Energiekontroll- und Regeleinrichtung EKR80

(Alias EKR 80, Massi)

Dieses Gerät wurde vom VEB Maßindustrie Werdau vermutlich ab 1980 produziert und diente, wie sein Nachfolger, das EKR86, zur Kontrolle des Energieverbrauchs eines Energieabnehmers auf Überschreitung der Maximalenergiemenge (Kontingent) und zum Abschalten einiger weniger wichtiger Energieverbraucher bei dessen Überschreitung.


Energiekostenrechner EKR80

EKR80-Anzeigebaugruppe

EKR80-Speicherkarte

Im Gegensatz zum EKR86 besaß die EKR80 keinen Prozessor, ist also eigentlich nicht der Rechentechnik zuzuordnen. Die EKR80 war mit einem impulsgebenden Stromzähler gekoppelt, wertete die Anzahl der eintreffenden Zählimpulse pro Zeiteinheit aus, verglich diesen Wert mit einem einstellbaren Grenzwert und zeigte diesen Vergleich prozentual mit einem Zeigermessgerät an. Zusätzlich konnte der Energieverbrauch auf einem Streifendrucker SD1132 ausgegeben werden.

Die EKR80 war modular aufgebaut aus einer Rückverdrahtungseinheit und einsteckbaren Leiterplatten.

Heute existieren nur noch wenige Exemplare dieses Typs, leider alle nicht mehr in Funktion.


Energiekontroll- und Regeleinrichtung EKR86

(Alias EKR 86, Massi)

Dieses Gerät wurde ab Mitte der 1980er Jahre vom VEB Maßindustrie Werdau (Standort Fraureuth) produziert und diente in der Industrie zur Messung, Registrierung und Auswertung des Energieverbrauchs (bevorzugt Elektroenergie) sowie der Regelung (Reduzierung) des Energieverbrauchs bei Erreichen festgelegter Grenzwerte. Die EKR86 konnte auch zur Messung von Wasser, Gas oder Fernwärme benutzt werden. Im privaten Umfeld wurde das Gerät nicht eingesetzt.


Energiekostenrechner EKR86

EKR86, geöffnet

Das Gerät war bedingt transportabel und zweikanalig aufgebaut: Es konnte damit zwei unterschiedliche Energieverbrauche parallel registrieren oder gleichzeitig Blind- und Scheinleistung auswerten.

Als Datenquelle dienten herkömmliche Energiezähler, die den Energieverbrauch in Form einer mehr oder weniger schnellen Impulsfolge ausgaben. Im Fall der Elektroenergiemessung konnten dies sein: Da die Energiezähler stets Eigentum der Energieversorgungsbetrieben waren, wurde deren Funktion nicht direkt ins EKR86 (das Eigentum des Energieabnehmers war) integriert. Zur Nutzung unterschiedlicher Zählerarten war es möglich, die EKR86 programmseitig an deren Signalverhalten anzupassen.

Die Energiezähler konnten bei geringem Abstand (max 10m) direkt an die EKR86 angeschlossen werden (potenzialfreie Eingänge über Optokoppler). Bei größeren Kabellängen (bis 5000m) wurde für jeden Kanal ein Schaltverstärker EKR80-1 (der sich geografisch in der Nähe des Energiezählers befand) zwischengeschaltet.

Bei Erreichen eines programmierbaren Grenzwertes konnte die EKR86 auf jedem Kanal schrittweise vier Laststufen (Bei Kanalkopplung maximal acht Laststufen) abschalten. Dies konnte z.B. benutzt werden, um in Spitzenbelastungszeiten Großverbraucher (z.B. elektrische Öfen) zu drosseln. Um die recht kleinen Steuerströme der EKR zu erhöhen, schaltete man dazu zwischen EKR86 und den Leistungsschaltschütz für jede Laststufe einen Relaisverstärker RE01. Außerdem existierten acht Rückmeldekanäle, mit denen die EKR86 den aktuellen Schaltzustand der Laststufen erkennen konnte sowie, ob es überhaupt möglich ist, die betreffende Last derzeit überhaupt abzuschalten. Programmgesteuert konnte die Abschaltung bestimmter Laststufen auf Wunsch ggf. verhindert werden.

Intern arbeitete die EKR86 mit einen Prozessor U880, 1 KByte akkugepufferten RAM (Datenerhalt 30 h) sowie 8 KByte ROM. Zur Zeitmessung diente eine interne Quarzuhr. Die Daten konnten visuell über die eingebaute 6-stellige Siebensegmentanzeige abgelesen oder detailliert über den eingebauten Thermostreifendrucker TSD16/2 ausgegeben werden. Die Programmierung der EKR86 erfolgte über die eingebaute Folientastatur. Das Gerät verfügte über einen Analogausgang, an dem bei Bedarf ein Zeigermessgerät zur externen Anzeige der prozentualen Auslastung des Energiekontingents angeschlossen werden konnte.


Rechnerplatine des EKR86. Unten links der Piezo-Lautsprecher und der Akku.

Die Betriebsarten der EKR86 wurden als Zahlen codiert auf der 7-Segment-Anzeige dargestellt. Auf dem Gerätegehäuse war dazu eine Tabelle aufgedruckt, die diese Zahlen erläuterte.
Rückseitig befanden sich die beiden EFS39-Buchsen zum Anschluss der Energiezähler und der Lastschaltstufen.

Die Messungen konnten entweder durch interne Zeitsteuerung (15, 30 oder 60 Minuten) oder durch ein externes Gerät (üblicherweise viertelstündlich) erfolgen. Außerdem konnte der Startzeitpunkt (Synchronisation) der internen Zeitsteuerung durch einen Impuls von einem externen Gerät vorgegeben werden.

Druckausgaben erfolgten Die Stromversorgung der EKR86 erfolgte aus dem Lichtnetz über ein analoges Netzteil auf Längsreglerbasis. Die von RE01 und EKR80 erfolgte aus einer externen 24V-Quelle. Notfalls konnte auch die EKR86 dazu genutzt werden, die an ihren Anschlussstecker 5V und 24V lieferte.
Die Installation der EKR86 hatte der Energieabnehmer über eine Installationsfirma zu realisieren.

Die EKR86 wurden auch nach Polen, in die ČSSR sowie nach Bulgarien exportiert.
Heute ist von diesem seltenen Gerät nur noch die Existenz von vier Exemplaren bekannt, allerdings alle in defektem Zustand.


Energiekontroll- und Regeleinrichtung EKR86/1

Bei diesem Gerät handelt es sich um den Nachfolger des EKR86. Es wurde wahrscheinlich ab 1990 produziert und lehnte sich technisch stark an seinem Vorgänger an.
Neu hinzugekommen waren eine serielle Schnittstelle (Nutzbar als V.24 und als IFSS) zur Datenübertragung an den PC (für statistische Auswertungen und Bildschirm-Überwachung), eine Erkennung von Netzausfallzeiten (also die Zeiten, wo das EKR86/1 nicht arbeiten konnte) sowie eine Berechnung und Anzeige der Ladezeiten des Stützakkus.


Energiekostenrechner EKR86/1

Bildschirmausgabe der ausgelesenen Daten

Rückseite des EKR86/1

Äußerlich hatte sich das Layout der Tastatur geändert: Anstelle der bisherigen universellen Tastatur, die neben den Ziffern die Tasten + und - hatte, wurde nun eine speziell für dieses Gerät gefertigte Tastatur benutzt, die neben den Ziffern die Sondertasten PR (Programming) und CE (Cancel) hatte.

Die EKR86/1 wurde entweder direkt an den Stromzähler angeschlossen oder über einen Schaltverstärker oder ein Trennrelais TR. Zur Steuerung des Lastabwurfs wurde an die Ausgänge des EKR86/1 zunächst Relaisverstärker RE01 geschaltet, deren 2A-Ausgänge dann zum Schalten der eigentlichen Schaltschütze verwendet wurden.


Relaisverstärker RE01 für Lastabwurf

RE01, geöffnet

Trennrelais TR zur Entkoppelung des Stromzählers

Vermutlich hatte der Hersteller auch eine PC-Software mit ausgeliefert, die zum Empfangen/Visualisieren der Daten benutzt werden konnte.

Das EKR86/1 gilt heute als ausgestorben.
Wer besitzt noch so ein Gerät oder hat Informationen dazu?

Energieverrechnungseinrichtung EVE

(Alias EVE02, EVE02, EVE 01, EVE 02)

Dieses Gerät wurde vom VEB Maßindustrie Werdau von ca. 1975 bis 1990 produziert und diente dem Energieversorger zur Abrechnung der Energieabnahme seines Kunden. Die EVE wurde geografisch beim Kunden installiert, blieb aber Eigentum des Energieversorgers. Sie zeichnete viertelstündlich den Energieverbrauch auf (Dazu wurden die von geeichten Stromzählern abgegebenen Impulse pro Zeiteinheit gezählt) und entdeckte damit auch zeitlich begrenzte Kontingent-Überschreitungen. Die Aufzeichnung des Lastganges war in der DDR wichtig, um die Einhaltung der Kontingente während der Spitzenbelastungszeiten kontrollieren zu können und so zu verhindern, dass das Energienetz der DDR durch Überlastung zusammenbrechen konnte.

Anfangs erfolgte die Speicherung der Daten auf Lochband (EVE1), später dann auf Digital-Magnetkassette (EVE2). Die Datenträger wurden dann monatlich an den Energieversorger geschickt, wo die Daten in einem ESER-Rechner ausgewertet und die Rechnung elektronisch erstellt wurde.


Energieverrechnungseinrichtung EVE2

Mit der deutschen Wiedervereinigung wurden die meisten EVE außer Betrieb genommen. In den ersten Jahren mit bundesdeutscher Messtechnik gab es einen abrechnungstechnischen Rückschritt, denn statt dem gesamten Lastverlauf wurde neben den Zählerständen nur noch die höchste Leistung pro Viertelstunde erfasst - so wie in der DDR bis 1975. Die EVE war damit einzigartig. Erst Ende der 90er Jahre kamen dann die ersten westlichen Lastgangzähler auf den Markt. Die Lastgänge dieser Zähler konnten allerdings damals noch nicht geeicht werden, weil in der Bundesrepublik die entsprechenden Vorgaben fehlten. Hier war offensichtlich das ASMW der DDR der bundesdeutschen PTB um einige Jahre voraus. Heute ist ein Energiehandel für Großkunden ohne geeichte Lastgangerfassung gar nicht mehr möglich und seit einigen Jahren sogar für Kunden >100.000 kWh/a gesetzlich vorgeschrieben.

Finanziell schlug eine EVE2 mit 20.000 Mark zu Buche.

Heute sind nur noch 2 Exemplare der EVE2 bekannt. Die EVE1 gilt als ausgestorben.

Wer besitzt noch solche Geräte oder hat Informationen dazu?



Letzte Änderung dieser Seite: 03.01.2017Herkunft: www.robotrontechnik.de