Betriebsdatenerfassungs- und Informationssystem DIS A6422

(Alias Robotron A 6422, Robotron A-6422)

Dieses seltene System wurde in der Industrie zur parallelen Erfassung, Aufbereitung und Weiterleitung von Daten verwendet. Die Produktion begann 1984, Finalproduzent war Robotron Zella-Mehlis. Das System war in drei Ebenen aufgeteilt: Terminals, SSE und Datenbankrechner.


Terminalebene

In der Terminalebene arbeiteten Bildschirmterminals K8913 (gruppenweise aufgestellt in Datenerfassungszimmern) zur manuellen Eingabe von Daten über die Tastatur, außerdem Betriebsdatenterminals K8901 bzw. K8902 zur Erfassung maschineller Daten (aufgestellt in den Produktionsräumen). Beide Terminalarten waren per Netzwerk mit der SSE verbunden: die Bildschirmterminals per IFSS (4800 Baud) und die Betriebsdatenterminals per IFLS.


SSE, Bildschirmterminal und Betriebsdatenterminals einer A6422-Anlage

Bildschirmterminals und Betriebsdatenterminals besaßen kleine Betriebssysteme (EIEX beim K8913 und EBS beim K8901 bzw. K8902) im ROM. Weitere Softwarekomponenten wurden per Netzwerk von der SSE nachgeladen.


Systemsteuereinheit SSE 20.2 alias K8524.20

Die Systemsteuereinheit SSE war ein halbhoher Rechnerschrank, der entweder im Rechenzentrum oder einen separatem Raum aufgestellt wurde und in dem sich zwei K1520-Rechner befanden: ein Steuerrechner und ein Konzentratorrechner. Der Steuerrechner war für die Ansteuerung des Diskettenlaufwerks, der ILA-Karte (IFLS-Netzwerk), die Ankopplung an den K1630-Rechner (per IFSS, 9600 Baud), das Laden von Software in die Terminals sowie für die Vorverarbeitung (Verdichtung) der Daten zuständig. Er lief unter dem Betriebssystem EIEX.

Der Konzentratorrechner hatte die Funktion eines Netzwerkhubs, kümmerte sich um die quasi-parallele Ansteuerung seiner maximal acht Bildschirmterminals und lief unter einem Singletask-System.

Ein weiterer Mikrorechner war auf der ILA-Karte untergebracht und diente der Ansteuerung seiner maximal 60 Betriebsdatenterminals.

Im SSE-Schrank waren zwei 8-Zoll-Diskettenlaufwerke eingebaut: eins diente dem Booten des Hauptrechners und enthielt auch die Software für die Terminals. Das andere Diskettenlaufwerk beinhaltete die Havariediskette: diese pufferte die eingegebenen Daten für den Fall, dass die Verbindung zum K1630-Rechner verloren ging. War die Verbindung wieder verfügbar, wurden die gepufferten Daten automatisch von der Havariediskette verzögert per Netzwerk an den K1630-Rechner gesendet. Die Verbindung der SSE mit dem K1630-Rechner wurde über IFSS (9600 Baud) abgewickelt. Eine Offline-Datenerfassung über Magnetband, wie bei A5220 und A5222, war beim A6422 nicht vorgesehen.

In der SSE befanden sich links eine Reihe Netzteile, rechts daneben die zwei Sloteinheiten für den Steuerrechner und den Konzentrator. Konstruktiv ähnliche Systemsteuereinheiten wurden auch in den anderen Datenerfassungsanlagen verbaut:

K1630-Rechner

Dieser 16-Bit-Kleinrechner, üblicherweise in einer Mehrschrank-Konfiguration, diente als Datenbankmaschine. Per IFSS liefen die Daten von den Systemsteuereinheiten ein, wurden verarbeitet und auf Wechselplatten (später wahrscheinlich auch auf Festplatten) abgelegt. Im Rechnerschrank war eine Multiplexereinheit eingebaut, die maximal vier Systemsteuereinheiten (und damit maximal 32 Bildschirmterminals und 240 Betriebsdatenterminals) bedienen konnte.


Konsoleterminal, Seriendrucker und K1630-Rechner einer A6422-Anlage

Der K1630-Rechner lief wahrscheinlich unter dem Betriebssystem MOOS und besaß zur Steuerung der Schnittstellen das Programmpaket MODAS. Außerdem waren als Subsysteme enthalten:

Verbreitung

Das A6422 war ein interessantes Beispiel für ein Netzwerksystem, das verschiedene Rechnerarten über unterschiedliche Schnittstellen verband und die technischen Möglichkeiten dieser Rechner gut ausreizte.

Die Entwicklung von Datenerfassungssystemen hatte in der DDR eine lange Tradition: So gab es die Vorgängerprojekte HADES und A4220, die ESER-gestützten Systeme A5220 und A5222 sowie die Kompaktanlagen A5230 und P8000.

Trotzdem erlangten solche Datenerfassungssysteme in der DDR keine große Verbreitung, wegen ihrer hohen Kosten, der geringen Produktionszahl und der sich nur schwer auf Computernutzung einstellenden DDR-Wirtschaft. Firmen, in denen A6422 eingesetzt wurden, waren z.B. der VEB Hochfrequenztechnik Meuselwitz und das Bergbau- und Hüttenkombinat "Albert Funk".

Die vermutlich heute einzige überlebende Hardware-Komponenten eines K6422-Systems ist ein Betriebsdatenterminal K8901. Die Software der SSE ist noch vorhanden, die für den K1630-Rechner gilt hingegen als verschollen.

Letzte Änderung dieser Seite: 03.01.2018Herkunft: www.robotrontechnik.de