Geldautomat

Die Staatsbank der DDR beauftragte ca. 1983 das Kombinat Nagema mit der Entwicklung und Produktion eines mikroprozessorgesteuerten Geldausgabeautomaten. Er wurde im VEB Wägetechnik Rapido Radebeul in enger Zusammenarbeit mit der Hochschule für Verkehrswesen Dresden ca. 1983 entwickelt und ab 1986 in einem extra dafür errichteten Gebäudekomplex produziert.
Dieser ungewöhnliche "Rechner" (es gab in der DDR nur 1 Version davon) diente zum Abheben von Bargeld (20- und 50-Mark-Scheine, Mindestbetrag 40 M, Stufung 10 M, Maximalbetrag 500 M/Tag) mit Hilfe einer Geldkarte.

Der Geldautomat war meist an der Außenwand von Sparkassen aufgestellt, wodurch nur das Bedienteil öffentlich sichtbar war. Der Vorteil des Geldautomaten gegenüber dem Besuch des Bankschalters lag in einer kürzeren Wartezeit des Kunden sowie in der Möglichkeit, auch außerhalb der Banköffnungszeiten Geld abzuheben.

Für einen Geldabhebevorgang hatte der Kunde seine Sparkassenkarte in den Kartenschlitz einzuführen, woraufhin sich die vor dem Bedienteil befindliche Schutzscheibe öffnete. Nach Eingabe seiner PIN konnte der Kunde einen Geldbetrag auswählen. Daraufhin wurde das Geld ausgegeben, eine Auszahlungsquittung gedruckt (und parallel dazu auch ein Eintrag in das automaten-interne Druckjournal) und der Kunde bekam seine Geldkarte zurück. Damit war der Auszahlungsvorgang abgeschlossen und die Schutzscheibe schloss sich wieder vor dem Bedienteil.


Sparkassen-Geldautomat

Geldautomat.

Rückansicht des geöffneten Gerätes

Im Inneren des Geldautomaten werkelte ein speziell ausgerüsteter K1520-Rechner, ein entfernter Verwandter des K8924.
Er übernahm die Bildschirmausgabe, das Lesen der Sparkassen-Magnetkarte sowie die Eingabe von PIN und Geldbetrag per Kundentastatur. Die Komponenten dazu wurden von Robotron bezogen.
Die Steuerung des Geldtransportes aus dem unten befindlichen Tresor wurde dann über 7 separate Prozessor-Systeme auf Basis von Einchipmikrorechnern abgewickelt.


Innenansicht oben: Rechner und Netzteile

Innenansicht unten: Tresor und Geldtransporteinheit

Die Rechnereinheit im Detail

eine der Rechnerplatinen

Als Betriebssystem wurde SIOS benutzt, die Software für den Rechner wurde vermutlich von Mitarbeitern der Staatsbank Berlin geschrieben.

Eine Vernetzung der Geldautomaten mit der Bank gab es damals noch nicht. Beim Nachfüllen des Geldes wurden demzufolge neben den Protokoll-Ausdrucken auch die Disketten mit den Buchungsdaten ausgetauscht und diese dann in der Bank in das EDV-System eingespielt.

Die Tatsache, dass die Geldautomaten damals häufig wegen Störungen außer Betrieb waren, lag in strengsten Anforderungen bei der Prüfung der Geldscheine begründet: Jeder Geldschein wurde vor der Ausgabe intensiv kontrolliert. Wurde ein Sicherheitsmerkmal nicht gefunden oder eine Beschädigung erkannt, so wurde der Geldschein nicht ausgegeben. Da die Geldautomaten nur eine geringe Anzahl an "bemängelten" Geldscheinen zurückbehalten konnten, deaktivierten sie sich deswegen öfters. Warum die Geldautomaten nicht mit vorgeprüften Geldscheinen bestückt wurden, lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen.


Das Bedienteil des Geldautomaten

Typenschild des Geldautomaten

Mit der politischen Wende zogen die bundesdeutschen Banken in das Gebiet der DDR ein und brachten ihre neuen Geldautomaten mit. Einige DDR-Automaten wurden zwar noch auf D-Mark umgerüstet, dann allerdings doch schnell ersetzt.

Es ist heute schwierig, Fachwissen über dieses Gerät zu finden, da damals aus Sicherheitsgründen streng darauf geachtet wurde, dass die Konstrukteure kein Übersichtswissen bekamen.

Über die produzierten Stückzahlen liegen keine Informationen vor, es muss mindestens mehrere hundert Exemplare gegeben haben.
Von diesem seltenen Gerät ist heute nur noch 1 Exemplar bekannt. Es befindet sich in den Technischen Sammlungen Dresden.



Letzte Änderung dieser Seite: 29.11.2016Herkunft: www.robotrontechnik.de