Werkzeuge

Unter dieser Rubrik sollen Hilfsmittel aufgezählt werden, die zur Reparatur von Rechnern verwendet wurden.


Logikprüfstift und Digitalvoltmeter

(Alias Logiktester)

Dieses vom VEB Erfurt-Electronic hergestellte Gerät konnte entweder als Voltmeter (Gleichspannung, -10V bis +24V) eingesetzt werden oder auch als Logikprüfstift. Für letzteres konnte er entsprechend der zu prüfenden Schaltung zwischen den Pegeln von CMOS und TTL umgeschaltet werden. Der Nachweis einzelner Impulse (durch Speicherung) war dabei ebenfalls möglich. Die Pegelanzeige erfolgte in Form der Buchstaben "H" und "L" auf den Siebensegmentanzeigen. Bei verbotenen Pegeln erlosch die Anzeige, ebenso bei mangelhaftem Kontakt zum Messobjekt.


Messgerät in Stiftform. Vorder- und Rückansicht. Man beachte den Preis.

Die Stromversorgung (+5V) wurde entweder über einen 5-poligen Diodenstecker eingespeist oder über einen Kabeladapter mit Bananensteckern.


Digitalmessgerät in Stiftform

In ähnlichem Gehäuse wie der Prüfstift von Erfurt Electronic produzierte auch Carl Zeiss einen Prüfstift. Er war ausschließlich für analoge Messungen gedacht und ermöglichte Gleich- und Wechselspannungsmessungen bis max. 100V sowie Widerstandmessungen bis maximal 1 MOhm. Die Messart und die Messbereiche waren per Schalter umschaltbar.


Analoger Prüfstift



Pulserstift LGP101

Mit dem Pulser konnte man probeweise elektrische Signale in eine Schaltung einspeisen, ohne die ursprüngliche Schaltung dazu auftrennen zu müssen. Hersteller war der VEB Robotron-Rationalisierung Weimar.
Der Pulser hatte einen Tristate-Ausgang, der die meiste Zeit hochohmig war und dazwischen sehr kurze Pulse nach H und L lieferte. Per Umschalter konnten Einzelimpulse, Impuls-Zehnerpakete oder Dauerimpulse abgegeben werden. Die Auslösung erfolgte über einen Taster; eine Lampe in der Prüfstiftspitze zeigte die abgegebenen Impulse an. Die Pulse waren so niederohmig, dass sie den irgendwie geschalteten Ausgang eines vorgelagerten Gatters gewaltsam umschalteten. Aufgrund der Kürze der Impulse wurden die vorgelagerten Ausgänge dabei trotzdem nicht geschädigt. Damit konnten das korrekte Schaltverhalten nachfolgender Gatter geprüft werden, ohne das deren Eingänge offen liegen mussten.
Ein anderes Anwendungsgebiet war die Stromeinspeisung zwecks Nachweis von Kurzschlussstellen in Zusammenspiel mit dem Stromprüferstift SPS101


Prüfstift LGP101

Prüfstift LGP101, Rückseite

LGP101, geöffnet

Aus Sicherheitsgründen konnte die Spitze zum Transport mit der Nadel nach innen in den Stift geschraubt werden.
Der Stift wurde mit einer Gleichspannung zwischen 5 und 18V betrieben, die entweder der zu prüfenden Baugruppe entnommen wurde oder einem eigenen Netzteil.


Stromprüferstift SPS101

Der Stromsensor arbeitete berührungslos und konnte benutzt werden, um den Stromfluss in einer Leiterbahn (minimal 1 mA) nachzuweisen. Dazu wurde das Magnetfeld der Leiterbahn induktiv erfasst und elektronisch verstärkt. Die Anzeige des Stromflusses erfolgte über eine Glühlampe in der Stiftspitze, ein Rädchen diente der Einstellung der Empfindlichkeit.
Hersteller war wieder der VEB Robotron-Rationalisierung Weimar.

Im Falle eines Kurzschlusses in der zu prüfenden Schaltung bei mehreren parallel geschalteten Bauteilen (IC's, Entstörkondensatoren) konnte von der Stromquelle beginnend die Leiterbahn entlang getastet werden. War die Stelle des Kurzschlusses passiert, erlosch die Anzeigelampe. Als Stromquelle konnten entweder die eigenen Signale der Prüfschaltung oder das Signal des Pulserstiftes LGP101 benutzt werden.

Ansonsten konnte mit dem Stift auch das grundsätzliche Arbeiten beliebiger Geräte selbst von außen durch das Gehäuse durch nachgewiesen werden.


Prüfstift SPS101

Prüfstift SPS101, Rückseite

SPS101, geöffnet

Der Stift wurde mit einer Gleichspannung zwischen 5 und 18V betrieben, die entweder der zu prüfenden Baugruppe entnommen wurde oder einem eigenen Netzteil.


Digitalmultimeter DM2020

Dieses Gerät wurde im Lehrbetrieb des Werks für Fernsehelektronik (WF) in Berlin-Treptow gebaut.


Digitalmultimeter DM2020

Es zeichnet sich durch seine universelle Verwendbarkeit und einfache Bedienung aus und war bei vielen Elektronik-Messplätzen und -Werkstätten ein begehrter Artikel.
Da die Produktion des Gerätes aber ausschließlich im Lehrbetrieb (inkl. Erwachsenen-Qualifizierung) erfolgte, lag die begrenzte jährliche Stückzahl von ca. 1200 weit unter dem Bedarf.
Das abgebildete DM2020 war beim WF selbst im Einsatz und unterstützte die Fehlersuche in Rechentechnik wie BDT K8901, Drucker K63xx, Terminals K891x.


Multimeter Z4342

Das Zeigermessgerät Z4342 wurde in der Sowjetunion produziert.


Multimeter Z4342

Es stellte ein robustes Universalmessgerät dar, welches besonders für den transportablen Einsatz geeignet war.
Standardmäßig wurde es in einem kleinen Aluminiumkoffer geliefert.
Das abgebildete Gerät war beim Werk für Fernsehelektronik im Einsatz, vorwiegend bei Messarbeiten an der IFLS-Z-Verkabelung für die dort im Einsatz befindlichen Betriebsdatenterminals.


Kleines Service-Oszilloskop

Oszilloskope werden zur Sichtbarmachung elektrischer Größen (meist Schwingungen) benutzt. Auf der eingebauten Bildröhre wurde dazu die zu untersuchende Größe als Kurve dargestellt.


Serviceoszilloskop EO174

Serviceoszilloskop EO211

Nachteilig bei dieser Art von Oszilloskopen ist die Tatsache, das sie das Ergebnis nicht speichern können. Einmalige, kurzzeitige Daten können so nicht dargestellt werden. Dieser Mangel wurde erst mit den (erheblich teureren) Speicheroszilloskopen behoben.
Das Einstrahl-Service-Oszilloskop EO 174 A war konstruktiv sowohl für den mobilen als auch stationär Einsatz vorgesehen. Haupteinsatzgebiet des abgebildeten Gerätes war im Werk für Fernsehelektronik die Fehlersuche in der IFLS-Z-Verkabelung für die Betriebsdatenterminals sowie die Überprüfung von Baugruppen in Terminals der Reihe K891x und Druckern der Reihe K631x. Besonders geschätzt wurde das geringe Gewicht und die robuste Bauweise, was dem häufig notwendigen Transport durch das ausgedehnte Betriebsgelände entgegenkam.


Speicheroszilloskop

Diese Oszilloskope waren in der Lage, auch einmalige elektrische Vorgänge dauerhaft auf dem Bildschirm darzustellen. Technisch ging man dazu 2 verschiedene Wege:

Logikanalysator

Diese Geräte wurden benutzt, um eine Vielzahl von digitalen Signalen gleichzeitig sichtbar zu machen.
Entweder wurden normale Rechner dafür durch entsprechende Digital-Eingang-Platinen ergänzt (z.B. K1520-Rechner) oder man benutzte spezielle Rechner dafür (z.B. den Messcomputer PSA1305 oder dem MC80-Logikanalysator)


MC80-Logikanalysator


Mikrofilm-Lesegerät Pentakta L100

Dieses Gerät wurde benutzt, um Dokumentationen, die auf Mikrofilm (Mikrofiche) gespeichert sind, anzuzeigen. Hersteller des Geräts war die Firma Pentacon.

Beispielsweise wurden die Serviceanleitungen und Schaltpläne der Bildschirme K7221, K7222 und K7226 auf Mikrofilm ausgeliefert.


Mikrofilm-Leser Pentakta L100 im zusammengeklappten Zustand

Das Gerät arbeitete einfach als optisches Vergrößerungsgerät und enthielt keine Computertechnik.
Mikrofilme wurden z.B. mit dem Mikrofilm-Ausgabegerät EC7602 erstellt.


Stromversorgungsgerät statron 3221

Der nicht nur in der damaligen DDR bekannte Betrieb Statron produzierte eine Vielzahl verschiedener Stromversorgungsgeräte in unterschiedlichen Leistungsklassen.
Der Typ 3221 stellt kombiniert eine fein regulierbare Konstant-Strom-Quelle (max. 1,5 A) und Konstant-Spannungs-Quelle (max. 30 V) zur Verfügung.


Stromversorgungsgerät statron 3220

Das abgebildete Gerät war beim Werk für Fernsehelektronik im Einsatz, vorwiegend zur Fehleranalyse in Netzteilen und Speisung von Testaufbauten.


Reinigungsgarnitur

Um Buchungsmaschinen und Drucker fachgerecht reinigen zu können, wurde von Robotron eine Reinigungsgarnitur vertrieben. Sie enthielt einen Lappen, verschiedene Bürsten, Werkzeuge zum Entfernen von Papierresten sowie ein Fläschchen Öl.


Robotron-Reinigungsgarnitur

Reinigungsgarnitur, geöffnet



Magnetkopfreiniger

Diese Werkzeuge wurden zum Entfernen des Bandabriebs an den Magnetköpfen der Kassettenmagnetbandgeräte benutzt. Am Reiniger befand sich ein Vlies, das in Spiritus zu tauchen war und außerdem ein kleiner Spiegel zum Überprüfen der Sauberkeit der meist nicht direkt sichtbaren Magnetköpfe.
Hersteller war VEB Robotron-Goldpfeil in Hartmannsdorf.


Magnetkopfreiniger



Platinenzieher

Diese Hilfsmittel wurden dazu eingesetzt, um die z.T. recht straff sitzenden Platinen aus den Platinenslots zu ziehen. Es gab Abzieher für K1510-Platinen und welche für K1520-Platinen.


K1510-Platinenzieher

K1520-Platinenzieher



Wickelwerkzeuge

Die elektrische Verbindung von Baugruppen untereinander und auch die Auswahlbrücken auf Baugruppen wurde größtenteils durch Wickelverdrahtung realisiert. Dazu wurden auf den Platinen scharfkantige Wickelstifte aufgelötet. Das abisolierte Ende des Wickeldrahtes wurde mit einem Wickelwerkzeug einige Male straff um die Wickelstifte geschlungen und führte an den Kanten der Stifte zu einer Kaltverschweißung und damit zu einem dauerhaften Kontakt. Vorteil gegenüber gelöteten Verbindungen war die geringe Gefahr einer Isolationsverletzung und eine höhere Packungsdichte.
Je nach verwendeter Draht- und Stiftstärke gab es auch verschiedene passende Stärken bei den Wickelwerkzeugen, denn entscheidend für eine dauerhaft gute Verbindung war der Anpressdruck des Drahtes an den Kanten des Stiftes. Lösen konnte man diese Verbindung wieder mit einem Abwickeldorn. Eine gelöste Verbindung musste allerdings um die Wickellänge gekürzt werden, da ein mehrmaliges Verwenden der selben Materialstelle (wegen der Bruchgefahr) durch die vorangegangene Kantenpressung nicht ratsam war.

Für Servicezwecke wurden meist Wickeldorne benutzt, die äußerlich Schraubenziehern ähnlich sahen. Sie waren preiswert, aber mühsam in der Anwendung.
In der Produktion wurden dagegen motorgetriebene (Hersteller: Steremat Berlin) oder manuell angetriebene Wickelpistolen benutzt.


Auf- und Abwickeldorn

Wickelverbindung

Elektrische Wickelpistole

Zugehöriges Netzteil

Wickelstifte in einem R4201-Rechner

Klingeldraht (links) im Größenvergleich zu Wickeldraht (rechts)

Wickeldraht-Rolle vom Kabelwerk Oberspree

Werkzeugkoffer für mechanische Büromaschinen

Die mechanischen Maschinen wurden vom Monteur meist beim Kunden vorort repariert. Dazu war er mit einem Werkzeugkoffer ausgestattet, der neben klassischem Feinmechanikerwerkzeug auch Spezialwerkzeuge enthielt, um beispielsweise an Rechenmaschinen Hebel nachzubiegen, Stifte herauszuschlagen oder Rutschkupplungen einzustellen. Die Haken dienten zum Ein- und Aushängen von Federn. Wichtig waren natürlich ein Kännchen Feinmechanikeröl und ein Pinsel zum Entfernen von Schmutz. Manche Werkzeuge waren universell, anderen nur für 1 speziellen Gerätetyp bestimmt.


Werkzeugkoffer für Ascota-Maschinen

Ascota-Werkzeugkoffer, geöffnet

Ascota-Werkzeugkoffer, geöffnet

Heute ist es schwierig, an solches Werkzeug heranzukommen, da kein Markt dafür existiert und mancher Besitzer gar nicht weiß, wofür seine Spezialzangen eigentlich eingesetzt werden.


Eigenbauten

DDR-typisch wurden viele Hilfsmittel auch mit einfachen Materialien gebaut, wie z.B. der abgebildete Kartenzieher für K1520-Platinen oder die IFSS-Prüfstecker.


Platinenzieher und IFSS-Tester



Letzte Änderung dieser Seite: 29.11.2016Herkunft: www.robotrontechnik.de