Heimcomputer-Bausätze

Ab Mitte der 1980er Jahre wurden außerhalb der großen Rechner-Produktionslinien Computer für den Heimeinsatz entwickelt.

Meist konnte man eine Bauanleitung samt Schaltplan sowie eine unbestückte Rechnerplatine erwerben.
Die Prüfung der Platine auf Fehler sowie die Bestückung mit Bauelementen musste der Anwender dagegen selbst vornehmen.
Da die Rechnergehäuse in den meisten Fällen vom Anwender selbst zu entwerfen waren, haben die Computer kein festes Erscheinungsbild. Speziell beim Entwurf der Tastatur wurden auch abenteuerliche Wege beschritten, beispielsweise die Nutzung von Modelleisenbahn-Tasten oder Starkstrom-Tasten.

Vielfach gab es mehrere Ausbaustufen eines Rechners: man fing mit dem Aufbau eines einfachen Rechners an und ergänzte später Peripherie und Speicher. In der Grundstufe wurde meist ein Fernsehgerät als Bildschirm sowie ein Kassettenrecorder als Massenspeicher verwendet.
Das Betriebssystem befand sich in den meisten Fällen auf EPROMs, war also direkt nach dem Einschalten verfügbar.

Es gab natürlich auch andere Kleincomputer, die bereits einsatzfertig verkauft wurden.


Computer Z1013

(Alias Z 1013, Z-1013)

Dieser von Robotron Riesa entwickelte Heimcomputer bestand zwar aus einer fertig bestückten Platine, allerdings mussten das Gehäuse und die Stromversorgung selbst gebaut werden.
Viele Anwender ersetzten außerdem die mitgelieferte Tastatur durch ergonomischere Alternativen.
Weitere Informationen zum Z1013 gibt es hier.


Amateurfunkcomputer AC1

(Alias AC 1, AC-1)

Der AC1 wurde 1983 durch seinen Entwickler, Herrn F. Heyder, in der Zeitschrift "Funkamateur" veröffentlicht und wurde besonders im Kreis der Amateurfunker gebaut und eingesetzt.
Aufgaben des Gerätes waren neben dem allgemeinen Erlernen der Computerfunktionen u.a. die Realisierung von funkbasiertem Fernschreiben (RTTY), der Einsatz als Morsegeber und Morsedecoder und für Entfernungsberechnungen im Amateurfunk. Herz des Rechners war der Prozessor U880D, der mit 2 MHz, 1,33 MHz oder 600 kHz getaktet wurde. 4 KByte ROM und 1 bis 2 KByte RAM bildeten den Speicher, konnten aber ggf. bis 64 KByte ausgebaut werden.


Amateurfunkcomputer AC1

Innenansicht eines AC1

In der Grundversion arbeitete der AC1 mit einem Kassettenrecorder als Speicher.
Er konnte aber auch mit 64 KByte RAM und einem Diskettenlaufwerk ausgebaut werden, womit die Nutzung von CP/M-Betriebssystemen möglich wurde. Gehäuse und Tastatur mussten sich die Anwender selbst bauen, somit sieht jeder AC1 äußerlich anders aus.


Die AC1-Rechnerleiterplatte

Bildschirmfoto mit der Softwareübersicht des AC1

AC1-RAM-Erweiterungskarte

AC1-Floppydiskcontroller

Folgende Eckwerte waren bei der Entwicklung des AC1 gesteckt: Um den AC1 scharten sich Anwendergruppen (z.B der "Amateurcomputerclub Berlin", der "Studio-Computer-Club Halle", der "Computerclub Leipzig" und der "Computerclub Dessau"), die Weiterentwicklung von Hard- und Software betrieben, viele davon wurden in der Zeitschrift "Funkamateur" veröffentlicht. Es gab verschiedene Nachbauten des AC1 mit neuen Leiterplatten und modernerer Hardware.

Vom AC1 existieren heute noch einige Exemplare, die meisten zum Glück in funktionsfähigem Zustand.


Computerbausatz GB1

Dieser seltene Bausatzrechner war eine Entwicklung von Gerd Bachmann aus Zwönitz, wahrscheinlich aus dem Jahr 1985. Er war von Anfang an softwareseitig kompatibel zum Heimcomputer AC1 aufgebaut, um dessen Software nutzen zu können. Die Unterschiede zum AC1 lagen im Vorhandensein einer zweiten PIO, größerem Speicher, in größeren Speicherschaltkreisen, einem anderen Magnetkassetteninterface, erweiterter Tastatur und in kleinerer Bauform.


Heimcomputer GB1

Innenansicht des Gerätes

Prozessorplatine des Rechners

Schaltplanentwurf, Leiterplattenlayout (doppelseitige Epoxydharz-Leiterplatte) und Ätzen hatte der Autor bei den ca. 10 hergestellten Exemplaren selbst gemacht. Die erste Arbeit der neuen Besitzer bestand also im Bohren und Herstellen der Durchkontaktierungen in Form kurzer Drahtstücke und anschließend im Bestücken der Bauteile.

Der GB1 bestand aus 1 großen Leiterplatte, die eigentlich durch das starre Aneinanderlöten zweiter Leiterplatten (Prozessor/Bildschirm und Speicher) entstand. Die Platine war größenseitig so gestaltet, dass sie unter die Tastatur eines F1100-Fernschreibers montiert werden konnte. Durch dieses Huckepackverfahren wurde der Rechner äußerlich recht klein, allerdings machte diese Bauform Reparaturen schwieriger.

Als Prozessor arbeitete ein U880, der mit 2 MHz quarzlos aus dem RC-Generator der Bildschirmansteuerung getaktet wurde. Als Peripherie gab es zwei PIOs U855 (einer davon steuerte die Tastatur) sowie einen CTC U857 (z.B. zur Zeitsteuerung bei Morseprogrammen und zur Emulation einer V.24-Schnittstelle).

Der Speicher wurde durch unterschiedliche Kombinationen aus RAM und ROM gebildet: Die ersten Rechner waren mit 4 KByte ROM (zwei EPROMs U2716) und 1 KByte RAM (acht U224) bestückt. Später wurde die RAM-Leiterplatte durch eine mit drei Fassungen für 2-KByte-Schaltkreise (ROM U2716 oder RAM 6116) sowie sieben Fassungen für 8-KByte-Schaltkreise (ROM U2764 oder RAM HY6264) ersetzt, was dem Rechner also 62 KByte Arbeitsspeicher bescherte und zuzüglich der 2 KByte Bildschirmspeicher den Adressbereich des Prozessors voll ausnutzte.
Bemerkenswert ist ein Schalter, mit dem ein Speicherbereich schreibgeschützt werden konnten. Wahrscheinlich, um Speicherinhalt-Zerstörung durch außer Kontrolle geratene Programme zu vermeiden.
Über einen zweiten Schalter konnte der eingebaute ROM-basierte BASIC-Interpreter bei Bedarf durch RAM-Speicher ersetzt werden.
Ebenfalls bemerkenswert ist eine vorgesehene Akkustützung, die mittels zweier Knopfzellen den RAM-Inhalt ab Adresse C000H auch im ausgeschalteten Zustand des Rechners erhalten sollte. Aus diesem Grund war der Rechner ausschließlich mit stromsparenden CMOS-RAMs bestückt.

Die Bildschirmansteuerung wurde größtenteils vom AC1 übernommen und war konventionell ausgeführt mit einem EPROM U2716 als Zeichengenerator und vier Schaltkreisen U214 (2 KByte) als Bildschirmspeicher. Das Bildschirmsignal (64x16 oder 64 x32 Zeichen) war als BAS herausgeführt, außerdem gab es noch einen Modulator zur HF-Ausgabe, beides zum Anschluss an handelsübliche Fernsehgeräte.

Zum Laden und Speichern von Daten diente ein eingebautes Magnetkassetteninterface, an das ein herkömmlicher Magnetkassettenrecorder oder ein Heimtonbandgerät angeschlossen wurde.
Das Netzteil wurde entweder gleich mit ins Gehäuse eingebaut oder extern angeschlossen in Form eines Beistellgeräts. Aufgrund der verwendeten Schaltkreise benötigte der Rechner in der Grundversion nur zwei Betriebsspannungen (+5V und +12V).

Die Tastatur war fest im Grundgerät eingebaut, dazu wurden im FDJ-Verkauf des Messgerätewerks erworbene Tastaturbaugruppen des (zu diesem Zeitpunkt bereits für die Industrie veralteten) Fernschreibers F1100 verwendet. Wahrscheinlich kamen auch einige Gehäuseteile aus derselben Quelle. Interessant an der Tastatur war die Zuordnung der Tasten zu den einzelnen Zeichen durch ein Heer von eingelöteten Dioden, was bei der verwendeten Tastaturart von vornherein vorgesehen war. Dadurch entfiel das Umverdrahten der Tastaturmatrix im Vergleich zum AC1 und die Anordnung der Tasten konnte beliebig gewählt werden. Der GB1 besaß eine GRAFIK-Taste, die im BASIC-Interpreter auf die oberen 128 Zeichen umschaltete, also zum Zeichnen von Bildern mit den eingebauten Pseudografikzeichen ermöglichte. Außerdem gab es eine BREAK-Taste, mit der man von beliebiger Stelle ins Betriebssystem zurück springen konnte. Einige Tasten waren als Funktionstasten reserviert. Mit ihnen konnte z.B. eine Druckerausgabe parallel zur Bildschirmausgabe aktiviert werden. Teilweise waren auch Tasten zur Nutzung der Bildschirmerweiterung (Invers und Blinken) vorhanden.

Zwei PIO-Kanäle mit zusätzlichen Betriebsspannungen waren zum Anschluss externer Geräte als Buchsen nach draußen geführt, außerdem ein PIO-Bit über einen Einstellwiderstand als Sound-Ausgang (Anschluss an einen externen oder internen Verstärker). Weiterhin waren zwei PIO-Leitungen zum Anschluss eines Joysticks herausgeführt. Softwareseitig konnten einige PIO-Leitungen auch eine V.24-Schnittstelle emulieren, womit also auch Drucker bzw. Schreibmaschinen mit seriellem Interface angeschlossen werden konnten.
Im Gegensatz zum AC1 hatte der GB1 keine Herausführung des Rechnerbusses, war also anscheinend nicht für größere Erweiterungen (z.B. Floppycontroller, Vollgrafik) vorgesehen.

Das Betriebssystem des Rechners wurde von der AC1-Variante des Studio-Computerclubs Halle (SCCH) übernommen und befand sich im EPROM, war also mit dem Einschalten des Rechners sofort verfügbar. Außerdem gab es als Programmiersprache einen im ROM befindlichen 8-KByte-großen BASIC-Interpreter, der durch einen Umschalter anstelle des RAMs ab Adresse 4000H eingeblendet werden konnte.

Passend zu dem Rechner gab es vom Autor noch weitere Eigenbauprojekte, beispielsweise ein Programmiergerät für EPROMs der Typen U555 bis i27256 (dafür wurde eine zusätzliche Betriebsspannung -5V benötigt) sowie ein Nadeldrucker.

Bis heute haben zwei Exemplare dieses Rechners überlebt, beide erfreulicherweise (wieder) in funktionsfähigem Zustand.


Rechner LLC1

(Alias LLC 1, LLC-1)

Der LLC1 basierte auf dem U880-Prozessor und nutzte eine achtstellige 7-Segment-Anzeige (multiplex angesteuert) zur Ausgabe. Zur Eingabe wurde eine Hex-Tastatur eingesetzt, ähnlich wie beim Lerncomputer LC80. Speicherseitig war er ausgestattet mit 1 KB SRAM und 1 KB EPROM (U555). Eine PIO (U855) ermöglichte die Kommunikation mit andern Geräten und eine CTC (U857) diente als Zeitgeber.


Computer LLC1

Rückseite der LLC1-Leiterplatte

Nachgebauter LLC1 mit geändertem Layout
und Handverdrahtung

Zum LLC1 gab es als Erweiterungsmöglichkeit eine alphanumerische Bildschirmansteuerung in Form zweier Leiterplatten. Sie enthielt 1KB RAM (U224) und 1 KB EPROM Zeichengenerator (Fassung für einen zweiten EPROM vorhanden: Zeichensatzumschaltung) Die Ausgabe des Signals erfolgte als BAS und wurde dann über einen Modulator auf HF moduliert Der Pixeltakt von 12MHz war etwas zu hoch für ein normales Fernsehgerät, deshalb hab es leichte Fahnenbildung an den Buchstaben.

Weiterhin gab es als Erweiterung eine alphanumerische Tastaturdie die Zeichencodierung über eine Diodenmatrix machte.

Vom LLC1 ist heute nur noch 1 Exemplar bekannt.


Rechner LLC2

(Alias LLC 2, LLC-2)

Diesem seltenen Eigenbaucomputer haben wir eine eigene Seite gewidmet...


Rechner PC/M

(Alias PCM)

Der PC/M basiert auf einer Veröffentlichung der Herren Mugler und Matthes in der Zeitschrift "Funkamateur".
Er wurde als unbestückte, ungebohrte Leiterplatte geliefert.


So wurde die Platine des PC/M geliefert...

...und so sah sie teilbestückt aus.

Weitgehend komplett bestückter PC/M

Als Betriebssystem wurde eine spezielle Variante von CP/M eingesetzt.
Eine ausführliche Website speziell zum Thema PC/M findet man hier.

Heute ist der PC/M ein äußerst seltener Computer.


Jugend+Technik-Computer

(Alias TINY, JuTe, ju+te, compju+ter)

Der Bauplan dieses Rechners wurde von Dr Helmut Hoyer 1987 in der Zeitschrift "Jugend+Technik" veröffentlicht.
Dieser Rechner basierte auf dem Einchipmikrorechner UB8830 (UB8831).


Jugend+Technik-Computer

Technische Daten: Zum "Jugend+Technik-Computer" wurden mehrere Erweiterungsmöglichkeiten publiziert, so z.B.:

"Ausbaufähiger Microcomputer mit dem U880"

Dieser vom "Militärverlag der DDR" im Jahre 1984 in einer Broschüre veröffentlichte Computer verwendete, wie viele andere Rechner auch, den Prozessor U880.
Das voll ausgebaute System bestand aus folgenden Komponenten: Als Bildschirme kamen handelsübliche Fernseher und zur Aufzeichnung handelsübliche Kassettenrekorder zum Einsatz. Die Hardware konnte vom reinen Einplatinenrechner bis zum kompletten System ausgebaut werden. Gedacht wurde an einen möglichst breiten Anwendungsbereich und ein dementsprechend breites Softwarespektrum von Maschinensprache über Assembler bis hin zu höheren Programmiersprachen.

Wer besitzt so einen Rechner bzw. hat Bilder davon?


"Mikrorechner für Anfänger"

Die Zeitschrift "Funkamateur" veröffentlichte in ihrer Ausgabe 3/1985 eine Bauanleitung für einen Mikrorechner in einer Minimalvariante. Der Gehäusevorschlag erinnerte etwas an den Polycomputer880. Grund für diese Minivariante eines Computers waren die Nichtverfügbarkeit entsprechend programmierter EPROMS bzw. deren Programmiergeräte. Der Autor des Beitrages wählte daher einen anderen Weg. Er entwarf einen Rechner, der nur aus ZVE, RAM und Bedieneinheit besteht. Damit konnte man sich Schritt für Schritt in die Programmierung einarbeiten. Befehle wurden Byte für Byte im Maschinencode in den Rechner eingetippt, sie konnten dann schrittweise abgearbeitet werden.
Die technischen Merkmale: Wer besitzt so einen Rechner bzw. hat Bilder davon?


Rechner BCS3

(Alias BCS 3, BCS-3)

Der BCS3 wurde von Ekkehard Schiller entwickelt und 1985 in der Zeitschrift "radio fernsehen elektronik" vorgestellt. Er sollte als Heimcomputer leistungsseitig oberhalb des LC80 und POLY880 ansetzen. Der BCS3 war mit einem Prozessor U880 ausgestattet, der mit 2,5 MHz getaktet wurde. In der Grundversion war er mit 1 KByte RAM und 4 KByte ROM bestückt. Die Bildschirmausgabe erfolgte auf ein Fernsehgerät mit 27x12 Zeichen oder 40x12 Zeichen.


Computer BCS3

Innenansicht des BCS3

Als Betriebssystem fungierte ein im ROM befindlicher BASIC-Interpreter namens "BASIC-SE 2.4".

Es gab zum BCS3 diverse Erweiterungen, u.a. ein Kassetteninterface, Speichererweiterung und sogar eine Grafikerweiterung.

Vom BCS3 sind heute nur noch 6 Exemplare bekannt.


Sinclair ZX Spectrum-kompatible Rechner

Der Heimcomputer "Sinclair ZX-Spectrum" der Firma "Sinclair Research Limited" erfreute sich in den 1980er Jahren einer großen Beliebtheit. Ein Import des Rechners in die DDR war nicht möglich und so entwickelten einige DDR-Firmen und auch Privatanwender unter Verwendung der in der DDR verfügbaren Bauteile Spectrum-kompatible Rechner.
Da nicht alle Original-Bauteile in der DDR verfügbar waren, musste die Schaltung entsprechend angepasst werden. Das Platinen-Layout unterschied sich dadurch natürlich z.T. erheblich vom Original, genauso wie die Eigenbau-Gehäuse.


Rechner GDC1

(Alias GDC 1)

(GDC=Grafik-Display-Computer)
Dieser teilweise mit dem Sinclair ZX Spectrum kompatible und auch als "FDJ-Computer" bezeichnete Rechner wurde 1985 an der TH Ilmenau entwickelt. Er basierte auf dem Prozessor U880 und war mit max. 4 KByte ROM und mindestens 64 KByte RAM (ausbaubar bis 256 KByte) sowie zwei PIOs U855 und einer CTC U857 ausgerüstet. Im EPROM enthielt er nur einen Urlader, das Betriebssystem musste von Magnetkassette nachgeladen werden.


Computer GDC

Innenansicht des GDC

Leiterplatte des GDC

GDC in anderen Ausbaustufe

Das Netzteil des Rechners war meist als eigenständige Einheit ausgeführt.

Über die produzierte Stückzahl und über die Geschichte des Gerätes ist leider noch nichts bekannt.
Vom GDC haben bis heute nur wenige Exemplare überlebt.


Rechner HCX

Der HCX wurde 1988 von SKET Magdeburg entworfen. Auch er lehnt sich konstruktiv an den Sinclair ZX Spectrum an und besaß einen im ROM befindlichen BASIC-Interpreter.


Heimcomputer HCX
(der eigentliche Rechner ist in dem unteren grauen Kasten!)

Innenansicht des HCX


Platine des HCX

Zu einer größeren Stückzahl in der Produktion kam es aber nicht.
So gilt auch der HCX heute als ausgestorben.


Rechner "Spectral"

Der Spectral wurde 1987 vom IFAM in Erfurt entwickelt, vom VEB Mikroelektronik "Karl Marx" produziert und erschien ab 1.12.1988 im Handel, vertrieben von der Erfurter Firma Hübner-Elektronik.
Der Spectral wurde ursprünglich "EPR2" genannt, offenbar als Nachfolgeprojekt des EPR01. Er war (im Gegensatz zum GDC und zum HCX) vollkompatibel zum Heimcomputer Sinclair ZX Spectrum.


Platine des SPECTRAL

Die CPU wurde mit 3,5 MHz getaktet und bediente je nach Speicherausbau 48 KByte oder 128 KByte RAM.
Als Bildschirm wurde ein Fernsehgerät benutzt, das entweder per RGB-Anschluss oder per HF-Eingang verbunden wurde.
Der Spectral hatte folgende Schnittstellen: Anschluss für Matrix-Tastatur, Joystick, Datasette sowie eine Herausführung des Systembusses. Die Platine hatte die Größe 300 x 200 mm.

Vom Spectral sind heute nur noch wenige Exemplare bekannt.


Rechner KuB64k

(Alias KuB 64)

Dieser softwareseitig ZX-Spectrum-kompatible Rechner wurde von der Akademie der Wissenschaften entwickelt und in deren "Zentrum für wissenschaftlichen Gerätebau" in Liebenwalde produziert.
Die Urversion dieses Rechners hatte einem 2 KByte großen ROM-Urlader, mit dem das Spectrum-Betriebssystem von Kassette eingeladen werden konnte. Später war es möglich, in einen vergrößerten ROM (16 KByte) das gesamte Betriebssystem unterzubringen, womit das lästige Laden von Kassette entfiel.


Computer KUB64K

Innenansicht des KUB64K

Der KUB64k besaß außerdem die Möglichkeit der Nutzung von Disketten auf Basis des Floppycontrollers U8272. Dadurch wurde es möglich, auf dem Rechner das Betriebssystem CP/M zu fahren und die Vielfalt der dazu gehörigen Büroprogramme zu nutzen.



Computer KUB64K mit Floppylaufwerk

Innenansicht eines KUB64K mit Floppylaufwerk

CP/M

Als Bildschirm konnte neben einem Fernsehgerät der K7222 von Robotron benutzt werden.


KUB64K, 3. Variante

Ungewöhnlich: Form und Beschriftung der Tastatur

Innenansicht des KUB (3. Variante)

Interface-Anschlüsse

Detailansicht des Joysticks von innen...

...und von außen

Heute sind nur noch 4 Exemplare dieses seltenen Rechners bekannt.
Wer hat nähere Informationen oder Unterlagen zum KUB64k?


Weitere Nachbauten des ZX-Spectrums

Auch bei den hier abgebildeten Rechnern handelt es sich um Spectrum-kompatible Computer.
Ihre Herkunft konnte bislang noch nicht ermittelt werden.


Eigenbaurechner auf Basis des ZX Spectrum

Rückansicht des Gerätes

Und noch ein anderer Spectrum-Nachbau


Einplatinenrechner EPR01

(Alias EPR 01, EPR-01, EPR1, EPR-1, EPR 1)

Der Einplatinenrechner EPR01 (EPR=Einplatinenrechner) war für die Steuerung von Geräten entwickelt worden, bei denen keine Bildschirmausgabe notwendig war. Hersteller war vermutlich der VEB Mikroelektronik "Karl Marx" in Erfurt.


Rechner EPR01

EPR01 in anderer Ausbaustufe

Der Rechner selbst basiert auf dem Prozessor U880 und konnte, je nach Einsatzzweck, mit bis zu 2x SIO U856, 2x PIO U855, 2x CTC U857 bestückt werden. Die Bestückung war nicht einheitlich, sondern konnte je nach Bedarf angepasst werden. Als ROM-Speicher waren bis zu vier EPROMs U2716 möglich, der RAM konnte bis zu 8x U214 ausgebaut werden. An den beiden Steckerleisten wurden ausschließlich die Anschlüsse der Peripheriebausteine herausgeführt. Eine Erweiterung des Systems war über die bestehende Platine heraus nicht möglich.
Die Schaltung selbst war sehr sparsam ausgelegt, was sich u.a. in nicht vollständiger Adressdekodierung der E/A- Bausteine und in einer lückenhaften Adressierung des RAM (beim Einsatz mehrerer RAM- Bausteine) widerspiegelte.
Zur Takterzeugung diente eine einfache RC-Oszillatorschaltung. Manche Anwender ersetzten diese durch eine wesentlich stabilere Quarzschaltung.

Die Platine hatte eine Größe von 230 mm x 125 mm.

Von diesem seltenen Rechner sind heute nur noch 2 Exemplare bekannt.


Einplatinenrechner ERNA

Ein weiteres Produkt aus dieser Zeit für industrielle Anwendung war der Einplatinenrechner ERNA2. Dieser unterschied sich vom EPR01 durch ein anderes Leiterplattenformat (halbes K1520-Format), weniger Bauteile auf der Platine und dafür einem vollständig herausgeführten Systembus, über den beliebige Erweiterungen möglich waren.
Die Abkürzung ERNA steht für Einplatinen-Rechner für Numerische Anwendungen, der Auftraggeber für diesen Rechner war wahrscheinlich die NVA. Der ERNA wurde als unbestückte Platine ausgeliefert.


Rechner ERNA2

Als Bestückung waren neben dem Prozessor U880 1x PIO U855, 1x SIO U856 und 1x CTC U857 vorgesehen. Der Speicher bestand aus 2x U2716 und 4x U214/U224. Diese Baugruppe ließ sich ohne Probleme zu einem vollwertigen Bürocomputer erweitern, der herausgeführte Systembus war kompatibel zum K1520.

Als Einsatzzweck war die Erweiterung vorhandener elektronischer und nachrichtentechnischer Geräte vorgesehen, um Bedienabläufe zu automatisieren, eine rechnergesteuerte Bedienung überhaupt zu ermöglichen oder veraltete und störanfällige Fernsteuergeräte zu ersetzen. Der Einplatinenrechner diente dazu als einheitliche und universelle Rechnerbaugruppe, die mit der notwendigen Elektronik für den jeweiligen Einsatzzweck erweitert werden konnte. Hier wurde zumindest der Aufwand für Eigenentwicklungen bei der Rechnerbaugruppe gespart.

Ein festes Betriebssystem oder andere feste Software gab es wahrscheinlich nicht. Die notwendige Software wurde jeweils anwenderspezifisch entwickelt.

Vom ERNA ist heute nur noch 1 Exemplar bekannt.


Einkartenrechner der IFA Nordhausen

Wie der Begriff "Einplatinenrechner" auch, beschreibt der Begriff "Einkartenrechner" eigentlich nur die Unterbringung sämtlicher funktionsrelevanter Bauteile auf einer Leiterplatte. Die VEB IFA-Motorenwerke Nordhausen entwickelten einen solchen Rechner und verzichteten auf ein treffendes Pseudonym oder Kürzel bei der Namensgebung.
Wie beim ERNA auch, beschränkte man sich bei der Platine auf das halbe K1520-Format, war jedoch nicht zu diesem kompatibel. Die Bestückung bestand im Wesentlichen aus dem Prozessor U880, 2x PIO U855 und 1x CTC U857. Speicherplatz stand in Form von 3x U2716 / U2732 und 2x U214 / U224 zur Verfügung. Je nach Dimensionierung des Prozessors war der Betrieb mit 2 MHz oder 4 MHz möglich.


Platine des IFA-Rechners (Bestückungsseite)

Teilbestückte Platine des IFA-Computers

Dieser Einkartenrechner wurde ohne Software, als unbestückte Platine inklusive einer Kopie der Dokumentation auf Thermopapier ausgeliefert. Er war universell für Steuer- und Überwachungszwecke adaptierbar. Das Interesse dürfte besonders bei Kleinbetrieben gelegen haben, welche keine passende Komplettlösung für die jeweilige Problemstellung vorfanden, somit aber punktuell Entwicklungskosten einsparen konnten.


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