Computer Robotron K8924

(Alias K 8924, K-8924, BC8924, BC 8924)

Der Rechner K8924 wurde 1984 als Spezialterminal für die Kreditwirtschaft (Sparkasse, Bahn und Post) vom VEB Buchungsmaschinenwerk Karl-Marx-Stadt entwickelt und ist ein Abkömmling des Rechners A5120. Der Name "Terminal" ist etwas irreführend, stellt der K8924 doch einen der leistungsfähigsten eigenständigen 8-Bit-PCs der DDR dar.

Intern befanden sich 11 Slots, die der Anwender selbst oder auf Bestellung mit Platinen aus den K1520-Sortiment bestücken konnte.
Drei 5¼-Zoll-Diskettenlaufwerke K5601 und ein Bildschirm K7221 oder K7222 komplettierten den Rechner.
Der K8924 wurde passend zum Betriebssystem SIOS konstruiert. Dieses Betriebssystem unterstützte alle hardwareseitigen Besonderheiten, wie den Sicherheitsstecker auf der Tastatur, erweiterten RAM, Magnetband- und Lochbandgeräte.

Der K8924 war ins SKR eingegliedert und trug dort den Namen CM1626-1802.

Durch die freie Konfigurierbarkeit des Rechners gab es viele verschiedene Varianten:


Rechner-Varianten

Die "kleine" Version

In der Grundversion war der Rechner mit 5 Platinen bestückt und entsprach damit weitestgehend dem A5120.


K8924, "kleine Version"

Innenansicht der "kleinen Version"

Platinenbestückung:
K-Name Platine Kürzel Bedeutung des Kürzels Erläuterung
K3526 062-8600 OPS Operationsspeicher 64 KByte dynamischer RAM
K8025 062-8440 ASS Adapter für serielle Systeme Schnittstellen 3x IFSS, 1x V.24, auch für Tastatur
K5122 062-8390 AFS Adapter für Folienspeicher Floppycontroller
K7024 012-6820 ABS Adapter für Bildschirm Bildschirmkarte, 80x24 Zeichen (nur-Text)
K2526 062-8110 ZRE Zentrale Recheneinheit Prozessoreinheit mit 2x U880

Als Tastatur wurde meist die K7637 benutzt, die an den unteren Stecker an der Gehäuseseite gesteckt wurde.

Diese Version ist auch heute noch recht häufig zu finden.


Sparkassenversion

Die Sparkassenversion wurde am Bankschalter als Arbeitsrechner für Buchungen und Überweisungen benutzt und ist um einige Technik umfangreicher:


K8924, Sparkassenversion.
Auf dem Gerät das K5601 und der Akku für das SIMO

Innenansicht. Unten in der Mitte der Umschalter
für die Grafik, darüber das SIMO.

Äußeres Merkmal dieser Version sind die beiden nebeneinander stehenden Namensschilder auf der Gerätevorderseite.

Platinenbestückung:
K-Name Platine Kürzel Bedeutung des Kürzels Erläuterung
K1003 062-8660 AHL Adapter für Handlese-Einheit für maximal 4 Magnetkarten-Lesegeräte
K8025 062-8440 ASS Adapter für serielle Systeme 3x IFSS, 1x V24, Für Drucker und DFÜ
- 062-8530 AUP Adapter für universelle Ports Anschluss von Terminaltastatur, Kundentastatur und SIMO
K2526 062-8110 ZRE Zentrale Recheneinheit Doppelprozessor mit U880
K7024 012-6820 ABS Anschlusssteuerung für Bildschirm Textmodus 80x24 Zeichen
K7023 012-6830 ABS Anschlusssteuerung für Bildschirm Textmodus 64x16 Zeichen
- 062-8471 OSS Operationsspeicher 48k dyn. RAM, 2. Bank, für Betriebssystem SIOS 2.x
K3526 062-8600 OPS Operationsspeicher 48k dyn. RAM, 1. Bank
K5122 062-8390 AFS Adapter für Folienspeichereinheiten Floppycontroller
K3521 045-8120 OPS Operationsspeicher 4k statischer RAM (1. Bank), Akku-gepuffert
K3525 012-7120 OPS Operationsspeicher 12k dynamischer RAM (1. Bank)


K8924 im Einsatz in der Sparkasse

K8924 im Einsatz bei der Post

Ein Umschalter ermöglichte die wechselseitige Benutzung einer der beiden Bildschirmkarten.
Damit waren Bildschirmauflösungen von 64x16 Zeichen oder 80x24 Zeichen möglich.
Während das Betriebssystem SIOS beim Booten die ausgewählte Grafikkarte von selbst erkannte, musste SCP speziell für 1 Grafikkarte generiert werden.

Die Daten des Bankschalterprogramms wurden im akku-gepufferten RAM abgelegt.
Dadurch gingen diese wichtigen Informationen bei einem eventuellen Stromausfall nicht verloren.

Der Bankangestellte benutzte die Terminaltastatur K7633 (unterer Stecker an der Gehäuseseite). Die beiden Schlüssel dienten dabei der Bediensicherung: der eine für den Nutzer und der andere für den Administrator. Zur Eingabe der PIN wurde die Kundentastatur (oberer Stecker an der Gehäuseseite) benutzt. Als Drucker wurden ein Nadeldrucker K6316 oder ein Typenraddrucker SD1152 benutzt.

Die Sparkassenrechner arbeiteten im Netzwerk: die einzelnen K8924 waren mit einem Konzentrator K8521 oder einer Datennahübertragungseinrichtung EC8028.01 verbunden. Diese wiederum war mit einem Kommerziellen Basisrechner A6402 gekoppelt, der dann seinerseits eine Kopplung zum Zentralrechner EC1055 besaß und auch die Verbindung zu den Geldautomaten realisierte.

Das Sicherheitsmodul SIMO war mit internen Stützakkus ausgestattet und zusätzlich mit einem externen Akkusatz gepuffert. Es diente der Überprüfung der PIN und war mit einigen Maßnahmen ausgerüstet, die einen Missbrauch verhindern sollen.

Rechner mit ähnlicher Platinenbestückung wurden auch bei Post und Bahn verwendet.
Eine abgewandelte Version des Sparkassenrechners stellt der Geldautomat dar.

Von der Sparkassenversion sind heute nur noch 2 Exemplare bekannt.


Rechenzentrum-Version

Die Rechenzentrum-Version ist durch das Vorhandensein eines KIF-Adapters gekennzeichnet.
Über diesen Controller wurde der K8924 mit ESER-Großrechnern verbunden und übernahm die Funktion eines Terminals.

K-Name Platine Kürzel Bedeutung des Kürzels Erläuterung
K3525 012-7120 OPS Operationsspeicher 16k dynamischer RAM (1. Bank)
K8025 062-8440 ASS Adapter für serielle Systeme 3x IFSS, 1x V24, Für Drucker und DFÜ
- 062-8530 AUP Adapter für universelle Ports für Anschluss der Terminaltastatur K7633
K2526 062-8110 ZRE Zentrale Recheneinheit Doppelprozessor mit U880
K7024 012-6820 ABS Anschlusssteuerung für Bildschirm Textmodus 80x24 Zeichen
K7023 012-6830 ABS Anschlusssteuerung für Bildschirm Textmodus 64x16 Zeichen
- 062-8471 OSS Operationsspeicher 48k dyn. RAM, 2. Bank, für Betriebssystem SIOS 2.x
K3526 062-8600 OPS Operationsspeicher 48k dyn. RAM, 1. Bank
K5122 062-8390 AFS Adapter für Folienspeichereinheiten Floppycontroller
- E2018 KIF Kleines Interface Controllerkarte für Großrechneranschluss
- E2019 KIF Kleines Interface Controllerkarte für Großrechneranschluss

Als Tastatur wurde wieder die K7637 benutzt.

Von diesem seltenen Rechner ist heute nur noch 1 Exemplar bekannt.


Grafische Version

Die Grafische Version besitzt als besonderes Merkmal eine Grafikkarte, auf der über spezielle Grafikbildschirme (z.B. K7226) vollgrafische Anwendungen (CAD) gefahren werden konnten.
Der normale Textmodus-Bildschirm wurde weiterhin für Menüs und Textausgaben genutzt.
Diese Variante bekam auch eine spezielle Tastatur, die K7637.50.
Als Zubehör wurde für diesen Rechner das Digitalisiergerät K6402 sowie Plotter aus dem Großrechnerbereich benutzt.

Leider gilt diese Rechnervariante heute als ausgestorben.


Extrabreite Version

Wer noch mehr Platz im Rechner brauchte, konnte die Version mit verbreitertem Gehäuse nehmen...


K8924, Breitversion

Rückansicht der Breitversion

...wobei der hier abgebildete Rechner seinen Platzvorteil gar nicht nutzt, denn es sind nicht mehr Platinenschächte drin als in den anderen Modellen.

Von diesem seltenen Rechner ist nur noch 1 Exemplar bekannt.


Schnittstellen (Grundversion):

Der ausgeschaltete Rechner konnte bei Bedarf durch einen eingehenden Ruf durch das Modem automatisch eingeschaltet werden. Bei Verwendung einer anderen Tastatur als der K7637 wurde eine weitere IFSS-Schnittstelle für einen 2. Drucker frei.
Durch Einsatz weiterer K1520-Platinen konnte die Anzahl der Schnittstellen nahezu beliebig ausgebaut werden.


Zubehör:

Als Drucker wurden die Typenrad- und Nadeldrucker der SD11xx-Serie sowie der K6316 benutzt.
Durch Verwendung eines Busadapters und eines Beistellgerätes konnte bei Bedarf die Anzahl der K1520-Slots vervielfacht werden.
Im Rahmen der K1520-Platinen war u.a. auch der Anschluss von Kassettenmagnetbandeinheiten K5221, Spulenbandgeräten, Magnetkarten-Schreib- und Lesegeräten, Lochband- und Lochkartentechnik möglich.


Netzwerkfähigkeit:

Die eingebauten IFSS-Schnittstellen ermöglichten einen direkten Datenaustausch mit anderen Rechnern / Geräten bis zu einer Entfernung von 500m. Für größere Entfernungen konnten über die V.24-Schnittstelle Übertragungsgeräte (Modem VM2400, GDN K8172) angeschlossen werden.

Im LAN-Bereich gab es Versuche, den K8924 in die Netzwerke ROLANET 1 und LOTUNET einzubinden und das Netzwerk zum Austausch von Nachrichten und Dateien zu nutzen. Dazu wurde der K8924 mit einer LAN-Karte nachgerüstet. Leider war diese Anwendung äußerst selten und es ist heute auch keine Existenz einer solchen Rolanet-Karte mehr bekannt.


Stromversorgung

Der K8924 besitzt zwei Hauptnetzteile K0362.03 und K0363.08, die die Spannungen +5V und +12V erzeugen und sich an der Rückseite des Rechners befinden. Die +5V dient hauptsächlich zur Versorgung der Rechner-Schaltkreise. Die +12V wird für Leistungsstufen (Diskettenlaufwerke), für Schnittstellen sowie zur Speisung des Bildschirms verwendet. Außerdem werden aus der +12V über einen Spannungswandler (im Fuß des Rechners eingebaut) die Spannungen -5V und -12V (für EPROMs und Schnittstellen) gewonnen. Im Rechnerfuß ist ein Stand-By-Netzteil eingebaut, das die Steuerung des Netztasters übernimmt sowie ein kontrolliertes Hoch- und Herunterfahren der Hauptnetzteile bewirkt. Dieses Stand-By-Netzteil arbeitet, sobald Strom auf dem Netzkabel liegt und ermöglicht auch ein automatisches Starten des Rechners bei eingehendem Modem-Anruf sowie ein softwareseitiges Herunterfahren des Rechners. Ein ebenfalls im Rechnerfuß untergebrachtes Netzfilter verhindert, dass sich hochfrequente Störungen vom Rechner über das Netzkabel ausbreiten.


Start des Rechners

Der Netzschalter befand sich vorn rechts am Rechner (grüne Taste).

Der K8924 wird durch 1-maliges Drücken des Netztasters eingeschaltet. Alternativ dazu kann er auch automatisch durch den Verbindungsaufbau eines Modems oder einer GDN eingeschaltet werden.
Zu beachten ist, dass nach dem Ausschalten und nach dem Stecken des Netzsteckers der Einschalter für 15s blockiert ist.

Der Rechner sucht anschließend einmalig auf allen Diskettenlaufwerken und Kassettenlaufwerken nach einem Betriebssystem. Hat er eine geeignete Diskette oder Kassette gefunden, bootet er von dieser. Welches Laufwerk zum Booten benutzt wird, ist egal.
Erst das geladene Betriebssystem löscht den Bildschirm. Davor stehen also Zufallszeichen auf dem Bildschirm.

Einen RESET des Rechners macht man durch 2-maliges Drücken der Netztaste.

Das Ausschalten des Rechners erfolgt durch 3-maliges Drücken der Netztaste.
Alternativ dazu ist ein softwaregesteuertes Ausschalten möglich.


SOFTWARE:

Betriebssysteme





Letzte Änderung dieser Seite: 29.11.2016Herkunft: www.robotrontechnik.de