Programmentwicklungs-Arbeitsplatz

Zur Entwicklung von Programmen (besonders von Programmen auf Systemebene) wurden entweder Spezial-Rechner (z.B. MRES, PRG-Serie, Mansfeld MPC) benutzt oder es wurden herkömmliche Rechner mit zusätzlichen Geräten ausgerüstet.


Entwicklungsrechner MRES

Die Programmentwicklung in Hochsprachen (z.B. REDABAS) konnte auch auf einem herkömmlichen Rechner ohne Hardware-Änderungen durchgeführt werden. Bei systemnaher Programmierung dagegen war ein hardwareseitiger Ausbau des Entwicklungsrechners unverzichtbar.


Programmeingabe

Die Entwicklungsrechner mussten in erster Linie softwareseitig eine Programmierumgebung liefern. Im einfachsten Fall bestand diese aus einem Hex-Editor zur direkten Eingabe in Maschinensprache. Um die schwer lesbaren Maschinensprache-Kommandos zu vereinfachen, nutzte man nach Möglichkeit ein Assembler-Programm, der die Befehlscodes in einer leichter lesbaren Mnemonik darstellte.
Typische Vertreter dieser Art waren der Programmierarbeitsplatz PAPL auf Basis des Rechners PBT4000 sowie der MC80.


HEX-Anzeige im PAPL-Rechner

Eine Einschränkung eines solchen Systems lag darin, dass es nur möglich war, Programme zu entwickeln, die später mit demselben Prozessor laufen, wie der im Entwicklungsrechner. Aus Kostengründen konnten sich die Softwareentwickler aber nicht für jedes Projekt einen Rechner mit entsprechendem Prozessor zulegen. Daher ging man zur Nutzung von Cross-Assemblern über, die Binärcode für fremde Prozessoren generierten. Besonders unter dem Betriebssystem UDOS wurden diese Crossassembler eingesetzt (Codeerzeugung für Einchipmikrorechner, U8001-Prozessoren).

Auf allerniedrigster Ebene konnte man Programmcode auch mit einer Bedieneinheit eingeben. Wegen der mühsamen Eingabe und der schlechten Lesbarkeit wurde dies aber nur dann gemacht, wenn für den betreffenden Rechner noch kein Betriebssystem existierte.


Programmtestung

Nach der Programmierung kam der Schritt der Programmtestung (Debugging). Um Fehlfunktionen in einem Programm zu finden, war es vielfach notwendig, Programme im Einzelschritt-Modus auszuführen und das Verhalten des Rechners dabei zu beobachten. Im einfachen Fall wurde dies hardwareseitig mit Hilfe einer Bedieneinheit auf dem Entwicklungsrechner gemacht.


Entwicklungsrechner PAPL
mit Bedieneinheit, Lochband, EPROMer

Entwicklungsrechner PAPL mit Bedieneinheit


Noch weiter ging man bei der In-Circuit-Emulation. Dabei wurde im Produktiv-Rechner der Prozessor entfernt und dessen Fassung durch ein Kabel mit dem Entwicklungsrechner verbunden. Der Entwicklungsrechner simulierte dabei die Funktion des Produktiv-Prozessors und protokollierte dessen Verhalten. Typische Rechner dieser Klasse waren der MRES sowie der P8000-Rechner.


Programm-Speicherung

Im letzten Schritt musste die erstellte Software auf dem passenden Datenträger untergebracht werden. Entweder benutzte man dafür einen Konvertierrechner oder der Entwicklungsrechner wurde direkt mit der notwendigen Peripherie ausgerüstet. Typische Datenträger zur Programmablage waren:


Entwicklungsrechner MRES
mit Lochband, Magnetkassette und Diskettenlaufwerk

Natürlich gehörte auch zu jedem Programmierarbeitsplatz ein Drucker, da (besonders in der Frühzeit der EDV) eine Druckerausgabe übersichtlicher war als eine Bildschirmausgabe und mit ihr auch ohne Nutzung des teuren Rechners Programmänderungs-Entwürfe hergestellt werden konnten.



Letzte Änderung dieser Seite: 29.11.2016Herkunft: www.robotrontechnik.de