Was lange währt, wird endlich gut:
Gummiwerk Schönebeck



Besuch 1

Das Gummiwerk im Stadtzentrum von Schönebeck war ein durch seine Schornsteine weithin sichtbarer Industriekomplex. Einen ersten Anlauf, das Gelände auf noch vorhandene Rechentechnik zu untersuchen, unternahmen wir bereits 1998. Das Gummiwerk war zu diesem Zeitpunkt bereits einige Jahre nicht mehr in Betrieb. Das Gelände war rundherum unzugänglich, kein Mensch vorort.


Das Kulturhaus trug noch den Namen des Werkes

Der Saal des Kulturhauses hatte schon bessere Zeiten erlebt.

Das ehemalige Werksgelände von außen

Eins der Gummiwerk-Gebäude

Wer hier klingelt, sticht sich nur in die Finger.

Wer darf hier nicht rein? Die beschäftigten Personen?

Auf die Anfrage an die Stadtverwaltung, wem das Gelände derzeit gehört, bekamen wir die überraschende Antwort, dass man das dort ebenfalls nicht wisse. So legten wir die Aktion vorerst auf Eis, in der Hoffnung, dass sich die Situation später irgendwann verbessert.


Besuch 2

Vierzehn Jahre später tauchten im Internet Bilder vom Inneren des Werkes auf. Auf einigen war auch ein interessanter, sitzpultartiger Rechner zu sehen, den wir sofort als Fakturierautomat Robotron 1720 identifizierten. Über einen Hobbykollegen nahmen wir erneut Kontakt zur Schönebecker Stadtverwaltung auf, von deren Seite uns auch Unterstützung signalisiert wurde. In der Annahme, damit sei alles juristisch geregelt (dass wir uns hier irrten, sollten wir später noch merken), fuhren wir an einem Freitagnachmittag im Frühsommer 2011 nach Schönebeck, um das Werk zu besichtigen. In einem Maschenzaun ermöglichte uns eine offene Tür den Zugang.


Gebäude auf dem Werksgelände

Zum Rauchen sind wir nicht dort hin gefahren.

Zugewachsene Werksstraße

Baracken auf dem Werksgelände

Das Werk machte einen stark verfallenen Eindruck. Kein Wunder, denn es war, wie wir bald herausfanden, seit 1992 stillgelegt. Rundherum viele eingeschlagene Fensterscheiben, die Glasdächer fehlten schon z.T., Moose wuchsen auf dem Fußboden.
Wir durchstreiften systematisch alle Gebäude und waren erstaunt, dass doch noch einiges an maschineller Struktur vorhanden war, hauptsächlich monströse, eiserne Maschinen im ehemaligen Produktionsbereich. Rechentechnik gab es in der Produktionshalle nicht mehr, die Steuerschränke der Maschinen waren bereits aufgebrochen und geplündert. In Senken im Fußboden schillerten irgendwelche Flüssigkeiten, in einigen Räumen auch ausgekippte Pulver. Grund genug, sich dort nur vorsichtig zu bewegen.


Eine der Produktionshallen

Was sich durch diesem Behälter fraß, wollten wir besser nicht wissen

Mannshohes Zahnrad

Ein vier Meter hohes Walzgerüst mit gigantischen Eisenwalzen

Gummischläuche wanden sich wie Schlangen auf dem Boden

Überreste eines Maschinensteuerschrankes

Kalandermaschine

Das ehemalige Heizwerk

Trafostation

Stromverteiler im Produktionsgebäude

Arbeitsraum der Schuhproduktion

Hier sieht man auch einige der Produkte

Im düsteren Kellergeschoss eines Lagergebäudes dann ein erster Erfolg: ein kleiner Magnetlocher aus den 1960er Jahren und zwei zugehörige Magnetprüfer, letztere in sehr schlechtem Zustand, da der feuchte Putz von der Decke draufgefallen war und die Geräte zumindest äußerlich in einen Zustand versetzt, den man von vom Meeresgrund geborgenen Artefakten kennt. Da diese Geräte heute sehr selten sind und wir vorher noch nie welche in den Händen hielten, haben wir sie trotz ihres Zustands mitgenommen.
In einem winzigen Zimmer befand sich ein noch recht gut erhaltener Fernschreiber T51. Ist zwar schade um das Gerät, aber da es thematisch nicht recht in unser Hobby passt und wir unter akutem Platzmangel leiden, haben wir es dort gelassen.


In diesem Gebäude lagen die Lochkartengeräte

Das ehemalige Kontor des Mischfutterwerks

Totales Chaos in den Lagerräumen

Fernschreiber-Zimmer

Irgendwann erreichten wir auch das Gebäude der ehemaligen Buchhaltung, eine Villa am Rande des Geländes, vielleicht früher der Wohnsitz des Firmenbesitzers. Äußerlich sah das Gebäude noch ganz gut aus, innen jedoch keinesfalls: Das undichte Dach hatte schwere Schäden am Gebäude hervorgerufen; stellenweise war der Fußboden bereits verfault und durchgebrochen. Außerdem hatten einige Wände eine beängstigende Schräglage.
Im ersten Stock entdeckten wir zwei Astra-Addiermaschinen auf einem von der Nässe bereits zum Parallelogramm verzogenen Tisch. Nach kurzer Untersuchung stand leider fest: nicht bergungswürdig. Das Wasser hatte die Mechanik und die Druckwerke bereits völlig verklumpt.


Die Lohnbuchhaltung von der Straße aus

Stuckarbeiten über dem Eingang der Lohnbuchhaltung

Verrostete Addiermaschinen

Schrägstehende Wände verheißen nichts gutes

Blick nach oben: durchgefaulte Deckenbalken.

Vom Dach war nicht mehr viel übrig.

Und dann die erhoffte DDR-Rechentechnik: In einem Zimmer befanden sich die Reste eines Bürocomputers Robotron A5130 und eines Bürocomputers Robotron K8924. Allerdings hatten Vandalen und Metallsammler ihnen bereits arg zugesetzt: der A5130 lag auf der Rückseite, die Tastatur war herausgerissen, die Bildröhre eingeschlagen, aus dem Beistellschrank waren die 8-Zoll-Diskettenlaufwerke herausgerissen und ihrer Leiterplatten beraubt.
Dem K8924 ging's nicht besser: das PUR-Gehäuse war zersplittert, das Metallchassis völlig schief, die Leiterplatten fehlten, die Diskettenlaufwerke lagen im Raum verstreut. Durch die Raumfeuchtigkeit war außerdem Flugrost an den Metallteilen. In einem anderen Zimmer entdeckten wir den zum K8924 gehörenden Bildschirm, zum Glück hatte die Bildröhre diesmal überlebt.


Halbzerstörter Computer A5130

Der Disketten-Beistellschrank des A5130

Grausig vergammelt: Die Schaltkassette des A5130.

Halbzerstörter Computer K8924

Ein halbzerstörter ELKA-Tischrechner war in so schlechtem Zustand, dass sich nur die Bergung der Platinen lohnte.

Ein paar Räume weiter dann der von den Fotos bekannte Fakturierautomat Robotron 1720. Auch hier hatten sich die Vandalen bereits dran zu schaffen gemacht, aber zum Glück hat das massive Rechnergehäuse bislang diesen Versuchen standgehalten und so waren ihnen nur das Anzeigefeld und die Abdeckung des Lochbandstanzers zum Opfer gefallen. Dieser Raum war trocken, also erfreulicherweise weniger Rostansatz an der Rechentechnik.
Im gleichen Raum befanden sich noch ein Typenraddrucker SD1152 und ein Nadeldrucker SD1157, beide ebenfalls in recht ordentlichem Zustand. Im Nachbarzimmer sah es schlimm aus: dem dortigen Drucker SD1157 war leider die Decke des Obergeschosses auf den Kopf gefallen und der Regen der letzten Jahre hatte sein Innenleben in einen soliden braunen Klumpen verwandelt.


Hoffnungsvoll: Computer R1720 in recht gutem Zustand

Hoffnungslos: Die Überreste eines SD1157-Druckers

In einem anderen Zimmer entdeckten wir eine mechanische Buchungsmaschine Ascota 170 mit grauem Gehäuse, die eigentlich zwischen zwei Schränkchen hängen sollte. Da Vandalen eins der Schränkchen bereits zertreten hatten, lag sie auf dem Fußboden. Der Buchungswagen war dabei abgerissen, alles bedeckt von der durch die Feuchtigkeit von den Wänden gefallenen Tapete.

Eine weitere Buchungsmaschine Ascota 170 mit grünem Gehäuse entdeckten wir auf dem Dachboden. Sie hing ehemals in einem Eisengestell und war ebenfalls von den Vandalen auf den Fußboden gekickt worden. Vom Zustand her war diese Maschine schlechter, da aufgrund der fehlenden Fenster der Raum immer mal von Regenschauern heimgesucht wurde. In den Schränken befanden sich im selben Raum einige zur Buchungsmaschine gehörende rostige Programmierbretter. Außerdem lag eine mechanische Rechenmaschine Ascota 114 herum, die durch Regeneinwirkung bereits stark verrostet war.


Die graue Ascota 170

Die grüne Ascota 170, vor Dreck auch fast grau

Ascota-Beistellschrank

Rostige Bits: Ascota-Programmierbretter



Zerlegung

Unser Plan war zunächst, die Geräte an diesem Tag zu zerlegen (denn einige davon waren zu schwer, um sie im ganzen bewegen zu können) und aus den einsturzgefährdeten Bereichen des Gebäudes zu bringen. Den Abtransport der großen Einheiten wollen wir eigentlich ein anderes mal zusammen mit dem Grundstücksbesitzer machen. Unser Interesse galt zunächst nur den elektronischen Maschinen:
Der A5130 war schnell zerlegt, wir hatten durch ein baugleiches Gerät im Museum ja bereits Erfahrung mit dem Innenaufbau dieses Gerätetyps.
Am Bürocomputer K8924 musste nichts zerlegt werden, aber die fehlenden Stücke des PUR-Gehäuses in der knöcheltiefen Schicht herabgefallenen Wandputzes zu suchen, nahm trotzdem einige Zeit in Anspruch.


Nadel im Heuhaufen: hier wühlten wir nach Gehäusesplittern

Wesentlich aufwändiger wurde es mit der Robotron 1720: das Gerät wiegt 170 kg, verweigerte damit vorerst jegliche Bewegung auf dem Fußboden. Stück für Stück bauten wir die Maschine auseinander und dokumentierten diesen Prozess mit Bildern, damit wir die Maschine irgendwann auch mal wieder zusammen bekommen. Stunden später befand sich dort, wo die Robotron 1720 einmal stand, eine ganze Zimmerwand voll Einzelteile. Über eine bereits etwas schwankende Treppe buckelten wir die Komponenten vorerst ins Erdgeschoss.


Zerlegung der Robotron 1720.

Mit vereinten Kräften und dem richtigen Werkzeug...

...war von der großen Maschine...

...bald nicht viel mehr als...

...ein Stapel Blech übrig...

Das Treppenhaus: hier musste alles runter.



Bergung Teil 1

Während der Arbeiten merkten wir, dass wir im Werk nicht allein waren. Wie oft in solchen Industrieruinen trieben sich dort zwielichtige Gestalten herum (andere Leute werden von uns sicher dasselbe denken). Es war davon auszugehen, dass dies Metallsammler waren, denen unsere fein säuberlich bereitgelegten, buntmetallhaltigen Gerätemodule gerade recht kommen. Also dass die Sachen die Woche darauf längst bei einem Schrotthändler gelandet wären.

Die Konsequenz war, die bereits zerlegten Geräte gleich mitzunehmen, wir waren ja zum Glück mit zwei großvolumigen PKW angereist. Ins Gelände konnten wir nicht rein fahren und der Weg über die Tür im Zaun war auch nicht optimal. Also trugen wir die Sachen durch die Produktionshalle, reichten sie durch ein Fensterchen auf den Parkplatz und verstauten sie dort in unsere Autos.


Allerlei lustige Schilder...

...mahnten uns unterwegs zur Vorsicht.

Die Aktion zog sich länger hin als gedacht: DDR-Rechentechnik ist einfach sauschwer und es war klar, dass wir den Stauraum der Autos bis in die letzten Winkel ausnutzen mussten, um alles wegzukriegen. Inzwischen war es draußen dunkel, gegen halb elf war alles verstaut, wir waren körperlich fix und fertig.

Wir wollten gerade losfahren, da bog die Polizei, offenbar von einem misstrauischen Passanten gerufen, um die Ecke und fragte uns, ob wir für diese Aktion eine Genehmigung vorweisen könnten. Wir waren in Beweisnot, hatten wir ja nichts Schriftliches. Nach Aufnahme unserer Personalien und Fotografieren unserer Autos durften wir erst mal nach Hause fahren, mitsamt unserer "Beute". Unter der Auflage, die Genehmigung innerhalb von zwei Tagen nachzureichen.


Hier sieht man, weshalb wir uns...

...nie einen SMART kaufen würden.

Immer wieder erstaunlich, dass wir noch nie...

...etwas aus Kapazitätsgründen zurücklassen mussten.

Eine Stunde später kamen wir wohlbehalten in Merseburg an. Der Wachschutz dort war unsere seltsamen Arbeitszeiten ja bereits gewöhnt. Und so verstauten wir die Sachen erst mal im Fundus des Chemiemuseums und beratschlagten währenddessen, wie wir jetzt ganz schnell an eine schriftliche Genehmigung kommen. Mündliche Zusagen für so ein Unternehmen bekommt man erfahrungsgemäß leicht, schriftliche Zusagen aus Verantwortungsgründen jedoch nur sehr schwer.


Ausladung unserer Schätze

Verstauen der Rechentechnik



Ein wichtiger Zettel

Der Montag darauf verging mit Behördenbesuchen in Schönebeck. Wir erfuhren, dass das Grundstück doch nicht der Stadt unterstand, sondern in Privatbesitz war. Außerdem auch, dass die Gebäude einen Monat später abgerissen werden sollen.

Ein Kontakt zum Grundstücksbesitzer war schnell hergestellt, er war unserem Anliegen auch wohlgesonnen und wir vereinbarten für den kommenden Tag ein Treffen auf dem Gelände. Dort erfuhren wir von ihm, dass das Grundstück noch für einige Wochen seinem Vorbesitzer gehört, wir also nur von dem diese Erlaubnis bekommen könnten. Zu dem einige hundert Kilometer entfernt wohnenden Vorbesitzer war auch schnell ein telefonischer Kontakt hergestellt und auch dort stießen wir auf offene Ohren. Auf einer entsprechend bebilderten Email trugen wir unser nochmals Anliegen vor und bekamen endlich die ersehnte schriftliche Genehmigung, die wir gerade noch rechtzeitig bei der Polizei vorlegten und damit juristisch auf der sicheren Seite waren.


Bergung Teil 2

Mit der Genehmigung in der Tasche statteten wir die Woche darauf dem Werk einen erneuten Besuch ab, wiederum mit zwei PKW. Ziel war diesmal, die mechanischen Ascota-Buchungsmaschinen zu bergen. Während die uns beim ersten Besuch noch ziemlich uninteressant vorkamen, wuchs bei uns schnell die Erkenntnis, dass diese Maschinen doch ausgesprochen dekorativ sind, besonders wenn es gelingen sollte, die vielen Hebelchen irgendwann mal wieder in automatisierte Bewegung zu bringen. Diesmal fuhren wir gleich ins Werksgelände rein, um unseren Rücken die Tortur der Vorwoche zu ersparen. Immerhin wiegt so ein Rechenteil gut 70 kg und ist auch nicht weiter zerlegbar.
Die zweite Ascota 170 nahmen wir auch mit, um einen Ersatzteilspender für die erste zu haben. Das Eisengestell der Maschine vom Dachgeschoss bot sich als künftige Aufnahme für unsere Maschine förmlich an. Die Holzschränkchen waren leider geklebt, damit also nicht normal zerlegbar. Mit einigen Fußtritten vollendeten wir, was die Vandalen bereits begonnen hatten und so wanderten auch die Schränkchen in Form eines Bretterstapels in unsere Autos.


Diesmal hatten wir Holz geladen,...

...und jede Menge Kleinteile

Unter diesem Stapel verbergen sich....

...auch die zwei Buchungsautomaten.

Ohne Störung konnten wir diese Aktion abschließen und so ging's wieder nach Merseburg, wo die Ascotas, die Holzbretter und natürlich die Programmierbrücken eingelagert wurden.


Dieses Wägelchen ist nicht nur für Holz,...

...sondern auch für Buchungsmaschinen geeignet.



Nachlese

Beim Sichten der geborgenen Schätze stellten wir fest, dass noch Kleinigkeiten fehlten: Die Splitter der zerbrochenen Bodenwannen der Buchungsmaschinen waren unvollständig, außerdem konnten wir von den ursprünglich 32 Stahlröllchen, auf denen der Buchungsschlitten einer solchen Maschine läuft, nur acht finden. Also noch einmal ein Kurzbesuch in Schönebeck. Beim "Destillieren" des Raumes tauchten tatsächlich noch einige Stahlröllchen auf, außerdem einige arg zerfledderte Dokumentationsseiten über die Geräte und einige leere Kontenblätter.


So sah es aus, als wir gekommen sind.

Gleich viel aufgeräumter: dieselbe Stelle nach unseren Besuchen

Obwohl wegen des schlechten Zustand von uns anfangs verschmäht, fand nun auch die Rechenmaschine Ascota 114 vom Dachboden den Weg zu uns. Wir wollten sie eigentlich als Ersatzteilspender für die vom gleichen Hersteller stammende Ascota 170 nehmen, doch es sollte anders kommen...


Geschichte des Werkes

Unsere Erkenntnisse über das Gummiwerk sind leider noch dürftig.
1943 wurde das Werk als "Friedrich Wilop Gummiwaren für Schuhbedarf" gegründet.
1949 wurde es dann als "VEB Schönebecker Gummiwerke" verstaatlicht.
1956 kam der Beiname "John Schehr" (nach einem in der NS-Zeit ermordeten Kommunistenführer benannt) dazu.
1980 wurde das Werk ins Kombinat "Schuhe Weissenfels" eingegliedert.
Anhand der noch im Werk befindlichen Produktionsreste wissen wir, dass das Werk Gummisohlen für die DDR-Schuhindustrie hergestellt hatte. Außerdem wurden Textil-Sportschuhe (u.a. Marke "Germina"), Badelatschen und Kinderschuhe hergestellt. Der Rohgummi wurde wahrscheinlich aus den BUNA-Werken angeliefert, im Gummiwerk mit entsprechenden Chemikalien behandelt und vermutlich eingefärbt. In der Walzstraße (Kalander) dann zu Bändern ausgewalzt und gestanzt. Oder im Spritzgussautomat gegossen und zu Schuhen konfektioniert.
Die Gebäude des angrenzenden Mischfutterwerks wurden irgendwann vom Gummiwerk übernommen und als Lager für Ersatzteile benutzt. Mitte der 1980er Jahre arbeiteten fast 1900 Leute im Gummiwerk.


Mit diesem Stempel wurden Schuhkartons gestempelt

1990 wurde die Firma als "Gummiwerk Schönebeck GmbH" privatisiert. Der ehemalige Formen- und Werkzeugbau auf der anderen Straßenseite gründete sich als eigenständige Firma aus.


Werkzeugbau des Gummiwerkes

Werkzeugbau des Gummiwerkes

1992 ging das alte Gummiwerk in Konkurs, das Werksgelände wurde aufgegeben, Vandalen und Buntmetalldiebe suchten das Werksgelände heim. Eingeschlagene Fensterscheiben und das verwitterte Dach ließen Wasser in die Gebäude laufen, Frost und Schimmelpilz gaben ihnen dann den Rest. 1994 zog die "Formen- und Werkzeugbau GmbH" in ein Gewerbegebiet um, seitdem steht auch dieser Gebäudekomplex leer.

Im Jahr 2007 erfolgte eine Neugründung, wieder unter dem Namen "Gummiwerk Schönebeck GmbH" in einem neugebauten Firmengelände am Stadtrand von Schönebeck. Diese Firma existiert bis heute.


Schornsteingallerie

Überreste des Werkslabors

Wandbemalung in einem Clubraum

Wandbild, nun achtlos herumgeworfen.

Für den Sommer 2011 war der Abriss der Gebäude des alten Gummiwerks geplant. Im Herbst 2011 war es dann wirklich so weit: Die Abrissbagger rückten an und machen dem traurigen Dasein der Ruinenlandschaft ein Ende. Einige Stücke der Produktionsausrüstung, das Feuerwehrwägelchen und auch die Stuckplatten von der Hauswand der Lohnbuchhaltung wurden in letzter Minute noch vom Industriemuseum IMUSET gerettet und werden dort irgendwann Teil der Ausstellung.


Vom ehemaligen Rechnergebäude steht hier
nur noch das Erdgeschoss.

Mischfutterwerk und Schornstein erleben ihrem letzten Tag.


Aufnahme von 2012: Alles weg.

Auf dem Grundstück des Gummiwerkes ist 1 Jahr danach ein Einkaufszentrum entstanden.

Aufbau

Aufbau Magnetlocher daro 413

Hierbei handelt es sich um ein kleines, aber recht schweres Gerät, das zum Stanzen von Lochkarten ohne Anwesenheit eines Rechners diente. Das Gerät besitzt einen Satz Tasten, mit denen Stanzstößel gesteuert wurden. Der eigentliche Stanzprozess sowie das Weiterrücken der Lochkarte wird durch Elektromagneten erreicht. Der daro 413 hatte die letzten 18 Jahre im Gummiwerk in einem Karton im Keller gelegen, war aber dadurch recht gut von Schmutz verschont geblieben. Das gerissene Zeigerseil hatten wir schnell ersetzt, die hauptsächlichen Arbeiten bestanden dann aus Reinigen und Ölen. Als problematisch stellten sich die Elektrokontakte heraus, die waren so korrodiert, dass sie keinen Kontakt gaben und selbst Kontaktfeile und Sandpapier lange Widerstand leisteten. Letztendlich war auch dieses Problem beseitigt und wir konnten uns an die Inbetriebnahme machen.


Locher 413 nach der Restaurierung

Locher 413, Rückwand und Dom abgenommen

Locher 413, Rückseite ohne Gehäuse

Unterseite des Lochers 413

Haupthürde war der exotische Anschlusswert von 110V Gleichspannung, der zu normalen Steckdosen ausgesprochen inkompatibel ist. Wir mussten eine Schaltung erfinden, die bei kleinen Abmessungen 230V Wechselspannung in 110V Gleichspannung umwandelt, und dies bei einer Leistung von 200W. Diese Schaltung wurde unter Zuhilfenahme der Teile aus einem alten Dimmer quasi unsichtbar im Fuß des Geräts integriert.

Inzwischen stanzt das Maschinchen wieder und wir freuen uns.


Aufbau Magnetprüfer daro 423

Hierbei handelt es sich um kleine, aber nicht minder schwere Geräte, die zum Überprüfen der Stanzung von Lochkarten ohne Anwesenheit eines Rechners dienten. Dazu haben diese Geräte einen Satz Tasten, in dem die gleichen Werte wie beim Stanzen eingetastet wurden. Eine Abfühltechnik verglich die eingegeben Werte mit den bereits gestanzten Werten und rückte nur bei Übereinstimmung weiter. Als korrekt erkannte Stanzungen wurden dabei automatisch durch einen kleinen Farbstift mit einem Punkt markiert.

Die beiden daro 423 lagen die letzten 18 Jahre offen im Keller des Gummiwerks, waren stark verrostet und mit abgefallenem Wandputz zugebacken. Erste Aufgabe war eine weitgehende Zerlegung der Geräte und ein systematisches Blankschleifen der einzelnen Bauteile. Bei dieser Arbeit gingen mehrere Drahtigel drauf, bis die Teile wieder halbwegs blank waren. Unsichtbar wird die traurige Vergangenheit der Geräte aber leider nie wieder werden.


Lochkartenprüfer von außen, vor der Restauration

Bedienhebel, vor der Restauration

Bedienhebel, nach der Restauration

Tastenfeld, vor der Restauration

Tastenfeld, nach der Restauration

Lochkartenbahn, vor der Restauration

Lochkartenbahn, nach der Restauration

Schwer vom Rost beschädigt waren auch die Abfühlbürsten. Zwölf Stück davon dienten der elektrischen Auslesung der gestanzten Lochkarteninformation. Jede Bürste bestand ursprünglich aus einem Bündel dünner Stahlfasern (0,2 mm Durchmesser), die hatten sich aber inzwischen in Rost verwandelt und zerkrümelten einfach. Als Ersatz dafür nahmen wir ausgewählt gerade Borsten (Durchmesser 0,3 mm) einer Drahtbürste, die wir in 2-mm-Messingröhrchen einpressten. Auch bei diesen Geräten waren die Schalterkontakte stark korrodiert und es dauerte mehrere Tage, sie wieder zu einer Kontaktgabe zu überreden.


Kontaktwalze, vor der Restauration

Originale und nachgebaute Kontaktbürsten

Die Lochkartenprüfer waren ebenso wieder der Lochkartenstanzer für 110V Gleichspannung ausgelegt. Wir mussten also auch für diese Geräte Stromwandler (230V Wechselspannung auf 110V Gleichspannung bei 100W) bauen.
Jetzt funktionieren beide Geräte jetzt wieder.


Aufbau Bürocomputer A5130

Der Robotron A5130 war ein universeller Rechner aus den 1980er Jahren. Er wurde meist im Büroumfeld benutzt: zur Textverarbeitung oder für kleine Datenbankanwendungen, aufgrund seines eingebauten Druckers bevorzugt für papierintensive Arbeiten. Was genau im Gummiwerk damit gemacht wurde, lässt sich mangels zugehöriger Software nicht mehr feststellen.

Das Gerät aus dem Gummiwerk ist leider schwerstbeschädigt. Da wir bereits einen anderen A5130 im Museum haben, planen wir vorerst keinen Wiederaufbau, haben die Teile aber eingelagert. Interessanteste Komponente ist sicher das 8-Zoll-Diskettenbeistellgerät. Dessen gebrochenes PUR-Gehäuse ist inzwischen wieder gereinigt, geklebt und neu gestrichen. Mit den Diskettenlaufwerken K5602 sieht's nicht gut aus: die Buntmetallmafia hatte bereits sämtliche Leiterplatten geklaut und Ersatz ist nicht in Aussicht.


Aufbau Bürocomputer K8924

Der Robotron K8924 war ein universeller Rechner aus den 1980er Jahren. Er wurde meist im Büro- und Bankenumfeld benutzt: zur Textverarbeitung oder für kleine Datenbankanwendungen. Was genau im Gummiwerk damit gemacht wurde, lässt sich mangels zugehöriger Software nicht mehr feststellen.

Der K8924 aus dem Gummiwerk ein sehr interessantes Gerät, ist es doch möglicherweise heute das letzte Exemplar dieser Art, das mit den alten K5600-Diskettenlaufwerken bestückt ist. Das Gerät ist leider schwerstbeschädigt. Vorerst planen wir keinen Wiederaufbau, haben die Teile aber eingelagert.


Diskettenlaufwerk, ursprünglicher Zustand

Diskettenlaufwerk nach der Restauration

Die Diskettenlaufwerke wurden inzwischen repariert, um sie notfalls in anderen Geräten einsetzen zu können. Hauptfehler bei den Laufwerken waren festgerostete Mechaniken, ein defekter Kollektor eines Spindelmotors und defekte Lichtschranken.



Aufbau Ascota 114

Anfangs wollten wir diese Rechenmaschine gar nicht aus dem Gummiwerk mitnehmen, bei der letzten Werksbegehung haben wir sie dann aber doch eingepackt in der Hoffnung, sie wenigstens als Ersatzteilspender für die Buchungsmaschine Ascota 170 nutzen zu können, denn zu etwas anderem war dieses Wrack augenscheinlich nicht mehr zu verwenden.
Einer unserer Hobbykollegen verliebte sich jedoch spontan in dieses Gerät und stellte fest, dass der Rost in der Mechanik eher oberflächlicher Art war und dass man dieses Gerät doch noch restaurieren konnte. Nach 1 Monat mühevoller Kleinarbeit war das Gerät nicht wieder zu erkennen: Gehäuse gereinigt und neu gestrichen, Mechanik entrostet, poliert und geschmiert. Und das beste: sie rechnet und druckt auch wieder.


Ascota 114, ursprünglicher Zustand

Kaum wiederzuerkennen...

...dieselbe Maschine, nach der Restauration

Hier mit komplettem Gehäuse.

Diese Maschine ist ein gutes Beispiel dafür, dass man mit hinreichendem Fleiß nahezu jedes Gerät wieder optisch ansprechend und funktionsfähig machen kann. Sicherlich wäre dieses Maschinchen bei den meisten Sammlern aufgrund ihres ursprünglichen Erhaltungszustandes in den Müll gewandert. Es ist erfreulich, dass dieses Gerät gerettet werden konnte, es steht inzwischen im Fundus des Rechenwerk Museums.


Aufbau Ascota 170, Hardware

Die Ascota 170 ist ein mechanisch arbeitender Computer, der ab Mitte der 1950er Jahre vor allem im Bank- und Finanzumfeld eingesetzt wurde. Anhand der gefunden Software wissen wir, dass er im Gummiwerk für Abrechnungen der Produktion (Statistiken, Materialbestände, Erlösrechnungen) eingesetzt wurde. Im Gummiwerk gab es zwei solcher Maschinen, beide wurden wahrscheinlich bis zum Ende der Produktion 1992 benutzt. Wir hatten im Zuge unserer Bergungsaktion beide Maschinen gerettet. Beide Maschinen sind ähnlich aufgebaut, unterscheiden sich aber in den Anschlüssen für die Peripherie. Diese hochkomplexen mechanischen Geräte wieder zum Laufen zu bringen, würde von allen geretteten Geräten den meisten Aufwand bedeuten und so gingen wir von einer Reparaturzeit von mehreren Jahren pro Gerät aus. Eine der beiden Maschinen wollten wir zunächst wieder funktionsfähig machen und halten, die andere notfalls als Ersatzteilspender benutzen. Die grüne Maschine war mehr vom Rost befallen, also entschieden wir, die graue zu reparieren.

Die Ascota170 wird von einem zentralen Elektromotor angetrieben, besitzt mehrere mechanische Prozessoren, mechanischen RAM-Speicher, mechanischen ROM-Speicher, ein Druckwerk zur Ausgabe und natürlich eine Tastatur zur Eingabe. Optional konnte noch ein elektronischer Koprozessor (TM20 oder MD24) angeschlossen werden. Dieser Maschinentyp wurden damals hauptsächlich in der Finanzbuchhaltung (Kontenverkehr) verwendet. Die zu überweisenden Beträge und Kontonummern wurden dazu in den Buchungsautomat eingetippt, der Buchungsautomat errechnete die neuen Kontostände, druckte die Zahlen zeilenweise auf Pappkarten und machte abends die Tagesabrechnung.


Die graue Ascota 170, noch ohne Buchungswagen

Gehäuse und Metallgestell

Wir hatte das Metallgestell der grünen Buchungsmaschine mitgenommen, dort hängten wir die graue Ascota 170 sogleich ein. Das Gestell verfügt über Servicehebel, die ein Ankippen der Maschine und damit ein leichteres Arbeiten an der Geräteunterseite ermöglichen. Um die Maschine auf dem Fußboden bewegen zu können, bauten wir unter das Metallgestell ein Rollbrett, zunächst mit ungebremsten Rädern. Wie sich später herausstellen sollte, hätten wir besser gleich Räder mit Bremsen nehmen sollen, denn die Maschine bewegt sich durch die abrupten Impulse beim Rechnen auf ihrem Rollbrett ganz gern von allein durchs Zimmer.

Bei beiden Maschinen waren die Duroplast-Bodenwannen zersplittert, weil Vandalen im Gummiwerk die Geräte von den Halterungen geschubst hatten. Zum Glück haben wir fast alle Splitter wiedergefunden und konnten sie mit Klebstoff und Zwingen wieder zusammenpuzzeln.


Die Bodenwanne um Urzustand

Eingespannte Bodenwanne

Fertig geklebte Bodenwanne


Nettes Detail auf der Gehäuseoberseite:
ob dieses gebrochene Herz der Buchungsmaschine galt?

Buchungswagen

Bei der grauen Maschine war als Folge des Sturzes vom Gestell der Laufschlitten des Buchungswagens abgerissen. Der Buchungswagen läuft normalerweise auf 32 Stahlrollen, die aber nun nicht mehr vorhanden waren. Bei der Bergung hatten wir nur acht Rollen im Zimmer im Gummiwerk gefunden, einige Rollen haben wir dann noch während der nächsten Wochen aus der Maschine gefischt. Und bei nochmaliger gründlicher Suche in ehemaligen Zimmer im Gummiwerk fanden sich auch noch einige. Damit waren wir schon bei 27 Rollen, nach Schleifen und Polieren der Oberflächen eine recht gute Ausgangsbasis. Die fehlenden Röllchen konnten wir nach längerer Suche bei einem Kugellagerhersteller nachkaufen.


Die Laufrollen im Urzustand

Nachpolierte Laufrollen

Bis dahin war aber einige Zeit vergangen und wir haben uns erstmal den Buchungswagen der grünen Maschine vorgenommen: der hatte zwar auch einen Sturzschaden, war zumindest noch vollständig. Einige Teile waren arg verbogen, der Rost hatte das Metall befallen, die Lager waren festgefressen oder festgeharzt. Nach Zerlegen, Reinigen, Ölen und Ausbeulen ist der grüne Buchungswagen jetzt wieder weitgehend einsatzfähig.


Reparatur des Buchungswagens

Einhängen der Mechanik des Buchungswagens

2012 haben wir auch den grauen Buchungswagen fertig repariert. Da der aber durch Rost und abgeblätterter Farbe nicht mehr schön aussieht, haben wir die Maschine letztendlich mit einen besser erhaltenen grauen Buchungswagen aus dem Kernkraftwerk Stendal bestückt.

Rechenwerk

Richtig schwierig wurde es mit dem Innenleben des Rechners: Einerseits ist das Rechenwerk der Ascota 170 enorm kompliziert, andererseits sind einige Teile fürchterlich verbaut, sodass man nicht ohne weiteres an sie heran kommt.


Erst schaut einer neugierig...

...und dann noch zwei.

Die Oberseite der teilzerlegten Maschine

Die Unterseite der Maschine mit den Speichertrommeln

Mangels Erfahrung mit solchen Maschinen sind wir sehr vorsichtig zu Werke gegangen: Alles reinigen, was erreichbar ist, alle Gelenke ölen und versuchen, Hebel einzeln zu bewegen, um deren Leichtgängigkeit nachzuweisen. Und alles, was demontiert werden muss, sehr gut dokumentieren (Papier und Kamera), sonst werden wir das nie wieder zusammen kriegen. Leider hatte sich aufgrund des offenen Herumliegens im Gummiwerk viel Schmutz in der Maschine gesammelt, der auf den gefetteten Metallteilen fast unslösbar festklebt. Möglicherweise müssen wir die Maschine deswegen irgendwann in Benzin baden. Eine Komplettzerlegung trauen wir uns jedenfalls nicht.

Durch den Kontakt zum Museum für historische Bürotechnik Naunhof bekamen wir ein erstes Verständnis zur Funktion der Maschine und einige Tipps zur Reparatur. Sehr hilfreich war z.B. der Hinweis, dass man (auch wenn es mühsam ist) das Schreibmaschinenwerk und die Symboltastatur vorläufig ausbauen sollte, um so an die darunterliegenden Hauptprozessoren (I und II) heranzukommen.


Schmutziges Hebelwerk in der Maschine

Ascota 170 mit ausgebautem Schreib- und Symbolwerk

Ausgebautes Schreibwerk

Ausgebaute Symboltastatur

Hauptaufgabe war zunächst, die Mechanik in die Grundstellung zu bringen. Herz der Ascota 170 ist eine Welle, die bei jeder Berechnung eine Umdrehung macht und per Nockenscheiben jede Menge Hebel im richtigen Moment bewegt. Diese Welle war irgendwo mittendrin stehen geblieben und bewegte sich vorerst weder vorwärts noch rückwärts. Aus Sicherheitsgründen sind in diesem Zustand alle Tasten gesperrt, sodass alle anderen Forschungen erstmal warten mussten. Wir mussten also Hebel für Hebel abbauen und zu schauen, welcher genau die Blockierung hervorrief. Nach langem Suchen konnten wir einen Ausrichtbalken dingfest machen, der tief unter dem Druckwerk versteckt ist. Anschließend ließ sich die Welle in Grundstellung bringen, in der sie sich aber augenblicklich verriegelte. Nach einigem Suchen haben wir ein Entsperrhebelchen gefunden, das wir vorerst jedes Mal ziehen müssen, damit die Hauptwelle freigegeben wird. Aus Sicherheitsgründen machten wir die Achsendrehung vorerst nicht per Motor, sondern (mangels Original-Kurbel) mit einem eingesteckten großen Schraubenzieher. Der Schneckenantrieb des Motors lässt sich zu diesem Zweck auskuppeln.
Daraufhin können wir schon mal die Welle durchdrehen: der sogenannte Maschinengang funktioniert also. Er bewirkt das Auslesen der Tastatur, ggf. das Ablegen der Zahl in den Rechenwerken, das Rückholen von Zahlen aus den Rechenwerken, die Druckausgabe, den Papiervorschub, das Löschen der Tastatur,...
Um Reparaturen zu erleichtern, befindet sich auf einer Scheibe der Hauptwelle eine Gradskala, die anzeigt, in welcher Lage sich die Hauptwelle gerade befindet.


Schmutzig: Die Hauptwelle mit einigen Kurvenscheiben

Gradskala auf der Hauptwelle, hier gerade bei 200°

Nachdem die Maschine in Grundstellung war, nahmen wir uns als nächstes die Trommelausrichtung vor. Die Maschine verfügt über vier mechanische Speichertrommeln, von denen jede zehn Zahlen speichern kann. Zum Schreiben und Lesen einer Speicherzelle muss die Trommel in die richtige Lage gedreht werden. Im Echtbetrieb soll das dann so funktionieren, dass die Trommelauswahl jeweils vor Auslösung des Maschinenganges erfolgt (Entweder per Tastenauswahl oder programmgesteuert). Sobald die Trommeln ihre Endlage erreicht haben, wird der Maschinengang gestartet. Sollte das aus irgendeinem Grund nicht passiert sein, verklemmt sich der Maschinengang. Und genau diese Mechanik, die sich an der Unterseite der Maschine befindet, funktionierte nicht, wahrscheinlich als Folge des Sturzes im Gummiwerk. Wir zerlegten einige Baugruppen, richteten verbogene Hebel wieder aus, ölten wieder viele Gelenke. Im Anschluss ließen sich die Trommeln in ihren Grundzustand drehen.
Da die Speichertrommeln nicht unbedingt für die Arbeit der Maschinen gebraucht werden, konnten wir sie in diesem Zustand vorerst belassen und uns erst mal anderen Themen zuwenden.


Trommelantriebs-Mechanismus

Zwei der Speichertrommeln

Mit der Grundstellung der Maschine wurden die Eingabetasten endlich verfügbar. Bei ihrem Drücken sollte sich darunter ein kleiner Laufschlitten bewegen, der die eingetasteten Ziffern in einer Nippelmatrix (Tastaturregister) zwischenspeichert. Dieser Schlitten bewegte sich vorerst nicht, eine Folge festgeharzten Fettes. Mit Öl und Spiritus haben wir ihn nach mehrwöchigen Behandlungen wieder frei bekommen. Doch eine Übernahme der Zahl in die Zahnstangen erfolgte vorerst nicht. Was wir damals noch nicht wussten: der noch fehlende Buchungswagen war Schuld daran.

Im Laufe der Zeit wuchsen unsere Erkenntnisse zur Funktion der Maschine: Inzwischen war klar, wie Wagenrücklauf und Tabulatoren funktionieren müssen und wir machten uns an die Wiedervereinigung von Rechner und Buchungswagen. Dies ging aufgrund verbogener Teile (Sturzschaden) zunächst nicht reibungslos, aber dank Hammer und Schraubstock vertragen sich beide Baugruppen inzwischen wieder.

Durch eine unvorsichtige Kraftaufwendung bei der Lösung einer Verklemmung hatten sich leider bei einem Pertinax-Zahnrad im Antrieb der Maschine einige Zähne abgeschert. Ersatz für das Zahnrad hatten wir vorerst nicht und auch noch keine Ahnung, wie aufwändig dessen Austausch werden sollte.

Parallel dazu waren wir weiter auf der Suche nach Dokumentationen und Ersatzteilen, hatten u.a. im Kernkraftwerk Stendal zwei weitere Ascota 170-Maschinen lokalisiert. Eine leider wieder mit schwerem Sturzschaden, die andere noch in gutem Zustand, übrigens sogar mit Lochbandanschluss. Einwände von der dortigen Grundstücksverwaltung gegen eine Bergung gab's nicht und so haben wir traditionsgemäß beide mitgenommen samt einiger Programmbretter. Aus der defekten Stendal-Maschine gewannen wir das gesuchte Pertinax-Zahnrad, das übrigens 2x pro Maschine verbaut ist. Eins davon ist ganz leicht zu demontieren, das andere hingegen nur extrem schwierig. Nach Murphys Gesetz war uns natürlich gerade letzteres Zahnrad kaputt gegangen. Um das Zahnrad aus der Maschine zu bekommen, muss man den Antriebs-Lagerbock ausbauen, der wiederum sitzt unter dem Schreibmaschinenwerk und außerdem hängen Unmengen von Hebeln an ihm. Es dauerte einige Wochen, bis wir den Lagerbock draußen hatten, die notwendigen Schritte wurden schriftlich und bildlich dokumentiert.


Der ausgebaute Antrieb eröffnet neue Einblicke

Nun mussten wir nur noch den Keilstift herausschlagen, der den Antriebsbock zusammenhielt. Was heißt NUR: JETZT ging das Problem erst richtig los: Über Schläge mit Hammer und Dorn lachte der Stift nur. Die Anfertigung einer stabilen Auflage für die Achse, um dem Schlag mehr Wirkung zu verleihen, führte lediglich dazu, dass sich der Keilstift durch die Hammerschläge pilzförmig verformte und der Schlagdorn zersplitterte. Es war wie verhext!


Erste Versuche, den Stift herauszubekommen

Feuer frei! Anfertigung der Auflage für die Antriebswelle

Jetzt konnte uns nur noch ein Mechanik-Spezialist helfen, zum Glück gibt es da einen hilfsbereiten Hobbykollegen. Er schweißte als erstes unsere Achsenauflage stabiler, bohrte den Keilstift ein Stück an, fertigte auf der Drehmaschine ein passendes Werkzeug. Nach 1 Tag Vorbereitungsarbeiten drosch er dann mit einen gezielten 2-Tonnen-Impuls den Keilstift aus der Achse. Geschafft!


Antrieb, endlich zerlegt

Das defekte Zahnrad

Der Austausch des Zahnrades war dann kein Problem mehr, aber der Einbau in die Maschine dauerte noch einmal vier Wochen. Konsequenz der Aktion: dieses Zahnrad darf keinesfalls nochmal kaputt gehen!

Womit wir die nächste Baustelle hatten: Die Maschine besitzt drei Rutschkupplungen (einen im Antrieb des Maschinengangs, eine im Antrieb der Speichertrommeln und eine im Antrieb des Buchungswagens). Sie sollen im Falle einer mechanischen Verklemmung verhindern, dass die gewaltige Motorkraft die Maschine zerstört. Diese Rutschkupplungen waren festgerostet bzw. festgeharzt, was letztendlich die Hauptursache der Zahnradzerstörung war. Zerlegen, Reinigen, Entrosten und Schmieren der Kupplungen brachte Abhilfe, allerdings haben wir keine Messmittel, um die Kupplungen einzustellen. Mal sehen, ob die geschätzte Einstellung sich als richtig erweist. Seitdem trauen wir uns auch, die Maschine bestimmte Arbeiten schon per Motor machen zu lassen. Ein beeindruckendes Spiel der vielen Hebelchen!


Antriebssegment, links die Rutschkupplung

Parallel dazu begannen wir mit der Reparatur der Elektrik. Erste Arbeiten waren die abgeknickten Knebel der zwei Hauptschalter. Dank der Spende eines Hobbykollegen haben wir da inzwischen Ersatz.
Da unsere Maschinen den TM20-Anschluss haben, besitzen sie wesentlich mehr Elektronik als die Standard-Maschinen. Sturzbedingt waren bei unserer Maschine auf der Unterseite einige Relais weggeknickt sowie ein Kontakt abgebrochen. Mit Klebstoff und mit Hilfe unseres Ersatzteilspenders sind diese Probleme inzwischen beseitigt. Einige Kontakte hatten uns zeitweise durch Korrosion und Verbiegung Ärger gemacht. Leider besaßen wir zu dieser Zeit noch keinen Schaltplan von der Ascota 170 und die Verfolgung von Drähten durch die Kabelbäume war mühsam.


Abgebrochener Hauptschalter

Kontaktsatz am Rechenwerk

Die nächsten Arbeiten bestanden in der Inbetriebnahme der Prozessoren (I, II, III/IV, K). Tastengesteuert (und später programmgesteuert) sollten sie Additionen, Subtraktionen, die Abfrage der Endergebnisse sowie ein Speicherlöschen durchführen können. Unsere Prozessoren neigten zunächst stark zum Verklemmen, was dazu führte, dass wir immer mal irgendwelche Teile zerlegen und manuell in die Grundstellung zurück bringen mussten. Problemursache war auch hier hauptsächlich verharztes Fett.


Das Druckwerk mit den Prozessoren I und II

Detailaufnahme des Prozessors I

Nur nicht den Überblick verlieren:
Hebelwerk an den Prozessoren

Manchmal hilft auch ein Hämmerchen.




Literatur

Unsere Bestände an Ascota-170-Literatur waren anfangs nahezu Null und so nutzten wir all unsere Kontakte. Mit Erfolg. Von einem Hobbykollegen bekamen wie die Kopie der Programmierbeschreibung, von einem befreundeten Museum eine Kopie des Reparaturhandbuches. Ein ehemaliger Ascota-Mitarbeiter schickte uns Bilder der Programmierschablonen. Einige Maschinenunterlagen sowie einen Schaltplan des Multiplizierwerks entdeckten wir in einer Industrieruine. Über Antiquariate und Internet-Auktionen kamen weitere Hefte hinzu. Da wir ein Teil der Literatur zurückgeben mussten, haben wir zunächst alle Bücher gescannt und bei Bedarf nachgedruckt. Mit Dokumentation sind wir also inzwischen recht gut ausgestattet.



Ein Teil unserer Ascota-Literatur

Die damaligen Ascota-Monteure bekamen ihr Basiswissen über die Maschine in einem 9-wöchigen Lehrgang. Der ist uns leider nicht vergönnt und so müssen wir uns mühsam an der Literatur, die die Maschine aber leider nicht vollständig erklärt, entlang hangeln.

Software

Einige Funktionen der Buchungsmaschine kann man per Tastatur starten, die meisten Funktionen lassen sich allerdings nur per Programm auslösen. Früher oder später kamen wir also nicht herum, Programme für die Maschine zu verstehen und selber zu "schreiben". Die Programmierung der Ascota 170 erfolgt durch Einschlagen von Formstücken (sogenannten Programm-Stopps) in ein Steckbrett. Diese Steckbretter können dann in den Buchungswagen der Maschine gesteckt werden. Mit der Bewegung des Buchungswagens wird jeweils eine Reihe dieser Formstücke abgetastet und sollte die Maschine dann zu unterschiedlichen Reaktionen veranlassen.

Wir besitzen bestückte Programmbretter aus dem Gummiwerk, da wir aber keine Programmbeschreibungen dazu haben, halfen die uns anfangs nur wenig. Die Programme beinhalten keine Textstrings, daher ist es recht schwierig herauszufinden, was sich der Programmierer mit den Befehlen gedacht hatte. Technisch waren die Programmbrücken leider in schlechtem Zustand: Steckbrett und Programmstopps waren von Rost befallen. Wir mussten die Brücken also erst einmal mit dem Drahtigel putzen, was sich über einige Wochen hinzog und den Verkäufer der Mini-Drahtigel zu einem reichen Mann machte. Sprühlackierungen auf den Programmbrücken sollen nun ein erneutes Rosten verhindern.


Rostige Bits: dies ist der Zustand der Programmbrücken
aus dem Gummiwerk.

So sollte eine Programmbrücke eigentlich aussehen.


"Schreiben" eines Programms für die Ascota 170

Wir besitzen Beutelchen mit jeder Formstückart, können uns also auch an die Erstellung eigener Programme wagen. Auf einer zuvor entrosteten leeren Programmbrücke haben wir unser erstes Programm gehämmert: es dient der Diagnose der Maschine und spricht im Dauertest alle Prozessoren und Speicherwerke an.


Unser erstes selbstgehämmertes Programm ist fertig!

Auf Anfrage bekamen wir von mehreren befreundeten Museen Fotos ihrer Ascota-Programmbretter, deren Funktion wir entschlüsseln wollten. Um das zu erreichen, haben wir ein Reassembler-Programm für den PC geschrieben, in dem die Form und Lage der Programmierstopps in ein Formular eingetragen werden und der dann auf Knopfdruck den zugehörigen Quelltext im BASIC-Format generiert.


Reassembliertes Programm

Reassembliertes Programm



Werkzeug

Ende 2011 gab es wieder einen Erfolg: Wir haben von einem ehemaligen Robotron-Mitarbeiter die technischen Unterlagen zur Ascota 170 bekommen, u.a. auch die Schaltpläne. Und außerdem einen Koffer mit Spezialwerkzeug zu dieser Maschine. Werkzeugkoffer und Werkzeug waren selber stark restaurationsbedürftig, unvollständig und vor allem verrostet. In mehrwöchiger Arbeit wurde das Werkzeug von uns wieder in gutem Zustand gebracht und komplettiert. Damit werden die Arbeiten künftig wesentlich einfacher.


Restaurierter Ascota-Werkzeugkoffer, geöffnet

Ascota-Werkzeugkoffer, geöffnet



Koprozessor TM20

Der Buchungsautomat beinhaltet den Anschluss für elektronische Peripherie, genau gesagt einen elektronischen Koprozessor TM20, der der Maschine die standardmäßig die nicht vorgesehene Multiplikation ermöglicht. Da diese Funktionen nachträglich entwickelt wurden, sind sie nicht mit der normalen Programmbrücke programmierbar, sondern die Maschine besitzt eine sog. Kontaktbrücke, die sich parallel zur ersten bewegt und programmgesteuert einige elektrische Kontakte bedient. Die Übergabe der Daten an den Koprozessor erfolgt durch zwei Kontaktmatrizen (mit jeweils 100 Kontakten), die sich programmgesteuert ansprechen lassen.
Die Rückantwort des Koprozessors passiert ähnlich wie eine Tastatureingabe: Stelle für Stelle werden die Daten über 9 Elektromagneten in ein mechanisches Datenregister geschrieben, wobei sich ein kleiner Laufschlitten weiter bewegt. Die Zahl wurde im Anschluss von den Zahnstangen des Datenbusses ausgelesen.


Koprozessor TM20

Wir begannen die Reparatur an der einfachsten Stelle: dem Netzteil des Koprozessors. Das ließ sich nach Regenerierung der Elkos ohne größere Schwierigkeiten in Betrieb nehmen, allerdings mussten wir mangels Kopplung mit dem Buchungsautomat vorerst die Ferneinschaltung überlisten. Nun wurde es aber komplizierter.

Ein Teil der für das Multiplizieren notwendigen Technik ist im Buchungsautomaten eingebaut: die Wandler zwischen mechanisch und elektronischer Technik. Gerade diese Komponenten erwiesen sich als sehr störanfällig. Das ging los bei jede Menge kleiner Schaltkontakte, die z.B. durch Nocken auf der Hauptwelle oder durch Hebel bewegt wurden. Die meisten davon machten keinen Stromdurchgang mehr, eine Folge von Korrosion. Jeder Kontakt musste durchgemessen, ggf. mit feinsten Schleifpapier wieder entrostet und mit Kontaktspray konserviert werden.


Nockenschalter

Ähnlich sah es bei den Kontaktmatrizen aus: sie sind für die Datenübernahme vom Buchungsautomat zum Coprozessor zuständig. Auch da wurde jeder Kontakt einzeln gemessen und ggf gepflegt. Insgesamt sind ca. 290 Kontakte in der Maschine. Bis die alle stabil liefen, vergingen einige Reparaturtage.


Geöffnete Kontaktmatrix

Nächste Baustelle war die Abfrageeinheit: sie tastet eine mechanische Steckbrücke ab, die den elektronischen Komponenten sagt, an welcher Stelle sie was tun sollen. Sie besteht in unserem Fall aus 8 Druckstößeln, die programmgesteuert hochspringen und dabei die Form (Höhe) der mechanischen Stecker abtasten und die in einer 16-stelligen Kontaktmatrix ablegen. Die Auslösung der Abtastung erfolgt durch einen Elektromagnet, die eigentliche Abtastbewegung wird vom Hauptmotor der Maschine ausgeführt. Auch an der Abfrageeinheit saßen wieder einige beschädigte Schaltkontakte, die erst wieder mühsam zur Mitarbeit überredet werden mussten.


Abfrageeinheit

Kniffligste mechanische Komponente war das Produktenwerk: Es besteht aus 9 Elektromagneten, mit denen der Koprozessor sein Ergebnis auf 1 Dezimalstelle der Buchungsmaschine ausgibt. Anschließend springt die Mechanik eine Dezimalstelle zur Seite und die nächste Stelle wird übergeben. Nach maximal 12 Stellen, die ein ordentliches Handshake zwischen Buchungsmaschine und Koprozessor voraussetzen, ist die Datenübergabe beendet. Die Seitwärtsbewegung wird durch eine magnetgetriebenes Klauenschaltwerk erreiche, dessen Einstellung leider ziemlich kritisch ist.


Produktenwerk

Stellstückmatrix des Produktenwerks

Ein Testprogramm, das die beiden Faktoren als Tastaturengabe erwartete, die Multiplikation auslöste und anschließend das Ergebnis druckte, war schnell geschrieben (oder besser "gehämmert"). Und irgendwann war es dann soweit: Im Produktenwert ratterte eine Zahl ein, der Beweis, dass der Koprozessor irgendwas berechnet hatte. Zunächst aber leider nur "irgendwas". Damit waren aber zumindest die Arbeiten an der Buchungsmaschine abgeschlossen und wir konnten ums dem Koprozessor selbst zuwenden.

Schnell zeigte sich, dass die Rechenergebnisse völlig falsch waren. Zunächst konnte das Gerät nicht einmal 1x1 korrekt ausrechnen. Ursache war seine Elektronik, die in Form von 28 Leiterplatten, bestückt mit Germaniumdioden und Germaniumtransistoren, im Koprozessorrahmen steckte. Reinigung der Leiterplatten-Steckkontakte brachte eine leichte Besserung der Situation.
Nächster Schritt war das das systematische Durchmessen aller Halbleiter (das sind ca 400 Stück!). Dabei fanden sich einige defekte Dioden und auch defekte Transistoren. Widerstände und Kondensatoren hingegen machten keine Probleme.


Reparaturarbeiten an den TM20

Parallel zum Gummiwerk-Koprozessor reparierten wir auch die beiden Koprozessoren aus dem Kernkraftwerk Stendal, die ähnliche Fehler aufwiesen. Mitte 2013 war dann endlich die letzte Leiterplatte repariert und alle drei Koprozessoren laufen wieder. Zwei zwischenzeitliche Rückschläge hatten wir noch: aus unbekannter Ursache waren spontan in einem Koprozessor in der Stromversorgung fast alle Halbleiter durchgebrannt, die wir danach ersetzen mussten. Der Fehler ist seitdem nicht wieder aufgetreten.
Außerdem waren einmal (aufgrund eines Bedienfehlers?) die Abtastfinger der Abfrageeinheit der Buchungsmaschine nicht rechtzeitig eingezogen worden und der anschließende Wagenrücklauf rasierte mit seiner Kontaktbrücke diese Metallteile einfach weg. Die gebrochenen Metallteile haben wir durch welche aus einem Ersatzteilspender ersetzt. Seitdem läuft die Maschine ohne Schwierigkeiten. Es ist beeindruckend zu sehen, wie die Bits nacheinander im Produktenwerk einlaufen, bis sie den Bruchteil einer Sekunde später von der Mechanik dort abgeholt werden.


Koprozessor MD24 (TM20-IS)

Zum grünen Buchungsautomaten gehört ein Koprozessor MD24, der der Maschine die standardmäßig nicht vorgesehenen Rechenoperationen Multiplikation und Division ermöglicht. Ausgeführt ist er als kompaktes externes Gerät, das normalerweise im Kasten des Buchungstisches versteckt ist und aus einem Netzteil sowie fünf Leiterplatten, bestückt mit sowjetischen MOS-Schaltkreisen, besteht. In der Buchungsmaschine befinden sich die Leistungsstufen, die zur Ansteuerung der Magnete des Produktenwerks dienen, sowie das zugehörige Netzteil. Anschlussseitig sind die MD24-Maschinen leider nicht mit den TM20-Maschinen kompatibel.


MD24, wie wir es im Gummiwerk gefunden hatten.

Wie neu: MD24 nach der Restaurierung.

Da der grüne Buchungsautomat bislang nicht restauriert ist und dessen Komponenten Voraussetzung für eine Nutzung des MD24 sind, beschränkte sich unsere Restaurierung des MD24 vorerst auf eine vorsichtige Entrostung der Metallkomponenten. Einen Betrieb am grauen Buchungsautomaten ist bei Aufbau spezieller Steckadapter zwar denkbar, aber trotzdem nicht einfach. Da der funktionelle Mehrwert gegenüber dem TM20 ist allzu hoch wäre, wollen wir in das Thema MD24 vorerst keinen weiteren Aufwand stecken.


Lochbandeinheit

Eigentlich gehörte an die Maschine aus dem Gummiwerk keine Lochbandeinheit dran und ihr fehlen deswegen bestimmte Komponenten, die zu diesem Anschluss notwendig sind. Da uns aber durch den Buchungsautomat aus dem Kernkraftwerk Stendal die Fragmente eines solchen Gerätes zugeflogen sind und die Gummiwerk-Maschine bislang unsere einzige funktionsfähige ist, haben wir uns in den Jahren 2012-2013 dran gemacht, so eine Lochbandeinheit zum Laufen zu bringen. Und wir sollten Erfolg haben; Details gibt es auf einer separaten Seite...


Präsentationen

Bis zum Jahr 2012 hatten wir die mechanischen Funktionen weitgehend repariert. Zwar sorgten teilweise Rechenfehler noch für Ärger, was sich aber z.T. durch minimales Nachbiegen von Teilen beheben ließ. Entscheidend dabei ist zu wissen, welchen Hebel genau man biegen muss.

Im März 2012 war der Buchungsautomat so weit, dass wir ihn zum ersten mal funktionsfähig der Öffentlichkeit vorstellen konnten. Dazu bot sich das jährliche KC-Treffen an, wo die Maschine in einen Vortrag erklärt wurde und mit ihrem Arbeitsgeräusch und ihren hunderten bewegter Hebel für Aufsehen sorgte.


Reisefertige Ascota 170.

Hier wird richtig schwere Technik transportiert.

Ascota 170 beim KC-Treffen 2012

Vortrag über die Maschine beim KC-Treffen 2012

Ein Jahr später war der Buchungsautomat erneut beim KC-Treffen, diesmal mit eingebauter Tastatur, funktionierendem Koprozessor und funktionierender Lochbandstrecke. Diesmal wurde in Vorträgen ein funktionierendes Buchungsprogramm gezeigt sowie die Arbeit von Koprozessor und Lochbandanlage. Außerdem gab es eine Netzwerk-Kopplung zwischen dem Buchungsautomat und einem Kleincomputer KC85.


Ascota-Ensemble im Auto

Vortrag zur Maschine beim KC-Treffen 2013

Lochbandeinheit und TM20 beim KC-Treffen 2013

Netzwerk zwischen Ascota und KC85

Zwischenzeitlich gab es eine Sonderausstellung im Chemiemuseum, wo die Buchungsmaschine, kopfüber und mit offenem Gehäuse, zusammen mit anderen Büromaschinen zu sehen war, dort allerdings nicht in Funktion.


Ausstellung im Chemiemuseum

Bis 2014 stand die Maschine im Chemiemuseum Merseburg, danach zog sie ins Rechenwerk Computermuseum Halle um, wo sie in funktionsfähigem Zustand und vorführbereit steht.


Aufbau Fakturierautomat Robotron 1720

Dieser Rechner wurde bevorzugt im finanztechnischen Umfeld eingesetzt zum Berechnen und Ausdrucken von Buchungen (Kontenverkehr) bzw zur Lohnrechnung. Wahrscheinlich stellte er im Gummiwerk die Ablösung der mechanischen Buchungsmaschine Ascota 170 dar, gegenüber der die R1720 wesentlich leiser arbeitete und auch komplizierte Rechenoperationen beherrschte.

Aus Platzgründen werden wir die R1720 aus dem Gummiwerk vorerst nicht aufbauen, haben wir doch bereits ein solches Gerät in Museum, wenn auch in defektem Zustand. Wir wollen die Gummiwerk-Maschine als Ersatzteilspender für die andere Maschine nehmen. Dies haben wir bereits mit der oberen Gehäuseschale getan, die uns bislang fehlte. Außerdem haben wir die Lochbandtechnik (daro1215 mit Abwickler) und ein Druckernetzteil umgesetzt.


Die R1720 im Museum, bereits mit neuer Gehäuseschale.

Leider hatten die Vandalen an der Gummiwerk-Maschine die Displayeinheit abgerissen. Wir haben zwar eine solche Displayeinheit vorrätig, wissen aber nicht, wie das zugehörige Kabel beschaltet sein muss. Ein Besuch im DDR-Museum Radebeul brachte dort zwar gleich zwei baugleiche Maschinen zu Tage, aber leider ist auch bei denen dieses Kabel durchtrennt. Und weitere Maschinen, die als Vorlage dienen könnten, existieren wahrscheinlich nicht mehr.


Danksagung

Das Bergungs- und Aufbauteam bildeten Dass diese Bergungsaktion zu einem guten Ende gekommen ist, verdanken wir auch Beim Wiederaufbau haben uns unterstützt:

Links

Rechenwerk Computermuseum Halle
Gummiwerk Schönebeck GmbH Museum für historische Bürotechnik Naunhof




Letzte Änderung dieser Seite: 19.01.2017Herkunft: www.robotrontechnik.de