VEB Buchungsmaschinenwerk Karl-Marx-Stadt

Das Buchungsmaschinenwerk im sächsischen Chemnitz gehörte zu den größten Computerherstellern der DDR. Hier wurden Erfolgsgeräte, wie die Buchungsmaschine Klasse 170, die Bürocomputer A5120, A5130, K8924 oder der EC1834 gebaut. Aber auch Zubehörgeräte, wie Magnetkartentechnik, das Magnetkontengerät sowie Rechnerkomponenten, wie Diskettenlaufwerke, entstanden in diesem Werk. Die größten jemals im Werk gebauten Rechneranlagen waren die Kleindatenverarbeitungsanlagen daro 1750 und daro 1840.


Gebäude des Buchungsmaschinenwerks

Produktion von Buchungsmaschinen in den 1960ern

Produktion von Diskettenlaufwerken

Produktion von Diskettenlaufwerken

Prüfung von Diskettenlaufwerken K5600

Prüfung von Diskettenlaufwerken K5600

Historisch war das Werk entstanden durch Zusammenlegung der Traditionsbetriebe Astra-Werke und Wandererwerke.
Das Buchungsmaschinenwerk hatte Zweigbetriebe in Markersdorf, Mölkau und in Oelsnitz.

Ehemalige Mitarbeiter von BUMA, meldet Euch bitte. Wir haben viele Fragen zu den damaligen Produkten.


Astra-Werke

Im Jahr 1919 gründete John Greve, zuvor Konstrukteur in den Wandererwerken, in einem Hintergebäude in der Chemnitzer Schlossstraße eine eigene Büromaschinenwerkstatt und mit der Produktion der ersten Addiermaschine "Modell A" begann. Das Werk wuchs in den darauffolgenden Jahren stark und nach zwischenzeitlichem Umzug in die Herbertstraße (wo die Gründung der Astra-Werke stattfand) und in die Reitbahnstraße erfolgte 1929 der Umzug in das neu gebaute Werk im Süden von Chemnitz (Altchmenitzer Straße), gleichzeit begann die Produktion der ersten Buchungsmaschinen. Das Gebäude mit dem markanten Turm wurde vom Architekt Willy Schönefeld entworfen, als Stahlbetonbau mit großen Fenstern, Aufzug und Zentralheizung damals hochmodern. Ein weiterer Betriebsteil folgte 1937 in der Waplerstraße. Ein Jahr später wurde ein Erweiterungsbau an das Hauptwerk angebaut und ein Jahr später Gebäude in der Annaberger Straße (Werk III) hinzu gekauft. Die Verinnerlichung der nationalsozialistischen Ideen brachte dem Werk damals den Titel "Nationalsozialistischer Musterbetrieb" ein. Im zweiten Weltkrieg stellt das Werk zunehmend auf Kriegsproduktion um und wurde durch die Kriegsereignisse (Bombardierung) teilweise zerstört.


Astra-Hauptgebäude, historische Aufnahme

Astra-Hauptgebäude, historische Aufnahme

Mit dem Ende des Krieges kam das Werk zunächst unter sowjetische Verwaltung und wurde teilweise als Reparationsleistung demontiert. Ab 1946 wurde die Produktion der Büromaschinen wieder aufgenommen, zunächst ausschließlich für die Sowjetunion. Zwei Jahre später wurde das Werk von der Sowjetunion zurückgegeben und als "Mechanik Astrawerke VEB" verstaatlicht. Vom ehemaligen Zweigwerk in der Waplerstraße trennte sich die Firma im folgenden Jahr. Im Jahr 1951 erfolgte die Zusammenlegung mit dem Wandererwerken unter dem Namen "Büromaschinenwerk Chemnitz". Im selben Jahr begann die Überarbeitung der Vorkriegs-Büromaschinen sowie die Entwicklung neuer Rechentechnik, beginnend mit der Rechenmaschine Klasse 110 bis hin zur Buchungsmaschine Klasse 170.

John Greve, mittlerweile in die Bundesrepublik gewechselt, gewann seinen Rechtsstreit gegen die DDR, woraufhin die Produktbezeichnung "Astra" in der DDR aufgegeben werden musste und die Astra-Produkte ab dann unter der Bezeichnung "Ascota" verkauft wurden. Zum Aufbau eines Werkes in der Bundesepublik kam es trotzdem nicht.

Bis zum Ende der DDR produzierte das Werk Rechentechnik, besonders Buchungsmaschinen und Bürocomputer. Mit der Privatisierung 1990 kam der Niedergang: im Jahr 1991 meldete das Werk Konkurs an und wurde abgewickelt. Damit endete nach 75 Jahren die industrielle Produktion von Rechentechnik in Chemnitz.

Ein Teil der Astra-Gebäude ist heute (2013) abgerissen, das Astra-Hauptgebäude heute wird als technisches Rathaus benutzt, ein anderes Gebäude beinhaltet einen Möbelmarkt. Die ehemalige Werksschule steht leer.


Wandererwerke

Die Wurzeln der Wandererwerke beginnen 1885 mit einer kleinen Fahrradwerkstatt in Chemnitz, gegründet durch die Herren Winklhofer und Jaenicke. Zehn Jahre später erfolgte der Neubau des Werkes als quadratischer Gebäudekomplex im Chemnitzer Vorort Siegmar-Schönau zwischen der Zwickauer Straße und der Eisenbahnstrecke. Ein Jahr später wurde das Werk in "Wandererwerke" umbenannt, die Produktion beschränkte sich noch auf Fahrräder und Werkzeugmaschinen. 1903 kam der Einstieg in die Büromaschinenproduktion (zunächst nur Schreibmaschinen), ab 1916 in die Rechenmaschinenproduktion. Mittlerweile war Wanderer auch in die Kraftfahrzeugproduktion eingestiegen in Form von Motorrädern und Autos. In den 1920er Jahren kam westlich des Werksgeländes das neue Großgebäude mit den markanten Türmen (Architekt Erich Basarke) dazu, ebenso das große Rechenmaschinengebäude an der Südseite (Architekt Wilhelm Kreis), dem der zuvor dort befindliche Park weichen musste. In den 1930er Jahren verkaufte Wanderer seinen Automobilsparte an die Auto-Union und beschränkte sich damit auf Fahrräder, Werkzeug- und Büromaschinen. Bei den Büromaschinen war Wanderer sehr erfolgreich und entwickelte sich zeitweise zum größten Werk dieser Art in Europa. Im 2. Weltkrieg stellte Wanderer seine Produktion zunehmend auf Kriegsgüter um und wurde teilweise durch Bombentreffer zerstört.


Gebäude der Wandererwerke
(Schreibmaschinenproduktion)

Gebäude der Wandererwerke
(Rechenmaschinenproduktion)

Nach dem Krieg kam das Werk unter sowjetische Verwaltung, ein Teil des Werks wurde als Reparationsleistung abgebaut. 1946 lief die Büromaschinenproduktion wieder an, zwei Jahre später wurden die Reste des Werkes an die DDR zurückgegeben und die Büromaschinenproduktion als Volkseigener Betrieb unter dem Namen "Mechanik Büromaschinenwerk Wanderer-Continental" verstaatlicht. 1951 wurden die Astra-Werke und die Wandererwerke unter dem Namen "Büromaschinenwerk Chemnitz" zusammengelegt, eine Entscheidung, die anscheinend nicht glücklich war, da beide Firmen konkurrierende Produkte herstellten. Gleichzeitig wurde der Wanderer-Fräsmaschinenbau an die Werkzeugmaschinenfabrik "Fritz Heckert" abgegeben.

1955 wurde die Büromaschinenproduktion in den Gebäuden des Wandererwerks eingestellt und die Produktion der recht erfolgreichen Continental Klasse 900-Buchungsmaschine ins Optima-Werk nach Erfurt verlagert, wo die Maschine unter dem Namen "Optimatic" weiter gebaut wurde. Die Wandererwerke beschäftigten sich dann einige Jahre unter dem Namen "Industriewerke" mit der Produktion und Reparatur von Komponenten für die Luftfahrtindustrie. Als die Eigenentwicklung von Flugzeugen in der DDR aufgegeben wurde, wurde das Werk an die Firma "Orsta-Hydraulik" abgegeben. Einige Gebäude am westlichen Rand des Areals wurden von ELREMA weiterbenutzt.

Mit dem Ende der DDR kam die Produktion in den Gebäuden der Wandererwerke zum Erliegen. Die beiden großen Gebäude existieren heute (2013) noch, sind leer oder werden anderweitig genutzt. Von der frühen Bauten des Wandererwerks existieren noch zwei kleine Gebäude. Die ehemals dazuwischen liegenden Produktionshallen sind heute abgerissen: eine Straße und ein Parkplatz befinden sich nun dort.


Zweigwerk Oelsnitz

Mit der Schließung des Steinkohlenschachts "Karl Liebknecht" 1971 in Oelsnitz/Erzgebirge (20 km südlich von Chemnitz gelegen) standen dort Gebäude, Grundstücke und Menschen zur Verfügung, um einen Teil der Produktion aus dem Chemnitzer Ascota-Werk zu übernehmen. So wurde die Vorfertigung für die mechanischen Buchungsmaschinen (z.B. Stanzerei, Bohrerei, Galvanik, Materiallager) nach Oelsnitz verlagert, das nun den Namen "Karl-Liebknecht-Werk" bekam.


Ascota-Gebäude, im Hintergrund der ehemalige Förderturm

Ascota-Gebäude in Oelsnitz

Bohrerei

Stanzerei

Stanzerei

Hochregallager

Forschungseinrichtung

Werkslabor

Schreibmaschinenfertigung

Speisesaal

Außerdem wurde in Oelsnitz das Schulungszentrum von Ascota angesiedelt, wo bis zum Umzug in das neue Schulungszentrum in Leipzig die Ausbildung der Techniker erfolgte.


Schulungszentrum im Oelsnitz

Verwaltungsgebäude in Oelsnitz

Mit dem Ende der DDR endete auch die Büromaschinenindustrie in Oelsnitz. In der ehemaligen Werkhalle ist jetzt ein Baumarkt untergebracht, das ehemalige Ascota-Bildungszentrum ist jetzt Berufliches Schulungszentrum.


Chronik

Wie jeder Großbetrieb produzierte Buma auch artfremde Konsumgüter-Produkte: Wäschetrockner, Radmuttern, Geschenketuis und Spannzwingen.

Als Neuentwicklung war unter anderem eine Computermaus geplant, kam aber nicht mehr zur Serienproduktion.

Das Buchungsmaschinenwerk brachte eine Werkszeitung namens "Die Steuerbrücke" heraus.


Ehemalige Adressen

Karl-Marx-Stadt, Altchemnitzer Straße 41 (Werk 1)
Karl-Marx-Stadt, Annaberger Straße 93 (Werk 2)
Karl-Marx-Stadt, Adorfer Straße (Werk 3, Werk 4) Karl-Marx-Stadt, Beckerstraße (Werk 7)
Karl-Marx-Stadt, Elsässer Straße (Werk 8)
Burkhardsdorf, Annaberger Straße (Werk 9, Werk 11)
Burkhardsdorf, Badstraße (Werk 10)
Karl-Marx-Stadt, Wilhelm Raabe-Straße (Werk 13)
Karl-Marx-Stadt, Paul-Gruner-Straße (Werk 17)
Karl-Marx-Stadt, Annaberger Straße 89 (Werk 20)
Karl-Marx-Stadt, Neefestraße
Karl-Marx-Stadt, Augustusburger Straße
Karl-Marx-Stadt, Lohstraße
Karl-Marx-Stadt, Zwickauer Straße 221 (Wandererwerke) 9114 Markersdorf Chemnitztal, Hauptstraße 63
7126 Mölkau, Ernst-Thälmann-Straße 7 (Groma)
9156 Oelsnitz, Pflockenstraße 28
9156 Oelsnitz, Badstraße 4
Meinersdorf, Bahnhofstraße 23
Erdmannsdorf


Es gab außerhalb der DDR viele Firmen, die die Produkte des Buchungsmaschinenwerks vertrieben, besonders in den 1960er Jahren, als die DDR-Rechentechnik noch international konkurrenzfähig war. In der Bundesrepublik waren dies zum Beispiel: Und im sonstigen Ausland z.B.:

Letzte Änderung dieser Seite: 29.11.2016Herkunft: www.robotrontechnik.de