Brisante Firma und zoologischer Inhalt - Rechenzentrum Gnaschwitz

Ende September 2011 fuhr unser Erkundungsteam kreuz und quer durch die Oberlausitz, um ehemalige DDR-Betriebe zu besuchen, nach alter Rechentechnik oder zumindest Informationen darüber zu suchen. Dabei kamen wir auch nach Gnaschwitz zur Nachfolgefirma des ehemals dort ansässigen VEB Sprengstoffwerk. Da es gerade Sonntag Nachmittag war, übernachteten wir vorort und standen pünktlich um neun Uhr am Montagmorgen vor dem Werktor. Ein dortiger EDV-Mitarbeiter erinnerte sich daran, dass es eine alte Rechenstation im Werk gibt, in der noch große, alte Geräte mit pultförmigen Tastaturen, Lochbandgeräten und Schlüsselschaltern stehen. Diese könnten wir vielleicht bekommen, allerdings müsste das noch mit der Geschäftsleitung abgesprochen werden. Da diese Entscheidung nicht sofort gefällt werden konnte, wurde die Abholung erstmal vertagt.


Mit dem Wohnmobil auf der Suche nach Alt-Industrie.

Laut einer Anzeige in einem 1984er Heft der Zeitschrift "Rechentechnik Datenverarbeitung" besaß das Sprengstoffwerk einen Computer Cellatron C8205Z - dieser hat eine pultförmige Konsole und Schlüsselschalter - wir waren begeistert. Unser Cellatron-Rechner im Rechenwerk Halle ist leider unvollständig und funktionstüchtige Anlagen dieses Typs gibt es nirgends. Alternativ hätte es sich auch um ein Robotron 1370, Robotron R1720, Robotron R1750 oder Robotron R1840 handeln können. Leider hatten wir das im Gespräch nicht herausbekommen können.

Anfang November 2011 kam dann vom Werk eine Email mit vier Fotos. Die zeigten bereits auf dem ersten ein echtes Schwergewicht: einen Paralleldrucker VT27060. Weiterhin waren zwei Datenerfassungsgeräte 1370 zu sehen, die wir bisher nur von Fotos kannten, sowie ein Bürocomputer PC1715 ohne Bildschirm.


Drucker VT27000

Die ersten Fotos: Datenerfassungsplatz R1370.

Unter diesem Gerümpelstapel steht der zweite R1370

Uns wurde gestattet, diese Geräte samt noch vorhandenem Zubehör abzuholen, wenn wir helfen, die anderen Sachen in den Räumen hinaus in den Container zu bringen, da das Gebäude beräumt und abgerissen werden sollte.
Leider wurde uns nur an den Arbeitstagen der Zutritt zum Werksgelände gestattet.

Vorbereitung

Der Transport großer Geräte erfordert eine besondere Vorbereitung und Organisation von Transportmedien. Der Versuch, einen PKW-Anhänger für den Transport auszuleihen, wurde live in einen Abkauf umgewandelt, sodass wir ab jetzt bei Bergungstouren einen eigenen Anhänger zur Verfügung haben.
Wir fertigten außerdem im Vorfeld ein maßgenaues Rollbrett für den Drucker an, um ihn innerhalb des Gebäudes einfach bewegen zu können und auf dem der Drucker auch künftig im Museum stehen soll.



Einsatzbereit: der neue Anhänger

Die Aktion müsste auf jeden Fall innerhalb von drei Wochen über die Bühne gehen, da sonst andere Arbeiten am Gebäude in Verzug kämen. Freitag der 11.11.2011 wurde als Termin bestätigt. Unser Plan sah so aus: Zerlegung der beiden DEG und verstauen in zwei PKW samt Zubehör. Der Drucker sollte auf den Anhänger bugsiert werden. Laut Sprengstoffwerker könnten wir zum Verladen direkt vor das Gebäude fahren.

Bergung

Am 11.11.11, kurz nach halb zehn, waren wir zu dritt vor Ort. Als erstes nach der Anmeldung kamen wir an einem Container vorbei, in dem neben westlichem Computersachen ungefähr fünfzehn K1600-Wechselplatten lagen. Es war klar, dass sich auf diesen Platten das lange gesuchte Betriebssystem für unseren im Museum befindlichen K1630-Rechner befand und waren daher brennend an diesen Platten interessiert. Leider ließ die Firma aus (unberechtigten) Datenschutzgründen an dieser Stelle nicht mit sich reden und die Platten mussten zerstört werden. Schade!

Die nächste Erkenntnis war auch schlecht: Wir konnten mit den Fahrzeugen keinesfalls genau vor das Gebäude fahren. Vor dem Eingang des Gebäudes befand sich ein Gitterrost zum Abtreten der Schuhe, der nicht sehr tragfähig aussah. Dann kam ein ca. 5 Meter langer Betonweg und dann eine schmale, vierstufige Treppe zu einer stark abschüssigen Straße, auf der nun unsere Autos und der Anhänger standen.


25 Jahre: da sind die erwarteten DDR-Rechner aber älter!


Diese Treppe sollte uns noch einige Mühe machen.
Rechts die böse Datenschutztonne

Das Rechenzentrumsgebäude

Die Rechenstationsgebäude war ein dreigeschossiger Bau, der äußerlich noch gut aussah und inwendig eine Nutzung bis Ende 1990er Jahre vermuten ließ. Die Rechenstation bestand aus vier Räumen und einem Archiv. Im eigentlichen Rechnerraum war vermutlich bis 1992 ein Kommerzieller Basisrechner A6402 (K1630) in Betrieb, von dem nun leider nur noch die Terminaltische, zwei Gehäuseteile, eine Magnetkassetteneinheit, ein Lochbandleser und der Paralleldrucker übrig waren.

In dem Raum, in dem glücklicherweise noch das Licht funktionierte, stand jetzt ein großer IBM AS/400-Rechner mit leuchtendem Display, offenbar der Nachfolger des Robotron-Rechners. Auch ein ordentlicher Brocken, der wir aber nicht mitnehmen durften. Unter dem Fußboden fanden wir einen Teil der K1630-Verkabelung, die wir demontierten. Im nächsten Raum standen Schreibtische, Schränke und Büromaterial.


Sichtung der Papierbestände

Freude: wir haben NTB-Zeitungen gefunden

Abgebaute Kabel stapeln sich auf auf der Klimatruhe

In einem der Schränke fanden wir Rollenpapier (nutzbar z.B. für unseren Bediendrucker BD4000) und eine Rechenmaschine Ascota 110. Dahinter kam ein Datenerfassungsraum, der neben den erwarteten DEG 1370 noch einige Überraschungen bot. Bei den DEG handelte es sich um die druckerorientierte Variante Ascota 1373 mit Lochbandeinheit und Magnetstreifensystem. Weiterhin standen in dem Raum noch ein Rechnertisch mit Lochbandgerät und Ansteuerung für einen Kleinfakturierautomat Robotron 1711 (leider ohne die zugehörige Buchungsmaschine) und ein Maschinentisch mit der Bedienschreibmaschine des Cellatron C8205-Rechners.
Das schöne und seltene bei dieser Bergungsaktion war, dass uns diesmal nicht irgendwelche Kupferräuber zuvor gekommen waren: Die Kabel waren noch an den Rechnern dran und die Trafos noch drin.


Dreckiger Datenerfassungsplatz.

Noch gut erhalten: Innenleben des DEG

C8205-Konsoletisch

R1711-Tisch, dahinter der C8205-Konsoletisch

Die DEG hätten wir im unzerlegten Zustand weder nach draußen bringen können, noch wäre so viel Platz in den Autos. Eine Demontage war also unumgänglich, was aber nicht ganz einfach war, da diese Konstruktion für uns Neuland war. Beide Maschinen waren seit langem von einer Mäusekolonie bewohnt, was den Maschinen nicht gut bekommen war und die Arbeiten wegen der überall herumliegenden Mäusekacke ziemlich eklig gestaltete. Wir redeten uns ein, dass unseren Schuhen nur Schokostreussel knacken und ließen uns nicht beirren.


Die erste Fuhre Mäusekacke wird entsorgt

Total verkrustet: R1370-Akkumodul

Nach fotografischer Dokumentation und Beschriftung der Kabel (um den späteren Zusammenbau zu erleichtern) wurden die Lochbandeinheiten abgeschraubt, ebenso das Tastatur/Drucker-Modul und die Beinplatten der Tische. Während anderswo Karneval gefeiert wurde, bekamen wir 11:11 Uhr gar nicht mit: wir waren voll mit der Demontage beschäftigt.


Beginn der DEG-Demontage


Gleich viel handlicher:
der Rechnerteil eines DEG nach der Zerlegung

Der Cellatrontisch und der vom KFA R1711 waren schnell zerlegt. Ebenso einer der K1600-Terminaltische.


R1711-Tisch, bereits ohne Tischplatte

Halb-zerlegter C8205-Konsoletisch

Der Flur im Rechenzentrum füllte sich zusehend mit Material und erste Bedenken kamen auf, ob das überhaupt alles in unsere Autos passt. Im ehemaligen Terminalraum lagen zwischen Stapeln von Papier auch technische Unterlagen und mehrere Kisten voller Ersatzteile für den ehemaligen A6402-Rechner, einige Leiterplatten davon, ein Lochbandleser, eine Magnetkassetteneinheit und der "Zündschlüssel" für die Anlage. Diese Sachen wurden von uns sichergestellt. Der Flur wurde voller und voller.


Einige Geräte, im Flur zwischengelagert

Transport des sauschweren DEG-Prozessors nach draußen

Gegen 15:30 Uhr begannen wir, die Technik zu verladen. Auf den Rücksitz des Mercedes, der auch den Anhänger zog, kamen kleinere Bleche, die Magnetkassetteneinheit sowie viele Kisten mit Kleinmaterial und Papier. In den Kofferraum die großen Bleche, die Tischplatten, die Cellatron Bedienschreibmaschine, Teile des KFA-Tischs. Und es passten sogar noch zwei Packen Leporello-Papier in die Ritzen. Das Heck des Autos hing nun schon ordentlich durch.

Der Skoda-Kombi fasste hinter den Vordersitzen stehend die beiden Tastatur/Drucker-Einheiten der DEG. Dahinter, nebeneinander stehend, die beiden Lochbandbeisteller und ganz hinten die DEG-Rechnereinheiten. Zwischenräume wurden mit Blechen und Kabeln ausgefüllt. Auf dem Beifahrersitz nahm eine große Kiste platz.

Nun kam der Kraftakt: Der 200 kg schwere Paralleldrucker wurde auf das Rollbrett gehoben und war so überhaupt erst verschiebbar. An den Schwellen im Gebäude rutschte er zwar zweimal beinahe vom Brett herunter, fuhr dagegen erstaunlich gut über das Abtrittgitter vor dem Eingang. Am Fuße der Treppe war erst mal Schluss. Wir überlegten, ob man eine Tür als Rampe missbrauchen oder vielleicht den Drucker mitsamt dem Rollbrett die Treppe Stufe für Stufe hinaufziehen könnte. War alles zu gefährlich und mechanisch nicht durchführbar. Eine Winde hatten wir auch nicht. Letztendlich ging es so: die Gehäusehaube wurde aus Gewichtsgründen abgebaut. Vorn hob einer den vom Rollbrett genommenen Drucker um jeweils eine Stufe an und von hinten schoben ihn die anderen nach. Nach erstaunlich kurzer Zeit war das Gerät oben auf der Straße angelangt und wurde gleich wieder auf sein Rollbrett gepackt, das nun massiv bergab strebte. Wir verkeilten den schräg gestellten Anhänger mit herausgenommener Rückwand an einem Container und fuhren mit dem Rollbrett an ihn heran. Ein Mitarbeiter des Werkes half uns dann, den Drucker ohne Rollbrett in einem Winkel von gut 30-40° den Anhänger hinauf zu zerren. Das ging noch ganz gut, aber als wir dann den beladenen Anhänger etwas bergauf ziehen und wieder in horizontale Lage bringen mussten, kamen wir ordentlich ins Schwitzen. Als er ans Auto angekuppelt war, ging dieses noch einmal 5 cm in die Knie.


Paralleldrucker auf dem Weg nach draußen.

Endlich, die Treppe ist überwunden!

Nun muss der Drucker "nur"
noch in den Anhänger klettern...

...was er zumindest nicht freiwillig tat


Fahrzeug 1 füllt sich zunehmend,...

...ebenso der Anhänger.

Auch im Fahrzeug 2 ist kaum noch Luft...

...was natürlich auch für den Kofferraum zutraf

Auf dem Anhänger wurden noch Teile des KFA-Tisches und das Rollbrett, das schon einige Späne gelassen hatte, verstaut und mit Spanngurten gesichert. Kurz darauf ging die Fahrt los. Es war kurz vor 17 Uhr. Der Mercedes wollte mit seinem Automatikgetriebe aufgrund der Beladung zuerst gar nicht los fahren: er wurde er am Berg zum Tor zwar lauter, fuhr aber nicht gleich an. Aber er hat es dann irgendwie doch geschafft. Ganz vorsichtig ging es auf die Autobahn.


Schlaglochgefährdet: Bodenfreiheit wie ein Ferrari.

Schwerlasttransport voraus: wir sind auf der Autobahn.

Die einbrechende Dämmerung tarnte glücklicherweise die Überladung des Autos vor den Blicken der Polizei. Das zweite Auto fuhr dahinter und hielt die Ladung im Auge. Glücklicherweise aber weder nass noch neblig. Die Reifen wurden nur lauwarm und wir haben unterwegs auch kein Stück verloren. Die Straßen in Leipzig waren aber viel huckeliger als die Autobahn und ließen den Anhänger mehrfach gefährlich hin und her springen. Etwa um halb 8 kamen wir an der Hochschule Merseburg an, wo der Mercedes beladungsbedingt den Versuch, über den umgeklappten Sperrpfosten zu fahren, mit heftigem Knirschen seines Unterbaus verweigerte. Aber so kurz vor dem Ziel konnte uns auch das nicht mehr aufhalten und nach einer Offroad-Fahrt über die Wiese wurden alle Teile entladen, nach Geräten sortiert, teilweise vorgereinigt und im Depot verstaut. Eine Stunde nach Mitternacht waren wir total geschafft und stellten die Arbeiten für diesen Tag ein.


Ankunft zu nächtlicher Stunde...

...und Verstauung der geretteten Geräte



Werksgeschichte

Im Jahr 1874 wurde das Werk als "Königlich Sächsische Pulverfabrik" (Herstellung von Geschütz- und Gewehrpulver) im Ort Schlungwitz, einem heute zu Doberschau-Gaußig gehörenden Dörfchen, gegründet. Der Nachbarort Gnaschwitz gab dem Werk seinen Namen. 1921 wurde das Werk in "Deutsche Cahücit Werke AG" umbenannt und produzierte Sprengstoffe für Industrie, Bergbau sowie Land- und Forstwirtschaft. 1937 kam die Umbenennung in "Sprengstoff- und Zündschnurwerke AG". Nach 1945 wurde das Werk unter dem Namen "Sprengstoffwerk II" verstaatlicht und produzierte zivile und militärische Sprengmittel, Feuerwerkskörper und Kunststoffprodukte. Nach dem Ende der DDR wurde das Werk als "Sprengstoffwerk Gnaschwitz GmbH" privatisiert und produzierte weiterhin Sprengmittel sowie Kunststoffteile. 2005 wurde das Werk von der "H&R WASAG AG" übernommen, 2006-2009 gehörte es zur "Westspreng GmbH Sprengstoffe + Sprengtechnik". Ebenfalls 2006 gründete sich die heute bereits wieder aufgelöste "Detona Sprengstoff-Vertrieb Beteiligungs GmbH". 2009 wurde die "Westspreng GmbH" in "Maxam Deutschland GmbH" (Herstellung von Sprengmitteln und Zündern) und die "Maxam Bohr- und Sprengtechnik GmbH" mit Hauptsitz in Schlungwitz (Vertrieb und Marketing von Sprengtechnik, Durchführung von Bohr- und Sprengarbeiten) umgewandelt als Teil des spanischen Maxam-Konzerns. Weitere Standorte der Maxam-Gruppe sind Finnentrop-Fretter, Haltern und Schellroda. Die Kunststoffproduktion ging an die Firma "Molan Kunststofftechnik und Vertriebs GmbH", seit 2010 in "TRECOLAN GmbH" umbenannt.


Kurioses Konsumgut aus dem Werk: Fliegenklatsche

Das entdeckte Kleinrechenzentrum wurde wahrscheinlich ausschließlich zur Lohnrechnung benutzt. Ob es damals auch eine rechnergestützte Produktionssteuerung gegeben hatte, ist unbekannt.


Gerettete Technik




Die geretteten Geräte in Merseburg.

Zimmer-Ventilator mit explosivem Inventarschild



Erkenntnisse

Wir hatten mit einem Stapel Papier auch des Maschinentagebuch der Rechenstation eingepackt und konnten so grob den damaligen Aufbau des Computers A6402 rekonstruieren. Nach den Ausfallmeldungen der Geräten war folgende Konfiguration installiert (montiert in drei extra-hohen Schränken):

Schrank 1K1630 ZVE
K1630 ZVE (2. Einschub)
LBG K6200 (PP0, PP1)
FSE (8") (DY2, DY3)
FSE (5,25") (DY0, DY1)
KMBE K5261 (CT0, CT1)
Schrank 2MBG CM5300.01 (MT0)
MBG CM5300.01 (MT1)
AMB CM5001
FPS K5501 (DM1)
FPS K5501 (DM0)
Schrank 3MBG CM5300.01 (MT2)
MBG CM5300.01 (MT3)
KPS CM5400 (DK0)
KPS CM5400 (DK1)
KPS CM5400 (DK2)
KPS CM5400 (DK3)

Der Paralleldrucker Videoton VT27060 (LP0) war Baujahr 1985. Fünf Jahre danach wurde nochmal sein Hammermagazin erneuert. Die benutzen Seriendrucker waren vom Typ SD1152 (LP1). Mindestens fünf Terminals vom Typ robotron K891x (TT0-TT4) waren im Einsatz. Folgende Geräte schienen besonders fehleranfällig gewesen zu sein: DK4, DK6, DK7, LP0, MT1, DM1. Das eingesetzte Betriebssystem war OS/RW 2.8, welches auf DM1 sowie auf einigen KPS lag. Dies geht aus dem Buch über die Kassettenplattenbelegung hervor.

Der letzte Eintrag aus dem Maschinentagebuch stammt vom 06.04.1992 10:00, wahrscheinlich der Tag der Außerbetriebnahme der Rechneranlage.


Aufbau

Paralleldrucker

Der VT27000 wurde als schneller Drucker für Leporellopapier an K1630-Rechnern benutzt.


Gereinigter Paralleldrucker

Das Gerät aus Gnaschwitz haben wir gereinigt, er steht jetzt auf seinem Rollbrett im Rechenwerk Halle. Wir besitzen bereits einen baugleichen Drucker, den wir einige Jahre zuvor gerettet hatten, der aber wegen abgelöster Klebestellen nicht einsatzfähig ist. Eventuell werden wir irgendwann aus zwei Druckern einen machen.

Wegen anderer laufender Reparaturen haben wir das aber erst einmal auf unbestimmte Zeit verschoben.


Cellatron-Tisch

Dieser Tisch diente der Kommunikation des Operators mit dem Rechner C8205. Befehle wurden auf der Tastatur eingegeben, die Antwort des Rechners kam auf dem Druckwerk zurück. Elektronische Komponenten enthält dieser Tisch nicht.


Reinigungsarbeiten am Schreibwerk

Gereinigtes Schreibwerk

Wir haben bereits Fragmente eines Cellatron-Rechners, der aber mangels Leiterplatten weit davon entfernt ist, wieder in Funktion zu kommen. Die Bedienschreibmaschine haben wir inzwischen gereinigt. Ihren Tisch können wir mangels Platz vorerst nicht wieder zusammensetzen.


Datenerfassungsplätze R1373

Diese Geräte dienten der Datenerfassung. Der Bediener tippte Zahlen und Texte ein, die Maschine überprüfte sie mit Hilfe ihrer Software, nahm ggf. Berechnungen daran vor, druckte Papier aus und stanzte relevante Daten auf Lochband. Dieses Lochband wurden dann üblicherweise in einem Großrechenzentrum abgegeben. Die beiden Maschinen aus Gnaschwitz dienten anscheinend der Lohnrechnung.

Wir hatten beide Geräte aus Gnaschwitz gerettet. Eins haben wir inzwischen äußerlich gereinigt, weitgehend zusammengebaut und auf ein Rollbrett gesetzt. Das andere Gerät bleibt aus Platzgründen vorerst zerlegt und soll ggf. als Ersatzteilspender dienen. In den Geräten haben wir einige technische Handbücher gefunden, ebenso einige Magnetstreifen, die anscheinend die notwendige Software beinhalten.


Schwerer Anfang:
die ersten Komponenten werden zusammengesetzt

Langsam wieder wieder ein Rechner daraus.


Das bereits gereinigte Bedienteil

Weitgehend komplettiertes DEG

Die Rechnereinheiten beider Anlagen sind in einem guten Zustand. In sehr schlechtem Zustand hingegen sind die Akkumodule (Die Kalilauge war ausgelaufen und hat alles rundherum verrostet). Regelrecht verheerend sah es in den Druckwerken aus: in der Vergangenheit wurden sie über längere Zeit von einer Mäusefamilie als Klo verwendet. Seltsamerweise scheinend diese Tierchen allgemein ein Vorliebe für die Sömmerdaer Druckwerke zu haben. Inwendig war das Druckwerk mit einer bis zu 2 cm dicken Schicht aus Mäusekacke überzogen, im unteren Teil hatten sich die flüssigen Hinterlassenschaften der Tierchen gesammelt. Die Zimmer bedurften zwischenzeitlich einer ständigen Lüftung, um den Mief durch die Geräte in Grenzen zu halten.


Mäusekacke im Druckwerk

Ausgebaute Druckwerk-Grundplatte

Fast jede Strebe war betroffen.

Bei den Druckwerken blieb nichts anderes übrig, als sie Stück für Stück zu zerlegen und mit Spachtel, Drahtbürste und Lappen die Teile zu reinigen. Daraufhin haben wir eine ziemliche Abneigung gegen die sonst so possierlichen Tierchen.
Stellen, wo das Metall verrostet war, wurden neu gestrichen, die meisten Oberflächen hatten die Tortour zum Glück schadlos überstanden. Stecker und Leiterplatten sind seit einem mehrtägigen Bad im Wassereimer auch wieder sauber.


Unterseite des Druckwerks nach der Intensiv-Reinigung

Und auch oben ist wieder alles blitzblank.

Die elektrische Inbetriebnahme der DEG steht noch aus.


R1711-Tisch

Der Robotron 1711 war ein kleiner elektronischer Buchungsautomat. Im Zusammenspiel mit einer Lochbandeinheit wurde er als Datenerfassungsgerät benutzt, hatte also ähnliche Aufgaben wie die R1373.

Wir besitzen im Museum einen R1711, allerdings in der autonomen Variante, also ohne Lochbandanschluss. Ob man die Maschine mit dem geretteten Lochbandtisch koppeln kann, müssen wir noch herausfinden. Mangels Platz bleibt der Tisch vorerst zerlegt im Fundus des Museums.


K1630-Geräte

Vom großen Rechner waren leider nur noch einige Fragmente vorhanden. Seine genaue Verwendung ist bislang noch unklar, denkbar ist außer einem Einsatz in Verwaltung und Lohnrechnung auch einer als Datenarchiv.

Die Lochbandeinheit und die Magnetkassetteneinheit wurden vorerst unrepariert eingelagert. Die zugehörige Literatur haben wir, soweit nicht bereits vorhanden, eingescannt. All diese Sachen sollen uns bei der Reparatur des Rechners aus dem Kraftwerk Thierbach helfen.

Leider haben wir nach wie vor kein Betriebssystem für unseren Rechner.


Umzug

Im Jahr 2013 zeichnete sich zunehmend ab, dass die Räumlichkeiten im Chemiemuseum nicht mehr langfristig zur Verfügung stehen werden. Mit dem Aufbau des neuen Computermuseums "Rechenwerk" in Halle wurden auch alle unsere Geräte aus Dortmund dorthin umgezogen. Im Laufe des Jahres 2014 sollen die Maschinen dort in funktionsfähigem Zustand ausgestellt werden.


Danksagung

Das Abbau- und Bergungsteam bildeten: Weiterhin haben uns geholfen:

Links

Rechenwerk Computermuseum Halle




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