Der Griff nach den Sternen - Großplanetarium Berlin

(Alias Cosmorama)

Anfang 2014 machte uns ein Hobbykollege auf bevorstehende, tiefgreifende Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten im Zeiss-Großplanetarium Berlin aufmerksam. Auf der Webseite des Planetariums hatte er ein paar Fotos von Technikräumen gefunden, die sehr nach DDR-Technik aussahen. Sollte diese ganze Technik im Rahmen der Modernisierung zur Verschrottung gehen, würden wir sie gern retten. Auch wenn wir keinen Projektor haben, den wir damit steuern könnten, wären doch sicherlich die Rechner oder Platinen bei unserer Arbeit sehr nützlich. Wir nahmen also Kontakt nach Berlin auf und es passierte erst einmal - gar nichts.

Getriggert durch unseren Misserfolg, klemmte sich der Hobbykollege erneut dahinter und fand letztendlich die richtigen Leute vor Ort. Erneut eine Anfrage unsererseits und plötzlich kam eine freundliche Antwort, dass dort tatsächlich noch Technik vorhanden war, die wohl entsorgt oder ins Deutsche Museum Berlin gehen soll. Auch das Zeiss-Planetarium in Prag, wo ein identischer Projektor im Einsatz ist, hatte Interesse an Ersatzteilen bekundet. Zwischenzeitlich erhielten wir von einer übergeordneten Instanz des Planetariums einen recht rüden Anruf, in dem uns gesagt würde, alles ginge nach Berlin ins Museum und wir, da nicht einmal ein eingetragener Verein oder im Museumsverband, könnten keine Schraube bekommen.

Aber in der Realität läuft so etwas dann glücklicherweise oft viel angenehmer ab, als angekündigt: Ende Juni kam eine Email vom Planetarium, dass die Demontagearbeiten bereits im Gange seien und binnen zwei Wochen in diversen Technikbereichen Baufreiheit hergestellt sein müsse. Wenn wir von der jetzt noch vorhandenen Technik etwas haben wollen, so mögen wir umgehend vorbeikommen und sie heraus schleppen. Im Anhang waren Fotos von unbekannten Elektronikschränken und diversen Komponenten, die wir immerhin DDR-Produktion zuordnen konnten.

Nach vorheriger Absprache mieteten wir bei einer Autovermietung in Halle einen Kleintransporter (der uns am Folgetag auch gleich bei der Abbauaktion in Ilmenau nützlich war) und trafen uns an einem heißen Sonntag mit dem Leiter des Planetarium, der extra für uns gekommen war. Kurz darauf trudelten noch drei Berliner Hobbykollegen ein, die wir als tatkräftige Helfer gewinnen konnten.


Das Zebra vor dem Planetarium: wir sind eingetroffen.

Das Foyer des Planetariums

Nochmal das verlassene Foyer



Technischer Hintergrund

Die Firma Carl-Zeiss Jena baut seit langem Planetarien: kuppelförmige Bauten, an deren Innenfläche mit Hilfe von Projektoren der Sternenhimmel nachgebildet werden kann, außerdem können daran Bilder und Filme projiziert werden, um den in Stuhlreihen sitzenden Besuchern die Schönheit der Astronomie näher zu bringen. Herz der Zeiss-Planetarien ist ein riesiger, beweglicher Sternenprojektor mit einer Vielzahl an Objektiven.


Typisches Aussehen: der Kuppelbau von außen

Der Cosmorama-Sternenprojektor

Planetarien gibt es seit Anfang des 20. Jahrhunderts, anfangs waren sie relativ klein und kamen ohne Rechentechnik aus. Mitte der 1980er Jahren erfand Carl-Zeiss dann den Sternenprojektor "Cosmorama", ein hantelförmiges, im Fußboden versenkbares Monstrum, das intern wiederum aus 32 Sub-Projektoren bestand und in der Lage war, fast 10.000 Sterne von beliebigen Zeitpunkten und beliebigen Standorten darzustellen. Unterstützt wurde der Cosmorama von weiteren Projektoren zur Darstellung der Planeten sowie zum Darstellen von Fotos und Filmen. Diese Anlage wurde durch Computer gesteuert, die dazu notwendige Rechentechnik entwickelte Zeiss größtenteils selber. Die Cosmorama-Anlagen gehörten zu den größten in Europa, 23 Meter Kuppel-Innendurchmesser (außen 30 Meter) und 300 Sitzplätze waren problemlos möglich.

Nach unseren Erkenntnissen wurden die Cosmorama-Großplanetarien nur an wenigen Stellen in der Welt aufgebaut: Die Bedienung der Anlage erfolgte von einem Regiestand im Zuschauerraum. Neben jeder Menge Tasten kamen auch zwei Terminals Robotron K8911 zur Bedienung zum Einsatz. Die ganze Rechentechnik war in blauen Gehäusen verbaut, dazu waren auch die Terminals entsprechend umlackiert.


Ursprünglicher Regieplatz der Anlage

Der Saal mit erneuertem Regieplatz

Die Steuerung der Anlage befand sich außerhalb des Zuschauerraums und war auf eine Vielzahl von Geräten verteilt, die meist in Halbschränke eingebaut waren: Die Geräte enthielten eine Rückverdrahtungseinheit (Busverbinder, Backplane), in die gleichgroße Leiterplatten gesteckt wurden, die meist nach vorn einen oder zwei EFS-Stecker besaßen, an die Sensoren und Aktuatoren angeschlossen wurden. Die Stromversorgung erfolgte über Netzteilmodule aus Zeiss-Produktion, die Mikrorechner basierten auf dem U880-Prozessor und dessen Peripherieschaltkreisen. Das Ablaufprogramm war in textähnlicher Form auf Disketten (anfangs 8 Zoll, später 5,25 Zoll) untergebracht und wurde durch einen Interpreter abgearbeitet.

Was damals in den 1980er Jahren hochmodern war, ist inzwischen veraltet: Filmprojektionen waren nur auf bestimmte Bereiche der Kuppel möglich, Bilderfolgen mussten in Form von Dia-Magazinen eingelegt werden. So ist es verständlich, dass die Anlagen auf modernere Projektoren und modernere Rechentechnik umgerüstet werden sollten.


Versteckspiel im Labyrinth

Das Planetarium war ein recht moderner Bau, der erst Mitte der 1980er fertig gestellt wurde. Wichtigster Teil war sicherlich der enorme Kuppelsaal mit dem Cosmorama-Projektor der Firma Carl Zeiss Jena. Allerdings war das Gebäude wesentlich größer, als wir es von unserem kleinen Planetarium in Halle her kannten. Das Berliner Gebäude hatte vier Etagen, einen Fahrstuhl, um den Saal verlaufende Flure und abzweigende Technikräume und Verbindungstreppen. Wir kamen uns eher wie in einem U-Boot vor.


Gebogene Wege und endlose Kabel

In manchen Räumen funktioniert das Licht noch, in anderen war es bereits abgestellt. Systematisch wurden wir Ebene für Ebene und Raum für Raum durch das Gebäude geführt. Einige Tische und Räume sahen bereits arg "geplündert" aus: Hier musste mal sehr viel mehr Technik gestanden haben. Auch im Kuppelsaal, in dem noch die Samt-blauen Stuhlreihen standen: Kein Projektor und die Regietische arg verwüstet. Obenauf ein paar Terminals der Firma DIGITAL, die sich manchmal nur durch ihre Kabel vor dem Abstürzen retteten. Auch hier die bereits überall gefundenen gelbe Klebezettel mit der Aufschrift "ALLES VERSCHROTTEN".


Wir kamen gerade noch rechtzeitig

Unter dem Kuppelsaal verbarg sich etwas sehr spannendes: der Projektorschacht. Wenn der Projektor oben im Saal nicht gebraucht wurde, konnte er in diesem Schacht hinuntergelassen werden und oben schloss sich ein begehbarer Deckel mit einem Durchmesser von 4,5 Metern.


Der Kuppelsaal ohne Projektor

Da ist er ja: Blick in den Projektorschacht

Nach der Besichtigung des Saals und der Ringräume wurden wir in die Akustische Zentrale des Planetariums geführt. Der Raum hatte Rechenzentrums-Charakter: Es gab schallisolierte Wandverkleidungen und Stelzenfußboden sowie schränkeweise Elektronik. Von hier wurde die Beschallung sowie Durchsagen im Gebäude gesteuert und wohl teilweise auch ausgefallene Komponenten repariert. Die Schränke mit den Leistungsverstärkern und Verteilerschaltungen waren noch weitgehend vorhanden.


Beschallungstechnik

Beschallungstechnik

Noch mehr Beschallungstechnik



Wie Pilze sammeln

Aufgrund der Gebäudeausdehnung fingen wir an, uns systematisch vom Keller beginnend nach oben zu arbeiten. Im Keller standen direkt vor dem Fahrstuhl mehrere Gitterboxen und ein großer Haufen Material. Hier konnten zwei blau lackierte Terminals K8911, zwei braune K8917 Grafikterminals sowie eine Tastatur geborgen werden. In den Haufen lag noch ein Rechnerschrank von einem halben Meter Höhe, bestückt mit Platinen in Carl-Zeiss-typischer Größe und zwei 8"-Diskettenlaufwerken sowie allerlei Papier und Kleinkram.


Für's Foto aufgestellter Diskettenrechner samt Terminal

Wir brachten die Dinge mit dem Fahrstuhl ins Erdgeschoss und schleppten sie zur Ausgangstür, vor der der Transporter stand. Dann ging es im Foyer weiter. Hier hatte man bereits technische Geräte, Möbel sowie Büroinventar auf einen großen Haufen gekippt. Aus dem teilweise recht komplexen Geflecht an Materialien konnten mehrere Kästen voller 5,25"-Disketten sowie Kabel geborgen werden. Die ganze Arbeit lief ein wenig wie das Pilze-Sammeln im Wald ab: Man schwärmt mehr oder weniger weit von einander aus und bückt sich nach einem Pilz. Während man noch schnippelt, sieht man schon den nächsten und so weiter.


"Pilzhäufchen" gefunden!

Richtig spannend wurde es im ersten Obergeschoss: Vom Ringflur aus gelangte man durch eine Tür und ein paar Stufen in einen weiteren, leicht höher liegenden, Innen-Rundflur, der scheinbar direkt um den Projektorschacht herum führte. Durch die spärliche Notbeleuchtung, die es hier nur noch gab und die Kabeltrassen und Schaltschränke und die gebogenen Wände kam hier noch mehr U-Boot-Feeling auf. Ein Stück den Flur entlang kam man zu einem Technikraum, der diese Bezeichnung wirklich verdient hat. Hier standen die Steuerrechner für den großen Projektor und die ca. zwei Dutzend kleinere Projektoren auf dem Ring um den Kuppelsaal herum. Wir standen genau unterhalb der Regiepulte, was uns die nach oben in die Decke führenden Kabel verrieten.


Ersatzteilregal im Rechnerraum.



"Heißes" Neuland

Auch wenn sich deutlich zeigte, dass die ganzen Platinen und Einschübe von Carl Zeiss Jena aus DDR-Produktion stammten und uns die Steckverbinder und Montageteile sehr bekannt vorkamen, waren diese Maschinen doch absolutes Neuland für uns. Vorerst konnten wir nicht sagen, was hier überhaupt steht und wozu es diente. Der Kollege vom Planetarium, da nicht eingeweiht in diese Technik, konnte es uns auch nicht sagen, meinte aber, er würde versuchen, zu den alten Technikern Kontakt herzustellen. Diese waren bereits vor einiger Zeit aus der Arbeit im Planetarium ausgeschieden und so nicht mehr direkt greifbar.


Der Rechnerraum, wie wir ihn vorgefunden hatten.

Abbau-Arbeiten in vollem Gange

Stunden später: Waren hier jemals Rechner?

Wir nahmen die Schränke einen nach dem anderen vom Stromnetz und versuchten, die aufgebauten Konfigurationen so gut wie möglich zu dokumentieren. Danach wurden die Einschübe gezogen und die Kabelverbindungen demontiert und alles, was in der Wand verschwand, schweren Herzens gekappt. In dem Raum lagen noch diverse elektronische Bauteile und eine ganze Menge an Ersatzplatinen herum, die wir in Kisten verpackten und auch zum Transporter brachten. Im Gegensatz zu draußen, wo die Luft vor Hitze flimmerte, war es hier in den Tiefen der Ringtunnel regelrecht frisch. Das Bewegen der schweren Schränke ließ uns dennoch bald schwitzen. Nach knapp zwei Stunden war der Raum fast leer. Wo zuvor die vollgestopften Rechnerschränke gestanden hatten, zeugten nur noch armdicke Kabelstränge und Ventillationskanäle sowie die Schrankfüße von ihrer Existenz. Die geschweißten Metallfüße haben wir da gelassen, da sie für unsere Anwendung ungeeignet erschienen und wir langsam mit einem Platzproblem im Transporter rechneten.


Kuppelsaal

Die beiden Regietische waren markiert und sollten ins Museum Berlin gehen. In den Unterbauten hatte jemand bereits zuvor jede Menge (vermutlich Rechner) ausgebaut. Die Terminaltastaturen und Bleche lagen wild auf dem Boden herum. Wir dokumentierten die Reste der Anlage und nahmen die Terminals samt Tastaturen mit, ggf. könnten wir sie an unsere Maschinen anschließen oder später mit einem anderen Technikmuseum gegen DDR-Geräte tauschen.


Überreste der Regietische.

Überreste der Regietische.

Außerhalb des Saals verlief ein Rundflur für die Technik. Hier standen ca. alle 10m so ein kleiner Schrank, wie wir einen bereits im Keller gefunden hatten. Das waren die Knotenrechner, die die Daten von den Rechnerschränken eine Ebene tiefer an die Ringprojektoren und ihre Dreh- und Neigevorrichtungen weitergaben.


Einer der Knotenrechner, die Netzteile oben fehlen bereits

Rückseite des Knotenrechners mit dem Anschlussfeld

Auch hier war bei unserer Ankunft schon arg demontiert worden. Was an Einschüben in den Schränken übrig war, schleppten wir weg. Von den 24 Ringprojektoren oben auf der Umrandung des Saales, waren noch 2 Stück vorhanden, einer davon sogar mit Objektiv. Wir kletterten über Kabeltrassen hoch zu dem Projektor und demontierten ihn mitsamt Vorschaltgerät. Dieses Gerät hat offensichtlich die Schnittstelle zu den Knotenrechnern bedient, den Projektor und die Magazine gesteuert, sowie die Vorrichtung, die je zwei Projektoren unabhängig voneinander bewegen konnte.


Nur für geschulte Augen: Dia-Projektor gefunden.

Rückseite des Geräts.

Dia-Projektor-Steuerung



Fußbodenplatten (1)

Neben interessanten elektronischen Schüttgut, das sich in einigen Ecken der Akustikzentrale fand, erweckten hier vor allem die großen Schaltschrankreihen unser Interesse. Die Prämisse lautete auch hier: "Nehmt mit, was ihr wollt! Der Rest fliegt weg". Daher fingen wir sogleich an, acht Leistungsverstärker V943 von Musikelektronik Geithain, und ein Heli RK5 Radiotuner (Sonderversion für Schrankeinbau) zu demontieren. Zwei große Schaltfelder mit Leuchttasten wurden auch eingepackt, da wir regelmäßig solche Tasten oder ihre Kappen als Ersatz brauchen. Kaum waren wir mit der Technik fertig, fiel unser Blick nach unten und uns ein, worauf wir die ganze Zeit standen: Das waren die bekannten Fußbodenplatten aus 5cm dickem Pressspan mit Fußbodenbelag oben drauf, wie wir sie zuvor in sehr aufwendigen Aktionen aus Schönebeck, Leuna und Stendal geholt hatten, um in unserem Museum die größeren Geräte drauf zu stellen. Wir hatten noch im Hinterkopf, das uns noch ein paar Platten fehlten, um die Fläche so aufzubauen, wie es geplant war. Laut den Leuten vom Planetarium sollten wir, dort, wo man den Raum betritt, kein Loch erzeugen, in das jemand fallen konnte. Weiter hinten könnten wir die Platten und Stelzen gern mitnehmen. Eine halbe Stunde später lagen 12 Platten mit einem Gesamtgewicht von 96 kg auf unserem Rollwagen und wurden zum Fahrstuhl geschoben. Später sollten wir merken, dass es leider noch immer nicht reicht und wir besser noch einmal 6 Platten eingepackt hätten.

Zwischenzeitliche Erkundungen führten noch zu ein paar weiteren Funden: In einem der Gänge lag ein großer schwarzer DDR-Schaltschrank mit Rechnereinschüben. Seine Funktion war uns gänzlich unbekannt aber aufgrund der Konfiguration konnte er mit der Beleuchtung im Saal zu tun haben. Da die Technik interessant aussah und der Schrank sich in gutem Zustand befand, wurde er gleich mit weggetragen. Hinter einer anderen Tür verbarg sich der Aufzugschacht-Kontrollraum und der war wirklich technisch: Hier stand man quasi unterhalb des Deckels im Kuppelsaal und konnte nach unten 2 Stockwerke in den 4,5 m breiten Schacht gucken und da unten stand tatsächlich der Cosmorama-Projektor auf seinem Podest. Dieses knapp 4 Meter lange, hantelförmige Gerät wird im Zuge der Modernisierung durch moderne, digitale Projektoren ersetzt und soll im Foyer als Ausstellungsstück aufgestellt werden. Na gut. Mit dem Ding wäre der Transporter sonst auch allein voll gewesen (hätten wir aber auch genommen!).


Bedienpult der Aufzugsteuerung

Aufzugsteuerung und Bedientablett

Rechnerschrank der Aufzugsteuerung

Interessant war hier noch die Steuerung des Aufzugs. Es handelte sich nämlich um eine mikroprozessorgesteuerte Kleinsteuerung MRS702 vom VEB Numerik Karl-Marx-Stadt samt Bediengerät. Da das Aufzugsystem noch im Betrieb war, konnten wir die natürlich nicht abmontieren. Für den Zeitpunkt der Verschrottung klebten wir eine Nachricht auf die Steuerung und erläuterten unser Anliegen diesbezüglich auch noch einmal gegenüber den Leuten vom Planetarium. Wie sich später herausstellen sollte: ohne Erfolg.

Das war es dann eigentlich auch schon fast in Berlin gewesen, wäre da nicht doch das Einpacken gekommen. Aufgrund der Sperrigkeit mancher Dinge und der Fragilität manch anderer (Projektor, 2200W-Großprojektor-Ersatzglühlampe, Platinen) zog sich das Einladen in den reichlich abschüssig geparkten Transporter etwas hin. Die Sonneneinstrahlung machte sich, da wir nun draußen arbeiteten, auch bemerkbar. Gegen 15:00 waren wir fertig und auch körperlich vorerst erledigt.

Nach einer freundlichen Verabschiedung von den Leuten des Planetariums und unseren Hobbykollegen, die es teilweise erfreulich kurz bis nach hause hatten, machten wir uns auf die lange Rückreise nach Halle.


Geschafft: Die Technik ist verladen.

Ankunft der Rechnerkomponenten in Halle

Am Abend angekommen, luden wir die die Technik aus. Ein Hobbykollege aus Stendal war gerade auf dem Weg an Halle vorbei und packte mit an, immer wieder abgelenkt von den interessanten Dingen, die man da auslud.


Geborgene Dinge



Viel Forschungsarbeit: die geretteten Rechner-Einschübe

Der wieder zusammengesetzte Schrank 1



Erkenntnisse

Leider konnte der Kontakt zu den ehemaligen Technikern nicht hergestellt werden, sodass wir bisher nicht wissen, was die einzelnen Komponenten für Aufgaben hatten. Die spärlichen geretteten Unterlagen geben dazu auch nichts her und bisher sieht es so aus, als würden die Disketten nicht zu diesen Rechnern gehören. Alles in allem ziemlich schlechte Voraussetzungen dafür, einzelne Komponenten wieder in Betrieb zu nehmen. Am ehesten wäre dies wohl mit den bekannten Robotron-Terminals an einem anderen Rechner bei uns gegangen, aber offensichtlich waren im Planetarium die Terminals bereits zuvor ausgefallen und durch die DIGITAL-Geräte ersetzt worden. Da wir zwischenzeitlich reichlich andere Baustellen hatten, haben wir die geretteten Sachen vorerst beschriftet und eingelagert. Langfristig erscheint eine Neukonfiguration und Umnutzung eines Teils der Rechentechnik sinnvoll. Hier laufen aktuell Forschungen, inwieweit sich die Platinen zum Aufbau einen Prozesssimulators für die Audatec eignen würden.


Fußbodenplatten (2)

Die neuen Fußbodenplatten waren schnell verlegt. Sie wiesen zwar Gebrauchsspuren von fast 30 Jahren Einsatz auf, waren aber zumeist besser erhalten als manche unserer Platten aus den Industrieruinen. Leider hatten wir uns mit der Menge verschätzt und so fehlten noch acht Platten, um die Fläche im Museum zu vervollständigen. Aufgrund der Güte der Platten dachten wir, man könnte auch gleich 10-15 nehmen, als Reserve. Wir riefen noch einmal einen unserer Berliner Hobbykollegen an und baten ihn, schnellstmöglich für uns 10-15 Platten zu bergen, solange die Bauleute diese noch nicht entsorgt haben. Zwei Tage späte kam die Vollzugsnachricht. Man hätte schon etwas stutzig werden müssen, als er meinte, er hätte mit dem Pkw zweimal fahren müssen und sich abgeschleppt wie ein Blöder. Es stellte sich heraus, dass er nicht 15 Platten sondern etwas mehr als 18m², was ca. 65 Platten entsprach, demontiert und abtransportiert hatte. Diese standen nun in seinem Hausflur und mussten dort dringend weg. Hier half uns eine andere Gegebenheit: Für Dreharbeiten zu einem Spionagefilm mussten wir Anfang September in Berlin. Bevor es mit dem Bus zum Drehort ging, wurden die beiden großen Plattenstapel aus dem Hausflur unseres Kollegen verladen. Dadurch war im Fahrzeug dann zwar keinerlei Platz mehr, aber das Eisen war aus dem Feuer geholt. Nun haben wir mehrere Dutzend Ersatzbodenplatten: Entweder, wir vergrößern mal die Fläche, wenn es uns erforderlich scheint oder wir können arg beschädigte oder verquollene Platten durch besser erhaltene ersetzen. Vorerst sind die Platten in einer Ecke zu einem großen Turm aufgestapelt und gucken sich hoffentlich weg, wenn Besucher kommen.


Sichtung

In der Folgezeit bestanden Arbeiten darin, die Leiterplatten (die wir mittlerweile dem U880-1-System zuordnen können) zu erfassen und die Inhalte der EPROMs zu sichern, bevor die sich von selbst löschen konnten.


Originale Prozessorkarte aus den 1980ern

Nachgefertigte Prozessorkarte aus den 1990ern

Die weitere Wieder-Inbetriebnahme steht noch aus.


Danksagungen





Letzte Änderung dieser Seite: 03.05.2023Herkunft: www.robotrontechnik.de