CAD-Programme

CAD-Programme dienen der Erstellung von Konstruktionszeichnungen am Computer.
Die Eingabe erfolgt per Tastatur, Maus, Grafiktablett oder Digitalisiergerät. Für die Ausgabe hat man Plotter oder auch Drucker verwendet.
Teilweise gab es Schnittstellen-Programme, die eine direkte Ansteuerung von Werkzeugmaschinen (CAM) bzw eine Kopplung mit bereits bestehenden CAM-Programmen ermöglichten.
CAD-Zeichnungen wurden hauptsächlich im Mechanik-Bereich (Gebäude-Planung, Maschinenbau) sowie im Bereich Elektrotechnik (Schaltplanerstellung, Leiterplatten-Entwurf) eingesetzt.

Als Rechner kamen anfangs Großrechner (EC1056, K1600, K1840), später auch Bürocomputer (A7100, A5150, EC1834) zum Einsatz.

CAD/CAM war in der DDR ein Prestige-Thema. In den Medien wurde viel darüber berichtet, in der Praxis jedoch nur wenig davon angewendet. Um schöne Statistiken zu haben, wurde häufig andere Programm zu CAD oder CAM gezählt, beispielsweise Materialkataloge (reine Rechercheprogramme). Bis zum Ende der DDR wurden viele Zeichnungen noch herkömmlich mit Stift und Zeichenbrett erstellt. Auch bei Robotron wurden bis mindestens Mitte der 1980er Jahre die Schaltpläne noch mit der Hand gezeichnet.

Außer den hier aufgeführten Programmen gab es noch einige andere, besonders im Großrechnerbereich. Leider fehlen uns darüber noch genauere Informationen.


CAD-Programm GEDIT/M16

GEDIT war eine Software zur 2D-Konstruktion im Bereich Mechanik, die auf den Rechnern A7100 und A7150 lief. Entwickler der Version 2 war die TH Leipzig, die Version 3 wurde von der Firma "VEB Polygraph" vertrieben. Im Gegensatz zum Vorgängerprogramm GEDIT/M8 war GEDIT/M16 ein vollgrafisches Konstruktionsprogramm. Es gab sowohl Versionen, die unter dem Betriebssystem SCP1700 als auch unter DCP1700 arbeiteten. In beiden Fällen war die Nutzung einer grafischen Betriebssystem-Erweiterung (SCPGX bzw. DCPGX) Voraussetzung.
Der Start des Programms erfolgte mit dem Kommando gedit.

GEDIT konnte über die Tastatur, über das Grafiktablett K6405 sowie das Digitalisiergerät K6404 bedient werden. Als Ausgabegeräte wurden die Plotter K6411 und K6418 sowie Drucker der K631x-Serie eingesetzt.

Das Programm arbeitete im Grafikmodus mit einer Auflösung von 640x480 Punkten (A7150) oder 640x400 Punkten (A7100). Als Bildschirme kamen Monochrombildschirme K7229.25 oder Farbbildschirme K7333 bzw. K7334 zum Einsatz.


Startbildschirm von GEDIT 2

Zeichnung in GEDIT 2

Menüsystem von GEDIT 3

Zeichnung in GEDIT 3

Arbeit mit GEDIT 3

Ein großes Manko im GEDIT Version 2, welche wahrscheinlich hauptsächlich für Ausbildungszwecke eingesetzt wurde, war das Fehlen von Bemaßungen. Das wurde mit der Version 3 überwunden. Vorteilhaft des in der Programmiersprache PASCAL geschriebenen GEDIT war die Möglichkeit, externe Programmodule zu schreiben bzw. Programmteile in andere Programme einbinden zu können.


CAD-Programm POLYCON

(Alias PolyCAD, Poly-CAD)

PolyCon war der Nachfolger von GEDIT/M16 und wurde 1990, also erst nach dem Ende der DDR entwickelt. Entwickler war die Firma "IAC mbH" in Leipzig.
PolyCon lief auf dem Rechner A7150 unter dem Betriebssystem DCP1700 und auf westlichen PCs unter dem Betriebssystem DOS. Die grafische Erweiterung DCPGX war für PolyCon nicht mehr notwendig.
Der Start des Programms erfolgte mit dem Kommando polycon.

PolyCon konnte über die Tastatur und über das Grafiktablett K6405 bedient werden.
Als Ausgabegeräte wurden der Plotter Sekonic SPL 430 (Importgerät) sowie Drucker der K631x-Serie eingesetzt.


Startbildschirm von PolyCon

Hauptmenü in PolyCon

Zeichnung in PolyCon


CAD-Programm MULTICAD

(Alias Multi-CAD)

MultiCAD war ein 2D-Konstruktionsprogramm im Mechanikbereich, das auf den Rechnern A7150 und EC1834 unter dem Betriebssystem DCP lief.
Es konnte über die Tastatur und das (notwendige!) Grafiktablett K6405 bedient werden.
Als Ausgabegeräte wurden der Plotter Sekonic SPL 430 (Importgerät) sowie Drucker der K631x-Serie eingesetzt.

Das Programm arbeitete entweder mit 1 Bildschirm im Grafikmodus (Auflösung 320x200 Punkte) oder mit zwei Bildschirmen, wobei einer im Textmodus und der andere im Grafikmodus (640x480 Punkte) arbeitete. Letzteres war nur am EC1834 realisierbar.
Als Bildschirme kamen Monochrombildschirme K7229.25 oder Farbbildschirme K7333 bzw. K7334 zum Einsatz.


Hauptmenü von MultiCAD

Zeichnung in MultiCAD

Zum Start von MultiCAD ist die Einbindung des Treibers KGSDS&DG.DRV in der Datei CONFIG.SYS notwendig.
Außerdem muss die KGS-Firmware durch Laden einer Update-Datei GRAF?.F50 (mindestens Version 9) aktualisiert werden.
Der Start des Programms erfolgte mit dem Kommando MCAD.


CAD-Programm PCCAD

(Alias PC-CAD)

PC-CAD war ein 2D-Konstruktionsprogramm für die Bereiche Mechanik und Elektrotechnik/Elektronik.
Es wurde auf dem Rechner A7150 unter dem Betriebssystem DCP eingesetzt und konnte über die Tastatur und das Grafiktablett K6405 bedient werden.
Als Ausgabegeräte kamen der Plotter Sekonic SPL 430 (Importgerät) sowie Drucker der K631x-Serie zum Einsatz.

Das Programm arbeitete im Grafikmodus mit einer Auflösung von 640x480 Punkten.
Als Bildschirme kamen Monochrombildschirme K7229.25 oder Farbbildschirme K7234 zum Einsatz.


Startbildschirm von PCCAD

Textmodus in PCCAD

Zeichnung in PCCAD

Zum Start von PCCAD ist die Einbindung des Treibers PCCAD.SYS in der Datei CONFIG.SYS notwendig.
Außerdem muss die KGS-Firmware durch Laden einer Update-Datei GRAF?.F50 (mindestens Version 9) aktualisiert werden.
Der Start des Programms erfolgte dann mit dem Kommando PCCAD.


CAD-Programm LoKl

(Alias LoKi)

Bei LoKl handelt es sich um ein auf die Belange der Leiterplattenentwicklung zugeschnittenes System mit grafischem Bildschirmeditor und zeichenorientierter Benutzeroberfläche.
Die Software ist unter dem Betriebssystem CP/A auf Bürocomputern A5120, K8924 etc. einsetzbar, wenn eine entsprechende Grafikkarte nachgerüstet wurde (z.B. VIS3 o.ä.).

Zur Anzeige diente neben dem Textmodus-Bildschirm K7222 ein Grafikbildschirm K7226.
Die Ausgabe der erstellten Bilder kann als Hardcopy auf einem Drucker erfolgen, dafür werden die Routinen der Grafiktreiber genutzt.
Zur Erzeugung reproduktionsfähiger Vorlagen wurde das Programm LoKlEP geschrieben, das z.B. maßstäbliche Vorlagen für Leiterplattenlayouts auf EPSON LX-86 oder ähnlichen Druckern ermöglicht.

Das Programm ist in der Sprache Turbo-Pascal geschrieben und arbeitet im Gegensatz zu GSX-basierenden und ähnlichen Programmen intern grundsätzlich auf Bitmapbasis.
Dadurch ergibt sich auch auf 8-bit-Rechnern eine akzeptable Arbeitsgeschwindigkeit, jedoch mit dem Nachteil fehlender Zoom-Möglichkeiten, die aber durch die VIS-Karten teilweise ausgeglichen werden können.

Das Programm wurde an der Akademie der Wissenschaften im Institut für Mechanik erstellt.

Leider ist uns von dieser Software derzeit nur ein Benutzerhandbuch bekannt.

Sollte einem Leser das Programm vorliegen, so wären wir über eine Nachricht dankbar.



CAD/CAM-System GRAFIS

Grafis (Gradation und Forschungsinstitut für Schuhtechnologie) war ein 1979 begonnenes Projekt der Schuhfabrik Weißenfels und wurde zunächst dort innerbetrieblich verwendet. Ziel war der computergestützte Entwurf und anschließend die Fertigung der für die Schuhproduktion benötigten Werkzeuge.

Bis zum Einsatz von Grafis war die Formenherstellung eine aufwändige Handarbeit, mussten ja nicht nur die aktuellen Modetrends eingearbeitet werden, sondern auch verschlissene Formwerkzeuge wieder durch gleichartige ersetzt werden. Einmal aufgestellte Datensätze konnten durch Grafis auf einfache Weise für andere Schuhgrößen durch Umrechnung wieder benutzt werden. Mit dem Einsatz von Grafis erreichte man eine Zeiteinsparung von ca 40%, was einen erheblichen finanziellen Nutzen darstellte.


geplottete Grafis-Daten (Halbschuh-Lederentwurf)

geplottete Schuhsohlenformen

geplotteter Entwurf eines Stiefels

Eine Besonderheit des Einsatzes war, dass die zu fertigenden Objekte aus doppelt gekrümmten Flächen bestanden, was hohe Anforderungen an die Fähigkeiten und Programmierung der CNC-Automaten stellte.

Die Ursprünge des Programms liegen noch weitgehend im Dunkeln. Es gab Anfang der 1980er Jahre eine Version für den Computer A6454, davor möglicherweise eine für den Computer R4201. Mitte der 1980er Jahre wurde das Programm auf die inzwischen verfügbaren Bürocomputer portiert. Als Hardware wurde ein westlicher PC, bestückt mit 640 KByte RAM, einem Coprozessor und einer leistungsfähigen Grafikkarte (1000x800 Pixel, 7 Farben), benutzt, ergänzt durch ein Digitalisiergerät (wahrscheinlich K6405), einen grafikfähigen DIN-A3-Nadeldrucker (wahrscheinlich K6314) und einen Plotter. Der Rechner hatte zwei Bildschirme: einen Monochrom-Bildschirm für Menüs und Texte sowie einen farbigen 19-Zoll-Bildschirm (wahrscheinlich K7226) für die Grafikausgabe. Außerdem wurde ein Lochbandstanzer angesteuert, mit dem die Steuerlochbänder für eine Maschinensteuerung CNC600 erstellt wurden. Diese wiederum steuerte einen Fräsautomaten "CFKrW 250x1000mm", der dann automatisiert die Schuhformen aus Metall fräste.

Grafische Datenerfassung für 2D-Daten konnte auf einem Digitalisiergerät K6401 bzw. dem Digitron gemacht werden, für die Gewinnung von 3D-Daten konnte einen 3D-Messmaschine angeschlossen werden. Von der Nutzung eines Digitalen Zeichentisches DZT wurde ebenfalls berichtet.

Das Betriebssystem des CAD-Rechners war DOS bzw. DCP. Im Inneren von GRAFIS war eine Programmiersprache mit über 120 Befehlen eingebaut, damit konnte das Programm außer über Menüs auch durch Skripte dieser Sprache gesteuert werden.


Faltschachtelentwurf mit Grafis

Das Programm wurde mehrfach weiterentwickelt; in der DDR entstand bis 1988 mindestens noch die Version 3. Außerdem wurden neue Anwendungsfelder erschlossen, beispielsweise für den Entwurf von Faltschachteln für die Verpackungsmittelindustrie (in Verbindung mit einen Laserschneidverfahren) und für die Technologie von Stoffen für die Bekleidungsindustrie. Spätestens mit der politischen Wende und der Schließung der Schuhfabrik war dies auch notwendig. Erfreulicherweise hat die Weiterentwicklung des Programms bis heute (2013) überlebt, inzwischen als moderne Software unter dem Betriebssystem Windows.
Die damaligen Gebäude der Schuhfabrik Weißenfels (Banner-Schuhe) sind inzwischen abgerissen.

Letzte Änderung dieser Seite: 03.01.2017Herkunft: www.robotrontechnik.de