Kalkulationsprogramme

Kalkulationsprogramme wurden hauptsächlich zum mathematischen Berechnen von Daten (z.B. Lohnrechnung, Lagerhaltung, Rechnungserstellung) verwendet.
Die Oberfläche besteht aus einer Zeilen-Spalten-Matrix, in die Zahlen, Texte oder Formeln eingegeben werden können.
Die Formelfelder berechnen anhand der Zahlenfelder Summen oder andere Ergebnisse und stellen diese optisch ins Formelfeld.

Eine häufig mit Kalkulationsprogrammen verknüpfte Funktion ist die Erstellung von Diagrammen bzw. Geschäftsgrafiken, die entweder vom Kalkulationsprogramm selbst oder von externen Programmen vorgenommen wird. Dabei werden die Ergebnisse der Kalkulation grafisch dargestellt.

Kalkulationsprogramme sind meist Bestandteil Integrierter Bürosysteme.


KP

(KP=Kalkulationsprogramm)
Software mit diesem Namen gab es für die unterschiedlichsten Rechner: A5120, A5130, DORAM, K8924, PC1715, MPC, PRG, A7100, A7150.


Startbildschirm von KP

Kalkulationsprogramm KP

KP arbeitete unter den Betriebssystemen der SCP-Klasse sowie unter DCP und entwickelte sich rasch zum Standard-Kalkulationsprogramm der DDR.

Der Start des Programms erfolgt mit dem Kommando KP.


MultiCalc

Dieses Programm kam auf den Rechnern A7150 und EC1834 zum Einsatz und sollte dort KP ablösen.
Als Betriebssystem wurde DCP benutzt.


Startbildschirm von MultiCalc

Kalkulationsprogramm MultiCalc

Der Start des Programms erfolgt mit dem Kommando MC.


TABCALC/M16

Dieses Programm wurde vom VEB Robotron-Projekt Dresden erstellt und lief auf den Rechnern A7100 und A7150 unter dem Betriebssystem SCP. Der Start des Programms erfolgt mit dem Kommando TC.


WEGA Calc

Neben der umfangreichen Entwicklungssoftware, die für das P8000-System zur Grundausstattung gehörte, wurde auch die so genannte "Office-Software" zur Verfügung gestellt. Damit war dann auch die normale Büroarbeit für bis zu 8 Nutzer an einem Rechner möglich. Während die Textverarbeitung WEGA Word ein für damalige Zeiten hervorragendes intuitiv zu bedienendes Textverarbeitungssystem zur Verarbeitung von Texten, Programmen und elektronischer Post darstellte, das reichlich mit deutschen Hilfemenüs ausgestattet war und damit auch dem ungeschulten Anwender die Nutzung des Programms ermöglichte, hatte man sich bei WEGA Calc dieser Mühe nicht unterzogen. Außer dem Startbildschirm, der nach Eingabe des Kommandos calc erschien, war der Rest des Programms nur in Englisch verfügbar.

Der Start des Programms erfolge mit dem Kommando calc.
Nach dem Titelbildschirm öffnete sich automatisch ein Tabellenblatt, das 63 Spalten und 255 Zeilen umfassen konnte. In den unteren Bildschirmzeilen waren die zur Verfügung stehenden Kommandos aufgeführt, die durch Eingabe des ersten Buchstabens bzw. Ansteuern mit dem Cursor ausgewählt wurden.


Startbildschirm von WegaCalc

ein leeres Tabellenblatt

Mit Eingabe von H (für "Help") eröffnete sich eine umfangreiche Dokumentation, die allerdings nur in englischer Sprache zu Verfügung stand. Damit war die Benutzbarkeit für die Mehrzahl der Büroangestellten in der DDR stark eingeschränkt (die englische Sprache wurde in der DDR in der Schule nicht standardmäßig gelehrt).


Online-Hilfe

Online-Hilfe

Online-Hilfe

Die einzelnen Zellen der Tabelle waren beim Neustart auf eine Breite von 10 alphanumerischen Zeichen eingestellt. Mit dem Formatbefehl konnte die Breite von 3 bis 32 Zeichen verändert werden.

Es wurden Texte, Integerzahlen, dezimale Festkommazahlen sowie Exponential-Schreibweise als Eingabe akzeptiert. Zahlen konnten in Exponential-Schreibweise mit 14 Stellen als Mantisse und einem Exponent von -64 bis +62 eingegeben werden.
In der Formelbibliothek stand eine umfangreiche Sammlung an mathematischen und logischen Funktionen sowie String-Funktionen zur Verfügung.

Die Bedienung zeigt sich heute für EXCEL-verwöhnte Anwender schwierig. Die Bedeutung der Kommandos musste man sich mühselig in der englischen Hilfe zusammensuchen. Von intuitiver Bedienung war man hier weit entfernt. Dazu kam eine kryptische Verschlüsselung der Tastaturbefehle.

Tastenbelegung:
AktionTastenkombination
Zelle auf Hoch
Zelle ab Runter, CTRL-J
Zelle links Links
Zelle rechts Rechts, CTRL-L
Abbruch CTRL-C
Return/ENTER ET, CTRL-M
Rückschritt CTRL-H
Löschen CTRL-Y
Tabulator TAB, CTRL-I, CTRL-A
Zeichen links CTRL-B
Zeichen rechts CTRL-N
Wort links CTRL-O
Wort rechts CTRL-P
Referenz @
Hilfe ?
Nächstes Fenster;, CTRL-W
Nächste nicht CTRL-F
Neuberechnung !
1. Zelle CTRL-T
Letzte Zelle CTRL-Z
Seite hoch CTRL-E + Hoch
Seite runter CTRL-E + Runter
Seite links CTRL-E + Links
Seite rechts CTRL-E + Rechts

Während die Eingabe von Text oder Zahlen in beliebige Felder kein Problem darstellten, gestaltete sich schon eine Datumseingabe schwierig, da die Eingabeautomatik bei Zellenwechsel den Befehl "Alpha/Value" zurückschaltete. Eingaben, die mit Ziffern begannen, wurden als Zahl gewertet. Eingaben, die mit einem Buchstaben begannen, wurden als Text gewertet. Ein Datumsformat war nicht vorgesehen. Deshalb wurde die klassische Datumseingabe als Fehler quittiert. Bei fortlaufender Datumseingabe musste deshalb zuerst mit CTRL C das Kommando abgebrochen und dann das Kommando "Alpha" aufgerufen werden.
Umgekehrt war es mit Formeleingaben. Da Formeln mit einem Buchstaben beginnen, würden diese als Text interpretiert und nicht zur Berechnung verwendet. Auch hier musste dann erst abgebrochen und mit "Value" die Formeleingabe vorbereitet werden. Die verfügbaren Formeln waren zwar in der Hilfe genannt, aber es fehlte an exakten Eingabebeispielen, so dass man schnell Fehler machte. Beim Editieren von Formeln konnte man nicht mit der Rückschritt-Taste arbeiten (die Cursortasten navigierten nur in der Tabelle), sondern musste mit Zeichen links und Zeichen rechts arbeiten. Eine fortlaufende Änderung einer Formel beim Kopieren stand auch nicht zur Verfügung, sodass jede kopierte Formel neu editiert werden musste. Die Zellformatierung war ebenfalls sehr eigenwillig und erschloss sich nicht von selbst.
Hatte man jedoch das Prinzip begriffen, ließen sich auch ansehnlich strukturierte Tabellen erzeugen.


Benzin-Rechnung mit WegaCalc

Die fehlende Grafikfunktion des P8000-Systems verhinderte allerdings eine graphische Aufbereitung der Rechenergebnisse in Diagrammen und Schaubildern, was die Anwendung von WEGA Calc deutlich einschränkte.


Letzte Änderung dieser Seite: 29.11.2016Herkunft: www.robotrontechnik.de