Prozessleitsystem audatec

Diese Rechneranlage wurde ab 1975 im VEB Geräte- und Reglerwerk Teltow entwickelt, ab 1984 produziert und wurde zur Steuerung bzw. Überwachung größerer Industrieanlagen benutzt. Die Technik der audatec-Anlagen war meist auf mehrere (auch räumlich getrennte) Geräte verteilt, die über Netzwerk verbunden waren. Grob kann man sie einteilen in

audatec-Anlage im Einsatz

Bedienteil der audatec

Der Name "audatec" steht für "Automatisierung mit digitaler Datenverarbeitung für technologische Prozesse". Die audatec-Anlagen konnten in beliebigen Bereichen der Industrie eingesetzt werden; der Hersteller favorisierte folgende Bereiche: Die Reaktionszeit des audatec-Systems auf Ereignisse des Prozesses betrug 660 ms.


Audatec-Anlagenkonfigurationen

Autonome Automatisierungseinrichtung

Sie war die kleinste Variante einer audatec-Anlage und wurde für Prozesse bis 128 Messstellen benutzt. Sie bestand nur aus 1 Basiseinheiten-Schrank. In ihm befanden sich der Steuerrechner, der über entsprechende Ein- und Ausgabekarten mit dem Prozess gekoppelt war sowie ein weiterer Rechner, der der Kommunikation diente. Die Autonomen Automatisierungseinrichtungen konnten entweder über konventionelle Bedienelemente (Taster, Zeigerinstrumente, Ziffernanzeigen) oder über einen angesteckten Bildschirm K7222 und Tastatur K7633 bedient werden. Redundante Geräte waren nicht vorhanden, ein Netzwerk war nicht notwendig.


Autonome Automatisierungseinrichtung

Schematischer Aufbau einer AAE



Audatec-Kleinverbundanlage

Die Kleinverbundanlage war die mittlere Konfigurationsgröße. Sie wurde für Prozesse zwischen 128 und 512 Messstellen benutzt. Geräteseitig bestand sie aus einem bis maximal acht Basiseinheiten sowie ein bis zwei Bedienpulten, die alle über ein Netzwerk verbunden waren.
Redundante Geräte gab es in dieser Konfiguration nicht.


Kleinverbundanlage

Schematischer Aufbau einer Kleinverbundanlage



Audatec-Großverbundanlage

Sie stellte die größte audatec-Ausbaustufe dar, wurde für Prozesse mit mehr als 512 Messstellen benutzt und ermöglichten auch den Einsatz redundanter Geräte. Typische Gerätekonfigurationen bestanden aus: Bei Ausfall einer Basiseinheit konnte eine Reservebasiseinheit deren Arbeit übernehmen. Bei Ausfall von Bedienpulten konnten die verbliebenen Bedienpulte die Arbeit des ausgefallenen Geräts übernehmen. Der Datenbahnsteuerrechner war in sich doppelt aufgebaut und schaltete bei Ausfall eines seiner Rechner automatisch auf den anderen um. Der Koppelrechner schirmte das Prozessnetzwerk vom Wartenrechner ab und verhinderte so, dass durch unrechte Zugriffe des Wartenrechners das System lahmgelegt werden konnte.


Großverbundanlage. Die Schränke hinten gehören nicht dazu.

Schematischer Aufbau einer Großverbundanlage



Audatec-Netzwerk

Die audatec-Anlagen waren normalerweise auf mehrere räumlich getrennte Geräte aufgeteilt. Sie alle wurden über das "Redundante schnelle serielle Interface", auch "Datenbahn" oder "Zwischenblockinterface" genannt, verbunden. Dieses Netzwerk mit einer wahlweise Übertragungsrate von 250 oder 500 KBit/s war vermutlich identisch mit IFLS und konnte zwei Ausprägungen haben: Für den Nahanschluss wurde 1 Netzwerkkarte pro Gerät gebraucht, für den Fernanschluss eine weitere (Wandlerkarte). Technisch war die Datenbahn ähnlich dem Ethernet aufgebaut: Sowohl Sender als Empfänger aller Geräte gingen auf dasselben Kabel, das von Gerät zu Gerät durchgeschleift wurde.


Sloteinheit mit Netzwerkkarten-Quartett (links)

Um die Ausfallsicherheit des Netzes zu erhöhen, wurde das gesamte Netzwerk doppelt ausgeführt (doppelte Netzwerkkarten und doppelte Leitung). In kleineren Anlagen kam das Netzwerk ohne Steuerstation aus, da die Datenmengen dort im Vergleich zur Übertragungsgeschwindigkeit klein waren. In größeren Anlagen musste ein Datenbahnsteuerrechner eingesetzt werden, der im Fall von zu großer Netzbelastung entschied, welche Gerätekommunikationen in welcher Reihenfolge abgewickelt werden (Prioritätensteuerung).
Für kleine, wenig relevante Datenmengen wurden auch Verbindungen auf Basis von IFSS realisiert (z.B. Ankopplung der Diskettenstation).


Laufwerke

Die audatec-Anlagen gab es mit zwei unterschiedlichen Laufwerken: die (ältere) Variante mit Magnetkassettenlaufwerken und die (neuere) Variante mit Diskettenlaufwerken. Beide unterschieden sich in der Software bzw Firmware: "1A" für die Magnetkassettenvariante, "2C" für die Diskettenvariante. Die Magnetkassettenlaufwerke waren in Form von Beistellgeräten ausgeführt, wobei die zugehörigen Controller in den Rechnern (z.B. Bedienpulten) steckten. Die Anlagen mit Diskettenlaufwerken hatten diese entweder in den Rechnern eingebaut (z.B. bei der IBE) oder sie wurden per IFSS-Schnittstelle mit prozessorgesteuerten Diskettenbeistellgeräten verbunden.


Konstruktiver Aufbau der Geräte

Mechanisch konnten die Geräte in drei Gehäusearten eingebaut werden:

Basiseinheitenschränke

Die Basiseinheitenschränke arbeiteten in der Nähe des Prozesses ohne direkten Bedienereingriff. Sie bestanden aus einem Rahmen, in den die Elektronikkomponenten eingeschraubt wurden und die teilweise per Scharnier herausgeschwenkt werden konnten. Äußerlich wurde der Schrank durch je zwei Türen an der Vorder- und Rückseite verschlossen, deren Lüftungsschlitze bei Bedarf auch spritzwasserfest ausgeführt sein konnten. Innen sorgten drei Lüfterbänke mit jeweils drei Lüftern für Kühlung.
Ein voll ausgerüsteter Basiseinheitenschrank konnte bis zu 350 kg wiegen.

Sitzpulte

Die Sitzpulte wurden für die Arbeitsplätze benutzt, an denen dauerhaft Bedien- und Anzeigehandlungen durchgeführt wurden. Sie enthielten als Zubehör einen Farbbildschirm K7226 sowie eine audatec-spezifische Tastatur (wahlweise deutsche oder englische Variante) als Auftisch- oder Einbaugerät. Die eigentlichen Rechner waren in ein Gestell eingebaut, das für Reparaturzwecke problemlos aus dem Gehäuse gehoben werden konnte. Sitzpulte konnten auch mit konventioneller Bedientechnik (Anzeigeinstrumente, Taster) bestückt werden. Außerdem gab es auch Leergefäße, die zur Ablage des Telefons und des Druckers dienten. Um Sitzpulte halbkreisförmig anordnen zu können, gab es 45°-Winkeltischsegmente.


Arbeit an den audatec-Sitzpulten.
Im Vordergrund ein konventionelles Bedienpult.

Beistellgefäße

Beistellgefäße waren Geräte ohne direkten Bedienereingriff und arbeiteten in der Nähe der Bedienpulte. Die eigentlichen Rechner waren in ein Gestell eingebaut, das für Reparaturzwecke problemlos aus dem Gehäuse gehoben werden konnte.


Vier Beistellgefäß-Rechner (DSS, FDE, KE/1 und KE40)

Geöffnete Rückseiten von Beistellgefäß-Rechnern

Die Beistellgefäße wurden z.T. auch als Leergefäße ausgeliefert zur Aufstellung von Druckern und zur Ablage von Druckerpapier und anderen Verbrauchsmaterialien. Auch für einen von der audatec-Anlage unabhängiger Rechner wurde das Beistellgefäß benutzt: den Computer MIC-80.

Rechnersystem

audatec basierte auf den Mikrorechnersystemen K1520 und Ursadat5000, wobei mehrere weitgehend unabhängige Rechner miteinander kommunizierten (Multiprozessortechnik). Die Rechner waren auf Leiterplatten mit standardisierter Größe aufgebaut, die in Rückverdrahtungseinheiten mit direkten Steckverbindern gesteckt wurden.

Bedingt durch den 16-Bit-Adressraum des Prozessors U880 konnten von jedem Rechner 64 KByte Speicher direkt adressiert werden. Da dies für die komplexe Software der Anlage nicht ausreichte, wurde vielfach mit Speicherbankumschaltung gearbeitet. Für kritische Anwendungen wurde auf statischen RAM zurückgegriffen (Möglichkeit der Speicherinhaltsuntersuchung auch nach einem Prozessorausfall), für unkritische Anwendungen auch DRAMs. Der typische EPROM dieser Rechnergeneration war der U555, der auch in größerer Stückzahl im Audatec-System verbaut wurde.

Als Stromversorgung kamen die Module der 2. Generation von Robotron zum Einsatz.
Zusätzlich waren die meisten RAM-Karten mit Stützakkus ausgerüstet, um auch bei Stromaussetzern einen Datenerhalt zu gewährleisten.

Zu jedem Gerät gehörten kräftige Ventilatoreinheiten, die auch bei ungünstigen Außentemperaturen für sicheres Arbeiten der Rechner sorgten und deren Funktion elektronisch überwacht wurde.

Der Hersteller setzte aufwändige Maßnahmen zur Erhöhung der Betriebssicherheit der Geräte ein:

Geräte der Informationsverarbeitungsebene

Audatec-Basiseinheit (BSE)

Die Basiseinheit war die Verbindung zum Prozess, befand sich räumlich in der Nähe der zu erfassenden Prozessdaten und arbeitete normalerweise ohne Bedienereingriff (Außer bei der Autonomen Automatisierungseinheit)


BSE, geöffnet

Sie wurde innerhalb des NB-1000-Schrank in einen Rahmen, dem "Geräteträger GAE" (Geräteanschlussebene), eingebaut. Dieser enthielt links über die ganze Höhe das Prozessanschlussfeld PAF (Drahtklemmenfeld), auf dem die Prozesssignale (maximal 675 pro Schrank) aufgelegt und auf das direkt danebenliegende Kartenanschlussfeld (KAF) rangiert wurden. Von dort gingen die Signale per Kabel und Stecker an die Frontseite der Rechnerplatinen.

Der rechte Teil des Geräteträgers enthielt die eigentliche Rechnereinheit. Sie bestand typisch (von oben beginnend) aus folgenden Einheiten:

EbeneKurzbez.Beschreibung
AAEAnalogeinheit
BAFZAnalogfilter-Zusatz
CGE2Grundeinheit 2
DLK1Lüfterkassette
EGE1Grundeinheit 1
FSVK1Stromversorgungskassette
GLK2Lüfterkassette
HEBErgänzungsbaugruppeneinsatz für URSALOG 4000 - Baugruppen
IEBErgänzungsbaugruppeneinsatz für URSALOG 4000 - Baugruppen
JNAENetzanschlusseinheit,
KSVK2Stromversorgungskassette
LLK3Lüfterkassette

Es war auch möglich, z.B. nur eine GE1 zu verwenden oder zwei Basiseinheiten in einem Schrank unterzubringen.
Die Basiseinheit tauschte per Netzwerk mit den Prozessleitgeräten Daten aus. Untereinander standen die Basiseinheiten außerdem per IFSS-Leitung in Verbindung.


Analogeinheit AE

Die Analogeinheit war ein 240 mm hoher Baugruppenträger für URSADAT5000-Baugruppen. Sie hatte 24 Steckplätze im 20 mm - Raster und nahm die Anpassbaugruppen auf. Die Analogeinheit lieferte an der Rückverdrahtungseinheit lediglich die Betriebsspannung für die Platinen. Signalein- und Ausgänge wurden auf der Platinenvorderseite per Steckverbinderkabel angeschlossen.


BSE-Analogeinheit



Stromversorgungskassette SVK

Die Stromversorgungskassette war 160 mm hoch und enthielt Stromversorgungs- und Überwachungsmodule (STM der 2. Generation von Robotron). Pro Basiseinheitenschrank konnte es maximal zwei solcher Kassetten geben.


BSE-Stromversorgung



Grundeinheit GE

Die Grundeinheit (=Sloteinheit) bestand normalerweise aus zwei K1520-Baugruppenträgern GE1 und GE2 mit je 24 Steckplätzen und gedruckter Rückverdrahtung (GRV). Sie war der Messwerterfassungsrechner der BSE. Eine GE konnte maximal 26 PEA-Baugruppen (Prozess- Ein-/Ausgabe) adressieren.


BSE-Grundeinheit (GE1)

Die GE1 enthielt auf den Steckplätzen 1 und 5 (Nummerierung im cm-Raster, das entspricht den beiden ersten Steckplätzen von links) zwei K1520-Busverstärker BVE 2528.01 und BVE 2528.02. Das Bussystem der GE1 war der Primärbus, von den beiden Busverstärkern gingen die zwei Sekundärbusse SB1 und SB2 zur "Grundeinheit GE2", die in der Mitte geteilt war. Der SB1 ging zum Steckplatz 93 (ganz rechts), der SB2 zum Steckplatz 46 (mittig).
Der Rechner der Grundeinheit war mit 32 KByte akkugepuffertem RAM und 32 KByte EPROM bestückt.

Platinenbestückung: BVE, BVE, DAR, AE-E, AE-E, AE-G, PFS, 7x OPS, PFS, ZI-SE, ZI-ÜE, ZI-SE, ZI-ÜE, KAB, ZVE, UEW


Ergänzungsbaugruppe EB

Ein Baugruppenträger (120 mm hoch), der bei Bedarf mit URSALOG4000-Baugruppen für irgendwelche Sonderzwecke bestückt werden konnte.


BSE-Ergänzungsbaugruppe



Lüfterkassette LK

Ein flacher Einschub mit jeweils drei überwachten Lüftern. Die Luft wurde über ein Filter durch die Fronttür angesaugt, nach oben in die darüber liegenden Ebenen gedrückt und durch das Dach des Schrankes (das wiederum mit einem Filternetz bespannt war) wieder abgegeben. Im Basiseinheitenschrank waren drei Lüfterkassetten untergebracht, die allerdings auch für eine nicht unerhebliche Geräuschentwicklung sorgten.


Lüftereinheit



Netzanschlusseinheit NAE

Dieses Modul trug den zentralen Einschalter für das Gerät, die Sicherungen sowie die Netzentstörung. Die Basiseinheitenschränke konnten auch ferngesteuert geschalten werden, bei schwachem Stromnetz auch zeitverzögert.


Netzanschlusseinheit

Netzanschlusseinheit, Rückseite



Audatec-Reserve-Basiseinheiten (RBSE)

Diese Geräte waren Bestandteile der Großverbundanlagen und ebenso wie die normalen Basiseinheiten mit dem Prozess verbunden. Sie verhielten sich aber normalerweise passiv (kalte Redundanz) und fragten per IFSS-Schnittstelle nur zyklisch die Bereitschaft der Basiseinheiten ab. Fiel eine Basiseinheit aus, übernahm die Reservebasiseinheit automatisch deren Arbeit oder zumindest die Arbeit der wichtigsten Funktionen dieser Basiseinheit. Fielen weitere Basiseinheiten aus, konnten ggf. weitere Reservebasiseinheiten für sie einspringen. Eine Reservebasiseinheit wurde meist als Ersatz für mehrere Basiseinheiten geschalten.


Audatec-Applikationsrechner (AR)

Dieser Rechner war für die freie Verwendung durch den Anwender bestimmt. Er arbeitete meist als Komponente von Autonomen Automatisierungseinrichtungen, in denen er über eine IFSS-Schnittstelle mit der Basiseinheit kommunizierte. Ein AR konnte maximal vier Basiseinheiten bedienen. Der Applikationsrechner hatte kein eigenes Gehäuse, sondern wurde in den Basiseinheitenschrank mit eingebaut. An Zubehör verfügte er über eine Tastatur und einen Farbbildschirm K7226. Außerdem konnten ein Drucker K6313 sowie eine FDE angeschlossen werden.

Die Software des Rechners einschließlich Betriebssystem befand sich in EPROMs. Unter anderem beinhaltete sie einen BASIC-Interpreter und eine Software zur Darstellung technologischer Schemata.

Platinenbestückung: ABG, ATS, ISI, ISI, ISI, PFS. PFS, PFS, OPS, OPS, KAB, ZVE, UEB


Geräte der Prozessleitebene

Diese Geräte befanden sich in der Leitzentrale (z.B. in der Messwarte), also räumlich von den Basiseinheiten getrennt und dienten der Mensch-Maschine-Kommunikation. An Geräten gehörte dazu:

Audatec-Bedienpult (BP)

Diese Rechner bildeten die Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine. Ausgerüstet mit Farbbildschirmen K7226, Tastaturen und Druckern K6313 ermöglichten die Bedienpulte Visualisierungen der Messdaten (Wertanzeigen, Trendanzeigen, Übersichtsanzeigen), Reaktionen auf das Erreichen von kritischen Werten sowie die Anzeige der Ereignisprotokolle. Je nach Anlagengröße konnten bis zu vier BPs eingesetzt werden, ihre Arbeit war untereinander austauschbar (bei Ausfall eines BPs). Die BPs wurden meist räumlich nebeneinander aufgestellt, sodass ein Anlagenfahrer mehrere BPs bedienen konnte. Bei Bedarf konnten die Bedienpulte mittels 45°-Winkeltischen halbkreisförmig aufgestellt werden.


2 Bedienpulte mit Struktur- und Trendanzeige. Einmal mit Einbautastatur, einmal mit Auftischtastatur.

Pultsteuerrechner

Pultsteuerrechner PSR30, Innenansicht

Pultsteuerrechner-Tastatur

Die Bedienpulte verfügten über eine quasigrafische Bildschirmausgabe (ladbarer Sonderzeichensatz).

Die Bedienpulte besaßen ein Grundbetriebssystem im EPROM, bekamen die Strukturdaten (Listen) aber erst beim Hochfahren der Anlage über das Netzwerk von einer FDE, Magnetkassetteneinheit oder IBE.
Das Bedienpult BP30/1 besaß einen Großteil der Software vorgefertigt im ROM, was geringe Ladezeiten ermöglichte, aber auch die Verwendung einschränkte. Das BP31 hingegen bezog fast die gesamte Software über das Netzwerk, war damit schwieriger zu konfigurieren, bot aber einen höhere Flexibilität als das BP30/1. Im BP30/1 waren 47 KByte RAM und 99 KByte ROM verbaut, was eine Bankumschaltung notwendig machte. Im BP31 waren 49 KByte RAM und 35 KByte ROM verbaut, ebenfalls per Bankumschaltung.

An Peripherie konnten zwei Drucker sowie eine FDE bzw. MKE (alle per IFSS-Schnittstelle) angeschlossen werden.

Aufbau der Bedienpulte

Ebene A 4 x STM (Stromversorgungsmodul)
1 x SUB (Spannungsüberwachung)
1 x NAA (Netzausfallanalysator)
1 x FAB (Fehleranzeigebaustein)
Ebene BLK (Lüfterkassette)
Ebene CRK (Rechnerkassette)
Ebene DEM (Einspeisemodul mit Sicherungen und Netzfilter)

Platinenbestückung BP30/1: ABG, 2x ISI, 3x PFS, OPS, PFS, OPS, PFS, OPS, PSF, ZI-UE, ZI-SE, ZI-UE, ZI-SE, KAB, ZVE, UEB, UEB
Platinenbestückung BP31: ABG, ISI, 4x OPS, PFS, OPS, PFS, OPS, PFS, ZI-UE, ZI-SE, ZI-UE, ZI-SE, KAB, ZVE, UEB, UEB


Audatec-Datenbahnsteuerstation (DSS)

Wuchs die Kommunikation auf dem Netzwerk aufgrund der Anlagengröße über ein bestimmtes Maß hinaus (Großverbundanlagen), musste damit gerechnet werden, dass Prozessmeldungen nicht mehr schnell genug verarbeitet werden könnten. Um dies zu verhindern, wurde ein Datenbahnsteuerrechner eingesetzt. Er übernahm die Oberhoheit über das Netzwerk und wies den anderen Stationen Zeit auf dem Netzwerk entsprechend ihrer Priorität zu. Gab es Störungen in Einheiten, wurden diese von der DSS von der weiteren Kommunikation ganz ausgeschlossen. Dazu führte die DSS eine Protokolltabelle über die im Netz verfügbaren Stationen und deren Wichtigkeit.


Datenbahnsteuerstation, Innenansicht.
In der Mitte der Luftfilter. Darüber und darunter die beiden Rechner.

Da mit dem Ausfall der DSS das gesamte Netzwerk zusammenbrechen würde, war dieser Rechner in seinem Gehäuse (Beistellgefäß oder Sitzpult) aus Sicherheitsgründen doppelt ausgeführt. Einer der beiden Rechner war stets aktiv, einer passiv. Fiel die aktive DSS aus, übernahm die andere DSS deren Arbeit. Ein defekter DSS-Rechner konnte notfalls im laufenden Betrieb, also ohne Netzabschaltung, ausgetauscht werden. Die DSS arbeitete ohne direkten Bedienereingriff, besaß also weder Tastatur noch Bildschirm noch Laufwerke.

Das Betriebssystem der DSS, das entsprechend der Anlagenkonfiguration angepasst werden musste, befand sich auf EPROMs.

Aufbau der DSS

Ebene A und C jeweils links die Rechner,
rechts oben ZB (Zusatzbaustein mit Anzeigen und automatischer. Umschaltung)
rechts unten 4 x STM, FAB SUB und NAA (Stromversorgung)
Ebene B und DLK (Lüfterkassette)
Ebene E2 x EM (Einspeisemodul)

Platinenbestückung: PFS, OPS, ZI-UE, ZI-SE, ZI-UE, ZI-SE, ZVE, UEB, UEB


Audatec-Floppy-Disk-Einheit (FDE)

Die FDE war ein prozessorgesteuertes Netzwerkgerät und diente dem Laden und Speichern von Daten. Sie besaß weder Tastatur noch Bildschirm. Grund des komplizierten Aufbaus war, dass die Echtzeitfunktionalität des Systems nicht durch Warten auf ein Diskettenlaufwerk leiden durfte und damit der Laufwerkseinheit so viel wie möglich Eigenintelligenz mitgegeben wurde.
Die FDE war in einem Beistellgefäß untergebracht und wurde über einen IFSS-Kanal mit dem betreffenden Rechner (BP, STRAP, WR, AR) verbunden. Über eine weitere IFSS-Schnittstelle konnte die FDE noch einen zweiten Rechner bedienen. Bestückt war die FDE mit zwei Diskettenlaufwerken K5601. Bei Bedarf konnte ein Drucker K6313 an die FDE gekoppelt und als Netzwerkdrucker verwendet werden.


FDE-Rechner

FDE-Rechner, Innenansicht.

Die fünf LEDs neben den Diskettenlaufwerken, die nur bei geöffnetem Rechner sichtbar waren, verloschen nach dem Einschalten schrittweise und protokollierten die erfolgreiche Abarbeitung von Von außen am Gerät sichtbar waren die LEDs "RDY" (leuchtete nach erfolgreichem Booten), "BRK" (Fehler beim Selbsttest) und "RUN" (zeigte die Abarbeitung eines Kommando an).

Die FDE besaß einen Urlader auf EPROM und bootete nach dem Selbsttest das Betriebssystem SCP (nicht mit denen der IBE oder des MIC80 austauschbar) von Diskette. Die FDE konnte per Netzwerkbefehl: Das Diskettenformat entsprach dem von SCP: 16x256x80x2 (624 KByte) auf den logischen Laufwerken D und E sowie 16x256x40x1 (148k) auf den logischen Laufwerken B und C. Alternativ zur FDE konnten Magnetkassetteneinheiten oder eine Inbetriebnahmeinheit benutzt werden.

Platinenbestückung: AFS, ISI, OPS, OPS, ZVE


Audatec-Magnetkassetten-Einheit (MKE)

Diese Geräte dienten (ebenso wie die FDE) zum Laden und Speichern von Daten und zum Laden der Betriebssysteme. Technisch hatte es zwei Varianten gegeben:

Audatec-Magnetkassetteneinheit im Beistellgefäß



Audatec-Inbetriebnahmeeinheit (IBE, IBG)

Die IBE war ein eigenständiger Computer, der meist unter dem Betriebssystem UDOS arbeitete und zum Testen (Hardware und Software) bzw. zur Fehlersuche im audatec-System benutzt wurde. Technisch war sie eine der leistungsfähigen Komponenten des audatec-Systems: Sie verfügte über eine Farbgrafikkarte, zwei Diskettenlaufwerke, 64KByte RAM, Netzwerkkarte, IFSS-Anschlüsse sowie einen EPROM-Programmierer.

Die IBE war meist als tragbarer Computer (EGS-Gehäuse) ausgeführt, konnte aber auch in ein Beistellgefäß eingebaut sein.


IBE-Rechner im EGS-Gehäuse

Auch diese Bauform ist eine IBE

IBE-Rechner im Beistellgefäß

IBE-Rechner im Beistellgefäß, Innenansicht.

Das Betriebssystem UDOS für die IBE wurde beim Einschalten von Diskette geladen. Neben der klassischen kommandozeilen-orientierten Systemdiskette gab es auch eine menügeführte Systemdiskette, die Hardware-Diagnoseprogramme, Protokolliermöglichkeiten für das Netzwerk, Dateifunktionen sowie Software zur EPROM-Erstellung enthielt.


Startbildschirm der IBE

Hauptmenü der IBE

UDOS-Dateiauflistung auf der IBE

Außerdem gab es ein spezielles SCP-kompatibles System für diesen Rechner, das eine ferngesteuerte Arbeit als Ersatz für die FDE ermöglichte. Die Software für die anderen Rechner (speziell BSE, DSS und BP) lagen in Dateiform auf Disketten vor und konnten per Netzwerkverbindung von den einzelnen Rechnern des Netzwerks abgerufen werden.
Die Erstellung dieser Software wurde auf einem speziellen Rechner, dem Strukturierarbeitsplatz gemacht.


Nutzung der IBE als FDE

Platinenbestückung: AFS, ABG, ATS, PPE, ISI, ISI, OPS, ZI-SE, ZI-UE, ZVE

Eine abgerüstete Variante der IBE (ohne Netzwerk und EPROMer) wurde von GRW unter dem Namen MIC80 als eigenständiger Rechner verkauft.


Geräte der Betriebsleit- und Dispatcherebene

Diese Geräte befanden sich meist in der Leitzentrale, konnten ggf. aber auch anderswo aufgebaut werden (z.B. Rechenzentrum). Dazu gehören folgende Geräte:

Audatec-Wartenrechner (WR)

Der Wartenrechner war ein Computer, der nicht unmittelbar mit der Steuerung bzw. Messdatenerfassung zu tun hatte. Er diente der statistischen Auswertung der Daten, der Datenspeicherung (Archivierung), Drucklistenausgabe der Einstellung von Parametern der BSE sowie kundenspezifischen Aufgaben. Der Wartenrechner konnte entweder direkt im audatec-Netzwerk hängen oder durch einen Koppelrechner mit diesem verbunden sein.

Er konnte entweder ein audatec-typischer Sitzarbeitsplatz (Sitzpult, ähnlicher Aufbau wie ein BP, aber mit mehr Speicher) ausgeführt oder ein systemfremder Rechner sein. Bei letzteren wurden vor allem die K1600-Rechner von Robotron favorisiert, da sie in der Lage waren, große Datenmengen in kurzer Zeit zu verarbeiten und zu speichern. Unser aus Thierbach geretteter K1630-Rechner hatte die Funktion eines solchen Wartenrechners.


K1630-Wartenrechner

GRW produzierte zwei Arten von Wartenrechnern selbst, die als WR/1 und WR/2 bezeichnet wurden. Der WR/1 konnte zur Ankopplung von zwei FDE sowie drei Druckern verwendet werden, der WR/2 zur Ankopplung von zwei Druckern und dem Anschluss eines Fremdrechners per IFSS-Schnittstelle.

Platinenbestückung (Audatec-Sitzarbeitsplatz): ABS, ISI, ISI, ISI, 10x OPS, PFS, ZI-UE, ZI-SE, ZI-UE, ZI-SE, KAB, ZRE, UEB, UEB


Wartenrechner-Koppeleinheit (KE/1 bzw. KE34)

Dieser im Beistellgefäß eingebaute Computer machte die indirekte Verbindung des Wartenrechners mit dem audatec-Netzwerk. Er verhinderte, dass durch den Wartenrechner unrechte Zugriffe auf das Netzwerk erfolgten, was sonst eventuell zu Überlastungen oder Störungen des Systems führen würde. Heute würde man so einen Rechner als "Bridge" oder "Router" bezeichnen.
Die Verbindung zum Wartenrechner erfolgte beim KE/1 über das audatec-spezifische Netzwerk (Datenbahn). Es war denkbar, auch mehrere Audatec-Netze über solche Koppeleinheiten zu verbinden.


Koppeleinheit KE/1, geöffnet

Das Betriebssystem EIEX1526 des KE/1 war in EPROMs untergebracht.
Die KE/1 hatte als Zubehör eine Tastatur K7634.51 oder K7672.03 sowie einen Bildschirm K7222. Es soll aber auch Varianten ohne Tastatur und Bildschirm gegeben haben.
Platinenbestückung: ABS, ATS, PFS, OPS, PFS, OPS, ZI-SE, ZI-UE, ZI-SE, ZI-UE, ZI-SE, ZI-UE, ZI-SE, ZI-UE, KAB, ZVE, UEB, UEB

Wartenrechner-Koppeleinheit (KE40)

Dieser im Beistellgefäß eingebaute Computer übernahm die Verbindung kleinerer Rechner, z.B. Bürocomputer A5120 zum audatec-Netzwerk über IFSS-Verbindungen. Außerdem verhinderte der Koppelrechner, dass durch die angekoppelten Rechner unrechte Zugriffe auf das Netzwerk erfolgten, was sonst eventuell zu Überlastungen oder Störungen des Systems führen würde. Heute würde man so einen Rechner als "Bridge" oder "Router" bezeichnen.


Koppeleinheit KE40, geöffnet

Das Betriebssystem EIEX1526 war in EPROMs untergebracht.
Die KE40 hatte als Zubehör eine Tastatur K7672.03 sowie einen Bildschirm K7222.
Platinenbestückung: ABS, ATS, ATS, PFS, OPS, PFS, OPS, ZI-SE, ZI-UE, ZI-SE, ZI-UE, KAB, ZVE, UEB, UEB

Audatec-Strukturierarbeitsplatz (STRAP)

(in der Literatur teilweise auch als "SAP" abgekürzt)
Der Strukturierarbeitsplatz war ein eigenständiger Computer, der nicht zwangsweise per Netzwerk mit den anderen audatec-Komponenten verbunden sein musste. An ihm arbeitete der Technologe und entwarf die anlagenspezifische Software für die anderen Komponenten. GRW stellte die dazu notwendigen Softwaremodule zur Verfügung, mit denen Bildschirmaufbau, Tastaturzuordnung sowie Signalgrenzwerte der Pultsteuerrechner, Priorisierungen des DSS sowie Messbereiche und Reaktionen der BSE zu Betriebssystempaketen zusammengebaut werden konnten.


Strukturierarbeitsplatz STRAP

Hauptmenü des STRAP

Diskettenmenü des STRAP

Auftragsmenü des STRAP

EPROM-Bearbeitung auf dem STRAP

Der STRAP wurde in ein Beistellgefäß oder ein Sitzpult eingebaut. Als Zubehör verfügte er über einen Farbbildschirm K7226 sowie eine Tastatur K7634 oder Tastatur K7672.

Das Betriebssystem des STRAP befand sich in EPROMs, die Anwenderprogramme mussten per Diskette (FDE) oder MKE (beide per per IFSS angekoppelt) geladen werden. Die Speicherung der erstellten Daten erfolgte auf demselben Weg oder über das eingebaute EPROM-Programmiergerät K0420.

Platinenbestückung: ABS, ISI, ATS, PFS, 10x OPS, PFS, OPS, OPS, PPE, KAB, ZRE


Software

DSS, KE, IBE und STRAP enthielten Standardsoftware; Pulte und BSE hatten teilweise projektspezifische Software.


Strukturierarbeitsplatz: Symboleditor zur Übersichtsdialogerstellung

Die Software der Pulte bestand aus einem Grundbetriebssystem im EPROM, projektierungsabhängigen Daten im EPROM und Listen in RAM. Zu den projektierungsabhängigen Daten gehörten die Strukturbilder des Prozesses sowie die Gerätezusammenstellung der Rechneranlage. Die RAM-Listen enthielten Richt- und Grenzwerte für die Messstellen.


Übersichtsdialog für Chemieanlagen (BUNA)

Übersichtsdialog für Chemieanlagen (BUNA)

Übersichtsdialog für Chemieanlagen (BUNA)

Übersichtsdialog für Chemieanlagen (BUNA)



Übersichtsdialog für Chemieanlagen (Lützgendorf)

Übersichtsdialog für Chemieanlagen (Lützgendorf)

Übersichtsdialog für Chemieanlagen (Lützgendorf)

Übersichtsdialog für Chemieanlagen (Lützgendorf)



Übersichtsdialog für Walzwerke (einzelnes Walzgerüst)

Übersichtsdialog für Walzwerke (gesamte Walzstraße)

Übersichtsdialog für Walzwerke (Stromversorgung)

Übersichtsdialog für Chemieanlagen (PCK Schwedt)



Übersichtsdialog für Kraftwerkssteuerung (KW Thierbach)

Übersichtsdialog für Kraftwerkssteuerung (KW Thierbach)


Rechnerbaugruppen

Die audatec-Rechnerbaugruppen waren K1520-Karten mit (bis auf wenige Ausnahmen) direkten Steckverbindern. Einige davon wurde aus dem Platinensortiment von Robotron entnommen. Speziell für das audatec-System wurden (wahrscheinlich von EAW) entwickelt:

URSADAT-Baugruppen




Analogeinheit mit verkabelten Ursadat-Baugruppen



Zubehör

In die audatec-Anlage konnte eine große Anzahl an Peripheriegeräten von Robotron integriert werden, so z.B.:

Verbreitung

Obwohl audatec-Anlagen früher sicherlich in vielen Großbetrieben arbeiteten, sind sie heute sehr selten. Nicht zuletzt, weil sie wegen ihre Größe recht unhandlich sind und damit im produktiven Einsatz längst durch kleinere, modernere Geräte abgelöste wurden und sie die Unterstellmöglichkeiten von Privatsammlern meist überschreiten.
Eine (wohl einzig funktionsfähige) audatec steht im Industriemuseum Teltow mit folgender Gerätekonfiguration: Eine zerlegte, noch nicht wieder nicht betriebsbereite Anlage (aus dem Kraftwerk Thierbach) steht im Rechenwerk Computermuseum Halle mit folgender Gerätekonfiguration: Geschätzte Gesamtanzahl der heute noch existierenden Einheiten:



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