Buchungsautomat Astra 170 / Ascota 170 / Klasse 170 / daro 170

(Alias Astra170, Ascota170, Klasse170, daro170)

Dieser vom VEB Buchungsmaschinenwerk Karl-Marx-Stadt gebaute Computer war die leistungsfähigste elektromechanische Buchungsmaschine der DDR und das Flaggschiff des Herstellers. In ihr erreichte die mechanische Rechentechnik der DDR ihre höchste Komplexität und bescherte dem Hersteller letztendlich eine Produktionszahl von 332.742 Exemplaren (wahrscheinlich DDR-Rekord), wobei viele Maschinen auch in das westliche Ausland exportiert wurden. In der Blütezeit der Maschine verkaufte sie der Hersteller in 101 Länder der Welt (also mehr als die Hälfte aller Länder). Mit der Ascota 170 erreichte die DDR im Bereich der Computertechnik kurzzeitig Weltniveau.


Buchungsautomat Ascota 170 in kleiner Ausstattung

Buchungsautomat Ascota 170-LB mit Lochbandtechnik

Die Entwicklung der Maschine basierte auf den Erfahrungen mit mechanischen Rechenmaschinen, die seit den 1920er Jahren in den Firmen Astra und Wanderer gewonnen wurden. Von Astra stammte die Entwicklung der Einfachtastatur, von Wanderer die der mechanischen Programmabarbeitung. Während des 2. Weltkriegs wurde die Buchungsmaschinenentwicklung in beiden Werken unterbrochen. Entwicklungsbeginn der Ascota 170 war nach Ende des 2. Weltkriegs, 1953 war der erste Prototyp funktionsfähig. Von 1955 bis 1983 (also rekordverdächtige 28 Jahre lang!) wurde die Maschine dann in Serie produziert. Mitte der 1970er Jahre wurde die Produktion vorerst eingestellt, kurz danach aber, aufgrund einer neuen Großbestellung der Sowjetunion, wieder aufgenommen. Als Neugerät war die Ascota 170 in den 1980er Jahren technisch bereits stark veraltet. Die Sowjetunion, die sogar noch ein elektronisches Zusatzmodul dazu entwickelte, war dann wahrscheinlich einziger Abnehmer. Viele Ascota 170 waren bis Ende der DDR 1990 im Einsatz, bis sie dann rapide durch die PCs abgelöst wurden.


Innenansicht der 170/10, Blick von links

Innenansicht der 170/10, Blick von rechts

Blick von unten in die geöffnete 170/45-TM20

Technisch war die Ascota 170 interessant: Sie war einer von nur wenigen mechanischen Computern der DDR, der frei programmierbar war und sie besaß als einer von nur wenigen mechanischen Computern bereits das typisch modulare Aufbauschema späterer elektronischer Rechner. Der Datenbus wurde durch zwölf nebeneinander liegende Zahnstangen gebildet, von denen jede um maximal 9 Zähne (dezimale Arbeitsweise) verschoben werden konnte. Auf diese Weise wurden die Daten innerhalb des Rechners von Modul zu Modul übertragen. Die Gerätemodule (Tastatur, Prozessoren, Speicher, Schnittstellen) konnten zu bestimmten Zeitpunkten auf die Zahnstangen gekuppelt werden und dann Daten lesen oder schreiben. Die Taktversorgung erfolgte durch die motorgetriebene Druckwelle, die bei jeder Rechenoperation genau 1 Umdrehung machte. Auf ihr saßen verschiedene Nockenscheiben, die die zeitlichen Abläufe innerhalb einer Berechnung koordinierten.

Die Ascota 170 wurde zu einer Zeit geschaffen, in der Computer seltene, riesige Anlagen waren, die allenfalls für wissenschaftliche oder militärische Zwecke benutzt wurden. Kleine mechanische Rechner waren zur dieser Zeit bereits verbreitet, doch die bedingten eine hohe Konzentration des Anwenders und umständliche Schrittfolgen bei der Arbeit. Mit der Ascota 170 konnten hingegen Rechnungen dezentral, automatisiert, preiswert, mit geringem Platzbedarf und mit minimalem Bedienaufwand ausgeführt werden, was der Maschine Einsatzmöglichkeiten in allen Bereichen der Wirtschaft erschloss. Haupteinsatzzweck war die Geldwirtschaft (also Banken, Sparkassen, Krankenkassen), wo die starke Automatisierung der Maschine eine weitgehend fehlerfreie Arbeit des Anwenders bei höchster Produktivität (Einsatz im Dauerbetrieb, 350 Buchungen pro Stunde) sicherte. Weiterhin wurde sie zur Lohnrechnung in Firmen, zur Erstellung von Rechnungen (Fakturierung), zur Lagerverwaltung, zur Erstellung von Produktionsstatistiken u.v.m. eingesetzt. Durch ihre Programmierbarkeit (das Programm konnte mit wenigen Handgriffen ausgetauscht werden) konnte mit 1 Maschine unterschiedliche Arbeiten ausgeführt werden. Zwei Ascota 170 reichten aus, um beispielsweise die Geldwirtschaft einer Krankenkasse mit 13.000 Mitgliedern zu bewältigen. Die Anschaffungskosten einer durchdacht eingesetzten Maschine hatten sich bereits nach 1 Jahr amortisiert, danach fuhr die Maschine Gewinn ein und sie konnte viele Jahre arbeiten...


Mechanischer Aufbau

Die über 90 kg schwere Maschine hing entweder in einem Metallgestell, das durch zwei hölzerne Beistellschränkchen oder Arbeitsplatten komplettiert wurde oder freischwebend zwischen zwei durch ein Brett und eine Fußstütze verbundenen Beistellschränkchen. In den Beistellschränken befanden sich ggf. die Multipliziereinrichtung, die Lochbandtechnik und der Konstantenspeicher, ansonsten waren sie als Ablage für Büromaterial und Programmbrücken verwendbar. Die ersten Modelle hatte anstelle der Schränkchen kleine Tischplatten an den Seitee, später gab es hölzerne Beistellschränkchen mit abgerundeten Ecken, zum Schluss wurden eckige, furnierte Pressspanschränke ausgeliefert.


Alte Tischform mit flügelartigen Arbeitsbrettern

Neue Tischform mit Beistellschränken

Der Rechner war auf eine massive Grundplatte aus Gusseisen aufgebaut. Um Platz zu sparen, hatte der Hersteller sowohl über als auch unter der Grundplatte Bauelemente untergebracht. Deswegen konnte man den Rechner nicht einfach auf einen Tisch legen, ohne ihn zu beschädigen, was Reparaturen allerdings erschwerte. In den Reparaturwerkstätten gab es Gestelle, in die die Maschinen drehbar eingehängt werden konnten und so einen allseitigten Zugang ermöglichten.


Die Mutter aller Ascota170:
Das Designmodell von Formgestalter Paul Jung

Prototyp einer Maschine im geänderten Gehäuse
Diese Variante wurde nie in Serie produziert.

Letzte Bauform der Maschine
mit modernisiertem Gehäuse und geänderter Farbgebung

Es gab Maschinen mit leicht geändertem Gehäusedesign, jedoch waren die sehr selten.


Tastatur

Es gab verschiedene Ausrüstvarianten des Rechners, die sich auch äußerlich in unterschiedlichen Tastaturen widerspiegelten: Die Zifferneingabe erfolgte über eine Zehnertastatur, die im wesentlichen mit der der Astra 110 übereinstimmte (Beschreibung siehe dort). Die eingetastete Zahl wurde in einer Stellstückmatrix zwischengespeichert, von Zahnstangen abgetastet und so in die Rechenwerke übertragen. Während die Rechnung lief, konnte bereits die nächste Zahl eingetastet werden, wodurch ein Warten des Anwenders auf die Maschine vermieden wurde.


Tastatur der Ascota 170/55

Stellstück-Matrix

Hebelchaos: Schreibwerkmechanik der Ascota 170

Schreibmaschinentasten und Buchungstasten arbeiteten nur alternativ: dazu gab es einen Umschalthebel auf der Tastatur, außerdem konnte die Umschaltung programmgesteuert vorgenommen werden. Zusätzlich zu Zahlen und Buchstabentasten enthielt die Tastatur auch Symboltasten, nach deren Aktivierung vor der Zahlenausgabe das entsprechende Symbol in ausgewählten Tabellenspalten mit gedruckt wurde. Somit konnte u.a. gekennzeichnet werden, ob es sich eine Einzahlung, Auszahlung, Überweisung, Stornierung u.ä. handelte. Es gab unterschiedliche Symbolbestückungen für die verschiedenen Einsatzgebiete, z.B.: Für den Symboldruck waren vier Typenstangen reserviert. Es gab alternativ drei Bauformen von Symboltastaturen: 1 Reihe vierstellige Worte, 2 Reihen zweistellige Worte oder 2 Reihen kursive Ziffern.

Neben den Maschinen mit verschiedenfarbigen Tasten gab es auch welche, die regelrecht tarnfarben waren: grünes Gehäuse und ausschließlich grüne Tasten. Ob diese Variante fürs Militär bestimmt waren oder nur eine Modeerscheinung waren, lässt sich heute nicht mehr feststellen.

Es gab Spezialvarianten, bei denen sich unter jeder Taste des Schreibwerks ein Kontakt befand, der über einen Anschluss aus der Maschine herausgeführt wurde und zur Datenübertragung an Fremdgeräte (wahrscheinlich Lochkartengeräte) diente.


Druckwerk

Das Druckwerk bestand aus drei Teilen:

Die drei Druckwerke der Ascota 170

Druckbild der Ascota 170

Bedruckt wurde üblicherweise eine Kontenkarte (meist ohne automatische Zeilenfindung) mit einem schwarz-rotem Farbband (automatischer Rotdruck bei negativen Werten) und gleichzeitig darunter eine Bahn Endlospapier (Journal) durch einen um die Druckwalze gewickelten Bogen Kohlepapier. Buchstabendruckwerk und Zahlendruckwerk arbeiteten alternativ: es gab also einen Schreibmaschinenmodus und einen Rechenmodus.


Buchungswagen

Bei der Ascota 170 waren die Druckwerksmodule horizontal unbeweglich. Um die verschiedenen Spalten der Tabelle zum Druckwerk zu bringen, wurde stattdessen das Papier mitsamt Druckwagen seitlich bewegt wie bei alten Schreibmaschinen. Zum Anfahren des Zeilenanfangs wurde der Buchungswagen durch den zentralen Motor ganz nach rechts gezogen und dabei eine Feder gespannt. Anschließend kuppelte der Motor aus und die gespannte Feder bewegte über ein Zugseil den Buchungswagen (verzögert durch eine Bremse) allmählich nach links. An den gesetzten Tabstopps hielt der Wagen an. Dort konnten die entsprechenden Berechnungen und Druckausgaben gemacht werden (alle Ziffern einer Zahl wurde gleichzeitig gedruckt), anschließend lief der Wagen zum nächsten Tabstopp. Mit Erreichen des Zeilenendes wurde der Motor zwecks Wagenrücklauf wieder eingekuppelt.

Die Papierwalze konnte bei Bedarf per Knopfdruck geteilt werden, um auch zwei separate Papierbahnen nebeneinander bedrucken zu können. Der Zeilenabstand (0, 1, 1½, 2 oder 3 Zeilen) ließ sich dabei für beide Bahnen getrennt einstellen, konnte aber nicht programmgesteuert beeinflusst werden. Für die Kontenkarten gab es am Buchungswagen unterschiedliche Vorsteckeinrichtungen, die sich manuell oder programmgesteuert öffnen und schließen ließen. Der Papiervorschub erfolgte durch eine sich vor und zurück bewegende Stange, die mit einem Klauenwerk die Papierwalze weiterdrehte.

Die Ascota 170 konnte alternativ mit einem 47-cm-Buchungswagen oder einen 63-cm-Buchungswagen bestückt werden. In der Praxis wurde fast ausschließlich letzterer benutzt.

Ascota produzierte eine große Anzahl zusätzlicher Papiereinzüge (Formulartechnik) für unterschiedliche Anwendungsbereiche.


Rechenwerk

Der Rechner basierte auf zwölfstelligen, dezimalen, mechanischen Rechenwerken (Wertebereich -999 Milliarden bis +999 Milliarden, das entspricht bei heutigen binären Maschinen einer Busbreite von 41 Bit!) mit den Grundfunktionen Addition, Subtraktion, Speichern, Zwischensumme und Endsumme. Das Rechenwerk der Ascota 170 wurde aus dem Rechenwerk der Schnellsaldiermaschine Astra 110 heraus entwickelt (nähere Funktionsbeschreibung unter Zahnstangenrechner) und durch einen zentralen Elektromotor angetrieben. Bei Reparaturen konnte die Maschine aber auch provisorisch über eine Kurbel angetrieben werden.
Neben den auf den Rechenwerken sitzenden maximal fünf Ergebnisregistern (drei davon saldierend, also auch für negative Ergebniszahlen) verfügte die Maschine je nach Ausstattungsvariante über bis zu 50 mechanische Zusatzspeicher für positive Ergebniszahlen, aufgeteilt auf Trommeln zu je zehn Zahlen. Das gewünschte Register in der Trommel wurde durch Tastaturanwahl oder programmgesteuert nach oben gedreht, die gewünschte Trommel ausgewählt, und die Zahl darin dezimal durch automatisches Verdrehen von zwölf Zahnrädern abgelegt bzw. aufgerechnet.


Rechenwerk

Ausgebaute Speichertrommel

Ausgebaute Speichertrommel



Die elektronischen Varianten

Einige Maschinen hatten die Möglichkeit, durch elektronische Module, die über Kontakte und Elektromagnete mit dem mechanischen Rechenwerk kommunizierten, ergänzt zu werden: Voraussetzung war eine entsprechende Vorbereitung im Inneren des Rechners (Stromversorgungen, Schalter, Hebelwerk, Schnittstellenstecker). Über einen automatischen Verteiler konnte ein TM20 auch von zwei Ascota 170 wechselseitig benutzt werden.


Buchungsautomat Ascota 170 mit MM

Buchungsautomat Ascota 170 mit TM20

Ascota170 mit TS36

Reparatur einer Ascota170 mit TS36

Kontaktbrücke zur Auslösung elektrischer Funktionen

Kontaktmatrix und elektrischer Stellstückspeicher

Noch einen Schritt weiter ging der Hersteller, als er die Maschine auch als Datenerfassungsgerät (Erstellung von Lochbändern oder Lochkarten zur Datenübergabe an größere Rechnersysteme) nutzbar machte. Hierbei arbeitet die Buchungsmaschine mit einem externen Steuerprozessor zusammen, der die Daten-Zusammenstellung (Formatierung) des Datenträgers erledigte. Die maximale Ausbaustufe wurde mit dem System Ascota 1700 erreicht: Hier arbeitete die Buchungsmaschine mit einem Lochkartensortierer und einen Lochkartenstanzer zusammen, konnte also Daten vom Fremdgerät lesen und Daten ans Fremdgerät ausgeben, womit die Funktion eines Kleinrechenzentrums erreicht wurde.


Programmierung

Die Programmierung der Maschine erfolgte über auswechselbare Steckbretter, in die an unterschiedlichen Stellen unterschiedlich geformte Metallstecker eingeschlagen und durch metallene Abfühlfinger ausgelesen wurden. Auf diese Weise konnten über 90 unterschiedliche Befehle programmiert werden. Theoretisch konnte ein Programm aus bis zu 53 (nacheinander abgearbeiteten) Schritten bestehen, wobei jeder Schritt mehrere Befehle enthalten konnte. Um die Breite des Steckbrettes klein zu halten, waren für manche Abfühlhebel mehrere Befehle möglich, auswählbar durch unterschiedliche Höhe der Programmierstecker und abhängig von anderen Befehlen. Einige Befehle konnten auch manuell mit der Tastatur ausgeführt werden, andere waren ausschließlich über das Programm-Steckbrett startbar. Um unterschiedliche Formulararten oder mehrzeilige Rechnungen verwalten zu können, konnte zwischen zwei Programmen umgeschaltet werden (manuell oder auch softwaregesteuert).


Programmierbrett

Abfühlmechanik (links) für das Programmierbrett

Programmierung eines Steckbretts

Hinter den Tabstops (die auch gleichzeitig die Tabellenspalten auf dem Papier definierten) lagen die Befehlsstecker der für die betreffenden Spalte auszuführenden Befehle. Der Buchungswagen hielt also an diesen Tabstops an, wartete ggf., bis die Eingabe vollständig war, führte dann den Programmschritt aus und ging zum nächsten Tabstop. Für Maschinen mit elektronischem Multiplizierwerk oder mit Lochbandtechnik gab es ein weiteres, schmaleres Programmierbrett, auf dem die Ansteuerung dieser peripheren Geräte kodiert war (Auslösung über elektrische Schaltkontakte).

Das Erstellen der Programme passend zu den Anforderungen des Kunden wurde damals üblicherweise nicht vom Anwender, sondern von den Spezialisten des Buchungsmaschinenwerks bzw. den Leuten des Robotron-Vertriebs gemacht. Zur Programmierung wurde das Steckbrett aus der Maschine gezogen, es wurde eine spezielle Schablone als Legende aufgelegt und anschließend die Metallstecker entsprechend der auf einem Formular entworfenen Befehlsfolge mit einem Hammer eingeschlagen.

Es wurden auch Steckbretter entwickelt, bei denen sich die Höhe der Programmstecker per Hebel umschalten lies, um die Programmkapazität zu vergrößern. Ob diese Entwicklung jemals über den Prototypenstatus heraus kam, ist aber fraglich.


Produktion und Reparaturen

Die Vorfertigung der Bauteile wurde anfangs in Chemnitz gemacht, später im Zweigwerk in Oelsnitz. Elektronische Komponenten wurden teilweise in Mölkau gefertigt. Die Endmontage der Maschine erfolgte stets in Chemnitz.

Nach der Produktion (und vermutlich nach Reparaturen) wurde die Maschine beim Hersteller in einem Raum gebracht, wo sie Stößelsätze über die Tastatur geklemmt bekam und zusammen mit zusammen mit knapp 50 weiteren Maschinen von einem zentralen Lochband gesteuert sieben Stunden lang ein Dauertestprogramm absolvierte, also "eingefahren" wurde. Erreichte die Maschine dabei nicht das erwartete Endergebnis, wurde sie gleich einer erneuten Reparatur unterzogen. Damit sollten Gerätefehler noch vor der Kundenauslieferung erkannt werden.


Reparatur einer Ascota 170, eingehängt in ein Drehgestell

Reparatur einer Ascota 170

Ascota 170 im Dauertest

Ascota 170 im Dauertest

Im Laufe der langen Produktion wurden immer wieder Verbesserungen an der Maschine vorgenommen. So wurde z.B. später ein anderer Antriebsmotor verwendet, das Schreibwerk wurde durch eine Neukonstruktion ersetzt, die Druckwalze war bei den ersten Modellen noch nicht teilbar. Es gab auch viele kleine Korrekturen zur Erhöhung der Laufstabilität der Maschine.

Der Hersteller legte Wert auf eine gute Verpackung der Ascota 170: In hölzernen Kisten hielten die Maschinen auch einen rauhen Seetransport stand. Um dies sicherzustellen, wurden im Werk extra Aufschlagtests mit den Kisten gemacht.


Ascota 170 bei der Verpackung

Verpackte Ascota170

Ascota unterhielt Servicefirmen im Ausland, die sich um die Anwender kümmerten und den Vertrieb der Geräte übernahmen In der Bundesrepublik war die z.B. die Firma "Ascota-Ring GmbH", in Italien die Firma "Lagomarsino S.p.A.". Die Schulung der Spezialisten erfolgte meist in der DDR. Technische Unterlagen zur Maschine stellte Ascota dafür in den entsprechenden Sprachen zur Verfügung, ebenso die Werbebroschüren, die den Kunden von der Nützlichkeit der Maschine überzeugen sollten.


Kurios: Auslieferung einer Ascota 170 in Venedig

Die Reparaturjournale belegen, dass die Ascota 170 recht störanfällig war und jedes Jahr mehrere Reparaturen notwendig waren, was aber anscheinend von den Anwendern akzeptiert wurde. Kleinere Reparaturen wurden vom Ascota-Kundendienst vorort beim Kunden gemacht, bei größeren Reparaturen war die Maschine beim Hersteller abzuliefern. Normalerweise wurden die Maschinen routinemäßig alle 2 Monate am Einsatzort vom Kundendienst überprüft. Alle 6 Jahre kamen die Maschinen routinemäßig ins Herstellerwerk, wurden dort komplett bis auf die Grundplatte zerlegt, neu aufgebaut und schadhafte Teile dabei ersetzt.

Einer der Prozessoren (das sogenannte Kontrollwerk), vom Anwender unbeeinflussbar innerhalb der Maschine versteckt, war für Berechnungsüberprüfungen reserviert. Damit konnte der Anwender auch im laufenden Betrieb sehen, ob sein Buchungsautomat einwandfrei gearbeitet bzw. ob er sie korrekt bedient hatte, worauf besonders die Geldwirtschaft Wert legte.


Sonstiges

Der Preis der Ascota 170 betrug in der DDR anfangs 8608 Mark, später 7592 Mark, ein für die Komplexität der Maschine erstaunlich niedriger Preis.

Die mechanische Komplexität der Ascota 170 wurde nie überboten: nur durch elektronische Rechentechnik (Nachfolger Ascota 700 bzw. Ascota 840) war danach noch ein noch größerer Funktionsumfang möglich.

Von der Ascota 170 haben bis heute nur wenige Exemplare überlebt, vier davon erfreulicherweise in funktionsfähigem Zustand. Im Rahmen der Bergungsaktion aus dem Gummiwerk Schönebeck und dem Kernkraftwerk Stendal haben wir solche Maschinen gerettet und sind dabei, sie im Rechenwerk Computermuseum Halle wieder funktionsfähig zu machen. Bei ersterer ist das bereits gelungen.

Wer besitzt Unterlagen oder Ersatzteile zur Ascota 170 oder kennt sich mit diesem Gerät aus? Wer hatte früher mit so einen Gerät gearbeitet?

Buchungsautomat Astra 171 / Ascota 171 / Klasse 171

(Alias Astra171, Ascota171)

Als "Ascota 171" hatte man teilweise die abgerüsteten Varianten der Ascota170 bezeichnet, die keine Schreibmaschinentastatur besaßen, also nur numerische Eingaben erlaubten.
Anstelle des Schreibwerkes befand sich eine Tafel, auf der Bedienungshinweise in Papierform abgelegt werden konnten.


Buchungsautomat Ascota 171

Vor 1960 trugen diese Maschinen die alten Namen: Ascota 121, Ascota 131, Ascota 141, Ascota 151, Ascota 161.
Von den schreibwerklosen Maschinen hat bis heute 1 Exemplar überlebt.


Buchungsautomat Astra 120 / Klasse 120 / Astra 121 / Klasse 121

Bei der 120 scheint es sich um eine abgerüstete Variante der Klasse 170 zu handeln. Sie besaß zwei zwölfstellige Saldierwerke (I, II), allerdings weder Hauptspeicherwerke noch Speichertrommeln. Die Klasse 120 besaß eine Volltexttastatur, die 121 hingegen nicht.


Buchungsmaschine Astra 120

Produktionsbeginn war 1957, ab 1959 wurde dieser Maschinentyp in "Ascota 170/2" bzw "Ascota 171/2" umbenannt.

Die Astra 120 gilt heute als ausgestorben.


Kontrollautomat Astra 122 / Klasse 122

Bei der Klasse 122 scheint es sich um eine abgerüstete Variante der Klasse 170 zu handeln. Sie besaß zwei zwölfstellige Saldierwerke (I, II), allerdings weder Hauptspeicherwerke noch Speichertrommeln. Außerdem fehlten bei dieser Maschine die Kurztexteinrichtung und der Datumsdruck.


Kontrollautomat Astra 122

Produktionsbeginn war 1957, ab 1959 wurde dieser Maschinentyp in "Ascota 171/2" umbenannt.

Die Astra 122 gilt heute als ausgestorben.


Buchungsautomat Astra 130 / Klasse 130 / Astra 131 / Klasse 131

Bei der 130 scheint es sich um eine abgerüstete Variante der Klasse 170 zu handeln. Sie besaß drei zwölfstellige Saldierwerke (I, II, K), allerdings weder Hauptspeicherwerke noch Speichertrommeln. Die Klasse 130 besaß eine Volltexttastatur, die 131 hingegen nicht.


Buchungsmaschine Astra 130

Produktionsbeginn war 1957, ab 1959 wurde dieser Maschinentyp in "Ascota 170/3" bzw. "Ascota 171/3" umbenannt.

Die Astra 130 gilt heute als ausgestorben.


Buchungsautomat Astra 140 / Astra 141 / Klasse 141

Bei der 140 scheint es sich um eine abgerüstete Variante der Klasse 170 zu handeln. Sie besaß drei zwölfstellige Saldierwerke (I, II, K) und die beiden Hauptspeicherwerke (II und IV), allerdings keine Speichertrommeln. Die Klasse 140 besaß eine Volltexttastatur, die 141 hingegen nicht.


Buchungsmaschine Astra 140

Produktionsbeginn war 1957, ab 1959 wurde dieser Maschinentyp in "Ascota 170/5" bzw. "Ascota 171/5" umbenannt.

Die Astra 140 gilt heute als ausgestorben.


Buchungsautomat Astra 150 / Klasse 150

(Alias Astra150, Ascota150)

Bei der 150 scheint es sich um eine abgerüstete Variante oder Vorgängervariante der Klasse 170 zu handeln. Sie verfügte vermutlich nur über 1 Speichertrommel mit fünf Zahlenspeichern.


Buchungsmaschine Astra 150

Ab 1959 wurde dieser Maschinentyp in "Ascota 170/10" bzw. "Ascota 171/10" umbenannt.

Von der Astra 150 ist heute nur noch 1 Exemplar bekannt.


Buchungsautomat Astra 160 / Klasse 160

(Alias Astra160, Ascota160)

Bei der 160 scheint es sich um eine abgerüstete Variante oder Vorgängervariante der Klasse 170 zu handeln. Sie verfügte vermutlich nur über zwei Speichertrommeln mit je fünf Zahlenspeichern.


Buchungsmaschine Astra 160

Ab 1959 wurde dieser Maschinentyp in "Ascota 170/15" bzw. "Ascota 171/15" umbenannt.

Die Astra 160 gilt heute als ausgestorben.


Letzte Änderung dieser Seite: 19.01.2017Herkunft: www.robotrontechnik.de