GDN

GDN=Gerät zur Daten-Nah-Übertragung. In manchen Literaturquellen auch als DNÜ (Datennahübertragungseinrichtung) bezeichnet.
Diese Geräte dienten dem Datenaustausch von Computern über größere Entfernungen ohne Nutzung von Vermittlungstechnik bzw. Leitungsverstärkern. Als Fernleitungen wurden dabei direkte (galvanisch verbundene) 2-Drahtleitungen oder 4-Drahtleitungen benutzt, die entweder innerhalb des Betriebsgeländes lagen oder von der Post angemietet wurden. Die Entfernung konnte dabei, abhängig von der Übertragungsrate und dem Übertragungsverfahren, bis 30 km betragen. Die Übertragungsgeschwindigkeit reichte von 300 Baud bis 19600 Baud, im Asynchronbetrieb konnten bei Bedarf auch noch langsamere Geschwindigkeiten eingestellt werden. Der Datenpegel lag statisch bei 300 mV, bei den Datenbits ± 30 mV schwankend.
Eine Kopplung an vermittelte Postleitungen (Telefon-Netz) war nicht möglich, für diesen Zweck wurden stattdessen Modems benutzt.

Zum Aufbau einer Verbindung wurden mindestens zwei GDNs gebraucht. In der Minimalvariante (Peer-to-Peer) wurde an beide Rechner je ein GDN angesteckt (V.24-Schnittstelle) und die beiden GDNs durch das Fernkabel verbunden. Bei Nutzung in Großrechneranlagen wurden z.T. ganze Rechnernetze (also mehr als 2 Teilnehmer) über GDN realisiert.


Daten-Nahübertragungs-Gerät K8171

Diese GDN war der Vorgänger der K8172 und fand in Form einer Einschubkarte in K1510-Rechnern, z.B. PBT4000 Anwendung.
Im Gegensatz zum Nachfolger K8172 konnte die K8171 nur im Halbduplexbetrieb arbeiten und mit einer maximalen Geschwindigkeit von 9600 Baud.

Die K8171 gilt heute als ausgestorben.


Daten-Nahübertragungs-Gerät K8172

(Alias K 8172, K-8172)

Dieses Gerät wurde vom Robotron Zella-Mehlis entwickelt und anfangs auch produziert. Später wurde die Produktion zum VEB Elektronik Gera überführt. Konstruktiv gab es das K8172 als Auftischgerät mit eigenem Gehäuse oder als Einsteck-Platine.


GDN K8172 (1x von vorn , 1x von hinten)

Innenansicht des GDN K8172

GDN K8172 als Einbauvariante

Letztere wurden in K1520-Rechnern, wie dem A5120 oder dem K8924 bzw. in Großrechnern (wie dem K1600 und dem K1840) verbaut.

Vom K8172 gab es eine Grundversion (mit 1 Platine) und eine erweiterte Version (mit 2 Platinen), die sich in den möglichen Betriebsarten unterschieden:


synchron asynchron duplex halbduplex 2-Draht 4-Draht
Grundversion
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Erweitert
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Die jeweiligen Verfahren wurden über Wickelbrücken im GDN eingestellt.
Um zu verhindern, dass sich bei bestimmten Bitfolgen der Leitungspegel längere Zeit nicht änderte (was im Synchronbetrieb zum Abreißen der Synchronität führen konnte), konnten in der erweiterten Version ein Scrambler- bzw. Descrambler-Modul zugeschaltet werden, die für annähernd gleichverteilte Bitmuster sorgten.

Zur Einrichtung der Verbindung besaß das Gerät eine zuschaltbare Testeinrichtung, die Leitungen und Geräte überprüfte. Die vier LEDs an der Geräteseite zeigten im laufenden Betrieb die übertragenen Daten an.

Bei Nutzung des Übertragungsverfahrens "Zweidraht-Duplex" (Erweiterte GDN-Variante) trat prinzipbedingt das Problem auf, dass Sender und Empfänger einer Station gleichzeitig auf einer Leitung liefen und der Empfänger die Zeichen seines eigenen Senders fälschlicherweise empfing. Um dies zu verhindern, war eine Ausgleicheinrichtung eingebaut, die das eigene Sendersignal gegenphasig in den Empfänger einspeiste und somit neutralisierte. Allerdings musste in diese Rechnung das Verhalten der Fernleitung (ihre Induktivität, Kapazität und ihr Widerstand) eingehen. Daher war eine Einstellvorrichtung eingebaut, mit der über Stellwiderstände das Leitungsverhalten neutralisiert wurde. Einige eingebaute LEDs zeigten dazu das Maß der Eigenecho-Unterdrückung an: im optimalen Fall mussten alle LEDs zum Verlöschen gebracht werden.

Eine spezielle Software war für dieses Gerät nicht notwendig. Man benutzte ein normales Terminalprogramm, z.B. TLC.
Der Aufbau der Fernverbindung erfolgte automatisch beim Aktivieren der V.24-Schnittstelle.
Ein versehentliches Vertauschen der Fernleitungsadern war ungefährlich.

Außer zur Verbindung zweier Rechner konnte man die GDN natürlich auch zum Ansteuern anderer Geräte, wie z.B. Plottern benutzen.
Eine Kopplung mit modernen PCs ist ohne weiteres möglich (Betriebsart duplex - asynchron).

Das K8172 wurde wurde unter der Bezeichnung EC8028 in das ESER-System eingegliedert.

Ein GDN kostete damals in Auftischform 3580 Mark und in Einbauform 2720 Mark Im Jahr 1990 mussten immerhin noch 1800 Mark für ein Auftisch.GDN bezahlt werden.

Heute existieren noch einige wenige GDN. Eine Übertragungsstecke ist dabei sogar wieder funktionsfähig.


Daten-Nahübertragungs-Gerät K8173

(Alias K 8173, K-8173)

Dieses von Robotron Zella-Mehlis produzierte Gerät realisierte einen Abzweig in IFLS-Netzen, ermöglichte also die Koppelung mehrerer Liniennetze.


GDN K8173

Das K8173 gilt heute als ausgestorben.


Daten-Nahübertragungs-Gerät K8175

(Alias K 8175, K-8175)

Dieses von Robotron Zella-Mehlis produzierte Gerät beinhaltete einen Intelligenten Leitungsadapter (ILA) zur Realisierung von Netzwerken auf Basis des IFLS-Interfaces. Rechnerseitig stellte es vermutlich eine V.24-Schnittstelle zur Verfügung.


K8175, Vorderansicht

Rückansicht des K8175

Ob es sich bei dem Gerät um einen Prototypen oder um ein Seriengerät handelt, konnte noch nicht ermittelt werden. Vom K8175 ist heute nur noch 1 Exemplar bekannt.


GDN-Modul K8111

(Alias K 8111, K-8111)

Dieses 19-Zoll-Einschubmodul (auch als "DUE16" bezeichnet) wurde in K1600-Rechnern sowie im Betriebsdatenerfassungssystem A5222 eingesetzt und konnte mit maximal 16 Doppelplatinen des Typs K8172 (Einbau-Variante) oder des Typs TAK K8151 bestückt werden. Zusätzlich enthielt das K8111 natürlich auch die notwendige Stromversorgung.
Das Gewicht des Gerätes betrug 36,5 kg.


GDN-Einschub K8111

K8111, geöffnet. Rechts die K8172-Platinen.

Das K8111 bildete zusammen mit der Steuereinheit SE16 den Multiplexoreinschub K8523 als auch den Konzentrator K8521.


Konzentrator K8521

(Alias K 8521, K-8521)

Dieses Gerät diente zur Kopplung von maximal 16 Geräten (z.B. Terminals) untereinander sowie mit einem K1600-Rechner. Mechanisch war das Gerät in einem kleinen Beistellschrank untergebracht, der die Steuereinheit SE16 sowie ggf. einen Datenübertragungseinschub K8111 (beide als 19-Zoll-Einschübe) enthielt:

Die SE16 enthielt einen kleinen Rechner auf Basis des K1520-Platinensystems (Steuersoftware im EPROM) und stellte maximal 16 Anschlussmöglichkeiten, die als ausgeführt sein konnten, zur Verfügung.
Letztere benötigten das K8111 für die Signalwandlung per TAK K8151, erstere konnten ggf. über das K8111 in DNÜ-Kanäle umgewandelt werden.
Auch die Kopplung mit dem K1600-Rechner erfolgte über eine der IFSS- oder V.24-Schnittstellen

Der Unterschied zum Multiplexer K8523 bestand in erster Linie in der Koppelung mit dem Hauptrechner: der Multiplexer reichte alle Kanäle zeitmultiplex (also quasi zeitgleich) über eine schnelle Schnittstelle an den Rechner durch, der Konzentrator verband mehrere langsame Geräte miteinander. Heute würde man den Konzentrator als "Hub" bezeichnen.

Platinenbestückung

K-Name Platine Kürzel Bedeutung des Kürzels Erläuterung
K3820 012-7040 PFS programmierbarer Festwertspeicher Max. 16k ROM
K2521 012-7100 ZRE zentrale Recheneinheit CPU + 3k ROM + 1k RAM
K3525 012-7120 OPS Operationsspeicher 16 KByte RAM
K0423.03
SBM

K8025 062-8440 ASS Adapter für serielle Systeme 3x IFSS + 1x V.24, meist mehrfach vorhanden
K8021 012-7160 ASV Adapter für serielle Verbindungen 2x V.24, meist mehrfach vorhanden
K8023
ASX
Interfacekarte für Datenaustausch über Fernschreibleitungen, meist mehrfach vorhanden

Das K8521 hatte inklusive Schrank ein ein Gewicht von 135 kg und die Maße 600x730x800 mm.

Heute gilt dieses Gerät als ausgestorben.


Multiplexor K8522

(Alias K 8523, K-8523)

Dieses Gerät diente zur Anschaltung von maximal 32 externen Geräten (z.B. Terminals) an einen K1600-Rechner.

Technische Daten dieses heute als ausgestorben geltenden Geräts liegen noch nicht vor.


Multiplexor K8523

(Alias K 8523, K-8523)

Dieses Gerät diente zur Anschaltung von maximal 16 externen Geräten (z.B. Terminals) an einen K1600-Rechner. Mechanisch war das Gerät auf 19-Zoll-Einschübe verteilt, die in die K1600-Rechnerschränke eingebaut wurden: Steuereinheit SE16 sowie ein bis drei Datenübertragungseinschübe K8111.

Die SE16 enthielt einen kleinen Rechner auf Basis des K1520-Platinensystems (Steuersoftware im EPROM) und stellte maximal 16 Anschlussmöglichkeiten, die als ausgeführt sein konnten, zur Verfügung. Letztere benötigten das K8111 für die Signalwandlung per TAK K8151. Erstere konnten ggf. über die K8111 in DNÜ-Kanäle umgewandelt werden.

Die Kopplung mit dem K1600-Rechner erfolgte über die Buskoppeleinrichtung K4561 und ermöglichte im DMA-Modus Geschwindigkeiten von über 100 KByte/Sekunde.

Platinenbestückung

K-Name Platine Kürzel Bedeutung des Kürzels Erläuterung
K3820 012-7040 PFS programmierbarer Festwertspeicher Max. 16k ROM
K2521 012-7100 ZRE zentrale Recheneinheit CPU + 3k ROM + 1k RAM
K3525 012-7120 OPS Operationsspeicher 16 KByte RAM
K4521
BKE Buskoppeleinheit Verbindung zum K1600-Rechner
K0501
KVK
Ankopplung (Kaskadierung) von max. 2 weiteren K8523
K8025 062-8440 ASS Adapter für serielle Systeme 3x IFSS + 1x V.24, meist mehrfach vorhanden
K8021 012-7160 ASV Adapter für serielle Verbindungen, meist mehrfach vorhanden 2x V.24
K8023
ASX
Interfacekarte für Datenaustausch über Fernschreibleitungen, meist mehrfach vorhanden

Die SE16 hatte ein Gewicht von 33 kg.

Der Unterschied zum Konzentrator K8521 bestand in erster Linie in der Koppelung mit dem Hauptrechner: der Multiplexer reichte alle Kanäle zeitmultiplex (also quasi zeitgleich) über eine schnelle Schnittstelle an den Rechner durch, der Konzentrator verband mehrere langsame Geräte miteinander. Heute würde man den Konzentrator als "Hub" bezeichnen.

Das K8523 gilt heute als ausgestorben.


Konzentrator K8561

(Alias K 8561, K-8561)

Über dieses auf dem K1630-System basierende Gerät liegen noch keine Informationen vor.

Heute gilt der K8561 als ausgestorben.


Multiplexor K8563

(Alias K 8563, K-8563)

Über dieses auf dem K1630-System basierende Gerät liegen noch keine Informationen vor. Im ESER-System nannte sich das Gerät EC8373.

Vom K8563 hat bis heute vermutlich nur 1 Exemplar überlebt.


Schnittstellenwandler daro 1640

Dieses Gerät wurde in Zella-Mehlis im Rahmen des HADES-Systems gebaut als Umsetzer zwischen der an den Rechnern üblichen parallelen SIF1000-Schnittstelle und einer V.24-Schnittstelle. Auf der seriellen Seite konnte beispielsweise ein GDN oder ein Modem (z.B. MD101) angeschlossen werden. Damit konnte die maximale Leitungslänge von 1000m bei SIF1000-Schnittstelle auf quasi endlose Abstände vergrößert werden. Außerdem sanken die Kosten für die Verkabelung, da vorhandene Telefonleitungen genutzt werden konnten und wesentlich weniger Adern benötigt wurden.


Schnittstellenwandler daro 1640

Außer an den HADES-Geräten wurde der daro 1640 auch im Umfeld von R4000-Rechnern eingesetzt.

Heute gilt der C1640 als ausgestorben.




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