Telefontechnik

In den 1980er Jahren hielten die Mikroelektronik und die Rechentechnik auch in der DDR-Fernsprechtechnik Einzug.
Vielfältige Telefontechnik gab es schon seit 100 Jahren davor, hier soll aber nur auf die rechnergesteuerten Systeme eingegangen werden.

Nebenstellenanlage NZ96

(Alias NZ 96, NZ-96)

Über diese von VEB Nachrichtenelektronik Leipzig ab 1988 (oder eher) produzierte Anlage liegen bisher nur wenig Informationen vor. Sie bestand aus einem Schrank, der die digitale Vermittlungstechnik beinhaltete und einer Tastatur (Konsole) für den Dispatcher. Wahrscheinlich konnte die Anlage bis zu 96 Telefone bedienen.


Bediengerät der NZ96

NZ96-Bediengerät, geöffnet

Prozessoreinheit der NZ96

In der Konsole "Consol OC1" arbeitete ein Computer auf Basis des Einchipmikrorechners UB8820. Die Stromversorgung der Konsole erfolgte aus dem Vermittlungsschrank.

Der ergonomisch geformte Bedienarbeitsplatz der Anlage wurde vom Amt für industrielle Formgestaltung der DDR mit dem Prädikat "Gutes Design" ausgezeichnet.

Von der NZ96 existiert heute vermutlich nur noch eine Konsole, damit allein leider nicht mehr funktionsfähig.
Wer besitzt eine NZ96 oder hat Unterlagen dazu?


Nebenstellenanlage NZ400D

(Alias NZ400, NZ 400 D, NZ-400-D)

Die NZ400 war eine computergesteuerte Nebenstellen-Telefonanlage, herstellt von 1986 bis wahrscheinlich 1990 vom "Kombinat Nachrichtenelektronik Leipzig", genau gesagt vom Fernmeldewerk Neustadt-Glewe. Sie bildete die Telefonzentrale innerhalb einer Firma und konnte in der Grundvariante 128 Telefone und 5 Amtsleitungen, in der maximalen Variante 384 Telefone und bis zu 48 Amtsleitungen bedienen.


Arbeit an der NZ400

Arbeit an der NZ400

Arbeit an der NZ400

Die NZ400 bestand aus einem oder mehreren an die Wand geschraubten Schränken (je 128 Telefonanschlüsse), die die digitale Vermittlungstechnik enthielten, sowie einer großen Bedientastatur für den Dispatcher. Große Anlagen konnten ggf. bis zu drei Dispatcherplätze haben. Der Dispatcher konnte u.a. Auf der Tastatur der NZ400 konnten auch Kurzwahlnummern gespeichert werden.


NZ400-Schrank

NZ400-Schrank

Gesteuert wurde die Anlage über mehrere Mikrorechner auf Basis des U880-Prozessors. Die Leiterplatten im Wandschrank entsprachen äußerlich dem K1520-Sortiment, hatten aber eine andere Busbelegung.


NZ400-Platine

NZ400-Platine

Zum Hochfahren der Anlage diente ein in den Wandschrank eingebautes K5200-Magnetkassettenlaufwerk. War die Software einmal geladen, wurde das Laufwerk nicht weiter benötigt.
Als externe Geräte konnten an die NZ400 ein Drucker zur Ausgabe der Gesprächsprotokolle und ein Bürocomputer A5120 zur Programmierung angeschlossen werden.

Das Betriebssystem der Anlage nannte sich NEBS (Nebenstellen-Echtzeit-Betriebssystem), seine Programmierung erfolgte auf dem Rechner A5120 unter dem System UDOS in der Programmiersprache PLZ.

Mit der NZ400 endete wahrscheinlich die Entwicklung von Nebenstellenanlagen in Neustadt-Glewe, es gab also keine Nachfolgeprojekte.
Heute existiert vermutlich nur noch 1 Anlage dieses Typs in musealem Umfeld, leider nicht mehr in funktionsfähigem Zustand.
Wer besitzt noch so eine Anlage oder hat Unterlagen oder Fotos davon?


Ortszentrale OZ100

(Alias OZ 100, OZ-100, OZ100D, OZ-100D, OZ 100 D)

Diese Anlage wurde Mitte der 1980er Jahre von Nachrichtenelektronik Leipzig entwickelt und konnte 96 Telefonanschlüsse bedienen. Intern arbeitete sie auf Basis des Prozessors U880.


OZ100-Hauptverteiler

Ortszentrale OZ100

Fernschreiberanschlussgerät der OZ100

Die Programmierung erfolgte über die an der Gerätevorderseite befindliche Hex-Tastatur.

Heute ist noch die Existenz 1 Exemplars in musealem Umfeld bekannt.


Universelle Vermittlungsanlagenserie UVA

Alle Anlagen der UVA-Serie waren vollelektronische, mikroprozessorgesteuerte Telefonvermittlungsanlagen mit kleinerer Leitungszahl. Sie waren für den Einsatz in kleinen Betrieben oder innerhalb größerer Betriebsnetze als Abteilungsanlage gedacht. Es konnten sowohl Wählscheiben-Apparate als auch Tastenwahl-Apparate genutzt werden. Das System wurde erstmals im Frühjahr 1987 auf der Leipziger Messe vorgestellt.

Zum System UVA gehörten die Anlagen UVA100, UVA200 und UVA300. Außerdem gab es davon Untervarianten wie z.b. die UVA 101-1.


Geräte der UVA-Serie: (links hinten UVA300, rechts UVA200,
Mitte: UVA100, vorn links UVA601-1, vorn rechts UVA602-1

Weiterhin wurden Bedientelefone und Zusatzgeräte entwickelt: mindestens die Systeme UVA601-1 und UVA602-1.

Die Vermittlungsanlagen dieses Systems bieten u.a. die Funktionen Rufweiterschaltung, Anklopfen, Wiederanruf bei Auflegen in Rückfrage, Anrufschutz, Wahlwiederholung, Programmierung unterschiedlicher Teilnehmerberechtigungen, Konferenzbetrieb, Bedienung einer Türlautsprecheranlage. Zur Rationalisierung der Büroarbeit konnte das System durch einen Wählautomat, Diktiergerät, Tonbandgerät oder Fernkopierer (Fax) erweitert werden.

Wer besitzt noch Geräte der UVA-Serie oder Informationen oder Unterlagen dazu?


Universelle Vermittlungsanlage UVA100

(Alias UVA 300, UVA-300)

Die Anlage wurde auch als "Kleinvermittlungsanlage", "kleine Nebenstellenanlage" oder "Vorzimmeranlage" bezeichnet und war vorrangig für den Einsatz als Chef-Sekretär-Anlage in Büros bestimmt. In der Grundausbaustufe wurden zwei Teilnehmeranschlüsse und zwei Amtsleitungen bedient. Es bestand die Möglichkeit, die Anlage durch zusätzliche Steckkarten auf vier Teilnehmeranschlüsse oder drei Teilnehmeranschlüsse und eine Wechselsprechstelle zu erweitern. Auch eine Erweiterung auf bis zu vier Amtsleitungen war möglich.


Telefonvermittlung UVA100

Innenleben einer UVA100

Von der UVA101 hat vermutlich nur 1 Exemplar überlebt. Es befindet sich in einem Museumsfundus und in unbekanntem technischen Zustand.


Universelle Vermittlungsanlage UVA200

(Alias UVA 200, UVA-200)

Die UVA 200 war eine mittlere Nebenstellenanlage für 6 Teilnehmer und 2 Amtsleitungen in der Grundausstattung.

Vermutlich ist die UVA 200 heute ausgestorben.


Universelle Vermittlungsanlage UVA300

(Alias UVA 300, UVA-300)

Hierbei handelte es sich um ein kleines Wandgerät, das inwendig aus einer Grundplatine und mehreren Steckkarten bestand und von einem Einchipmikrorechner U8820 gesteuert wurde. Hersteller war das Funkwerk Kölleda. Vorgestellt wurde es, zusammen mit anderen UVA-Geräten, zur Leipziger Frühjahrsmesse 1988.


Telefonvermittlung UVA300

Innenleben einer UVA300

Prozessor der UVA300

Die Anlage war für den Zweitnebenstellenbetrieb in größeren Betrieben und Verwaltungen bzw. für den Erstnebenstellenbetrieb in Büros und betrieblichen Außenstellen bestimmt.

Genaue technische Daten zur UVA 300 liegen leider noch nicht vor. Von der UVA300 haben bis heute anscheinend nur zwei Exemplare in musealem Umfeld überlebt, beide sind nicht funktionstüchtig.


UVA-Endgeräte

Als Endgeräte an der UVA 300 kamen die Vorzimmerapparate UVA 601-1 (Komfortendgerät) und UVA 602-1 (Vorzimmerbeistellgerät) zum Einsatz. Sie besaßen Direktwahlmöglichkeiten zu 11 Zielen, Mithörfunktion, Sperrschloss, Tonbandanschluss und elektronischen Zweitruf.


Arbeit an der UVA601-1

Als besondere Fähigkeit wurde bei der Vorstellung auf die heute alltägliche Möglichkeit hingewiesen, bei aufgelegtem Handapparat zu wählen. Eine LCD-Anzeige informierte über gewählte Rufnummer und Gesprächszeit.


Digitale Vermittlungszentrale DVZ2000

(Alias DVZ 2000, DVZ-2000, DVZ 2001, DVZ-2001)

Mitte der 1980er Jahre reifte der Beschluss, eine digitale Großvermittlungsanalage zu entwickeln. Sie sollte ein Gemeinschaftsprojekt zwischen Nachrichtenelektronik Leipzig und einem sowjetischen Partner werden. Ziel war es, ab den 1990ern damit die DDR, die Sowjetunion, aber auch westliche Länder auszurüsten. Westliches Vorbild war die Anlage S12 von Alcatel, von der der DDR-Geheimdienst Unterlagen beschafft hatte.


DVZ2001-Schrank

DVZ2001 innen, sowie einige Telefone

Die Vermittlung basierte auf einem 16-Bit Rechner (mit dem Prozessor K1810WM86) und war, wie alle Telefonvermittlungen dieser Klasse, in Schrankform aufgebaut mit Rückverdrahtungseinheiten und Steckkarten. Das System war hard- und softwareseitig modular und sehr flexibel anpassbar. Es konnten Ortszentralen von 400 bis 10000 Teilnehmerleitungen und bis zu 1200 Verbindungsleitungen (zu anderen Vermittlungszentralen) oder eine Fernzentrale mit 2x2000 Verbindungsleitungen realisiert werden.


DVZ2000-Prozessorkarte

DVZ2000-Karte

Als Applikation des DVZ2000 wurde im Frühjahr 1988 auf der Leipziger Messe die Fernsprechortszentrale DVZ2001 als Endvermittlungsstelle mit externen und internen Verbindungsmöglichkeiten vorgestellt.

Viele Komponenten hätten von der DDR-Halbleiterindustrie dazu erst entwickelt werden müssen, was das Projekt zu einem Risiko machte und zeitlich immer weiter in Verzug brachte. Das Projekt scheiterte einige Jahre später am immensen finanziellen Aufwand und an den dafür notwendigen Fachkräften. Somit blieb es beim Aufbau von Prototypen. Wie vollständig und wie einsatzbereit die waren, ist bislang unbekannt. 1988 wurde das Projekt abgebrochen, die meisten Komponenten verschrottet. Lediglich ein paar Leiterplatten haben bis heute überlebt.


Digitales Kommunikationssystem DKS2000

(Alias DKS 2000, DKS-2000)

Zu dieser Anlage liegen leider noch keine Informationen vor. Möglicherweise war es der Versuch der DDR, ein Datex-ähnliches Digitalnetz aufzubauen.

Das Projekt wurde 1990 abgebrochen und gilt heute in allen Komponenten als ausgestorben.
Wer hat Informationen über DKS2000?


Telefonanlage ENSAD

Diese digitale Anlage wurde ab Mitte der 1980er Jahre in Gemeinschaftsarbeit von Robotron Radeberg und dem Fernmeldewerk Arnstadt entwickelt und hergestellt.


ENSAD-Schränke

Technische Daten liegen leider noch nicht vor.

Die Anlage gilt heute als ausgestorben.


Telefonvermittlung NEWA

Dieser Anlage haben wir eine eigene Seite gewidmet.


Übertragungssystem PCM120

(Alias PCM 120, PCM-120)

Das PCM480 war ein digitales Übertragungssystem für maximal 120 parallele Gespräche. "PCM" steht für "Pulse Code Modulation".


Übertragungssystem PCM120

Technische Daten liegen leider noch nicht vor.

Die Anlage gilt heute als ausgestorben.


Übertragungssystem ÜVM480 / PCM480

(Alias PCM 480, PCM-480, ÜVM 480, ÜVM-480, UEVM 480, UEVM-480)

("PCM" = "Pulse Code Modulation")
Das PCM480 war ein digitales Übertragungssystem über Lichtwellenleiter, konventionelle Kupferkabel oder Richtfunkstrecken, hergestellt ab 1986 vom "Kombinat Nachrichtenelektronik Leipzig", genau gesagt dem "VEB Nachrichtenelektronik Greifswald". Mit ihm konnten 480 Gespräche übertragen werden, sowohl im innerstädtischen Einsatz als auch im Fernbereich, wobei die maximale Kabellänge 120 km betrug.


Übertragungssystem ÜVM480

Inwendig bestand die schrankartige Anlage aus vier PCM120-Subsystemen mit jeweils 8,448 MHz Bitrate, die in einem Multiplexer zu einem 34,368-MHz-Signal vereinigt wurden. Das eingebaute Lichtleitermodul sorgte für die Anpassung an die Lichtleiter (Laserdioden mit 840 nm Wellenlänge, getrennte Fasern für Senden und Empfangen, Lawinen-Fotodioden als Empfänger). Alle 10 km musste eine Repeaterstation stehen, die die Signale regenerierte.
Eine eingebaute Überwachungsvorrichtung sollte für einen weitgehend störungsfreien Betrieb sorgen.

Wieviele dieser Anlagen in den produktiven Einsatz kamen, lässt sich nicht nicht ermitteln. PCM480 gilt heute mit all seinen Komponenten als ausgestorben.


Digitale Richtfunkeinrichtung PCM 10-300/400/800

Dieses System sollte zum Aufbau digitaler Nachrichtennetze in der DDR zum Einsatz kommen und wurde auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1988 als Erzeugnis des VEB Robotron Elektronik Radeberg präsentiert.


Richtfunkeinrichtung PCM 10-300

Genauere Informationen zu diesem System liegen noch nicht vor.


Messcomputer USAR

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Messcomputer GMAE

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Letzte Änderung dieser Seite: 03.01.2017Herkunft: www.robotrontechnik.de