Betriebssystem BROS

BROS (Basic ROM Operating System, ausgesprochen "Beros") war ein vom Betriebssystem SIOS abgeleitetes System und wurde auf dem Rechner A5110 sowie teilweise auf dem PC1715 eingesetzt. Letzteres wahrscheinlich deswegen, um ursprünglichen A5110-Nutzern den Umstieg auf den PC1715 zu erleichtern. Der Entwickler von BROS war das Büromaschinenwerk Sömmerda, das auch die zugehörigen Rechner produzierte.
Das Einsatzgebiet des Betriebssystems war hauptsächlich im kommerziellen Sektor (Sparkasse, Post, Bahn), vereinzelt aber auch zu Abrechnungszwecken in Betrieben.

Wie der Namen schon sagt, war BROS anfangs ein ROM-orientiertes System, das fest im Rechner eingebaut war. Später kam eine diskettenorientierte Version dazu, die die Entwicklung und den Austausch von Programmteilen vereinfachte.
Bei der Version für den Rechner A5110 erfolgte das Starten von BROS aus dem ROM heraus oder von der 8-Zoll-Diskette. Bei der PC1715-Variante (die nicht austauschbar mit der A5110-Variante ist), erfolgte der Start von einer 8-Zoll-Diskette oder einer 5¼-Zoll-Diskette.


Spartanisch: der Startbildschirm von BROS (PC1715)

Laden eines Programms (PC1715)

Formatierprogramm INIT (PC1715)

Kopierprogramm COPYP (PC1715)

Textverarbeitungsprogramm TEXT (PC1715)

Bibliotheksprogramm PSERV (PC1715)

Bibliotheksprogramm PSERV (PC1715)

Bibliotheksprogramm PSERV (PC1715)

Dateiprogramm FSERV (PC1715)

Dateiprogramm FSERV (PC1715)

Startbildschirm von BROS (A5110)

Dateiprogramm FSERV (A5110)

Formatierprogramm INIT (A5110)

BROS bestand aus dem Betriebssystemkern (der u.a. das Steuerprogramm BREX enthielt) und einer Anzahl an Dienstprogrammen.
Es benutzte dasselbe bibliotheksorientierte Dateisystem wie SIOS. Die Laufwerksbezeichnungen für die Diskettenlaufwerke wurde dabei von 0 bis 3 durchgezählt. Andere Laufwerksarten (z.B. Lochband, Magnetkassette, Magnetkarte) kamen wegen der Rechnerhardware sowieso nicht in Frage.
Gegenüber SIOS war die Multitask-Funktion im BROS nur rudimentär vorhanden, was hauptsächlich an der schwächeren Rechnerhardware lag. Ein Sprung ins Monitorprogramm während des Laufs eines Anwenderprogramms war z.B. nur möglich, wenn dies explizit ins Anwenderprogramm hineinprogrammiert wurde. Die Stabilität von BROS war ebenfalls schlechter als bei SIOS: ein Aufhängen des Rechners bei Fehlbedienung war nicht selten.

BROS arbeitete funktionstastenorientiert. Hier die wichtigsten Tasten für die PC1715-Variante:

Taste KürzelErklärung
F5 STOPUnterbrechung des Programms, Sprung in das Monitorprogramm
F6 SEL1Selektorfunktion 1, kann vom Programm ausgewertet werden (Funktionstaste)
F7 SEL2Selektorfunktion 2, kann vom Programm ausgewertet werden (Funktionstaste)
F8 SEL3Selektorfunktion 3, kann vom Programm ausgewertet werden (Funktionstaste)
F9 SEL4Selektorfunktion 4, kann vom Programm ausgewertet werden (Funktionstaste)
F11 LD Programm von Diskette laden (ohne zu starten)
F12 CAN Abbruch des Programms (nach F5), Rücksprung zum Boot-Bildschirm
F13 PS Programmstart (vorher mit F11 zu laden) oder Programm-Neustart nach F12
F14 SQ Programm fortsetzen (nach F5)
CTRL-ENTER
Sprung zum Hauptmenü (innerhalb mancher Programme)

Die Funktionstasten des A5110 waren von vorn herein mit der für BROS notwendigen Beschriftung versehen.


Funktionstasten des A5110

Eine Auflistung der wichtigsten BROS-Kommandos findet sich beim Betriebssystemvergleich.

Der Umstand, dass BROS nicht zu anderen internationalen Betriebssystemen kompatibel ist, ist für seine geringe Verbreitung verantwortlich. Heute scheitert die Erforschung von BROS auch daran, dass es kaum noch funktionsfähige Rechner A5110 gibt.

Wer besitzt noch BROS-Disketten bzw. Anwenderprogramme dazu?



Letzte Änderung dieser Seite: 29.11.2016Herkunft: www.robotrontechnik.de