Während des Drucks (Druckkopfbewegung von Links nach rechts) wurde eine Spiralfeder gespannt. War der Druckwagen rechts angekommen oder wurde ein Zeilenumbruch-Kommando empfangen, wurde über eine magnetisch gesteuerte Kupplung der Druckwagen vom Motor getrennt und der Druckwagen bewegte sich durch die in der Spiralfeder gespeicherte Energie im freien Lauf zurück nach links. Dort wurde der Kopfmotor wieder eingekuppelt und die nächste Zeile konnte gedruckt werden.

Durch die hohe Druckkopf-Rücklauf-Geschwindigkeit wäre ein ungebremstes Anschlagen am Zeilenanfang zerstörerisch für den Druckkopf. Um dem Druckkopf die Bewegungsenergie zu nehmen, gab es daher eine drehbar gelagerte Masse, die beim Anschlag des Druckkopfes in Bewegung versetzt wurde. Nach dem Prinzip der Impulsübertragung blieb der Druckkopf daraufhin stehen bzw. bewegte sich die letzten Millimeter langsam zum linken Rand. Die Energie der Schwungmasse wurde anschließend durch Bremsung in Wärme umgesetzt. Beim Druck der folgenden Zeile zog der Druckkopf die Bremse wieder in Bereitschaftsstellung, wo sie dann auf den nächsten Druckkopf-Aufschlag wartete.
Noch ein kurioses Detail: um zu verhindern, dass der Druckkopf durch die winzige Federkraft des Zeilenanfang-Erkennungs-Schalters (ein DIL-Schalter) nach rechts gedrückt wurde, war ein kleiner Magnet angebracht, der den Druckkopf links festhielt, bis die Motorkupplung diese Arbeit wieder übernahm.


Schwungmasse im F1200

Der Druckkopf hatte ebenso wie bei den Druckern SD1154 oder SD1157 einzeln herausnehmbare Nadeln. Dies war ab und zu notwendig, um abgenutzte oder nach langem Einsatz verbogene Nadeln einzeln ersetzen zu können.

Die Farbbandrollen (Schreibmaschinenbänder) waren im F1200 stationär eingebaut und wurden über einen Gummiriemen vom Kopfmotor angetrieben. Da sich der Kopfmotor nur in 1 Richtung drehte, gestaltete sich der Antrieb des Farbbandes relativ einfach.
Die Umschaltung der Bewegungsrichtung des Farbbandes (Multistrike-Band) am Farbbandende wurde über ein Getriebe vorgenommen, das durch Fühler auf die abnehmende Dicke des Farbbandwickels reagierte.


Druckwerk des F1200. Rechts der Kopfmotor mit der Kupplung

Im Unterschied zu den meisten anderen Druckern besaß der F1200 fast keine Bedienelemente. Selbst der Netzschalter war verdeckt und brauchte im Normalfall nicht benutzt werden. Einige Sekunden nach dem Druck ging der F1200 automatisch in einen Stand-By-Modus, aus dem er automatisch beim nächsten Telegramm wieder erwachte.
Versteckt im Gerät befanden sich die Umschalter für die Baudrate, die Größe des Zeilenabstandes (1, 1,5 oder 2) und die Härte des Nadelanschlages. Eine rote LED an der Gerätevorderseite leuchtete, sobald der F1200 betriebsbereit war und flackerte, wenn das Gerät Daten empfing.


F1200, obere Klappe geöffnet. Hinten die beiden Netztaster.

Einen Prozessor, wie die meisten anderen Nadeldrucker, besaß der F1200 nicht. Generell deutet der Innenaufbau des F1200 auf eine konservative, manufakturartige Bauweise (z.B. handgebundene Kabelbäume) hin. An ungewöhnlichen Komponenten besaß der F1200 einen Betriebsstundenzähler, um die Benutzungszeit der Fernschreibleitung zu dokumentieren. Um den Eingang eines Fernschreibens akustisch zu signalisieren, hatten die älteren F1200-Modelle eine eingebaute Klingel, die neueren Modelle erzeugten den Ton elektronisch mit einem Lautsprecher.

Zur Überprüfung der Funktionsfähigkeit durch den Kundendienst hatte der F1200 an der Rückseite eine Buchse (39-poliger EFS-Stecker) zum Anschluss der Diagnoseeinheit DE101, die in Verbindung mit einem Lochbandleser (diese Geräte werden sowieso in Fernschreibsendern eingesetzt) arbeitete.

Die Seitenschalen des Gehäuses bestanden aus PUR (Polyurethan). Dieser Werkstoff wurde in der DDR gern benutzt, um Blech (Eisen hätte importiert werden müssen) einzusparen.

Abhängig vom internen Zeichensatz variierte die Bezeichnung des F1200:

Typ1. Zeichensatz2. Zeichensatz3. Zeichensatz
F1201deutsche GroßbuchstabenZiffern und Sonderzeichen-
F1204deutsche KleinbuchstabenZiffern und Sonderzeichen-
F1207russische GroßbuchstabenZiffern und Sonderzeichen-
F1213deutsche GroßbuchstabenZiffern und Sonderzeichenrussische Großbuchstaben
F1219deutsche KleinbuchstabenZiffern und Sonderzeichendeutsche Großbuchstaben

Eine softwareseitige Einzelansteuerung der Nadeln (Grafikdruck) war mit dem F1200 nicht möglich.

Auch in der Art des Anschlusssteckers gab es Unterschiede: Die Datenankopplung der F1200 erfolgte über ein Fernschreibinterface (Linieninterface), das eine Arbeitsspannung von max. 130V und einen Arbeitsstrom von 16-70 mA hatte. Die Übertragungsgeschwindigkeit konnte im F1200 per Umschalter an den Sender angepasst werden und betrug wahlweise 50 Baud, 75 Baud oder 100 Baud (7/10/14 Zeichen pro Sekunde). Die F1200-Geräte arbeiteten nicht, wie die meisten "echten" Drucker, mit dem ASCII-Code, sondern mit dem Fernschreibcode, was natürlich beim Einsatz als Drucker von den Computern berücksichtigt werden musste.


Einsatz des F1200 in der Luftfahrt

Es existieren heute noch einige wenige Geräte dieses Typs, die meisten allerdings leider nicht mehr funktionstüchtig.


Fernschreiber F1300

Im äußerlich gleichen Gehäuse wie der F1100 und ausschließlich für das Militär gebaut, präsentierte sich der ab 1981 gebaute F1300. Gegenüber dem F1100 hatte der F1300 einen geänderten Leiterplattensatz und eine geänderte Rückverdrahtung. Ziel der Änderungen war die Reduzierung der elektronischen Abstrahlung, um ein Abhören durch feindliche Aufklärung zu vermeiden.


Fernschreiber F1300

Fernschreiber F1300

Rückseite des F1300

Typenschild des F1300

Die Gehäusefarbe war gegenüber dem orangen F1100 meist tarngrün, es gab aber auch weiße Exemplare für die Marine. Der F1300 hatte gegenüber dem F1100 einige Zusatztasten (Kodetransparenz und GTX). Um einen schnellen Umbau zwischen Stand- und Wählleitung zu ermöglichen, wurde die jeweils unbenutzte Karte im Tastaturdeckel mitgeführt. Die Standleitungen konnten auch drahtlos ausgeführt sein (Funkverbindung oder Richtfunkverbindung). Ein Zusammenspiel mit Chiffriertechnik war grundsätzlich vorgesehen.

Lochstreifenleser und -stanzer konnten beim F1300 auch von Ferne ein- und ausgeschaltet werden. Um ein Rücksetzen der Tasten bei Spannungseinbrüchen (die man im militärischen Alltag erwartete) zu vermeiden, waren beim F1300 die Tasten für die Lochbandtechnik rastend, gegenüber den elektronisch gehaltenen Tasten des F1100.

Die Typenbezeichnung auf der Frontseite trug immer den Schriftzug "F1100", auf der Rückseite befand sich hingegen das korrekte Typenschild mit der Bezeichnung "F1300". Die Variante mit Lochbandtechnik nannten sich F1301, die Variante ohne Lochbandtechnik nannten sich F1302.

Vom F1300 haben bis heute einige Exemplare überlebt.


Fernschreiber F2000

Mit dem F2000 hielt die Mikroprozessortechnik (Prozessor U880) auch bei den Fernschreibern Einzug. Das Gerät wurde ab 1985 produziert, Hersteller war das VEB Messgerätewerk Zwönitz. Der F2000 besaß erstmals einen Textspeicher für 8000 Zeichen (ca. vier Seiten), der zum Ablegen von Textblöcken (max. 99 Stück) benutzt werden konnte. Außerdem einen Eingangspuffer von 6000 Zeichen, damit beim Papierwechsel keine Daten verloren gingen.


Fernschreiber F2000

Seitenansicht des F2000. Vorn die Lochbandgeräte.

F2000-Druckkopf, Abdeckung abgenommen

Batteriefach

IO-Karte

RAM-Karte

Passend zur lokalen Fernschreibvermittlung wurde der F2000 mit unterschiedlichen Linienkarten entsprechend der Fernschreibnormen ausgerüstet:

Linienkarte AS1

Linienkarte AS3

Die typischen Arbeitsgeschwindigkeiten lagen bei 50, 75 oder 100 Baud bei Nutzung von 2-Draht-Leitungen oder 4-Draht-Leitungen. Auf Kundenwunsch konnten aber auch andere Übertragungsraten (möglich waren bis zu 50 Zeichen pro Sekunde) und andere Fernschreibcodes (standardmäßig war es das Fernschreib-Alphabet 2) realisiert werden.

Gedruckt wurde mit einem Nadeldruckwerk (12 Nadeln) und Spulenfarbbändern, die zur Verhinderung des Austrocknens gekapselt waren. Sobald ein Fernschreiben einlief, startete sich eine Beleuchtung im Gerät, um ein direktes Mitlesen zu erleichtern.

Bei den meisten Exemplaren waren an der rechten Seite ein Lochbandstanzer (max. 15 Zeichen/Sekunde) und ein Lochbandleser (maximal 35 Zeichen / Sekunde) zur Nutzung 5-spuriger Lochbänder angebaut.

Mithilfe seines internen Rechners konnte das Gerät per Tastatur und Druckausgabe konfiguriert werden. Zwei interne Batterien verhinderten, dass diese Einstellungen beim Ausschalten verloren gingen. Die Kennung des Fernschreibers war im EPROM gespeichert. Sie konnte mithilfe des Diagnosegerätes DE2000, das speziell zur Zusammenarbeit mit diesem Fernschreiber vorgesehen war, programmiert werden.

Eine Nutzung als Computerdrucker hatte es beim F2000 vermutlich nicht gegeben.

Mit dem F2000 endete die Produktion an Fernschreibern im VEB Messgerätewerk Zwönitz Anfang der 1990er Jahre. Die elektronischen Fernschreiber hatten es vielerorts bis dahin nicht geschafft, ihre mechanischen Vorgängermodelle (T51) abzulösen.
Vom F2000 existieren heute noch einige Exemplare, aber wahrscheinlich keiner mehr vorführbar.


Fernschreiber F2500

Gegenüber allen anderen DDR-Fernschreibermodellen hatte man beim F2500 auf den Einsatz von Lochbandtechnik verzichtet, stattdessen kamen ein Bildschirm und ein 3,5-Zoll-Diskettenlaufwerk zum Einsatz. Äußerlich saß der F2500 fast wie ein PC aus:


Fernschreiber F2500

F2500, Ansicht von oben

F2500, Motherboard hinten

F2500, Motherboard vorn

F2500, Bildschirmkarte

F2500, Gesamtansicht innen

Typenschild des F2500

Der technische Aufwand gegenüber den Vorgängermodellen sticht ins Auge: gleich mehrere gekoppelte Prozessorsysteme im F2500.

Die bisher entdeckten Exemplare sind inwendig komplett mit westlichen Bauteilen aufgebaut worden. Die Serienfertigung des Geräts begann wahrscheinlich erst nach der Deutschen Wiedervereinigung: Das Messgerätewerk war da bereits unter dem Namen Telco GmbH privatisiert.

Bis heute haben einige Exemplare des F2500 überlebt. In wieweit funktionsfähig, ist unbekannt.


Fernschreiber F3000

Hierbei handelte es sich um die Entwicklung eines Fernschreibers, die vermutlich keine Serienreife mehr erlangte. Er ermöglichte Übertragungsgeschwindigkeiten von 50 bis 2500 Baud und war zweisprachig russisch-deutsch ausgelegt. Außer über Fernschreibleitungen (Einfachstrom und Doppelstrom) konnte der F3000 auch über Telefonleitungen kommunizieren (unter Nutzung eines Modems VM2400).

Das System bestand aus:

Die F3000 wurde in einem speziell abgeschirmten Gehäuse verbaut, um ein Abhören der Daten durch feindliche Aufklärung zu verhindern. Außer über "offene" Leitungen konnte auch verschlüsselt über Chiffrierzusätze übertragen werden.

Der Beginn der Serienproduktion des Gerätes war für 1991 vorgesehen, dazu kam es aber vermutlich nicht mehr. Der F3000 gilt heute als ausgestorben.


Diagnoseeinheit DE2000

Dieses vom VEB Messgerätewerk Zwönitz produzierte Gerät wurde im Zusammenspiel mit dem Fernschreiber F2000 benutzt. Es diente:


DE2000 im Koffer

Diagnoseeinheit DE2000

Bedientastatur

Schalter für Leitungssimulation

Das Gerät war in einen Aktenkoffer eingebaut. Im Inneren des DE2000 arbeitete ein Mikrorechner auf Basis des U880-Prozessors mit Betriebssystem auf zwei EPROMs. Als Ausgabe fungierte eine sechsstellige Siebensegmentanzeige.


Innenansicht des DE2000 von unten

DE2000-Prozessorkarte

Mit einer Schwenkhebelfassung konnten EPROMs U2716 zwecks Auslesen und Brennen aufgesteckt werden. Zur Löschung der EPROMs kam das Löschgerät K0421 von Robotron zum Einsatz. DE2000 und K0421 zusammen wurden als "Diagnosekomplex D2000" bezeichnet.

Im DE2000 war ein Digitalvoltmeter eingebaut, mit dem die internen Spannungen des DE2000 (Selbstprüfung) und die Spannungen des angesteckten Fernschreibers F2000 gemessen werden konnten. Der DE2000 verfügte auch über einen Anschluss für einen Logikprüfstift. Der Fernschreiber F2000 konnte entweder über seine Fernleitung (ADo8-Stecker) oder über einen EFS39-Stecker angekoppelt werden, über den auch das Auslesen des Speichers und das Messen der Betriebsspannungen möglich war.

Heute existieren noch mehrere DE2000, ein funktionsfähiger z.B. im Rechenwerk Halle.


Fernschreiber T51

Die mechanischen Fernschreiber aus dem Messgerätewerk Zwönitz in ihrem markantem Holzgehäuse und dem hämmernden Druckgeräusch hatten eine große Verbreitung in der DDR und so kamen sie auch als Drucker an den frühen DDR-Computern zum Einsatz. Historisch basierte der T51 auf einem 1928 von Siemens entwickelten Fernschreiber, der bereits vor dem Krieg am selbe Standort gebaut wurde. Der T51 war entweder in einem sitzpultartigen Gehäuse aus furniertem Pressspan untergebracht oder in einem Auftischgehäuse aus furniertem Pressspan oder in einem Auftischgehäuse aus Metall. Er bestand aus der eigentlichen Fernschreibmaschine (Blattschreiber), einem Wählgerät T54 oder T57 und einem Lochbandleser T53.


Fernschreiber T51, geschlossen

Fernschreiber T51, offen

Lochbandleser T53

Fernschaltgerät T57, Rückseite

Fernschaltgerät T57

Herz der Anlage war ein elektrisch angetriebenes Typenhebeldruckwerk, das DIN-A4-breites Endlospapier bedruckte und zur lesbaren Ausgabe der empfangenen Fernschreiben sowie als lokales Echo beim Erstellen von Fernschreiben benutzt wurde. Ein mechanisch verbundener Lochbandstanzer T52 gestattete außerdem die Speicherung der Fernschreiben auf 5-Kanal-Lochband.


Innenleben des Fernschreibers

Innenleben des Fernschreibers

Typenkorb

Lochbandstanzer

Zum Senden von Fernschreiben wurden entweder die Tastatur oder der Lochbandleser T53 (Offline-gestanzte Fernschreiben) benutzt. Zu Serialisierung der Daten (5-Bit-Code) besaß die Maschine eine sich drehende (motorgetriebene) Welle, die mittels Nocken elektrische Kontakte betätigte. Das Wählgerät, das auch gleichzeitig der elektrische Verbindungsknoten der drei Geräte war, enthielt eine Wählscheibe und ermöglichte damit die Anwahl beliebiger Partner (Wählleitung). Alternativ konnte das Gerät auch ohne Wählgerät mit einer Standleitung arbeiten (fester Partner). Jeder Fernschreiber hatte einen Kennungsgeber, womit man sich (besonders bei unbesetzter Gegenstelle) überzeugen konnte, dass man mit dem erwarteten Partner verbunden war.

Als Papier wurde DIN-A4-Rollenpapier benutzt (z.T. mehrlagig für Kopien), ein schwarzes Spulenfarbband lieferte die Druckfarbe. Es gab optional eine Zusatzeinrichtung für den Fernschreiber, mit deren Hilfe empfangene und gesendete Fernschreiben in unterschiedlichen Farben gedruckt werden konnten. Das bedruckte Papier wurde entweder nach jedem Fernschreiben nach oben abgerissen oder nach hinten aus dem Gerät geführt.

Größere Firmen besaßen Fernschreibsäle, wo diese Geräte z.T. in größerer Anzahl standen. Durch ihre rubuste Mechanik traten Störungen nur selten auf und durch ihre gute Zerlegbarkeit ließen sich die T51 auch gut reparieren. Viele T51 waren bis zum Ende der DDR im Einsatz. Später (1967?) gab ein äußerlich fast baugleiches Nachfolgemodell T67.

Um einen solchen Fernschreiber als Drucker an einem Computer nutzen zu können, musste der Computer ein entsprechendes Linienstrominterface besitzen. Dieses gab es z.B. für die Rechner R4000, R4200 und R4201 sowie für die K1510-Rechner.

Bis heute haben einige Geräte überlebt, erfreulicherweise einige davon auch einige in funktionsfähigem Zustand, z.B. im Rechenwerk Halle.


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