Datenbankprogramme

Diese Programme dienten zum effektiven Ablegen und Wiederfinden von Daten.
Kleinere Datenbankprogramme liefen auf den Bürocomputern, große Datenbankprogramme auf Großrechnern.

Datenbankprogramme sind meist Bestandteil von Integrierten Bürosystemen.


Datenbankprogramm REDABAS

(REDABAS=Relationales Datenbanksystem)
Dieses Programm gab es für die 8-Bit-Rechner (A5120, A5130, DORAM, K8924, PC1715, MPC, PRG) unter dem Betriebssystem SCP sowie für die 16-Bit-Rechner (A7150, EC1834) unter dem Betriebssystem DCP und entwickelte sich rasch zum Standard-Bürodatenbankprogramm der DDR.
REDABAS enthielt Funktionen zum Erstellen und Administrieren von Datenbanken sowie eine Programmiersprache, die den Aufbau nutzerfreundlicher Bedien-Oberflächen gestattete.
Die Daten wurden in Form spezieller Datenbankdateien auf der Diskette / Festplatte abgelegt.

Durch seine große Verbreitung hatten auch verschiedene andere Programme Schnittstellen zu REDABAS entworfen, um einen Datenaustausch zwischen den Programmen zu ermöglichen.

Der Start des Programms erfolgte mit dem Kommando REDABAS.

Wichtige Befehle

Die SCP1700-Variante von REDABAS kostete 1012,80 Mark, der DCP1700-Variante kostete 1100 Mark.


Datenbankprogramme ING_DB, DABA, INDES

(ING_DB=INGRES Datenbank)
Dieses DBS (Datenbank System) gab es für nahezu alle 16- und 32-Bit Rechner in der DDR. Abhängig vom Rechner und eingesetztem Betriebssystem trug es unterschiedliche Namen:

Rechner Betriebssystem Name des DBS
A5120.16 MUTOS8000 ING_DB
A7150
EC1834
PC-XT
PC-AT
DCP
MS-DOS
INDES
VENIX
XENIX
ING_DB
CM1420
CM52/11
UNIX ING_DB
P8000
P8000 compact
WEGA ING_DB
K1630
CM4-20
I100
MUTOS1600 ING_DB
K1820
K1840
MUTOS1800 DABA 32
ULTRIX
UNIX (BSD 4.x)
ING_DB
AT-286 XENIX 286 ING_DB
AT-386 XENIX 386 ING_DB
EC1040
EC1056
EC1057
VMX
PSU
ING_DB
HP9000 HP-UX ING_DB


ING_DB wurde vom ZKI (Zentralinstitut für Kybernetik und Informationsprozesse der AdW) vertrieben, INDES und DABA32 von der NVA.
Die Entwicklung an ING_DB als einheitliches Datenbanksystem für UNIX-Systeme begann 1986 am ZKI. Als Entwicklungsrechner für ING_DB stand dem ZKI anfänglich eine PDP11/40, später eine PDP11/45, dann eine VAX11 und letztendlich wahrscheinlich eine P8000 zur Verfügung. Bei der Entwicklung von ING_DB bot sich als Grundlage das INGRES-Konzept von 1984 an. INGRES selbst beruht auf einem Forschungsprojekt der University of California Berkeley. Das Konzept und die Implementierungen wurden stets sehr offen und genau publiziert.
ING_DB bestand aus: Das DBS unterstützte eine beliebige Anzahl von Relationen (Tabellen). Begrenzt wurde diese Anzahl lediglich durch das Betriebssystem. Die Größe einer Relation war durch den maximal zur Verfügung stehenden Speicherplatz des Dateisystems begrenzt. Die Anzahl der Spalten (Domänen) für eine Relation war bei 16-Bit-Systemen auf 49 und bei 32-Bit-Systemen auf 128 begrenzt. Eine Zeile (Tupel) durfte maximal 1010 Bytes lang sein. Es standen folgende Datentypen zur Verfügung:

Schlüsselwort Bedeutung
c1...c255 Zeichenketten von 1-255 Bytes Länge
i1 1-Byte Integer (Ganzzahl)
i2 2-Byte Integer (Ganzzahl)
i4 4-Byte Integer (Ganzzahl)
f4 4-Byte floating (Gleitkommazahl)
f8 4-Byte floating (Gleitkommazahl)


Das DBS verfügte über ein Nutzerverzeichnis, das die Rechte eines Users innerhalb des DBS regelte. Rechte konnten sich auf bestimmte Kommandos, Zeiträume und Terminals beziehen. Außerdem war es möglich, Rechte auf einzelne Spalten oder datenabhängig auf Zeilen zu beschränken.
Die Integrität der Datenbank wurde durch eine Protokollierung gesichert. Änderungen an der Datenbank wurden in der Protokollierung festgehalten und erst nach dem Abschluss der Änderungen aus dieser entfernt. Somit war auch bei einem Systemabsturz die Integrität gewahrt. Die Integrität konnte nach einem Systemabsturz mit Hilfe des Programms restore wiederhergestellt werden. Der aufgrund der Mehrnutzerfähigkeit des zugrunde liegenden Betriebssystems benötigte und implementierte Sperrmechanismus sorgte dafür, dass bei der Änderung von Daten der Zugriff auf diese solange gesperrt blieb, bis der Vorgang abgeschlossen war.
Die Daten wurden pro Relation ("Tabelle") in strukturierten Dateien abgelegt. Als Speicherstruktur standen "heap" (unstrukturiert ohne Schlüssel), "isam" (index sequenzielle Struktur) oder "hash" zur Verfügung. Alle drei Strukturen konnten auch in komprimierter Form, also ohne nachlaufende Leerzeichen, abgelegt werden.
Bei der "isam"-Struktur wurden die Datensätze in der Datei nach ihrem Primärschlüssel sortiert abgelegt. Dadurch entfiel ein extra Index für den Primärschlüssel. Zu einer Relation konnte eine beliebige Anzahl an Sekundärindizes angelegt werden.
Als großes Novum beim Einsatz mit ING_DB galt die Datenbanksprache AMX, welche am ZKI für den Einsatz mit ING_DB entwickelt wurde. Sie bestand aus einen Datenbank-spezifischen Teil und reinem C-Code. Zu dieser Sprache existierte ein Compiler, der als C-Precompiler realisiert wurde. Dieser erzeugte reinen C-Code, der dann nach dem entsprechenden Compile- und Link-Lauf als Prozess abgearbeitet werden konnte. Die Datenbankabfragen wurden dann zur Laufzeit nicht mehr interpretativ abgearbeitet, sondern direkt in das C-Programm transformiert. Im Prinzip führte dieser Ansatz zu einem C-Programm, wie es ein C-ISAM Anwender für sein Problem schreiben würde.
Für die Migration von REDABAS existierte ein Konvertierungsprogramm, welches die Datenstrukturen einer REDABAS-Datenbank so aufbereitete, dass sie in ING_DB importiert werden konnte.

Durch einen glücklichen Zufall existieren noch heute die kompletten Quellen, die am ZKI entwickelt wurden, sodass bei Bedarf ING_DB für die oben genannten System generiert werden kann.

Die Variante DABA16 kostete in der DDR stolze 8665 Mark.


Datenbankprogramm TQL-Base

Zur Software des Computers P8000 gehörte auch die Datenbank "TQL-Base", welche unter dem Betriebssystem WEGA lief. Von der Bedienung her entsprach TQL-Base weitgehend Redabas bzw. dBase III.

Datenbankprogramm ALLDBS

ALLDBS war ein relationales Datenbankprogramm, das auf dem Computer A7150 unter dem Betriebssystem DCP lief. Es konnte überall dort eingesetzt werden, wo große Datenmengen verwaltet werden mussten. Es beinhaltete die Abfragesprachen SQL. Eine Datenaustauschmöglichkeit mit REDABAS war gegeben.


Letzte Änderung dieser Seite: 29.11.2016Herkunft: www.robotrontechnik.de