Kassettenmagnetband-Einheiten (KMBE)

(Alias Streamer, Kassettenspeicher, KMBG)

Magnetkassetten wurden als Speichermedium für Daten verwendet.
Vorteilhaft war, dass die Datenträger preiswerter waren als Disketten (70 Mark / Stück).
Außerdem waren die Kassettenlaufwerke anfangs von der Speicherkapazität her den Diskettenlaufwerken überlegen.
Nachteilig ist natürlich die langsame Zugriffszeit, da ein komplettes Umspulen der Kassette schon ca. 1 Minute dauert.

Bei den Kleincomputern wurden die Kassettensysteme noch bis 1990 bei Neuentwicklungen favorisiert. Im professionellen Bereich dagegen wurden sie Mitte der 80er Jahre zunehmend von Disketten verdrängt. Lediglich im Rechner MC80 hat sich die Magnetkassette bis zum Produktionsende gehalten.

Im Großrechnerumfeld wurden stattdessen Spulenmagnetband-Laufwerke eingesetzt, die eine größere Geschwindigkeit und Kapazität hatten, allerdings weniger nutzerfreundlich waren.

Die hier aufgeführten Geräte sind eigenständige Geräte, die zur Ergänzung / Erweiterung von Rechnern verwendet wurden.
Einbaulaufwerke werden in einem gesonderten Kapitel behandelt.


Kassettenlaufwerkseinheit Robotron 1250

(Alias daro1250, daro 1250, robotron1250)

Dieses Laufwerk wurde Anfang der 1970er Jahre von Robotron Zella-Mehlis, damals noch zum Kombinat Zentronik gehörend (daher ursprüngliche Bezeichnung daro 1250), entwickelt und am Rechner PBT4000 sowie anderen K1510-Rechnern als ein externes Speichermedium eingesetzt. Die Serienproduktion begann 1975 und ging bis 1981, wo das Gerät durch das K5200 abgelöst wurde. Die Laufwerkseinheit war zweigeteilt und bestand

Kassettenlaufwerk daro 1250/1 als Auftischgerät

daro 1250/1 als Einbaugerät

Innenansicht des daro 1250/1

Innenansicht des daro 1250/1, Blick von unten

Elektronikkassette 1250/2, Vorderseite

Elektronikkassette 1250/2, Rückseite

Elektronikkassette 1250/2, geöffnet


Interessantes Detail: Kühlkörpertemperaturmessung
per Quecksilber-Kontaktthermometer

Das Laufwerk war mechanisch sehr aufwendig gebaut: es besaß zwei Capstanwellen (1-motoriges Laufwerk) und zwei magnetgesteuerte Andruckrollen, um ggf. Blockwiederholungen bei Lesefehlern zu realisieren. Die Datenaufzeichnung erfolgte in der Regel blockweise (mindestens 16 Zeichen pro Block, es gab aber auch ungeblockte Aufzeichnungen) auf 3 Spuren (2 Datenspuren + 1 Paritätsspur), wodurch eine automatische Fehlerkorrektur von 1-Bit-Fehlern sowie eine Erkennung von Mehrbit-Fehlern möglich wurde. Der Magnetkopf (Typ AW61) besaß wenige Mikrometer hinter den Schreibspalten drei Wiedergabespalte, konnte damit also die aufgezeichneten Daten sofort auf ihre Lesbarkeit überprüfen.


Magnetkopf und Mechanik des 1250

Der große Drehschalter an der Laufwerksfront diente zum Auswerfen der Kassette, weiterhin zum Herstellen der Betriebsbereitschaft (Anlegen des Magnetkopfes) und zum manuellen Rückspulen des Bandes.
Beim Herstellen der Betriebsbereitschaft spulte das Laufwerk das Magnetband selbständig bis hinter das Klarband vor und wartete dann auf die Befehle des Rechners. Nach jeweils einigen Sekunden Inaktivität schaltete sich das Laufwerk selbständig ab, um bei der nächsten Rechneranforderung vom Steuergerät wieder geweckt zu werden. Der rote Schalter bewirkte ein manuelles Zwangsaufwecken des Laufwerks, falls es sich gerade im Standbymodus befand. Zwei Lampen signalisierten das Vorhandensein aller nötigen Betriebsspannungen sowie die Betriebsbereitschaft der eingelegten Kassette. Die Schalterstellung "Rückspulen" konnte erst verlassen werden, wenn das Band ganz zurückgespult war.

Da das Laufwerk kein computergesteuertes, schnelles Rückspulen unterstützte, konnte die Kassette computergesteuert mit der (allerdings relativ langsamen) Wiedergabegeschwindigkeit (2.Capstanwelle) zurückgespult werden. Einen schnellen Bandvorlauf oder eine schnelle Block- oder Dateisuche kannte das daro1250 (im Gegensatz zum Nachfolgegerät K5200) ebenfalls nicht. Die Blocksuche wurde daher mit normaler Wiedergabegeschwindigkeit ausgeführt.
Kassettenanfangs- und Kassettenende-Erkennung erfolgten durch Lichtschranken an den transparenten Vorspannbändern. Mittels einer durch den Bandwickel leuchtenden Lichtschranke war auch einige Kilobytes vor Bandende eine Bandende-Vorwarnung möglich.

Als Medium wurden spezielle Digitalkassetten verwendet, die äußerlich dieselbe Größe wie normale MCs hatten und stets einseitig geschrieben wurden. Ein Lesen oder Kopieren der daro1250-Daten mit anderen Laufwerkstypen ist nicht möglich. Ebensowenig ein Ersatz der Kassetten durch AudioMCs oder Digitalkassetten Typ 460.


Magnetkassette für daro 1250.
Oben die Schreibschutzklammer

Magnetkassette und deren Hülle


Entgegen dem Standard bei Audio-Kassetten wurden die Schreibschutzkerben der Kassette beim daro1250 zur Erkennung der richtigen Kassettenseite verwendet (nur wenn 1 Kerbe ausgebrochen war, ließ sich das Kassettenfach schließen). Die Schreibschutzfunktion hingegen wurde durch Aufstecken einer Metallklammer über den Kassettenrücken realisiert. Die Kassette konnte nur dann in das Laufwerk eingelegt werden, wenn sie ganz zurückgespult war.

Die Kassettenkapazität vom 80 KByte mag heute sehr wenig klingen. Da der RAM der K1510-Rechner aber in der Regel nur 8 KByte groß war, passten immerhin 10 Programme auf 1 Kassette.
Die Aufzeichnung erfolgte nach der NRZ1-Norm (jeder Flusswechsel stellte ein H-Signal dar) und hatte eine Dichte von 8,3 Bit/mm. Die Taktfrequenz lag, bedingt durch die Kopfgeometrie, bei 1,25 kHz und wurde wiedergabeseitig aus der Summe der drei Spuren gewonnen. Bei einer Bandgeschwindigkeit von 15 cm/s betrug die Wiedergabegeschwindigkeit daher 200 Zeichen/Sekunde, etwa soviel wie ein vergleichbarer Lochbandleser 1210. Bei der Aufzeichnung, die in der selben Geschwindigkeit erfolgte, war das daro1250 dem vergleichbaren Lochbandstanzer 1215 geschwindigkeitsmäßig weit überlegen.

Rechnerseitig realisierte das 1250 ein leicht abgeändertes SIF1000-Interface und konnte bei Einsatz einer entsprechenden Controllerkarte anstelle von Lochbandtechnik verwendet werden.
Das Interface arbeitete rechnerseitig, abhängig von der eingesetzten Elektronikeinheit, entweder mit KME20-Pegel(1250/21) oder mit KME3-Pegel (1250/22).

Der Preis betrug 1982 für ein einzelnes Laufwerk 8151 Mark.
Von diesem seltenen Gerät sind heute nur noch 4 Exemplare bekannt.


Kassettenlaufwerkseinheit daro 1254

(Alias daro1254, Robotron 1254, robotron1254)

Dieses Laufwerk wurde etwa zeitgleich mit dem daro 1250 von Robotron Zella-Mehlis entwickelt. Es besaß ein Kassettenmagazin für bis zu 20 Magnetkassetten und eine entsprechende Kassettenwechslermechanik. Als Koppelpartner kamen EDV-Anlagen, wie der C8205 oder der R1840 in Frage.


Kassettenlaufwerkseinheit daro 1254

1254-Kassettenmagazin mit Staubschutzkappe

Offenes Kassettenmagazin. Unten die Lagecodierung

Die Kassetten steckten in einem Magazin, das per Motor bewegt wurde. Um zu erkennen, welche Kassette derzeit am Magnetkopf lag, besaß das Kassettenmagazin an der Seite binär codierte Ausbuchtungen, die von Mikroschaltern abgefühlt wurden.

Vom R1254 wurden nur wenige Exemplare produziert. Ob es überhaupt über den Prototypenstatus hinaus kam, ist ungewiss.


Kassettenlaufwerkseinheit K5221

(Alias K 5221, K-5221)

Diese professionelle Laufwerkseinheit wurde Anfang der 1980er Jahre von Robotron Zella-Mehlis entwickelt und stellt eine Speichereinheit mit einer Kapazität von ca. 250 KByte pro Kassettenseite und Laufwerk dar. Das K5221 wurde als Einschub für K1600-Rechner und den MRES, sowie als Auftischgerät für K1520-Rechner wie z.B. dem A5130 oder dem K8924 benutzt.


Kassettenlaufwerkseinheit K5221, Auftischvariante

Innenansicht K5221

Im Inneren dieses Gerätes befanden sich zwei elektronisch gesteuerte Kassettenlaufwerke K5200 samt der dazu notwendigen Stromversorgung.
Die Datenübertragung wurde über ein IFKB-Interface (zwei EFS26-Stecker) vorgenommen. Als Gegenstück musste dazu im Rechner eine entsprechende Interfaceplatine K5020 installiert sein.
Softwareseitige Unterstützung gab es unter den Betriebssystemen SIOS (als Daten- und Hauptlaufwerk), M/OS (als Daten- und Hauptlaufwerk) und SCP (als Datenlaufwerk).
Die K1520-Rechner waren in der Lage, mit dem K5221 auch von Kassette zu booten (nur Betriebssysteme SIOS und M/OS).


Digitalkassette für K5221

Digitalkassetten für K5221

Der Preis betrug 1982 stolze 12.087,00 Mark.
Von diesem seltenen Gerät sind derzeit noch 5 Exemplare bekannt.


Kassettenlaufwerkseinheit K5221-SIF1000

(Alias K5221 SIF1000)

Von der AdW wurde bei einer Reihe von K5221 ein Umbau vorgenommen, der das IFKB-Interface in ein SIF1000-Interface umwandelte.
Dazu wurde eine zusätzliche Controllerkarte in der Laufwerkseinheit verbaut. Die Kopplung mit dem Rechner erfolgte über zwei EFS39-Stecker.


Wandlerplatine zwischen IFKB und SIF1000

Der Grund für diesen Umbau war möglicherweise der Ersatz von 1250/1-Geräten oder von Lochbandgeräten am Computer PBT4000 durch das modernere K5221.

Von diesem seltenen Gerät ist nur noch 1 Exemplar bekannt.


Kassettenlaufwerkseinheit K5261

(Alias K6261, K-5261)

Äußerlich im gleichen Gehäuse wie die K5221 präsentierte sich die K5261, ebenfalls von von Robotron Zella-Mehlis produziert. Sie enthielt ebenfalls zwei Laufwerke K5200 samt zugehörigem Netzteil. Zusätzlich war ein kleiner 3-Platinen-Rechner auf K1520-Basis eingebaut, der nach außen hin das Interface IFSS (2x aktiv geschaltet, Halbduplexbetrieb) abbildete. Die Datenübertragungsrate war einstellbar entweder 9600 Baud oder 38400 Baud, jeweils 7 Bit + Paritätsbit. Der Steuerrechner diente außerdem zur: Die Software für diesen Steuerrechner befand sich in den drei EPROMs auf der ZVE.


Kassettenmagnetbandgerät K5261, Auftischvariante

K5261 als Einbauvariante

K5261 von vorn

K5261, Rückansicht

K5261, Frontplatte abgenommen.

K5261, Rückwand abgenommen. Links der Rechner.

K5261, Innenansicht von oben.

Platinenbestückung:
K-NamePlatineKürzelBedeutung des KürzelsErläuterung
K2521012-7101ZVEZentrale VerarbeitungseinheitCPU-Karte
K5020045-8028AKBAdapter für KassettenmagnetbandMagnetbandcontroller
?045-8050??IFSS-Adaper

Die K5261 wurde u.a. in Einbauform in K1600-Rechnern sowie in Auftischform an K1520-Computern verwendet. In der Ausführung als Einschub hatte das Gerät die Maße 483x222x530 mm bei einem Gewicht von 28 kg.

Das K5221 wurde ins SKR unter der Bezeichnung CM5210 eingegliedert.
Heute sind nur noch 4 Exemplare dieses seltenen Geräts bekannt.


Kassettenlaufwerkseinheit BG650

(Alias BG 650, BG-650)

Dieses Gerät wurde Mitte der 1980er Jahre von der Firma VEB Numerik Karl Marx hergestellt und war für den Einsatz an Maschinensteuerungen in der Industrie vorgesehen.
Vom BG650 gab es zwei Gehäusevarianten, die sich im Vorhandensein einer zusätzlichen Laufwerksschutz-Klappe (Schlag- und Staubschutz für den rauen Umgang im Industrieumfeld) unterschieden.


BG650, Standardausführung

BG650, Standardausführung, Laufwerksklappe geöffnet

BG650 mit zusätzlicher Metallklappe

BG650, äußere Laufwerksklappe geöffnet

Innenansicht des BG650

Innenansicht des BG650

Im Gehäuse befand sich lediglich ein Magnetkassettenlaufwerk Robotron K5200. Die Stromversorgung (5V, +15V, -15V) erfolgte mit über das Datenkabel, das in einem wasserdichten Doppelstecker endete.


Stecker des BG650, aufgeklappt

Stecker des BG650 im geschlossenen Zustand

Vom BG650 sind heute noch 2 Exemplare bekannt.


PZG2002

(Alias PZG 2002, PZG-2002)

Diese Einheit wurde speziell als Erweiterungsgerät für die Messcomputer PSA1305, PSA1306 und PDM60 entwickelt. Es enthielt ein Kassettenlaufwerk K5200, über das das Betriebssystem und Anwenderprogramme geladen sowie Daten gespeichert werden konnten.
Weitere Informationen dazu gibt es auf einer Extraseite.


Datenrecorder LCR

Diese Kassettenstation wurde von VEB Elektronik Gera speziell für den Heimgebrauch an Kleincomputern entwickelt.
Vom Aufbau her handelt es sich um einen normalen Kassettenrecorder, dessen Aufnahme- und Wiedergabetechnik für digitale Signale optimiert wurde.


Datenrecorder LCR

Andere Farbgebung am LCR

Das Aufzeichnungsverfahren ist analog.
Der Rechner wurde über ein handelsübliches Diodenkabel angeschlossen.
Das Auffinden der Programme erfolgte manuell mit Hilfe des eingebauten Lautsprechers.
Als Datenträger kamen herkömmliche MCs (Eisenoxidbänder) zu Einsatz.
Nachteilig bei dem Gerät ist, dass nur ein leiser Piezo-Lautsprecher eingebaut wurde, der bei Kassetten, die außer Daten auch gesprochenen Text enthielten, diesen kaum verständlich wiedergeben konnte.


Datenrecorder LCR-C

Dieses Gerät ist eine Weiterentwicklung des LCR und wurde ebenfalls vom VEB Elektronik Gera hergestellt.
Im Unterschied zum Vorgängermodell kann der Motor des LCR-C durch den Computer ein- und ausgeschaltet werden. Damit sollte das gleichzeitige Drücken der Aufnahme bzw. Wiedergabetaste mit dem Beginn der Datenübertragung vereinfacht werden.


Datenrecorder LCR-C

Nachteilig an diesem System war einerseits, dass der Motor beim Starten eine gewisse Zeit brauchte, bis er auf Drehzahl kam, was sich bei der Wiedergabe als jaulendes Geräusch äußerte. Andererseits war auch ein Vor- oder Rückspulen nur dann möglich, wenn der Rechner gerade einen Kassetten-Schreib- oder Lesevorgang machte, sodass viele Anwender die Automatik-Funktion deaktivierten.


Datenrecorder Datacord

Dieser seltene Datenrecorder wurde vom VEB Elektronik Gera speziell für die Arbeit mit Kleincomputern entwickelt und benutzte ebenfalls normale MCs (Eisenoxyd) als Datenträger.


Datenrecorder Datacord

Beim Datacord GCC6025 handelt es sich um eine abgespeckte Version des Geracord GC6020. Auf der Platine wurden nur die nötigsten Bauelemente bestückt. Handaussteuerung fehlte völlig, ebenso gab es keine FE/CR-Umschaltung. Die Lautstärkeregelung des eingebauten Lautsprechers erfolgt mit einer Taste (laut/leise). Dafür entfielen die Schieberegler, wie sie beim Geracord üblich waren. komplett.

Der Rechner wurde über ein normales Diodenkabel angeschlossen.


Kassettenrecorder

Für die Arbeit mit Kleincomputern wurden neben LCR und Datacord auch herkömmliche Kassettenrecorder benutzt, wobei die GERACORD-Typen vom VEB Mikroelektronik Gera besonders beliebt waren.


Kassettenrecorder Geracord

Der Rechner wurde über ein normales Diodenkabel angeschlossen.
Das Aufsuchen der Programme und das Rückspulen mussten mit Hilfe des Lautsprechers manuell vorgenommen werden.
Eine automatische Aufzeichnungskontrolle gab es nicht, jedoch konnte nach erfolgter Aufzeichnung eine Probe-Einlesung gemacht werden, bei der die gelesenen Daten vom Rechner mit den Ursprungsdaten verglichen werden.
Nach Angaben von VEB Mikroelektronik Mühlhausen war nicht jeder Kassettenrecordertyp als Datenrecorder geeignet. So sollten z.B. Stern-Recorder und die Sonett-Serie nicht für diesen Zwecke eingesetzt werden.


Heute gibt es einige Hobbykollegen, die anstelle eines Kassettenrecorders die Soundkarte eines PCs anschließen und damit sehr gute Erfolge erzielen.
Auch eine Digitalisierung der KC-Programme und damit die Startmöglichkeit auf einem Emulator sind so möglich.



Letzte Änderung dieser Seite: 10.01.2017Herkunft: www.robotrontechnik.de