Computer Robotron PBT4000

(Alias PBT 4000, PBT-4000, DST 4201 DST-4201)

(PBT=Programmierbares Bildschirmterminal)
Dieser Rechner wurde Mitte der 70er Jahre vom VEB Robotron-Elektronik Zella-Mehlis als Terminal für robotron 4000-Rechner entwickelt. Außer dem Einsatz als Terminal wurde das PBT4000 auch als eigenständiger Rechner zur Programmentwicklung und als Steuerrechner für Maschinensteuerung eingesetzt.


Rechner PBT4000

Innenansicht des PBT4000

Der Hersteller beschrieb die Einsatzgebiete wie folgt:

Hardware

Das PBT4000 war nach dem K1510-Standard aufgebaut und verfügte über 20 Slots zur Aufnahme von beliebigen K1510-Platinen. Als Prozessor arbeitete ein U808 mit einer Taktfrequenz von 480 kHz.
Der Speicher konnte in Blöcken (meist zu 4 KByte) bis auf eine Größe von 16 KByte ausgebaut werden. Dabei konnten wahlweise ROM- oder RAM-Karten benutzt werden. Aufgrund des geringen Speicherangebotes wurden Anwenderprogramme z.T. ohne ein eigenständiges Betriebssystem geladen, das Anwenderprogramm war also in diesen Fällen selbst Betriebssystem.

Als Bildschirm wurde der ANA-000 eingesetzt, der eine Ausgabe von 32x8 Zeichen ermöglichte.
Die "Grafikkarte" befand sich dabei nicht im Rechner, sondern war im Bildschirm eingebaut.
Laut Dokumentation soll es später auch eine Bildschirmansteuerung für 80x24 Zeichen und dem Bildschirm K7221 gegeben haben. Es ist aber nicht bekannt, ob diese Konfiguration jemals ausgeliefert wurde.

Für kurzzeitige Arbeiten am PBT4000 wurden Bildschirm und Tastatur auf den Rechner gestellt.
Beim Einsatz als Dauerarbeitsplatz kamen Tastatur und Bildschirm auf einen speziellen Beistelltisch K0108 der sich nahtlos an die PBT4000-Deckplatte anpasste und auch Steckdosen und einen Kabelkanal enthielt.


PBT4000 als Kurzzeit-Arbeitplatz

PBT4000 als Langzeit-Sitzarbeitsplatz

PBT4000-Tisch

PBT4000-Tisch von unten: die Stromanschlüsse

Erfreulicherweise haben zwei Beistelltische bis heute überlebt.

Der Netzschalter des PBT4000 war als Schlüsselschalter vorn am Rechnergehäuse K0109 ausgeführt, um unberechtigte Schaltvorgänge zu verhindern. Zwischen Tischplatte und Sloteinheit befand sich ein Lüfter, dessen Funktion durch einen Sensor überwacht wurde und der sich ggf. akustisch bemerkbar machte. Daher kam es direkt nach dem Einschalten des Rechners stets zu dem charakteristischen Anlaufgeräusch.


Netzschalter des PBT4000

Der Rechner besaß unten Räder, um einen Transport des über 60 kg schweren Geräts zu erleichtern.


Terminal-Version, auch als "DST4201" bezeichnet

Als Speicher wurden 4 KByte oder 6 KByte ROM und 4 KByte RAM eingesetzt.
Das Betriebssystem "K1510-Monitor" befand sich im ROM, war also direkt nach dem Einschalten des Rechners verfügbar. Es realisierte die Verbindung mit dem Leitrechner Robotron 4000 bzw. Robotron 4201 über eine V.24-Schnittstelle oder IFSS-Schnittstelle. Es gab auch die Möglichkeit, bei Koppelung mit dem Konzentrator K8515 einen Teil der Systemsoftware beim Einschalten des Terminals vom Konzentrator in den RAM des PBT4000 herunter zu laden. Das gesamte System nannte sich "Datensammelsystem DSS 4220".

Zur Grundversion DST4201.01 gehörte nur das PBT4000 selbst, zur erweiterten Version DST4201.02 gehörte außerdem noch ein Drucker SD1154.


Datenstation DST4201 mit Drucker SD1154



Platinenbestückung

Platine Kürzel Bedeutung des Kürzels Erläuterung
051-8590 OSS Operationsspeicher 4k statischer RAM
051-8260 PFS Programmierbarer Festwertspeicher 2k ROM
051-8260 PFS Programmierbarer Festwertspeicher 4k ROM
051-8540 ASS Anschlussteuerung seriell für IFSS oder V.24
051-8550 ASS Anschlussteuerung seriell für IFSS oder V.24
045-8012 AZS Anschlusszusatz Strom Erweiterungsplatine für K8512 (1x IFSS)
045-8001 ASD Adapter für Seriendrucker für Drucker SD1154
051-8300 ABS Adapter für Bildschirm Bildschirm-Ansteuerung
051-8330 ATA Adapter für Tastatur Tastatur-Anschluss
051-8460 ZVE2 Zentrale Verarbeitungseinheit Auf die ZVE1 hatten eben nicht alle Teile draufgepasst...
051-8470 ZVE1 Zentrale Verarbeitungseinheit diese Platine musste unbedingt auf den 16. Slot stecken
051-8480 ZVZ Zentrale Verarbeitungseinheit Zusatz Enthält zusätzlichen Stack-Speicher für die ZVE


Programmier-Arbeitsplatz (PAPL K1510)

Hardwareseitig unterschied sich die Programmentwicklungs-Version von der Terminal-Version hauptsächlich durch eine größere Anzahl an Controllerkarten zur Ansteuerung der externen Geräte.


Programmierarbeitsplatz PAPL

Je nach Programmgröße wurden 4, 8 oder 12 KByte ROM eingesetzt und der freie Bereich (bis zur 16 KByte-Grenze) mit RAM-Karten (statischer RAM) bestückt. Wurden größere Speichermengen gebraucht, wurden mehrere Speicherkarten auf den selben Speicherbereich adressiert und durch eine Elektronik jeweils 1 davon aktiv geschalten. Dies wurde z.B. beim BASIC-Interpreter gemacht.

Platinenbestückung

Platine Kürzel Bedeutung des Kürzels Erläuterung
051-8300 ABS Adapter für Bildschirm Bildschirm-Ansteuerung
051-8330 ATA Adapter für Tastatur Tastatur-Anschluss
051-8260 PFS Programmierbarer Festwertspeicher 4k ROM
051-8590 OSS Operationsspeicher 4k statischer RAM
051-8380 APZ Adapter für Programmierzusatz EPROM-Programmiergerät
045-8001 ASD Adapter für Seriendrucker für Drucker SD1154
051-8460 ZVE2 Zentrale Verarbeitungseinheit Auf die ZVE1 hatten eben nicht alle Teile draufgepasst...
051-8470 ZVE1 Zentrale Verarbeitungseinheit diese Platine musste unbedingt auf den 16. Slot stecken
051-8480 ZVZ Zentrale Verarbeitungseinheit Zusatz Enthält zusätzlichen Stack-Speicher für die ZVE
051-8340 ABD Adapter für Bedieneinheit Controller für die BDE

Und im Bildschirm ANA-000 waren dann noch:
Platine Beschreibung
012-9111 Grafikkarte 1. Teil (Zeichensatz)
012-9122 Grafikkarte 2. Teil
056-8930 Grafikkarte 3. Teil (Videospeicher)


Zubehör

Als Eingabegerät wurde neben der Tastatur K7610 für die Programmentwicklung eine Bedieneinheit (BDE) verwendet, die das Anzeigen von Daten- und Adressbus, das Auslesen sowie Schreiben von Speicherzellen das programmseitige Anspringen von beliebigen Adressen im Speicher sowie einen Einzelschrittbetrieb ermöglichte.


Tastatur und BDE

Als externe Speicher kamen der Lochbandleser 1210-0333, der Lochbandstanzer 1215 sowie das Magnetkassettengerät daro 1250 zum Einsatz.


Lochbandlese-Strecke am PBT4000

Bei Bedarf konnten die für die Lochbandgeräte oder Magnetkassettenlaufwerke benötigten externen Netzteile und Elektronikeinheiten in einem zusätzlichen Beistellgerät mit denselben Abmaßen wie das PBT4000 untergebracht werden.


Lochband-Beistellgerät

Lochband-Beistellgerät, geöffnet

In seltenen Fällen erfolgte eine Kopplung mit dem Magnetkassettenlaufwerk PK1. Außerdem gab es von der Akademie der Wissenschaften einen Umbau, um ein Kassettenlaufwerk K5221 als Ersatz für Lochbandtechnik (SIF1000-Interface) einzusetzen.


PBT4000 mit Laufwerk PK1

Zur EPROM-Programmierung gab es das EPROM-Programmiergerät K0410, mit dem ROMs der Typen U551 bzw. U552 (256-Byte-Typen) gelesen und geschrieben werden konnten. Diese EPROMs bildeten auch den Programmspeicher im PBT4000 selbst.

Gedruckt wurde üblicherweise auf Nadeldruckern SD1154 oder SD1156 oder auf einem Fernschreiber. Für die Ansteuerung von letzterem war der Einsatz eines 60V-Netzteiles K0312.01 notwendig, um die Spannung für das Linienstrominterface aufzubringen.
Um den Drucker SD1154 in Tischhöhe zu positionieren, konnte er auf ein zusätzliches, leicht modifiziertes PBT4000-Gehäuse gestellt werden.


PBT4000-Sitzarbeitsplatz mit Drucker-Beistellgerät



Software

Die Betriebssysteme des PBT4000 befanden sich auf ROM-Platinen, waren also unmittelbar nach dem Einschalten verfügbar. Zum PBT4000 gab es mehrere Systeme von verschiedenen Anbietern: Das Betriebssystem PAPL enthielt einen Assembler, einen Hex-Editor und die Ansteuerprogramme für die Lochbandgeräte, Drucker und EPROM-Programmiergerät.


Startbildschirm des Betriebssystems PAPL2

Ausgabebefehl in PAPL2

Betriebssystem BPRO

Betriebssystem ESMO

Betriebssystem SYTWE

Betriebssystem UDEP

Aufgrund der geringen Speicherkapazität des PBT4000 waren Anwenderprogramme häufig selbst-bootende Programme, so z.B. das abgebildete Warenwirtschaftssystem. Damit wurde der Speicherplatz für nicht-benötigte Betriebssystemteile eingespart.


Betriebssystem SYZW

SYZW-Warenwirtschaftssystem

Als Programmiersprache wurde überwiegend der Assembler benutzt, der im Betriebssystem PAPL eingebaut war. Es gab aber auch einen BASIC-Interpreter, der aufgrund seiner Größe aber eine Speichererweiterung auf 24 KByte benötigte.


Assembler und Hex-Editor unter PAPL

Es gab für das PBT4000 auch ein kleines Textverarbeitungsprogramm namens LS.


Menü des Textprogramms LS

Textschreibung im LS

Es gab sogar ein paar Spiele auf dem PBT4000:

Spiel "Turm von Hanoi"...

...und Spiel "MasterMind". Beide liefen unter PAPL2.



Sonstiges

Der Preis des Rechners (PAPL) betrug 81.525,71 Mark
Die Bedieneinheit kostete 3135 Mark, die Tastatur 4.541,90 Mark, der Bildschirm 5.126 Mark, der Programmierzusatz 3.118,50 Mark. Das PBT4000 wurde unter der Bezeichnung CM7402 in das SKR eingegliedert.

Nahe Verwandte des PBT4000 waren der Fahrkartenautomat MFA, der Fahrkartenschalterrechner MSD, das MFA-Servicerechner und der K1510-OEM-Rechner.

Vom PBT4000 sind heute nur noch 7 Exemplare bekannt, einige zum Glück noch funktionsfähig.




Letzte Änderung dieser Seite: 19.01.2017Herkunft: www.robotrontechnik.de