Computer in der Landwirtschaft

In diesem Bereich der Wirtschaft wurde Rechentechnik in eher geringem Maßstab eingesetzt, doch es gab auch her bemerkenswerte Entwicklungen. Die größte Verbreitung der EDV in der Landwirtschaft wird sicherlich in der Verwaltung bzw. Lohnrechnung gewesen sein. Die dazu benutzte Technik waren meist Standardgeräte. So ist der Einsatz von Ascota Klasse170 und von R1720 für Lohnrechnung belegt. Später kamen meist Bürocomputer A5120 und PC1715 zu Einsatz.

Die Landwirtschaft unterhielt einige Rechenzentren, in denen Großrechner zum Einsatz kamen, meist zur betrieblichen Abrechnung. Ein Beispiel dafür war das Rechenzentrum der Landwirtschaft in Markkleeberg, aus dem wir von dem Abriss einige Großgeräte bergen konnten.


Mobiles Datenerfassungsgerät MODEG

Dieses Gerät wurde in den 1980er Jahren benutzt, um im Stall Daten von Rindern zu erfassen (Datum, Parzellennummer, Uhrzeit, Tiernummer, Blutwerte). Der Hersteller dieses Geräts konnte noch nicht mit Sicherheit ermittelt werden (möglicherweise war es ZAME, das Zentrum für Anwendungen der Mikroelektronik), es handelt sich auf jeden Fall um eine Serienfertigung.


Datenerfassungsgerät MODEG

MODEG-Prozessorkarte

MODEG-Speicherkarte

Das Gerät arbeitete intern mit einem Prozessor U880, ergänzt um 2 KByte ROM und 8 KByte RAM. Vorn befand sich eine Folientastatur zur Bedienung sowie zwei numerische LCD-Displays zur Datenanzeige, angesteuert über zwei Schaltkreise UL7211D. Das Gerät war batteriebetrieben, deswegen waren alle Schaltkreise als stromsparende CMOS-Bauteile ausgeführt. Das Gehäuse des MODEG entstammte einer Kofferradio-Produktion.

Das Betriebssystem bzw. Anwenderprogramm war im EPROM untergebracht. Zur Datenübergabe konnte das MODEG per IFSS-Schnittstelle mit dem Leitrechner verbunden werden.

Vom MODEG haben bis heute augenscheinlich nur 2 Exemplare überlebt. Eins befindet sich im Rechenwerk Computermuseum Halle.
Wer hat Informationen zum MODEG?


Milchterminal

Ebenfalls von einem noch unbekanntem Hersteller stammt ein Terminal zur Datenerfassung beim Melken von Kühen. Es arbeitete intern mit einem Einchipmikrorechner UB884, ergänzt um 2 KByte ROM, in dem sich das Betriebssystem befand. Zur Anzeige dienten zwölf LED-Matrix-Module VQC10, damit wurden drei Zeilen á zwölf alphanumerische Zeichen dargestellt. Zur Eingabe wurde eine Folientastatur benutzt, wie sie auch am Computer Z1013 verwendet wurde, ergänzt um eine numerische Tastatur.


Milchterminal

Prozessorkarte und Netzteil des Milchterminals

Anzeigekarte des Milchterminals

Das Gerät wurde stationär eingesetzt. Wie die Datenübertragung zum Leitrechner realisiert wurde und welcher Typ Leitrechner überhaupt benutzt wurde, ist noch unbekannt. Welche Werte erfasst wurden, ist ebenfalls spekulativ, wahrscheinlich das Datum, die Identifikationsnummer der Kuh und die Menge der Milch.

Von diesem Gerät haben bis heute nur 2 Exemplare überlebt.
Wer hat Informationen zum Milchterminal?


Stickstoffanalysesystem NOI-6e

Das Zentralinstitut für Isotopenforschung entwickelte 1987 zusammen mit Messelektronik Dresden eine Anlage, die die Verfolgung markierter Stickstoffatome (Tracer) in biologischen und medizinischen Prozessen ermöglichte. Dazu wurde das Stickstoffisotop 15N, das in der Natur normalerweise nicht vorkommt, eingespeist und sein späteres Vorhandensein mit der Anlage quantitativ nachgewiesen. Auf diese weise konnte z.B. untersucht werden, wieviel des ausgebrachtem Stickstoff-Düngers von Pflanzen aufgenommen wurden.
Die Anlage bestand aus dem Analysegerät sowie einem Steuer- und Anzeigerechner.


Messsystem NOI6E

Das Analysegerät beinhaltete eine Vakuumpumpe und einen HF-Generator. Die Proben, die in flüssiger oder gasförmiger Form eingebracht wurden, wurden nach einer chemischen Aufbereitung in einem Glasrohr durch das Hochfrequenzfeld zum Leuchten gebracht. Das Leuchten wurde von einem Spektrometer (Gitter-Monochromator mit nachfolgendem Sekundärelektronenvervielfacher) aufgefangen und die Lichtbestandteile im Anschluss grafisch auf dem Anzeigerechner dargestellt. Um ein Frequenzspektrum abtasten (wobbeln, 297,35 nm bis 299,78 nm) zu können, wurde das Gitter durch einen Schwingspaltgenerator in mechanische Schwingung versetzt. Die vorbereitenden chemischen Prozesse dauerten ca. 2 Minuten, die Messung selbst dauerte ca. 7 Sekunden und bestand aus 345 Einzelmessungen.


Messwerte. Der kleine Höcker links ist die N15-Konzentration

Der Anzeigerechner wurde der PSA-Produktion von Messelektronik Berlin entnommen. Mit seiner Fähigkeit, grafische Linien sowie Messgitter darzustellen, eignete sich das PSA perfekt für diese Aufgabe. Gegenüber der Standardbestückung wurde das PSA um einen 10-Bit-AD-Wandler, batteriegestützten RAM, einen Schwingspaltgenerator sowie ein Hochspannungsnetzteil zur Speisung des Sekundärelektronenvervielfachers ergänzt. Der Rechner berechnete für die Messungen Mittelwerte und Standardabweichung und forderte nach Beendigung der Messung zum Wechsel der Proben auf.

Das NOI6E stellte eine hochinteressante Anwendung der Rechentechnik dar.
Heute gilt die Anlage als ausgestorben.


Mähdrescher-Bordcomputer

Die Ausbeute der Getreideernte hing wesentlich mit der optimalen Nutzung der Mähdrescher zusammen: gleichmäßige Fahrgeschwindigkeit passend zur Getreideart und zum benutzten Schneidwerk, außerdem mussten die Siebe in gutem Zustand sein (keine Verstopfungen). Letztendlich war es für Abrechnung und statistische Auswertungen auch interessant, wieviel bzw. wie lange gemäht wurde.

Die dazu notwendigen Daten konnten maschinell gewonnen werden. Es lag also nahe, ein Gerät für die Mähdrescher zu entwickeln, das die notwendigen Daten erfasste, entsprechende Berechnungen vornahm und relevante Hinweise an den Mähdrescherfahrer ausgab.

In der DDR wurden meist die im Land produzierten Mähdrescher der "Fortschritt"-Serie eingesetzt. Erste Geräte zur Optimierung des Druschs entstanden zunächst ohne Computersteuerung (z.B. Verlustmessgerät VMG), was bei der damaligen Größe der Computer auch nicht anders machbar war. In den 1980er Jahren wurden Computer dann klein genug und preiswert genug, sie auch für diesen Zweck einsetzen zu können.

Die Bordcomputer der DDR lieferten lediglich Hinweise für den Fahrer. Den Schritt, den Mähdrescher durch den Computer steuern zu lassen, traute man sich allerdings nicht.


Elektronisches Bordsystem EBS

Die Firma "Landtechnischer Anlagenbau Mihla" entwickelte einen Bordcomputer für den Mähdrescher E512. Der Produktionsbeginn ist noch unbekannt, lag 1985 oder eher. Das Gerät wurde im Führerstand in Reichweite des Fahrers eingebaut und konnten bei der Ernte von Weizen, Roggen, Gerste und Hafer benutzt werden.


Bordcomputer EBS212

Rückseite des EBS212

Bedienfeld des EBS212

Rechnerkarte des EBS212. Hinten Reset-Taste und Netzteil

Rechner- und Schnittstellenkarte des EBS212

Inwendig befanden sich drei Leiterplatten: Die Prozessorkarte, die Schnittstellenkarte und vorn die Anzeigekarte. Herz des Gerätes war ein Mikroprozessor U880, der von 2 KByte ROM, 1 KByte RAM, drei PIOs U855 und zwei CTC U857 begleitet wurde. Drei NiCd-Akkus sorgten für den Erhalt der Messdaten auch im ausgeschalteten Zustand. Zur Datenausgabe diente neben einigen Einzel-LEDs eine vierstellige Siebensegmentanzeige. Der EBS wurde aus dem 24V-Bordnetz des Mähdreschers gespeist, ein Gleichspannungswandler setzte die Spannung auf die rechnerüblichen 5V um.

Welche Sensoren am Mähdrescher angebracht waren, ist noch unbekannt. Das Gerät verfügt jedenfalls über neun derartige Eingänge und zwei Ausgänge. Die Spannung für die (aktiven) Sensoren wurde vom EBS bereitgestellt.

Ob vom Hersteller, der zumindest namentlich überlebt hat, weitere Bordcomputertypen hergestellt wurden, konnte noch nicht ermittelt werden.

Vom EBS212 hat bis heute mindestens 1 Exemplar überlebt. Es befindet sich im Rechenwerk Computermuseum Halle, ist aber mangels Mähdrescher nicht mehr vorführbar.


Elektronischer Bordcomputer EBC

Entwickler dieser Geräteserie war das "Kombinat Fortschritt", der auch der Hersteller der Mähdrescher war. Passend zu den Mähdreschern E512, E514, E516 und E517 wurden ab 1987 verschiedene Bordcomputer mit Namen EBC12A-M, EBC14A-M, ECB16A-M und EBC17A-M angeboten, mit denen die Mähdrescher nachgerüstet werden konnten. Die Mähdrescher waren ab Werk auf diese Nachrüstung vorbereitet. Der EBC wurde auf der Ausstellung "Anwendung der Mikroelektronik" im Mai 1987 in Frankfurt/Oder erstmals vorgestellt.


Bordcomputer EBC16A-M

Der EBC wurden im Führerstand in Reichweite des Fahrers eingebaut und konnte bei der Ernte von Weizen, Roggen, Gerste, Hafer und Mais benutzt werden, die Fruchtart wurde dazu über Auswahltasten eingestellt.

Der EBC hatte an der Gerätefront zwei Siebensegmentanzeigen. Die eine zeigte wahlweise die Fahrgeschwindigkeit, die abgeerntete Fläche, die Erntezeit oder die Zeit pro Hektar an, die andere zeigte die Ernteverluste an. Weitere LEDs dienten der Warnung bei nicht-optimalen Mähdrescherlauf. Die Eingaben erfolgten über eine Folientastatur.

Als Datenquellen dienten verschiedenen Sensoren: Herz des Gerätes war ein Mikroprozessor U880, der von 8 KByte ROM und 1 KByte RAM begleitet wurde. Für den Datenerhalt sorgte eine Akkustützung. Eine Kopplung des Gerätes mit anderer Computertechnik gab es nicht: die ermittelten Werte wurden am Display abgelesen und schriftlich festgehalten.

Mit Einstellung der Produktion von Mähdreschern in Ostdeutschland in den 1990er Jahren war die Notwendigkeit einer Weiterentwicklung und -Produktion der Bordcomputer nicht mehr gegeben. Neue Mähdrescherhersteller übernahmen diese Stelle und brachten ihre eigenen Bordcomputer mit.

Es scheint so, dass der EBC heute ausgestorben ist.
Weiß jemand, ob noch irgendwo ein EBC existiert?


Gerät zur elektronischen Klassifizierung von Schlachtschweinen SUKLATRON

Die Grundlage für die Bezahlung der Lieferung eines Tierproduzenten an den Schlachtbetrieb bilden Quantität und Qualität des Fleisches jedes gelieferten Tieres. Die Ermittlung dieser Daten nannte sich Klassifizierung und war in der TGL 8231/02 definiert. Das dabei genutzte Verfahren nannte sich "Lenden-Speck-Quotient-Verfahren", bei dem die Tiere direkt nach der Schlachtung anhand ihrer Masse und des Quotienten aus genau definiertem Muskel- und Speckdickenmaß eingestuft werden.


Klassifizierungsgerät Suklatron

Das System SUKLATRON bot die Möglichkeit, diese Klassifizierung weitgehend automatisch durchzuführen und gleichzeitig die erfassten Daten zu speichern, um sie für die Erstellung der Vermarktungsunterlagen zu nutzen.

Das SUKLATRON bestand aus einem elektronischen Sensor und einem mikrorechnergesteuerten Auswertegerät. Für die Eingabe spezieller Daten stand eine wasserdichte Folientastatur bereit. Die Auswerteeinheit wurde von einem Prozessor U880 mit 2,5 MHz gesteuert. Es verfügte über 5 KB EPROM (U555C) und 1 KB RAM (U214). Als Zubehör stand ein Handgerät zur Längenmessung am Schwein bereit. Der Sensor arbeitete optoelektronisch und war unempfindlich gegenüber Schmutz.

Über eine V.24-Schnittstelle war ein Drucker zur Messwertprotokollierung oder ein übergeordneter Rechner anschließbar. Bei eingeübter Handhabung ergeben sich Taktzeiten von nicht mehr als 10s pro Schwein. Unterschiedliche technologische Abläufe im Schlachtbetrieb konnten durch Variieren der Software leicht angepasst werden.

Das SUKLATRON war eine Gemeinschaftsentwicklung des Technikums Suhl der TH Ilmenau und dem VEB Fleischkombinat Suhl. Man konnte es als Weiterentwicklung des 1986 mit der Agra-Goldmedaille ausgezeichneten Klassifizierungsgerätes "KLASSATRON" gesehen werden.

Ob heute noch ein SUKLATRON existiert, war nicht bekannt.




Letzte Änderung dieser Seite: 03.01.2017Herkunft: www.robotrontechnik.de