Bildspeichersystem BSP-12

(Alias BSP 12, BSP-12, LWE12, LWE-12)

Es handelt sich um ein Bildübertragungssystem eines unbekannten DDR-Herstellers, das ab 1988 bei der Deutschen Reichsbahn sowie im geheimdienstlichen Umfeld (Ministerium für Staatssicherheit) eingesetzt wurde. Das BSP12 war in der Lage, Einzelbilder, die von einer Videoquelle (in der Regel eine Videokamera) geliefert wurden, zu digitalisieren, mit einem Text zu versehen, zuzuschneiden, auf Audio-Magnetkassette zu speichern und zu laden sowie per Funkverbindung oder Telefonleitung auf eine andere gleichartige Anlage zu übertragen.


Kompletter Arbeitsplatz

Zentraleinheit LWE12

Herz der Anlage war die rechnergesteuerte Verarbeitungseinheit LWE12. An sie wurden die Kamera, ein Bildschirm (meist ein FB2010), eine KC85-Tastatur, das Magnetkassettengerät (meist ein CAW-AW) und das Modem (VM2400 oder LWE131) angeschlossen. Gespeist wurde es entweder aus dem Lichtnetz oder per 12V-Anschluss.
Das Gehäuse wurde vom Kleincomputer K85/3 übernommen, was nahelegt, dass das BSP12 bei MME gefertigt wurde. An Bedienelementen hatte die LWE12 lediglich einen Reset-Taster an der Vorderseite und den Netzschalter an der Rückseite. Die übrige Bedienung wurde mit der Tastatur vorgenommen.
Nach dem Einschalten prüfte die LWE12 zunächst ihren Speicher, meldete Speicherfehler ggf. akustisch oder per Bildschirmmeldung und stellte im Erfolgsfall das von der Kamera kommende Videobild auf dem Bildschirm dar. Die Programme wurden dann per Funktionstasten ausgelöst:

TasteBedeutung
F1Digitalisieren
F2Senden
F3Empfangen
F4Textbearbeitung
F6Umschalten des Bildschirms zwischen gespeichertem Bild und Kamera
F7Löschen
F8Speichern auf Magnetkassette
F9Laden von Magnetkassette

Inwendig bestand das Gerät aus zwei Leiterplatten. Es basierte auf dem Einchipmikrorechner UB8840 und war mit 4 KByte Arbeitsspeicher sowie 256 KByte Videospeicher ausgestattet. Das Betriebssystem befand sich auf zwei EPROMs U2732. Die Bildspeicherung erfolgte mit einer Auflösung von 416x576 Punkten (Fernsehnorm) mit 64 Graustufen. Farbaufnahmen waren zur damaligen Zeit nur mit Studiogeräten möglich, für diese Anlage also irrelevant.


Rechner-Leiterplatte

Bildspeicher- und Digitalisier-Leiterplatte

Die Fernübertragung der Daten erfolgte mit einer Geschwindigkeit von 1200 Bd oder 2400 Bd. Mit einem Modem VM2400 (betrieben im Synchronmodus) konnten die Daten über die Telefonleitungen der Post übertragen werden (2400 Bd). Für Nutzung von Sonderleitungen (Trägerfrequenzsysteme) oder für Funkverbindung (mit dem Funksystem U500) stand das Modem LWE131 (1200 Bd) zur Verfügung. Um die Übertragungszeit zu verringern, konnte das Bild auch komprimiert (ca. 1:3) übertragen werden. Wurden nur Bildausschnitte übertragen, verkürzte sich die Übertragungszeit weiter. Trotzdem blieb die Übertragung langsam: 24 Minuten für ein unkomprimiertes Vollbild bei 1200 Baud, 8 Minuten für ein komprimiertes Vollbild. Wie in der DDR üblich, wurde die Anwahl des Telefonpartners nicht vom Modem durchgeführt, sondern war manuell über ein zusätzlich angeschlossenes Telefon zu machen, über das die Übertragungspartner natürlich auch sprechen konnten.

Die Aufzeichnung auf Kassettenrecorder erfolgte wahlweise mit einer Geschwindigkeit von 1200 Bd, 2400 Bd oder 4800 Bd, was zu Aufzeichnungszeiten von minimal zwei Minuten für ein komprimiertes Vollbild und sieben Minuten für ein unkomprimiertes Vollbild führte.
Nutzbar waren alle qualitativ hochwertigen Audiokassettensysteme. Bevorzugt wurde das Gerät CAW-AW, dessen Aufzeichnungsstart vom LWE12 fernsteuert werden konnte. Auf welche Art die Bilder auf den Magnetkassetten außerhalb des BSP12 weiterverarbeitet wurden, ließ sich bisher nicht ermitteln.

Heute sind noch 2 Exemplare dieser seltenen Anlage bekannt.



Letzte Änderung dieser Seite: 29.11.2016Herkunft: www.robotrontechnik.de