Rechnersystem ZFK 4944

(Alias MPS4944, MPS 4944, MPS-4944, ZFK4944, ZFK-4944, MRS4944, MRS 4944, MRS-4944)

Das Zentralinstitut für Kernforschung in Rossendorf entwickelte mit der Akademie der Wissenschaften Ende der 1970er Jahre dieses Computersystem primär für Anwendung im eigenen Haus, also für nukleare Forschung. Es tauchte aber auch in ganz anderen Anwendungsgebieten auf, beispielsweise bei der ozeanographischen Vermessung des Meeresgrundes.


Phantombild einer kompletten 4944-Anlage

Das einzige originale Fotos eines 4944-Rechners

Ein fester Anwendungsfall für die 4944-Rechner war nicht vorgegeben, so waren grundsätzlich Anwendungen möglich als

4944-Rechner, konfiguriert als Bürocomputer

4944-Rechner, konfiguriert als Messcomputer


Hardware

Mechanisch bestand der Rechner aus einer Sloteinheit (Passend in EGS-Gehäuse oder -Schränke), in die gleichgroße Leiterplatten mittels zweier Busstecker (EFS58) eingesteckt wurden, wobei die Abdeckbleche der Leiterplatten die Gerätefront bildeten, in die sich auch die Netzteilmodule und die Diskettenlaufwerke (FLM 4944-275) einreihten. Die Tastatur (wahrscheinlich eine 4944-123/136) und der Bildschirm (wahrscheinlich TV 4944-105/105) waren externe Baugruppen.

Die Leiterplattengröße war mit der des K1520-Systems identisch, allerdings waren die Bussignale anders belegt. Es ist denkbar, dass das ZFK dabei Kompatibilität mit einem westlichen Bussystem gewahrt hat, dies ließ sich allerdings noch nicht beweisen. Vor den Leiterplatten war einiger Platz reserviert, auf dem Umverdrahtungen in Richtung der griffseitigen Stecker vorgenommen werden konnten. In das System konnten auch K1520-Karten eingegliedert werden, wenn zwischen Busstecker der Karte und der Sloteinheit ein Adapter eingefügt wurde.


4944-Prozessorkarte

4944-ROM-Karte

Adaptierte K1520-Karte (RAF512)

Als Prozessor kam neben dem U880 auch der Intel 8080 zum Einsatz. Über Busverstärker konnten weitere 4944-Sloteinheiten angeschlossen werden. Außerdem gab es einen Umsetzer auf den in der westlichen Welt üblichen CAMAC-Standard.


Software

Die ersten Programme für das 4944-System wurden über einen Cross-Assembler bzw. einen PL/M-Compiler auf den Rechneranlagen R4200, R4201, EC1022 oder EC1040 erstellt. Später gab es eine Entwicklungsumgebung (Makroassembler) BEWS80, die direkt auf dem 4944-Rechner lief.

Als Betriebssystem standen der "Standardmonitor SM80", der "Standardmonitor SM80-S", der "CAMAC-Monitor CM80" und der "Prozessmonitor PM80" zur Verfügung.


Verbleib

Leider hat bis heute kein komplettes System mehr überlebt, daher sind Platinenbestückungen und benutzte Peripherie spekulativ. Anhand der Anzahl der noch existierenden Komponenten und der Anzahl der Erwähnungen ist zu vermuten, dass das 4944-System gegenüber allen anderen ZFK-Rechnern das erfolgreichste und variabelste System war.

Heute existieren noch (verstreut über das Land) einige Steckkarten, ein Gerätegehäuse mit Sloteinheit, eine Tastatur und ein Bildschirm. Software für diesen Rechner scheint heute nicht mehr zu existieren, damit rückt heute eine originale Nutzung der noch vorhandenen Baugruppen leider in weite Ferne.

Wer hat Unterlagen, Software oder Baugruppen zum 4944-Rechnersystem?



Letzte Änderung dieser Seite: 29.11.2016Herkunft: www.robotrontechnik.de