Großrechner EC1055

(Alias EC 1055, EC-1055, ES1055, ES 1055, ES-1055, R55, R 55, R-55)

(sprich: ES1055, weil russische Buchstaben)
Der EC1055 war der Nachfolger des Großrechners EC1040, wurde im November 1978 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt, ab 1979 in Serie produziert und damals als eine "Anlage der mittleren Leistungsklasse" bezeichnet. Man zählte sie zu den "ESER-Anlagen der 2. Generation".

Robotron warb für den EC1055 wie folgt:
"Das elektronische Datenverarbeitungssystem EC1055 ist Bestandteil der Reihe 2 des ESER und wird als echte Vielzweckanlage den Forderungen von Wissenschaft, moderner Wirtschaftsführung und universeller Anwendung gerecht. Es ist hervorragend geeignet für die rasche Bewältigung umfangreicher Routinearbeiten, die zuverlässige Lösung komplizierter wissenschaftlich-technischer Berechnungen und einem wirtschaftlichen Einsatz als Datenbanksystem. Spezielle Funktionen ermöglichen die Anwendung verschiedener Methoden der Datenfernverarbeitung und den Einsatz als Leitrechner in Hierarchiesystemen."


Großrechner EC1055

Arbeit am EC1055

Herzstück der Anlage war die Zentraleinrichtung EC2655.


Hardware

Zentraleinrichtung EC2655

Die EC2655, die von Robotron entwickelt und gebaut wurde, umfasste die Zentrale Verarbeitungseinheit, den Hauptspeicher und das Ein-/Ausgabe-System.
Die Zentrale Verarbeitungseinheit wurde aus monolithischen Schaltkreisen (TTL) gebildet und kannte 183 Befehle. Die Verarbeitungsgeschwindigkeit lag bei 450.000 Operationen/Sekunde, die Zykluszeit lag bei 380 ns. Der Adressbereich des Rechners betrug 16 MByte, wobei praktisch bis 2 MByte (für Speicher) benutzt wurde. Die Breite des Datenbusses lag bei 32 Bit.
Eine Monitoreinrichtung erfasste, analysierte und protokollierte bei Bedarf Zustände der ZVE.


Zentraleinheit EC2655 mit BDE. Rechts ein Drucker SD1154.

Im Unterschied zum Vorgängermodell hatte man sich beim EC1055 für einen Halbleiterspeicher entschieden. Seine Speicherkapazität betrug 1024 oder 2048 KByte, die Zugriffszeit dazu lag bei 1200 ns.
Mit einer Speicherschutz-Einrichtung konnte man ein versehentliches Überschreiben wichtiger Teile des Speichers verhindern. Außerdem verfügte der Prozessor über einen 8 KWorte großen Mikroprogrammspeicher.

Das Ein-/Ausgabe-System bestand aus der Kanalvermittlung, dem Kanalprüfgerät und maximal 5 Kanälen für den Multiplexbetrieb. Die Interfaces hatten zwecks Geschwindigkeitssteigerung die Fähigkeit zur gleichzeitigen Übertragung von 2 Bytes. Die Übertragungsgeschwindigkeit lag bei 1,5 MByte/s bei 1-Byte-Betrieb und bei 3 MByte/s bei 2-Byte-Betrieb. Jeder Kanal konnte in max. 128 Subkanäle (und damit in genauso viele externe Geräte) aufgespalten werden.

Über einen 1-Kanal-Adapter war es möglich, mehrere Zentraleinheiten zu koppeln und so Mehrrechnernetze aufzubauen.
Um bei Gleitkomma-Operationen eine schnellere Berechnung zu erreichen, konnte ein spezielles Matrixmodul nachgerüstet werden, das parallele Berechnung ermöglichte.

Der Stromverbrauch der Zentraleinrichtung lag bei 6,3 kW, wofür ein 3-Phasen-Netzanschluss notwendig war.


Bedieneinheit EC7069

Beim EC1040 wurde erstmals zur Bedienung ein bildschirmorientiertes Gerät eingesetzt, gegenüber den schreibmaschinenorientierten Bediengeräten der Vorgängermodelle.
Entwickler und Hersteller war Robotron. Die Dateneingabe erfolgt über die Tastatur oder einen Lichtstift. Über einen Bildschirm mit einer Auflösung von 80x25 Zeichen wurden die Daten dann ausgegeben.
Ein eingebautes Druckwerk der SD1154-Klasse gestattete auch die dauerhafte Ausgabe der Daten auf Papier. Inwendig war das EC7069 aus TTL-Schaltkreisen aufgebaut.


Bedieneinheit EC7069

Bedieneinheit EC7069

Arbeit an der EC7069

Arbeit mit dem Lichtstift an der EC7069



Zubehör / Peripherie

Für den EC1055 gab es weites Spektrum an Zusatzgeräten: Außerdem konnten auch die Geräte der 1. ESER-Generation (z.B. EC1040) benutzt werden.

Software

Als Betriebssystem wurde OS/ES, Version 6, eingesetzt, außerdem DOS-3/ES und DOS-4/ES.
Die ZVE hatte aber auch die Fähigkeit, Programme des EC1040 zu emulieren.


Der EC1055 wurde später vom Nachfolgemodell EC1056 abgelöst, der sich u.a. durch eine höhere Rechengeschwindigkeit auszeichnete.

Vom EC1055 haben Geräte überlebt: sie befinden sich in den Technischen Sammlungen Dresden.


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