Filmprojekt "deutschland!" - unser Anteil am kalten Krieg

Im Sommer 2014 erhielten wir von der "UFA Fiction GmbH" eine Anfrage bezüglich der technischen Unterstützung für die Dreharbeiten zu einem mehrteiligen Spionagefilm in Berlin. Ausgehend von vorangegangenen Arbeiten dieser Art trafen wir uns mit zwei Requisiteuren bei uns im Museum und überlegten, was passen könnte und sinnvoll und vor allem mit akzeptablem Aufwand realisierbar wäre. Im Gegensatz zum Dreh zu Die Frau vom Checkpoint Charlie, wo unsere Maschinen nur "teilweise laufende" Dekoration der Büros darstellte und wir uns im Vorfeld viel zu viele Gedanken um Software und historische korrekte Konfigurationen gemacht hatten, stellte sich schnell heraus, dass bei diesem Projekt die Rechentechnik eine zentrale Rolle in einigen der Szenen spielen sollten und entsprechende Funktionen genutzt werden sollten. Folgende Forderungen, die sich im Laufe der Zeit noch mehr oder weniger verschieben sollten, wurden an uns herangetragen: Diese Forderungen stellten uns vor erhebliche Probleme und nach mehrfacher Beratung mit dem UFA-Team entschieden wir uns für folgende Umsetzung: Die Probleme, die wir lösen mussten, schienen in der verfügbaren Zeit realisierbar.

Das Vorspiel

Bürocomputer A5120

Der A5120 mit den 8-Zoll-Laufwerken stammte aus dem Bestand der Keramischen Werke Hermsdorf und stand seit fast 6 Jahren bei uns im Depot, ohne dass wir bisher eine Reparatur in Angriff genommen hatten bzw. um seinen Zustand wussten. Doch er machte beim ersten Einschaltversuch zunächst überhaupt nichts. Schnell waren korrodierte Sicherungen als Ursache ausgemacht und er ließ sich soweit starten, dass der Bildschirm hell wurde. Also war zumindest der Bildschirm noch intakt. Als nächstes zeigte sich, dass die Laufwerke keinerlei Aktivität machten. Ursache: ein Defekt auf der ZVE-Karte, die wir aus Zeitgründen vorerst nur gegen eine andere austauschten. "Fast geschafft" dachten wir, als der Rechner dann nach dem Einschalten brav seine drei Laufwerke auf eine Systemdiskette überprüfte. Nur leider fehlte es gerade an dieser Diskette.

Nachdem eine Woche später eine neu generierte 8-Zoll-SCP-Systemdiskette verfügbar war, führte der Bootversuch zu dem ernüchternden Ergebnis, dass der Rechner nicht booten wollte. Die Diskette lief aber an einem anderen Rechner mit 8"-Laufwerk. Ursache diesmal: der aufgrund eines kaputten Kondensator gestorbene 24V-Spannungswandler für die Versorgung der Laufwerks im Rechnerfuß des A5120. Als dies behoben war, meldete er sich mit einem gut hörbaren Klappern der Magnetköpfe. Aber booten wollte er immer noch nicht. Ein Kartentausch mit einem als funktionstüchtig bekannten Rechner K8924 brachte keinen Erfolg, also stellten wir den K8924 kurzerhand hinter den A5120 und nutzten seine 5,25" Laufwerke, um den A5120 zu booten (was auch ging), konfigurierten das System um und steckten dann die originalen 8-Zoll-Laufwerke an den laufenden Rechner und er griff dann normal darauf zu. Bis auf Laufwerk B, das einen defekten Antriebsriemen hatte, lieferten die Laufwerke nach einigen Minuten HARDY-Test immer bessere Ergebnisse und auch Programme ließen sich ohne Probleme starten. Nur booten wollte der Rechner von keinem davon! Verdammt!
Eine weitere Woche darauf und einige Diskettengenerierungen später zeigte sich, dass (mechanische?) Toleranzen zwischen dem Laufwerk, auf dem die Diskette generiert wurde und unseren A5120-Laufwerken die Ursache war. Indem wir die Disketten nun auf einem anderen Laufwerk generierten, behob sich das Problem.
Der A5120 funktioniert nun recht zuverlässig mit zwei der drei 8-Zoll-Laufwerke. Das dritte Laufwerk wollen wir später auch noch reparieren, aber im Moment war zu wenig Zeit dafür.


Ging mit zum Film: unser A5120

Reparaturarbeiten am A5120

Die wichtigsten Programme sind auf Diskette

Als Rückschlag stieg kurz darauf die ASS-Karte aus, was sich darin äußerte, dass die Tastatur alle Tastencodes um zwei Zeichen verschoben lieferte (also tippe "A" und sehe "C"). Auch hier tauschten wir aus Zeitgründen gleich die Karte.

Abschließend stellten wir die Bildschirmgeometrie neu ein. Eine leichte Delle oben links in der Anzeige ließ sich allerdings nicht korrigieren.

Ein weiterer Schritt war die Modifizierung des Rechners für den Einsatz des SIF1000-Interfaces für die Lochbandgeräte: es kam eine Steckkarte ADA K6022 zum Einsatz. Dazu war die Anpassung der Rückverdrahtung (IEI/IEO) im Rechner erforderlich. Außerdem zeigte es sich, dass die Bewickelung der Karte geändert werden musste, um in diesem Rechner zu funktionieren.

Drucker SD1152

Als Drucker sollte ein "kleiner" SD1152 zum Einsatz kommen. Da das Gerät bereits in Merseburg im Ausstellungsbereich am Bürocomputer im Einsatz war, gingen wir von stabiler Funktion aus. Es zeigte sich aber, dass der Drucker aus unbekannten (ggf. Kontaktprobleme oder mechanische Timingprobleme) Gründen dazu neigte, nach ein paar Textzeilen einzufrieren. Zwischenzeitlich wurde er durch einen anderen SD1152 ersetzt, die Platinen getauscht, die Sensoren und Antriebe und das Interfacekabel überprüft bzw. getauscht. So richtig ließ sich der Fehler nicht lokalisieren, aber augenscheinlich erhöhte sich nach mehrstündigem Betrieb die Betriebssicherheit des Druckers wesentlich.


Unser Drucker SD1152

Das Farbband war bereits durch sein Alter und die Benutzung sehr blass geworden. Der Ersatz durch ein eingeschweißtes, fabrikneues Farbband brachte keine Besserung - immerhin war auch das auch schon fast 30 Jahre alt. Wir versuchten, das Farbband durch Einpinseln mit in Benzin gelöster Druckerschwärze nachzufärben. Das Ergebnis variierte von fleckig bis schmierend und nach einem Abwischen des Bandes zum besseren Verteilen der Farbe mit erneutem blassen Druck trotz maximaler Anschlagstärke. Durch Probieren und Variieren der Konditionierungsparameter ergab sich nach einiger Zeit ein mehr oder weniger akzeptables Druckbild.


Lochbandtechnik

Wir entschieden uns für einen Lochbandstanzer daro1215 samt Lochbandabwickler sowie einen Lochbandleser daro1210. Die Geräte waren kürzlich instandgesetzt und am Computer PBT4000 ausprobiert worden. Zur Arbeit am Bürocomputer A5120 musste in diesen eine ADA-Karte eingebaut werden, die die beiden SIF1000-Interfaces für die Lochbandgeräte bereitstellte.


Schwere Vergangenheit: Restauration des Lochbandlesers

Bereit nur Mitnahme: der restaurierte Lochbandleser...

...und der Lochbandstanzer

Als Software kam ein kleines SCP-Programm zum Einsatz, das Tastatureingaben auf den Lochbandstanzer umlenkte.
Um die Bedienhandlungen der Schauspieler nicht zu sehr zu komplizieren, nutzen wir den Lochbandleser daro 1210 nicht softwaregesteuert, sondern modifizierten das Gerät durch Abkleben der Indexspur so, dass es auf Knopfdruck einfach blind ein Lochband bis zum Ende durchzog. An uns wäre es dann, vor Ort simultan auf dem Bildschirm oder Drucker ein entsprechendes Ergebnis zu simulieren. Zwischenzeitlich ging auch der Leser noch einmal kaputt und musste repariert werden.


IBM 5155

Bei diesem Gerät handelt es sich um einen frühen mobilen PC, bestückt mit einem i8086-Prozessor und 256 KByte RAM, einer Festplatte und zwei Diskettenlaufwerken. Das Gehäuse beinhaltete auch den Bildschirm und eine einklappbare Tastatur, war also quasi ein Notebook.


Unser Computer PPC

Das IBM-PPC stammte von einem Hobbykollegen und hatte zunächst defekte Laufwerke. Ein kurzes BASIC-Programm, welches den (angeblich von der Diskette gelesenen) geheimen NATO-Code auf dem Bildschirm in Form von 5-stelligen Zahlen ausgab, wäre auch live schnell eintippbar.

Das Gerät funktionierte bis auf die beiden Diskettenlaufwerke stabil und meldete sich bei erfolglosem Bootversuch mit einem BASIC-Interpreter aus dem ROM. Somit konnte man es mit einem Demoprogramm füttern und einsetzen. Allerdings musste das Programm nach jedem Einschalten neu von Hand eingetippt werden. Leider kommen bei diesem recht seltenen Rechner noch seltenere 40-Spur-Laufwerke zum Einsatz, für die nur schwer Ersatz zu finden gewesen wäre. Mit einigem Aufwand gelang die Reparatur der Laufwerke, hierbei lag das Problem vorrangig in verharzter Mechanik. Die verfügbaren Disketten zu diesem Gerät waren ebenfalls stark beschädigt und mussten aufwändig poliert und gesichert werden, bis sich nutzbare Arbeitskopien erzeugen ließen. Die Druckerschnittstelle mochte aus bisher unbekannten Gründen nicht arbeiten. Ansonsten war das System nur mit einem, von Diskette bootbaren, MS-DOS 2.0 und einem BASIC-Interpretersystem nutzbar. Im Film würde es per Zufall erzeugte 5er-Zahlenkolonnen auf dem Bildschirm ausgeben - um einen kodierten Disketteninhalt vorzugaukeln.

Verwirrungen

Während der Arbeit erreichten uns, manchmal täglich, Änderungswünsche via Email aus Berlin. Die Termine sprangen bis kurz vor den Drehbeginn unserer Szenen um mehrere Tage vor und wieder zurück. Nach längerem Rätseln stellte sich außerdem heraus, dass es zwischen uns und den Filmleuten bezüglich der Gerätebezeichnungen zu einem bösen Missverständnis gekommen war: Statt der daro 1215 Lochbandtechnik am Bürocomputer und dem SD1152 als Drucker schrieben sie wiederholt von einem "Lochstreifenschreiber" und "Serifen". Sie meinten letztendlich unseren Org-Automaten Optima 528: ein tischgroßes, ca. 200 kg schweres Gerät aus den 60ern, welches sie bei uns wohl beeindruckt hatte. Leider befindet sich dieses Gerät noch immer in recht fragilem Zustand und war überdies noch reparaturbedürftig. Wir einigten uns darauf, den Org-Automaten in Halle zu lassen und doch mit der gerade noch rechtzeitig fertig gewordenen daro-Lochbandtechnik am Bürocomputer zu arbeiten.

Zur Sicherheit packten wir noch eine ganze Menge fertig gestanzter Lochbänder und ausgedruckter Papiere ein. Weiterhin kam aus Berlin noch der Wunsch nach Schaltplänen für den Arbeitsplatz und die Wände, nach einer elektronischen Schreibmaschine und einem Fernschreiber. Letztere beide mussten zum Glück nicht unbedingt funktionieren. Aus ästhetischen Gründen entschieden wir uns für eine grüne robotron S6001, die wir zuvor bereits in langwieriger Kleinarbeit wieder zum Leben erweckt hatten und einen grünen RFT F1100, der keinen Mucks sagte. Einen Tag vor Drehbeginn warfen wir auch hier noch einen Blick hinein. Mehrere völlig aufgelöster Sicherungen stellten einen Teil des Problems dar. Vorerst ließ sich der Fernschreiber zumindest einschalten und es leuchteten mehrere LEDs. Allerdings mochte er weder drucken noch Lochband stanzen, aber das war ja auch nicht notwendig.


Erster Besuch in Berlin

Im Gepäck: Was sonst noch mit musste: Die Verladung erfolgte am Donnerstag, dem 11. September 2014, ins Wohnmobil, um am Tag darauf in aller Frühe von Halle nach Berlin aufzubrechen. Auf dem Weg dorthin gab es noch einen Zwischenstop bei einem Hobbykollegen in Berlin, der für unser Museum EDV-Fußbodenplatten aus dem Berliner ZEISS-Großplanetarium geborgen hatte. Leider hatte er nicht wie erwartet 15 Platten, sondern 15m² (was gut 65 Platten sind) geborgen, die ihm nun stark im Weg standen und das Wohnmobil, das durch die Technik schon gut gefüllt war, restlos füllen sollten.

Als Drehort diente das Stasi-Museum im Gebäudekomplex der ehemaligen Zentrale des MfS in Berlin-Lichtenberg. Ein Parkplatz auf dem Gelände wurde bereitgestellt. Neben dem Transport der Technik sollte das Wohnmobil auch als Behausung während der Drehtage dienen. Bevor die Technik entladen werden konnte, mussten erst einmal die Fußbodenplatten entladen werden, deren Gewicht die Filmleute recht erstaunte.


Filmfahrzeuge im Hof der MfS-Zentrale

Der Weg im Stasimuseum war gut ausgeschildert

Robotron-Geräte sind keine Leichtgewichte.

Der Freitag diente nur der Orientierung und der Aufbauplanung, welches Gerät in welcher Szene wo stehen sollte und wie der Ablauf generell aussehen sollte. Auch diese vorbereitenden Arbeiten zogen sich bis in den frühen Abend hin.


Samstag, 13. September, Drehtag 22

Filmhandlung

In der Zentrale des Ministeriums für Staatssicherheit in Berlin soll eine vom Spion Moritz in der BRD besorgte Diskette mit einem geheimen NATO-Plan entschlüsselt werden. Die Diskette gehört zu einem amerikanischen IBM-Microcomputer, der aber wegen der Embargoverschärfungen nicht in die DDR geholt werden kann. Zuerst versuchen die Stasi-Mitarbeiter, die 5,25" Diskette in einem robotron Bürocomputer mit 8"-Diskettenlaufwerken einzulegen, was verständlicherweise nicht passt. In der nächsten Szene sind mehrere Techniker damit beschäftigt, den Robotron-Computer auf 5,25"-Diskettenlaufwerke umzubauen, was im Film aber nicht von Erfolg gekrönt sein soll. Daraufhin entscheidet man sich, von der TU Dresden einen IBM-PC zu leihen, der die Diskette letztlich lesen kann. Als der IBM-PC endlich da ist und die Diskette eingelegt ist, verfliegt schnell die Euphorie, da nur Zahlenkolonnen zu sehen sind, denn der Inhalt der Diskette ist kodiert.


Gesamtaufbau mit Lochbandgeräten, Drucker, IBM und Nema

Im Vordergrund die "Nema", im Hintergrund der Funkraum

Kameramann, Beleuchter und Robotrontechniker in Aktion

Kamerafahrt über den zerlegten A5120

In der nächsten Szene stehen fast alle mitgebrachten Geräte nebeneinander auf einem langen Tisch. Im IBM portable wird die NATO-Diskette gelesen, vorgeblich über die (in Wirklichkeit nicht angeschlossene) Chiffriermaschine "NEMA" entschlüsselt und mittels Lochbandstanzer daro 1215 (der in Wirklichkeit am A5120 hängt) auf Lochband ausgegeben. Auf der linken Seite des Tisches wird das Lochband vom Lochbandleser daro 1210 gelesen und gleichzeitig (von einem weiteren A5120 außerhalb des Bildes) auf dem Drucker SD1152 der Klartext des NATO-Berichtes gedruckt.
Schreibmaschine und Fernschreiber sind samt weiterer Technik durch eine Glasscheibe im Nachbarraum zu sehen, tragen aber nicht zur Handlung bei.


Für gutes Licht war gesorgt

Fernschreiber, Schreibmaschine und Funktechnik

Nochmal das Geräte-Ensemble im Funkraum

Die einzelnen kurzen Sequenzen wurden mehrmals und aus unterschiedlichen Blickwinkeln gedreht. Teilweise mit zwei Kameras simultan, was die Stellen im Raum, in denen man sich und zusätzliche Technik "unsichtbar machen" konnte, stark reduzierte. Aufgrund der Technik, der Beleuchtung und der vielen Personen im Raum stieg die Temperatur bald auf über 30°C und wurde die Luft auch mit allerlei Feuchtigkeit und Dünsten angereichert, was im Laufe des Nachmittags zweimal zum Anspringen der Rauchmelder führte. Diese sorgten wiederum für ein Abschalten der Stromversorgung und zum Auslösen der Rauchgassperren in den Fluren. Glücklicherweise war der Haustechniker schnell zugegen und konnte die Technik zurücksetzen, so dass es weitergehen konnte. Gegen 17:00 war alles soweit im Kasten und wir konnten wieder etwas Ordnung schaffen.

Resümee dieses Tages:



Sonntag, 14. September, Drehtag 23

An diesem Tag kam unsere Technik nicht zum Einsatz. Da wir aber am Montag noch gebraucht wurden, blieb unser Kollege vor Ort und half manchmal beim Transport bzw. kleineren technischen Problemen. Abends wurde das Berliner Nachtleben analysiert.

Montag, 15. September, Drehtag 24

Da das Handy mangels Ladegerät nicht mehr geladen werden konnte, fiel der Wecker weg. Der Versuch, das Notebook mit einem kleinen C-Programm zum Wecker zu machen, endete mit einem lauten Piepen gegen halb 6 statt um 7. Zumindest waren wir damit unter den ersten am Set. Heute wurde noch einmal im "Technikraum" gedreht.

Filmhandlung

Es ging darum, dass der Stasi-Offizier Walter Schweppenstette den dekodierten NATO-Bericht, aus dessen letzten Abschnitt offensichtlich hervorging, dass die ganze Operation nur ein Manöver des Westens war und kein echter Angriff, mutwillig so manipuliert, dass er sich als klarer Angriffsplan auf den Ostblock liest. Sein russischer Kollege Alexej Stepanov setzt daraufhin umgehend Moskau in Alarmbereitschaft und die ganze Sache steht kurz vor dem Überkochen. In späteren Szenen findet sein Kollege Markus Fuchs allerdings eine vollständige Version des Berichtes und bereitet damit den Weg zur Entspannung der Lage.


Umgestellter A5120 als zweiter Arbeitsplatz

Blick aus dem Funkraum

Vor den Dreharbeiten konnte unser zwischenzeitlich ausgestiegener Lochbandleser daro 1210 wieder repariert werden, sodass Stasi-Mitarbeiter Fritz Habermann in der Szene dieses Gerät einschalten und ein Lochband einlesen lassen konnte.

Gegen 16:00 waren wir an diesem Tag fertig und die Technik konnte abgebaut und im Fahrzeug verstaut werden. Es fielen keine weiteren Komponenten aus.

Die Rückfahrt zog sich etwas aufgrund von Staus und gegen 22:00 endete die Fahrt in Halle.


Zweiter Besuch in Berlin

Mitte November 2014 wurden wir wieder gebraucht: An einem anderen Drehort in Berlin sollten weitere Szenen gedreht werden, bei denen DDR-Rechentechnik zum Einsatz kommen sollte. Die Szenen spielten in einem Abhörraum der Auslandsaufklärung der Stasi. Außer der Vorbereitung zweier Texte sowie der Prüfung der Hardware auf Zuverlässigkeit gab es keine Vorbereitungsarbeiten.


Ging mit auf Reise: K8924-Arbeitsplatz

Unser Gepäck (das schon eine Woche zuvor von der Filmproduktionsfirma in Halle abgeholt wurde): Am Abend des 18. November ging die Reise wieder nach Berlin. Aufgrund hohen Verkehrsaufkommens verzögerte sich das aber so, dass der Vorabaufbau an diesem Abend nicht mehr stattfinden konnte und so auf den kommenden Morgen verschoben wurde.

19. November, 60. Drehtag

Wir waren kurz nach halb 8 am Set und damit unter den Allerersten. Dafür bekamen wir einen schönen Parkplatz - was wenige hundert Meter vom Brandenburger Tor entfernt nicht selbstverständlich ist. Es folgte die erste Info: Der Drehbeginn wird um 1,5h nach hinten verschoben, da es am Vortag etwas spät geworden war. Das gab genug Zeit, die Technik aufzubauen, zu testen und den interessanten Gebäudekomplex zu besichtigen, in dem gedreht wurde: das ehemalige Ministerium des Inneren der DDR - ein Komplex aus vier riesigen, miteinander verbundenen Gebäuden.


Gebäude des MdI

Innenhof

Für die Dreharbeiten historisch eingerichtetes Zimmer



Der große Auftritt des Fehlerteufels

Der Aufbau der Technik lief ganz gut, die Kabel wurden "unsichtbar" unter den Tisch geklebt. Beim Einschalten des Computers K8924 aber dann die Überraschung: er mochte plötzlich nicht mehr booten. Es erschien nur die Meldung "robotron loader" auf dem Bildschirm, kurzer Diskettenzugriff und dann Stille. Versuche mit anderen Disketten, anderen Laufwerken und der zweiten Tastatur ergaben exakt das gleiche Ergebnis. OK, keine Panik: Für diesen Fall haben wir ja Redundanz!

Also wurde das zweite K8924 hereingeschleppt, angeschlossen und ... er zeigte das gleiche Verhalten. Jetzt wurde die Sache unangenehm.

Aufgrund der Verkabelung waren die vorderen Klappen der Rechner sowieso offen, also versuchten wir als nächstes, durch gezieltes Kartentauschen einen Rechner wieder zur Zusammenarbeit zu bewegen. Das führte zwar zu kaputten Fingerkuppen, aber nicht zu einer technischen Verbesserung der Situation.

Also auch die rückseitige Klappen abmontieren und die Interruptketten prüfen. Auch nach einer halben Stunde zeigte sich immer noch keine Verbesserung. Verkomplizierend kam hinzu, dass beide (zuvor getesteten) Rechner leicht unterschiedliche Kartensätze haben.


Hilfreich bei der Arbeit: die K1520-Belegung bei sich zu haben

Nun sollte der ebenfalls mitgenommene Ersatzkartensatz zum Einsatz kommen: Nach erneuter Steck-Orgie und weiter verstrichener Zeit auch hier das Ergebnis: Keiner der mitgebrachten Rechner wollte arbeiten. Das würde bedeuten, dass wir nicht nur einen leeren Bildschirm haben würden, sondern auch, dass wir nicht drucken würden können - einer der Szenenschwerpunkte. Das wäre echt Mist! Derweil traf die Nachricht von der Aufnahmeleitung ein, dass man mit dem Vormotiv in circa einer halben Stunde wäre fertig wäre. Trotz der kühlen 8°C im Gebäude brach nun der Schweiß aus.

Rettung in letzter Minute

Zufällig hatten wir für diesen Berlin-Aufenthalt auch eine Abholung beim Technikmuseum Berlin geplant. Man hatte uns dort die Übernahme diverser Überhangtechnik angeboten, darunter diverse K1520-Platinen, aus denen ja auch der Computer K8924 aufgebaut ist. Kurzfristig wurde die Abholung vom Nachmittag auf den Vormittag umverlegt, rein ins Auto und hin. Nach einer knappen Dreiviertelstunde wieder zurück am Set. Trotz des Tauschs der Leiterplatten FDC, ZVE und OPS wollte sich nichts ändern. Auch eilige telefonische Fachgespräche brachten nicht die Lösung, doch der Verdacht richtete sich zunehmend auf die RAM-Karten.

Nach ein paar Bauteilausrichtungen (verbogene Widerstände) zeigten sich dann endlich die ersehnte Betriebssystemausschrift und der Prompt. Jubel! Aber nur recht kurz. Beim Start eines beliebigen Programms erschienen Hieroglyphen auf dem Bildschirm und der Rechner fror ein bzw. landete wieder auf dem Prompt. Vergleiche mit anderen OPS-Karten ergab, dass die Mikroschalter auf der RAM-Karte falsch standen. Damit war das Problem endlich gelöst und die Uhr zeigte mittlerweile Mittags halb eins.
Fazit: von vier verfügbaren RAM-Karten waren drei auf unerklärliche Weise kaputt gegangen, nur eine funktionierte noch.

Die Dreharbeiten an einem anderen Motiv waren aber zu diesem Zeitpunkt noch immer in vollem Gange.

Der Aufbau

Gedreht wurde in einem ehemaligen kleinen Kinosaal, in dessen hinteren Teil sich ein Dutzend Abhörkabinen befanden. An den Wänden standen Magnetbandmaschinen und Funkempfänger aus alten MFS-Beständen. In der Raummitte wurde der Arbeitsplatz der Abhörspezialistin aufgebaut. Dieser bestand aus folgender Technik: Davor stand ein Konferenztisch und eine große Wandtafel mit einer Karte von Europa.


Der Arbeitsplatz der Abhörspezialistin

Nochmal das Geräteensemble

Die Vorbereitungen durch das Filmteam begannen gegen 17:00 Uhr mit dem Aufstellen zweier 16kW-Elektroheizer, da die Schauspieler teilweise recht dünne Sachen trugen und die Temperatur gefühlt weiter gefallen war. Die Zeit nutzen wir, um den Gebäudekomplex auf technische Zeitzeugnisse zu untersuchen. Bis auf den Steckverbinder eines Halbzoll-Bandlaufwerkes fand sich an DDR-Rechentechnik rein garnichts: Die (offensichtlich teilweise seit 20 Jahren) unbenutzten Gebäude waren leider besenrein. Die Struktur der Gebäude machte das Finden von Wegen nicht gerade einfach.


Komplizierte Angelegenheit: Der Grundriss von Haus 3

Glasfassade

Schöne Architektur im Eingangsbereich

Treppenhaus

Verlassener Kinosaal für 560 Personen in Haus 1

Zimmerdecke

Eine Tür führte aufs Dach.

Ausblick von oben

Dicke Tresortüren im Keller

Dreharbeiten

Es wurden hintereinander mehrere Szenen, die teilweise miteinander nur bedingt zu tun hatten, gedreht. Oft liefen der Rechner und das Oszilloskop (gespeist vom Signalgenerator unter dem Tisch) als Hintergrund-Dekoration bzw. die Abhörspezialistin tippte etwas und lauschte dem Empfänger über Kopfhörer.

Später wurden die zwei Texte gedruckt. Die Ausdrucke wurden teilweise aus 10 cm Entfernung mit der Kamera verfolgt und das Papier von einem der Schauspieler abgerissen. Um die Szene besser zu gestalten, passten wir die Ausgabezeit der einzelnen Zeilen auf dem Bildschirm sowie den Vorschub am Ende des Textes an. Eine Drehszene musste wiederholt werden, weil der Drucker (trotz knapp 5 Stunden erfolgreichem Dauerlauf) mal wieder mal aussetzte und den Rechner einfror. Das Problem wurde kurzfristig durch Neustart und Neuanpassung des Programms behoben. Alle Geräte hielten dann bis zum Drehschluss um 23:40 durch.


Alles noch ins rechte Licht setzen...

Die Abhörspezialistin bei der Arbeit: der große Lauschangriff

7 Minuten Drehpause zwecks Umbau

Der Abbau der Geräte war unspektakulär, ebenso die Heimfahrt, die 02:10 nachts in Halle endete.

Resümee der Dreharbeiten

Trotz aufwendiger Vorbereitung und Tests kann man nie sicher sein, dass die teilweise über 30 Jahre alte Technik stabil funktioniert und nicht doch etwas kaputt geht oder die Raumsicherung killt. Durch gute Vorbereitung und Redundanz vor Ort konnten die Auswirkungen von Fehlern verringert und das Gesamtziel erreicht werden. Das Mitwirken bei den Dreharbeiten hat sehr viel Spaß gemacht und war sehr interessant. Das Team war durchweg sehr freundlich und hilfsbereit. Spontane Änderungswünsche gehören nunmal dazu! Wir haben uns auf jeden Fall gefreut, dass wir als "Experten" zu diesem Themenbereich hinzugezogen wurden und helfen konnten.

Die Erstausstrahlung des Films ist für 2015 geplant


Mitwirkende

Unser Dank geht an:

Links

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UFA Filmankündigung für Deutschland!



Letzte Änderung dieser Seite: 19.01.2017Herkunft: www.robotrontechnik.de