Textverarbeitungsprogramme

Das Schreiben von Texten war sicher die häufigste Büroarbeit und so gab es für fast alle kleineren Rechner Textverarbeitungsprogramme. Ihr Funktionsumfang umfasst in der Regel das Schreiben, Speichern und Drucken von Dokumenten.

Textverarbeitungsprogramme waren auch fester Bestandteil Integrierter Programmpakete.


TP / WordStar

(TP=Textprozessor)
Software mit diesem Namen gab es für die unterschiedlichsten Rechner: A5120, A5130, DORAM, K8924, PC1715, A7100, A7150, MPC, PRG und P8000.
Es arbeitete unter den Betriebssystemen der SCP-Klasse sowie unter DCP und entwickelte sich rasch zur Standard-Textverarbeitung der DDR.
TP gestattete sowohl die Änderung von Texten als auch von binären Dateien und wurde dadurch auf vielen Rechnern zum Standard-Allzweck-Editor.
Eine Vielzahl von Formatierungsmöglichkeiten, die Erstellung von Serienbriefen, eine gute Druckerunterstützung sowie die Verfügbarkeit eines Wörterbuchs (Rechtschreibprüfung) rundeten das Angebot von TP ab.


Startbildschirm von TP (PC1715-Version)

Dateimenü in TP (PC1715)

Textverarbeitung in TP (PC1715)

Startbildschirm von Wordstar (A7100-Version)

Textverarbeitung WordStar (A7100)

Dateimenü von TP unter OS/M auf der P8000

TP konnte für unterschiedliche Bildschirmauflösungen konfiguriert werden. Deswegen hab es zwei Kommandos, mit denen das Programm gestartet werden konnte: TPG für Bildschirme mit 80x24 und TPK für Bildschirme mit 64x16 Zeichen.
KürzelBedeutung
Cursorfunktionen
CTRL-ECursor 1 Zeile nach oben
CTRL-XCursor 1 Zeile nach unten
CTRL-SCursor 1 Zeichen nach links
CTRL-DCursor 1 Zeichen nach rechts
CTRL-ACursor 1 Wort nach links
CTRL-FCursor 1 Wort nach rechts
CTRL-QECursor auf die 1. Zeile
CTRL-QXCursor auf die letzte Zeile
CTRL-QRCursor an den Dateianfang
CTRL-QCCursor an das Dateiende
CTRL-WRollen 1 Zeile rückwärts
CTRL-ZRollen 1 Zeile vorwärts
CTRL-QWKontinuierliches Rollen rückwärts
CTRL-QZKontinuierliches Rollen vorwärts
Bearbeitung
CTRL-VEinfügemodus ein- und ausschalten
CTRL-GZeichen löschen
CTRL-YZeile löschen
CTRL-QYLöschen bis zum Zeilenende
Blockbearbeitung
CTRL-KBBlockanfang
CTRL-KKBlockende
CTRL-KCBlock kopieren
CTRL-KVBlock verschieben
CTRL-KYBlock löschen
CTRL-KHBlockmarkierung entfernen
Suchfunktionen
CTRL-QFSuchen
CTRL-QASuchen und ersetzen
CTRL-LWeitersuchen
Textformatierung
CTRL-PBFettschrift
CTRL-PDDoppeldruck
CTRL-PSUnterstrichen
CTRL-PXDurchgestrichen
CTRL-PTHochstellen
CTRL-PVTiefstellen
CTRL-PQBreitdruck
CTRL-PWKursiv
CTRL-QCZeile zentrieren
CTRL-ITabulator setzen
CTRL-OJTabulatoranzeige aus/ein
CTRL-OCFormatierungsanzeige aus/ein
Dateifunktionen
CTRL-KSDatei speichern und weiterarbeiten
CTRL-KXDatei speichern und Rückkehr ins Betriebssystem
CTRL-KDDatei speichern und zum Anfangsmenü
CTRL-KQÄnderungen verwerfen und zum Anfangsmenü
CTRL-KWTextblock speichern
CTRL-KRTextblock in das Dokument einfügen (laden)
CTRL-KPDatei drucken


Text40

Dieses Programm kam auf den Rechnern A7150 und EC1834 zum Einsatz und sollte dort TP ablösen. Es gab eine Variante unter dem Betriebssystem DCP und eine unter dem Betriebssysteme SCP1700.
TEXT40 gestattete neben der einfachen Textverarbeitung die Nutzung von Textbausteinen, Seriendruck-Funktionen, die automatisierte Erstellung von Inhaltsverzeichnissen sowie das Verwalten von Terminen. Es war möglich, deutschsprachige und russischsprachige Texte (auch gemischt) zu schreiben.


Startbildschirm von TEXT40

Hauptmenü in TEXT40

Dateimenü in TEXT40

Textverarbeitung in TEXT40

Für die Arbeit in Rechnernetzen gab es die erweiterte Variante TEXTnet.


Startbildschirm von TEXTnet40

Hauptmenü in TEXTnet40

Dateimenü in TEXTnet40

Textverarbeitung in TEXTnet40

Dateimenü in TEXTnet40

TEXT40 kostete 799 Mark, unabhängig vom Betriebssystem.


CONTEXT

Dieses Import-Programm kam auf den Rechnern A7150 und EC1834 zum Einsatz.
Als Betriebssystem wurde DCP benutzt.
Gegenüber den meisten anderen Textprogrammen arbeitete ConText im Grafikmodus und zeigte so die Textformatierungen direkt an
(damaliges Schlagwort WYSIWYG - What You See Is What You Get).


Startbildschirm von CONTEXT

Textverarbeitung CONTEXT

Textverarbeitung CONTEXT



Programm LS

Bei diesem Programm handelt es sich um eins der ersten Textverarbeitungsprogramme der DDR, das außerhalb von Großrechnern lief. Es wurde Ende der 1970er Jahre vom Drehmaschinenwerk Leipzig entwickelt. LS ermöglichte: Als eine vollwertige Textverarbeitung kann man LS aber nicht ansehen. Ein effektives Arbeiten war nur mit Textblöcken, die nicht größer als 1 Bildschirmseite waren, möglich. Das Einsatzgebiet von LS war vermutlich eher die Ablage von kurzen Textblöcken, z.B. Adressdaten oder Artikeldaten. Also ein Einsatzgebiet ähnlich wie Karteikarten.
Texte, die zu groß für den Hauptspeicher (4 KByte) waren, konnten stückchenweise geladen und bearbeitet werden.
Um die Eingabe häufig wiederkehrender Passagen zu vereinfachen, konnten kurze Textabschnitte einer Funktionstaste zugeordnet und diese dann mit 1 Tastendruck abgerufen werden.


Hauptmenü von LS, hier mit R300-Codierung

Textbearbeitung in LS

LS lief auf dem Computer PBT4000, das zu diesem Zweck mit einen 4-KByte-ROM-Urladesystem ausgerüstet wurde. Übrigens dasselbe Urladesystem wie beim K1510-BASIC. Das Laden und Starten von LS selbst erfolgte über Lochband.

Für das Lesen und Schreiben von Lochbändern hatte LS drei eingebaute Konverter, die mittels Programmlochband auch durch andere Konverter ersetzt werden konnten. Dadurch war es neben ASCII-kodierten Bändern z.B. auch möglich, Lochbänder vom Großrechner R300 oder von Maschinensteuerungen zu lesen.


Codeartenauswahl in LS

Eine weitere interessante Funktion war das Stanzen von Lochband-Inhaltsverzeichnissen im Klartext.


Programmname in menschen-lesbarer Form eingestanzt

Heute existiert vermutlich nur noch 1 Exemplar dieses seltenen Programmpakets.


Programm WEGA Word

Unter UNIX (und damit auch unter WEGA) sind im System bereits Textbearbeitungsprogramme integriert, wie z.B. der Editor ed oder der schon wesentlich komfortablere bildschirmorientierte vi.
Eines haben allerdings beide Programme gemeinsam: sie sind nur von Menschen, die den ganzen Tag nur mit diesen Programmen umgehen oder Gedächtniskünstlern voll zu beherrschen, da alle Befehle nur durch Kommandoeingabe mit jeweils vielen möglichen Optionen abgearbeitet wurden.

Mit dem Programm WEGA-WORD wurde auf den Rechnern P8000 und P8000 compact ein Programm entwickelt, welches auch Wenigschreibern durch Menüführung eine für damalige Verhältnisse effektive Textverarbeitung ermöglichte.
Gestartet wurde es durch Eingabe von wew am WEGA-Prompt.


WegaWord Eröffnungsbildschirm

WegaWord Dateiauswahl

Menü "Dokumentendruck"

Drucker-Kommandozeile

Menü "Elektronische Post"

Menü "Shellkommandos, Dateiformatierung"

Menü "Dokumentenarbeit"

Menü "Systemarbeit"

die eigentliche Textverarbeitung

Danach erschien der Eröffnungsbildschirm (Bild 1). Hier wurden auch Möglichkeiten angeboten, die über das reine Textverarbeiten hinausgingen: Neben dem Bearbeiten von normalem Text konnten mit Punkt 2 auch binäre Programme (ohne Steuerzeichen) bearbeitet werden. Die Auswahl der Datei konnte außer durch Eingabe des Dateinamens auch durch Auswahl mit den Cursortasten erfolgen.
Punkt 3 des Hauptmenüs stellte verschiedene Druckeroptionen zur Verfügung. Erst die Verwendung der Kommandozeile für Druck (Bild 4) mit ihren englischen Optionen erforderte wieder höhere Konzentration auf Dinge, die mit der eigentlichen Textverarbeitung nichts zu tun haben.
Punkt 4 des Hauptmenüs erlaubte, mit dem gleichen Programm die Post zu bearbeiten.
Punkt 5 des Hauptmenüs erlaubte das Umformatieren von Dateien, aber auch die Eingabe von Shell-Kommandos. Wählte man Punkt 1 waren natürlich wieder Shell-Kenntnisse gefragt.
Punkt 6 des Hauptmenüs erlaubte das Kopieren, Umbenennen und Löschen von Dokumenten, ohne die Shellkommandos bemühen zu müssen.
Punkt 7 des Hauptmenüs erlaubte das Navigieren im Dateisystem ebenfalls ohne Kenntnis der Shellkommandos.
Das letzte Bild zeigt die eigentliche Textbearbeitung mit Lineal, Tabulatoreinstellung und eingeblendetem Hilfemenü für die Textbearbeitung und Formatierung

Durch WEGA Word gab es also endlich ein Textverarbeitungsprogramm, das es dem Benutzer gestattete, sich auf das Wesentliche seiner Arbeit, nämlich das Schreiben, zu konzentrieren und nicht den Kopf mit schwer zu merkenden Befehlen zu belasten.


TS2000

Bei diesem Programm handelte es sich um eine Textverarbeitung für den Computer A7150 unter dem Betriebssystem DCP.
Nähere Informationen liegen leider noch nicht vor.


Startbildschirm von TS2000

Hauptmenü von TS2000

Dateiauswahl in TS2000

Textbearbeitung in TS2000



TEXOR

Bei TEXOR handelt es sich um ein kleines Office-Paket für die Keincomputer KC85/2 bis /4, das dem Anwender eine einfache Datenbank und eine Textverarbeitung bot.

Insgesamt gab es vier Programmteile: Die Darstellung auf dem Bildschirm erfolgte im 40-Zeichen-Modus.


Startmenü des Programmpakets

Texterstellung in TEXOR

Datenbankprogramm SORED

Dateiaustauschprogramm FILEX

Drucker-Initialisierung

Der Anwender konnte das Laden des Programms entweder vom EPROM-Modul oder von der Audiokassette vornehmen, der Funktionalität tat das keinen Abbruch. Zum Laden vom EPROM-Modul musste im einfachstem Fall im Schacht C des KCs das Modul M012 "TEXOR" und für das Drucken im Schacht 8 ein Modul M003 "V24" gesteckt werden.

Der Anwender sollte so wenig als möglich mit dem Betriebssystem des KC85 in Kontakt kommen. Das erklärt auch das ungewöhnlich verständliche Handbuch. Einzig die wenigen Einschaltbefehle oder einfach nur das LOAD sollte ihm von Misserfolg abhalten. So sorgte FILEX für die Übergabe der Parameter an das Betriebssystem.

Der belegte Speicher lag im Adressraum des Basic-Interpreters. Daher durfte auf dem KC85/2 das BASIC-Modul M006 nicht gestartet sein. Auf dem KC85/3 musste vor dem Start von Texor der BASIC-ROM mit dem Befehl SWITCH 2 0 abgeschaltet werden.
Auf dem KC85/2 und KC85/3 musste der Benutzer, sofern nur das Grundgerät genutzt wurde, mangels freier RAM-Steckplätze mit nur 16 KByte Arbeitsspeicher auskommen. Die Nutzung eines Bustreibergerätes D002 brachte da Abhilfe.

An Peripherie konnte ein Drucker über die V.24-Schnittstelle angesteuert werden, allerdings aus TEXOR heraus. Als Drucker konnten der Thermodrucker K6304, die Nadeldrucker K6311, K6312, K6313 und K6314 sowie die Schreibmaschinen S6004 und S6010 zum Einsatz kommen.

Eine Besonderheit stellte das Programm TEXOREX dar: Es erschloss, allerdings außerhalb von TEXOR, die Diskette als Datenspeicher. Dafür mit dem Vorzügen, die TEXOR auch bot. Im Handbuch für den Bediener wurde nur kurz darauf eingegangen, dafür war das Handbuch für den Programmierer ausführlicher. TEXOREX wurde beim Erstellen einer Diskette für die CAOS-Betriebsart mit Hilfe des Programms CAOSDISK.COM mit aufgespielt.

Die Datendateien waren Speicherabzüge ab Adresse 0300h, unabhängig von Speichermedium. Einziges fast kompatibles Programm war ein Kassetten-Lister, dessen Inhalt, sofern noch im Arbeitsspeicher vorhanden, in TEXOR sichtbar wurde.



Letzte Änderung dieser Seite: 29.11.2016Herkunft: www.robotrontechnik.de