Auferstanden aus Ruinen - die fast unmögliche Rettung eines Spielautomaten.

Die DDR-Spielautomaten Polyplay sind uns zwar seit vielen Jahren bekannt, aber bislang hatte keiner den Weg in unser Museum gefunden. Das lag daran, dass die Geräte selten sind, nur sehr selten angeboten werden und dann auch meist unerhört teuer sind. Schön wäre es trotzdem, so ein Gerät zu besitzen! Und irgendwann sollte uns der Zufall helfen...


Mit einem Foto dieses Gehäuseteils begann alles.

Es begann mit der zufälligen Entdeckung eines Fotos im Internet, das die auf dem Fußboden liegende Gehäuseblende eines DDR-Spielautomaten mit dem charakteristischen Schriftzug zeigte, aufgenommen von einem unbekannten Ruinenfotografen. Mehr vom Gerät war nicht zu sehen, aber es reichte, um unser Interesse zu wecken. Der Standort war bald ermittelt und ein erster Besuch dort konnte erfolgen.

Bergung

Das Bild, das sich vorort bot, war erschütternd: Das Gebäude war seit 20 Jahren aufgegeben, Türen und Fenster fehlten, Wasser tropfte von der Decke, in den Zimmern wuchsen Moose und Farne. Der Wandputz war herabgefallen und bildete eine matschige, stellenweise knöcheltiefe Schicht auf dem Fußboden. Überall lagen Haufen mit den zertrümmerten Überresten des Mobiliars. An den Wänden wucherte der Schimmelpilz, die Luft schmeckte nach Fäulnis.

Besagte Polyplay-Bedienblende lag tatsächlich noch dort, aber ansonsten fanden wir vom Polyplay zunächst nur das leere Holzgehäuse: zwar angefault, aber zumindest noch als solches zu erkennen. Beim Graben im Schutt auf dem Fußboden kamen weitere Teile des Spielautomaten zum Vorschein, u.a. die Bedienkonsole und der Münzprüfer. Die Teile waren, obwohl ehemals vernickelt, durch lange Wassereinwirkung verrostet. Unter einem Stapel verquollener Möbelbretter lugte das metallene Grundgestell des Spielautomaten mit dem Bildschirm heraus, dessen Gehäuse bereits stellenweise zerfallen und dessen Bildröhre eingeschlagen war. Der eigentliche Rechner war hingegen nicht mehr zu finden.


Biologischer Fußboden (eins der Zimmer).

Schuttlandschaft Zimmerfußboden

Keine Technik mehr drin: Das Innere des Polyplay-Schrankes

Diese Komponente gehörte zum Spielautomat.

Wir haben zwar schon häufig Rechentechnik in schlechtem Zustand geborgen und trotzdem wieder restauriert, dieser Spielautomat stellte aber auch für uns zunächst einen Totalschaden dar. So war zunächst nicht sicher, ob es sich lohnt, überhaupt irgendwas mitzunehmen. Nach einigem Zaudern fiel doch die Entscheidung, Teile zu bergen, um sie vielleicht als Ersatzteile für einen eventuellen späteren Polyplay nutzen zu können. Erschwerend war, dass wir zu diesem Zeitpunkt nicht wussten, welche der über die Räume verstreuten Gerümpelteile überhaupt zum Spielautomaten gehören. So wanderten erst mal alle Sachen, die potentiell in so ein Gerät gehören konnten, in einen Wäschekorb und bildeten zusammen mit dem verrotteten Bildschirm die erste Abtransportfuhre.


Die geborgenen Trümmer des Polyplay

Die nächsten Tage nutzten wir, um uns anhand von Fotos anderer Polyplay-Spielautomaten über die Bedeutung der geborgenen Teile und das Aussehen der fehlenden Komponenten weiterzubilden. Kontakte zu weiteren Polyplay-Besitzern wurden geknüpft, wobei sich herausstellte, dass viele Besitzer kompatibler Spielautomaten sich leider inzwischen von diesen Geräten getrennt haben, ohne die neuen Standorte zu kennen.

Bei der zweiten Transportfuhre holten wir dann das Holzgehäuse ab. Anhand der nun bekannten Maße konnten wir einige lose herumliegende Möbelbretter ebenfalls dem Spielautomat zuordnen, wobei einige in so schlechtem Zustand waren, dass wir sie doch zurückließen oder allenfalls zur Abnahme der Maße nutzten. Das Holzgehäuse des Polyplay besteht aus furnierten Pressspanplatten, von denen einige durch Wassereinwirkung und Fäulnis den größten Teil ihres Gewichts verloren hatten: man konnte sie mit den Händen biegen wie Styropor und mit dem Daumen Dellen hinein drücken.
Es zeigte sich auch, dass dort früher mindestens noch ein weiterer Polyplay gestanden hatte, vom dem aber nur noch kleine Fragmente übrig waren.

Ein dritter Besuch brachte kaum noch neues Material zum Vorschein, aber immerhin entdeckten wir nach der Abtragung der Schuttschicht in einem Raum ganz unten eine der vermissten ROM-Leiterplatten des Polyplay. Ihr Zustand war aber so schlecht, dass wir später zwar noch mit viel Mühe den Inhalt der ROMs für Dokumentationszwecke auslasen, die Karte aber nicht wieder verwendeten. Die übrigen Leiterplatten sind bis heute verschollen.


Kein Artefakt vom Meeresgrund, sondern eine der ROM-Karten



Beginn der Restaurierung

Zunächst überprüften wir die Vollzähligkeit der geborgenen Teilen und vernichteten den Schimmelpilz durch chemische Behandlungen. Wir stellten fest, dass das Gerät dereinst ein Polyplay ESC2, Bauform 3 war und dass wir nahezu alle mechanischen Teile, die zum Aufbau eines Spielautomaten notwendig sind, beisammen hatten. Elektronikkomponenten, Beleuchtung und Stecker fehlten hingegen völlig, ebenso die meisten Kabel. Da hatte die Buntmetallmafia im Vorfeld leider ganze Arbeit geleistet und anscheinend alles, was sie für wertvoll hielten, beim Schrotthändler zu Geld gemacht. Viel Geld wird es aber nicht gewesen sein und garantiert weniger, als wir für ihre Nachfertigung brauchen würden...

Die Spielautomaten-Komponenten in ihrem misshandelten Zustand im Museum herumliegen zu sehen, war deprimierend. Zunächst ging der Plan dahin, nur die äußerliche Unansehnlichkeit des Schrankes zu reduzieren: das Gehäuse wurde in vielen Schritten wieder gereinigt und gepflegt. Allmählich entwickelte sich die Idee, die quasi unmögliche Restaurierung dieses Geräts zu wagen und das reizte. Und so dauerte es nicht lange, bis daraus ein Restaurierungsprojekt mit beeindruckender Dynamik entstand. Die Strategie war, so viel wie möglich Originalteile zu verwenden und nur notfalls fremde Teile einzubauen. Damit würden die Spuren der Vergangenheit erhalten bleiben, aber das Gerät könnte trotzdem wieder funktionieren. Schaltungsunterlagen besaßen wir nicht, Erfahrungen mit dieser Geräteart besaßen wir noch nicht, es musste also zunächst ohne beides gehen.


Entrostungsarbeiten (im unteren Teil begonnen)

Die ersten inneren Restaurierungsarbeiten betrafen die Entrostung der vernickelten Stahlteile. Ganz vorsichtig wurde mit der feinsten Elektrodrahtbürste Bauteil um Bauteil vom Rost befreit, wobei sich zeigte, dass die Nickelschicht unter dem Rost noch an vielen Stellen erhalten war. Als großes Problem stellten sich hingegen die Schrauben heraus, die meist so festgerostet waren, dass bei ihrer Lösung die Schraubenköpfe abbrachen und die Stümpfe mit dem Gewinde in den Teilen stecken blieben. Durch viel Bürsten, Schleifen, dem Einsatz von Kriechöl und schlimmstenfalls durch Herausbohren der abgebrochenen Stümpfe zerlegten wir die Baugruppen letztendlich völlig, bereiteten jedes Teil einzeln auf und bauten sie (teilweise unter Nutzung neuer Schrauben) wieder zusammen. Zum Schluss versiegelten wir die Oberflächen mit einer Schicht Wachs oder farblosem Sprühlack vor erneuter Korrosion.


Das Gestell im ursprünglichen Zustand

Das restaurierte Gestell, einige Wochen später

Mit diesen Arbeiten vergingen mehrere Monate: allein die Entrostung des verwinkelten Grundgestells dauerte 5 Wochenenden. Bei diesem konnte unter dem Rost aber sogar die originale schwarze Farbe wieder behutsam freigelegt werden, die wir im Anschluss mit Klarlackspray versiegelten.

Holzgehäuse

Das Holzgehäuse stellten wir von Anfang an auf ein Rollbrett, damit das künftige 2-Zentner-Gerät eine gewisse Mobilität im Raum bekommt. Die unteren Bereiche des Gehäuses hatten jahrelang im feuchten Schutt gestanden und dadurch ihre Festigkeit verloren. Durch Einsatz von Leim und überlangen Schrauben wurden die Schrankfüße und das obere Rückwandbrett aber schließlich doch wieder fest.

Rückwandbrett und Frontplatte unseres Polyplay stammen (erkennbar durch ihre abweichende Farbe) vom ehemaligen Schwestergerät. Mit vielfachem Holzbeizen haben wir die Frontplatte letztendlich farblich dem Rest des Gehäuses angepasst und ihre Oberfläche repariert. Die beiden originalen Bretter hatten wir aufgrund des schlechten Zustandes nicht geborgen.

Von der originalen Bedienkonsole war nur noch das obere Brett verwendbar, die anderen Teile sägten wir aus den Brettern eines ehemaligen Schreibtisches passend, wobei wir anfangs Rückschläge erlebten, weil das Furnier beim Sägen gern splitterte.


Leimen der neuen Bedienkonsole

Bildschirmblende im ursprünglichen Zustand

Sieht schon besser aus: die restaurierte Bildschirmblende

Manche Teile des Schrankes sind durch Klavierband-Scharniere beweglich verbunden. Einige Scharniere mussten wir ersetzen, weil vom Rost zerstört, andere konnten wir wieder halbwegs blank bürsten und gangbar machen. Die Beschläge der Klappen mussten wir auch teilweise ersetzen, auch bei ihnen hatten Rost sowie die rohe Gewalt einiger Zeitgenossen schwere Schäden bewirkt. Zum Glück gibt es noch nahezu baugleiche Beschläge zu kaufen. Mit Möbelpflege- und Reparatursubstanzen gelang es letztendlich auch, das Gehäuse-Furnier wieder in einen akzeptablen Zustand zu bringen.


Schrank im ursprünglichen Zustand

Der weitgehend restaurierte Schrank

Die originale Alu-Innenauskleidung (zur Störstrahlungsabschirmung) des Gerätes ist leider fast vollständig durch Verwitterung zerfallen. Mangels neuer, dicker Alu-Folie haben wir ihre Ersetzung erst einmal aufgegeben.

Von der Schrank-Rückwand war der größte Teil für eine Wiederverwendung zu sehr verrottet. Um künftig auch einen Einblick in das Geräte-Innere zu geben, werden wir aber wahrscheinlich sowieso auf eine Rückwand verzichten.

Das Dachbrett existierte leider nicht mehr. Wir haben eine Spanplatte aus dem Baumarkt, in die wir die entsprechenden Lüftungslöcher gebohrt und die wir mit Dekorfolie bezogen, an ihrer Stelle verbaut.

Das Sicherheitsschloss an der Gerätefront fehlt leider. Da wir für Vorführungen das Gerät sowieso nicht abschließen wollen, übernehmen nun zwei seitliche Magnetschließer dessen Arbeit. Der Optik wegen haben wir ein äußerlich recht ähnliches Sicherheits-Schrankschloss anstelle des originalen Tresorschlosses eingebaut.


Rechnereinheit

Die mechanischen Komponenten ließen sich noch verhältnismäßig gut restaurieren, denn sie waren wenigstens noch vorhanden und ihre Form erkennbar. Wesentlich schwieriger wurde es bei der Elektronik, denn die fehlte ja weitgehend.

Einige Komponenten des Polyplay sind Standardbaugruppen, die auch in anderen DDR-Rechnern ihren Dienst taten und damit nachbeschaffbar waren, z.B. die Netzteilmodule. Kritisch wurde es hingegen bei Baugruppen, die Polyplay-spezifisch sind: da konnten wir nur improvisieren oder auf glückliche Zufälle hoffen.

Einen originalgetreuen Ersatz für die fehlende Steckeinheit (Backplane) zu finden, war aussichtslos. Daher verbauten wir die Steckereinheit eines Bürocomputers A5120, die wir nach Änderung der Anschraubpunkte rückseitig an der Polyplay-Sloteinheit befestigten. Hier steckte der Teufel im Detail: Der Hersteller hatte im Polyplay einige Anschlüsse ungenormt verdrahtet, die normalerweise der Stromzufuhr dienten und bei unserer Steckereinheit durch Leiterzüge fest beschaltet waren. Mittels Gravurfräser durchtrennten wir ganz vorsichtig die teilweise unter den Bussteckern verborgenen Leiterzüge rund um die betreffenden Anschlüsse, was nicht ganz einfach war, ohne dabei benachbarte Anschlüsse zu beschädigen. Unser Polyplay hat nun zwei Platinenslots mehr als üblich, was auch eine künftige Speichererweiterung möglich macht.

Passende Standard-Netzteilmodule hatten wir vorrätig, aber ihre Verdrahtung war ohne fremde Hilfe zunächst nicht möglich. Nun gibt es durchaus noch einige Polyplay-Exemplare im Land, es zeigte sich aber, dass die inwendig recht unterschiedlich sind und wir letztendlich nur ein einziges baugleiches Gerät als Vorlage fanden. Hobbykollege Alex besitzt ein solches (erfreulicherweise auch funktionsfähiges) Gerät und bot seine Mitarbeit an. Er maß und dokumentierte für uns in aufwändiger Kleinarbeit die Lage sämtlicher Drähtchen und die Belegung aller Stecker auf der Rechnereinheit. Mit Wickeldorn und Lötkolben bauten wir daraufhin die Drahtstruktur in unserem Polyplay nach und schnürten sie wieder zu Kabelbäumen.


Die Überreste der Rückverdrahtung

Restaurierte Rückverdrahtung

Prozessorkarte und ROM-Karten sind Robotron-Standardbaugruppen, die sich problemlos ersetzen ließen. Die notwendigen EPROM-Inhalte waren bereits verfügbar und wir konnten sie auf neue EPROMs brennen. Schwierig wurde es mit der Nachbeschaffung der beiden Polyplay-spezifischen Leiterplatten. Hier half uns nach langer vergeblicher Suche die Spende eines befreundeten Museums, die zufällig gerade diese Leiterplatten lose in ihrem Fundus liegen hatten.


Frisch-gebrannte ROMs warten auf ihren Einbau

Das ist alles, was von der originalen Rechnereinheit übrig war.

Die restaurierte Rechnereinheit

Beim Ausprobieren unserer Rechnerkarten in einem anderen Polyplay zeigte sich, dass ROM-Karten und IO-Karten fehlerfrei arbeiteten, allerdings die ZVE-Karte defekt war. Und auch die folgenden drei ZVE-Karten waren defekt, bevor wir endlich eine Funktionierende gefunden hatten.


Die Schaltkassette im ursprünglichen Zustand

Restaurierte Schaltkassette

Die Schaltkassette des Rechners krankte zunächst an verrosteten Bauteilen, abgeschnittenen Drähten und korrodierten Schaltern, bei denen die Bedienhebel so verwittert waren, dass sich ihre Oberfläche ständig schälte. Letztendlich konnten diese Teile aber alle repariert bzw. mit Cyanacrylat stabilisiert werden.


Bildschirm

Aufwändig war die Restaurierung des Bildschirms: Die Bildröhre war nicht mehr vorhanden und das Chassis war in einem schlechten Zustand. Unser erster Plan zielte darauf hin, diese Komponenten unter Beibehaltung des alten Gehäuses zu ersetzen. Die Idee, das ausgebrochene, vom Schimmelpilz zermürbte Gehäuse mit der demolierten Bedienblende zu retten, haben wir dann doch verworfen, also lief es dann auf eine Komplettersetzung des Bildschirms hinaus.

Nun sind Colormat-Fernseher heutzutage schwerer zu beschaffen als zunächst gedacht. Nach einigen erfolglosen Versuchen spendierte uns ein Chemnitzer Hobbykollege so einen Fernseher. Unsere ersten Arbeiten bestanden darin, ihn als Fernseher wieder zum Laufen zu kriegen: Es stellte sich heraus, dass Video-Endstufe und Synchronmodul defekt waren. Außerdem platzte nach wenigen Minuten der Zeilentrafo, ein leider für diese Art Geräte sehr häufiger Fehler. Ein anderer Hobbykollege spendierte uns daraufhin einen äquivalenten Zeilentrafo, hergestellt in der Bundesrepublik in den 1990er Jahren, der den Herstellungsfehler nicht hat und dieses Problem langfristig beseitigen sollte. Mittels Videogenerator konnten wir dann nachweisen, dass der Fernseher ordentlich funktionierte.


Zu sehr beschädigt: Der ursprüngliche Bildschirm

Frisch gefrästes Bildschirmgehäuse

Wieder funktionsfähig: Der fertige Bildschirm

Der Polyplay-Bildschirm besitzt gegenüber dem normalen Colormat-Fernseher Lüftungsschlitze im Gehäuse, damit bei seinem schrägen Einbau die Luftzirkulation noch funktioniert. Also bauten wir alle Komponenten inklusive Bildröhre wieder aus und ließen in einer Holzwerkstatt originalgetreue Schlitze in das Gehäuse fräsen. Genauso hatte der Hersteller das damals auch bei der Produktion des Polyplay gemacht.

Bis dahin war uns noch nicht klar, wie viele elektrische Änderungen man machen musste, um einen Fernseher als Bildschirm betreiben zu können. Unter Zuhilfenahme der noch existierenden Originalteile und durch Hinweis von Hobbykollegen gelang es schrittweise, den Bildschirm zum Laufen zu bringen, was wir an einem Vergleichs-Polyplay irgendwann auch nachweisen konnten. Als letztes entfernten wir die für die Nutzung als Bildschirm nicht notwendigen Teile (Empfangsteile, Farbdecoder, Drähte) und schraubten die notwendigen Halteplatten außen an das Bildschirmgehäuse.


Münzprüfer

Knifflig war die Restaurierung des Münzprüfers: diese weitgehend mechanische Baugruppe sollte nicht nur originalgetreu funktionieren, sondern auch auf aktuelle Euromünzen umgestellt werden, was die Beweglichkeit aller internen Einstellmöglichkeiten voraussetzte. Die Funktionsweise dieses Münzprüfers war bisher nirgends beschrieben und so mussten wir uns das Wissen erst durch Analyse der Komponenten aneignen.


Der Münzprüfer im ursprünglichen Zustand

Der restaurierte Münzprüfer (auf der Frontblende liegend)

Letztendlich ist es gelungen, ihn so einzustellen, dass er DDR-50-Pfennig-Stücke und 1-Euro-Stücke akzeptiert, anderen Münzen aber ordnungsgemäß ablehnt.

Zunächst war die fehlende Münzkassette ein für uns unüberwindbares Problem und wir hatten uns schon mit dem Gedanken abgefunden, eine Lebkuchendose mit einem passenden Münzschlitz zu versehen und einzubauen. Ende 2014 bekamen wir dann aber eine originale Münzkassette spendiert. Die hatte in der Vergangenheit zwar unter Nässe gelitten und besaß daraufhin Roststellen und eine festgerostete Mechanik, doch das war nichts, was uns an dieser Stelle noch hätte aufhalten können. Die Kassette ist nun restauriert und tut im Polyplay ihre Dienst.


Die Münzkassette im ursprünglichen Zustand

Die restaurierte Münzkassette



Spielhebel

Der Spielhebel war in einem schlechten Zustand: die Mechanik festgerostet, die Rückzugfedern durch Rost völlig zerfallen, die Leiterplatte war nur noch in Fragmenten vorhanden, eine Taste war zerbrochen.


Der Spielhebel im ursprünglichen Zustand

Der restaurierte Spielhebel, noch ohne Knopf

Die Mechanik konnten wir mit Kriechöl und vorsichtigen Hammerschlägen wieder gangbar machen, die Oberflächen wieder blank bürsten, die Rückzugfedern durch ähnlich geformte Exemplare ersetzen. Die defekte Taste wurde durch eine aus einer Robotron-Computertastatur ersetzt. Die noch vorhandenen Teile der Leiterplatte haben wir wieder zusammengeklebt, ganz vollständig wurde sie aber nicht. Die fehlenden Leiterzüge haben wir daraufhin durch Drähte ersetzt. Die Leiterplatte ist zwar nun ein Stück kleiner als das Original und der Stecker auf der Unterseite, aber sie funktioniert so wieder. Die Tasten selbst arbeiteten noch tadellos: ihre Hallkontakte hatten jeder Witterung getrotzt.

Der Starttaster mochte nicht mehr funktionieren, da blieb uns seine gewaltsame Öffnung nicht erspart. Im Inneren war er teilweise mit trockenem Schlamm gefüllt, offenbar lag er mal längere Zeit unter Wasser. Mit Bürste und Öl konnte der Taster wieder funktionsfähig gemacht werden.

Aus einem Stück Schuhsohlenmaterial schnitten wir eine passende Gummischeibe, die den Joystick vor verschütteten Getränken schützen soll. Aufwändig war auch der Nachbau des fehlenden Alu-Bedienknopfes: Nach längerer Suche nach geeignetem Rohmaterial fertigten wir das Formteil originalgetreu per Drehmaschine aus einer Alu-Stange.


Lauflicht

Ein wirklich trauriges Kapitel war das Lauflicht: hatte doch mit Ausnahme einiger Scherben der Riffelglasscheibe und eines Steckers nichts von diesen Komponenten überlebt.


Stilleben mit Wespe: originaler Stecker von innen

Die Riffelglasscheibe war ein Standardmuster (Ornament Nr. 5), das in der DDR vielfach in Zimmertüren eingesetzt wurde. Jedoch heute solches Glas als Rohmaterial zu bekommen, bedurfte einer längeren Suche bei verschiedenen Glasereien, was aber letztendlich erfolgreich war. Der Glaser schnitt die Scheibe gleich auf Maß und verschliff die Kanten.

Den Schriftzug "Polyplay", der original auf die Rückseite der Riffelglasscheibe gedruckt war, digitalisierten wir aus einem Foto, ließen ihn nach aufwändiger Nachbearbeitung bei einer Firma auf Folie schneiden und klebten diese rückseitig auf die Riffelglasscheibe.


Überrest des originalen Riffelglases

Das neue Riffelglas

Fertig mit Folie beklebt

Als Reflektor für die Lampen nahmen wir ein Stück Alu-Blech aus dem Baumarkt, die notwendigen acht E27-DDR-Lampenfassungen gewannen wir aus einer Industrieruine, wo sie einst als Notbeleuchtung gedient hatten. Datenkabel und Lampenkabel fertigten wir ebenfalls nach; Voraussetzung war die vorherige Ausmessung der Aderbelegung an einem anderen Polyplay. Als Beleuchtung verbauten wir acht originalgetreue farbige 25W-Lampen, wie sie in der DDR üblicherweise für Lichterketten benutzt wurden.


Rohmaterial für den Reflektor

Fertige Lichtanlage

Die Lichtsteuerplatine fehlte leider. Da originaler Ersatz unrealistisch ist, entschieden wir, sie auf Lochrasterkarte nachzufertigen, wofür einige Fotos als Vorlage dienten.


Materialsammlung für die Lichtsteuerung

Fertige Lichtsteuerung



Finale

Bei der Restauration so eines Gerätes ist es wie bei einem Puzzle: am Anfang gibt es viele kleine Baustellen, mit denen man nicht recht vorankommt und bei denen viele Fakten unbekannt sind. Mit fortschreitender Reparatur ergeben sich zunehmend logische Zusammenhänge und das Tempo wächst. Baugruppe um Baugruppe unseres Polyplay konnte letztendlich im Vergleichsgerät geprüft und nach der Reparatur als fehlerfrei klassifiziert werden. Zum Schluss ging die Arbeit rasend schnell: alle Baugruppen wurden wieder zu einem Ganzen vereint und an einem Freitagabend im Sommer 2014 war es dann so weit: das Gerät funktioniert wieder (wenn auch zunächst noch ohne Lauflicht) und wir konnten die ersten Spiele ausprobieren.


Hurra!! Der Rechner läuft

Zusammenbauarbeiten am fast kompletten Polyplay

Nach 20 Jahren erstmalig wieder spielbereit!

Einige Wochen später war auch das Lauflicht wieder komplett, die fehlende Deckplatte des Gehäuses wurde noch nachgefertigt und dann war das Projekt weitgehend abgeschlossen.


Polyplay Plus

Da es mehr Spiele gibt als in den Polyplay passen und unser Polyplay aufgrund der nicht-originalen Sloteinheit zwei Steckplätze mehr als üblich hatte, lag es nahe, dem Gerät einen zweiten Spiele-Satz in Form zweier zusätzlicher ROM-Karten zu spendieren. Eine kleine Flipflop-Logik hinten am Rechner sorgt nun dafür, dass beim Einschalten des Geräts ein bestimmter Spielesatz aktiv ist. Über einen zusätzlichen Taster ermöglichten wir einerseits, laufende Spiele zu verlassen (was vom Hersteller nicht vorgesehen war), andererseits mit demselben Taster eine Umschaltmöglichkeit zwischen beiden Spielesätzen. Damit dürfte unser Polyplay nun der einzige sein, der über 15 Spiele verfügt.


Fazit

Letztendlich haben wir die meisten originalen Komponenten wieder in dem Gerät verbaut, eine Tatsache, die wir, gemessen am ursprünglichen Zustand, bei Beginn der Reparatur für unmöglich gehalten hätten. Da wir die meisten Arbeiten selber gemacht hatten und unter Ausnutzung unserer eigenen Vorräte, hielt sich der finanzielle Aufwand in Grenzen. Allerdings war der zeitliche Aufwand enorm (½ Jahr Reparaturzeit), die Restaurierung damit ökonomisch (wie so oft) völlig unlohnend. Aber was soll's, wir haben nun einen funktionierenden Polyplay-Spielautomat im Museum stehen, der als Blickfang und zur Unterhaltung der Besucher dient und vielleicht den einen oder anderen Spenden-Euro einspielt. Und wir haben die Erkenntnis, dass man mit Beharrlichkeit und Fleiß auch ein völlig zerstörtes Gerät retten kann, verbunden mit dem Wunsch, es uns gleich zu tun.


Nachlese

Leider funktionieren historische Geräte meist nicht langzeitlich fehlerfrei. So mussten wir im Herbst 2014 einen Rückschlag hinnehmen, als der Rechner begann, bei jedem Einschalten mehr Fehler zu machen, bis er schließlich die Arbeit ganz einstellte. Nach langem Suchen kamen wir drauf, dass im 5V-Netzteil die Ausgangsspannung schwankte, was die gesamte Elektronik durcheinander brachte. Mit Austausch des Netzteilmoduls war das Problem dann behoben. Viel später haben wir auch die Ursache des instabilen Netzteils ermittelt: Da die Netzspannung heute nicht mehr 220V, sondern über 230V beträgt, wurde im besagten Netzteilmodul ein etwas übereifriger Eingangsspannungsschutz wirksam.

Langfristig denken wir noch über den Austausch der Bildröhre nach, da ihre Schärfe zu Wünschen lässt.

Im Jahr 2015 hat unser Polyplay ein Geschwisterchen bekommen: einen Polyplay der Bauform 2. Dieses Gerät war ebenfalls durch Feuchtigkeit beschädigt, aber immerhin noch halbwegs vollständig. Mittlerweile ist es auch repariert, damit stehen dem Besucher nun zwei funktionsfähige Spielautomaten zur Verfügung.


Danksagung

Unser Dank gilt allen, die uns bei diesem Projekt unterstützt haben:



Letzte Änderung dieser Seite: 19.01.2017Herkunft: www.robotrontechnik.de