Röhrenprüfgeräte

Obwohl es der Name nicht vermuten lässt, sind Röhrenprüfgeräte echte elektrische Analogrechner, wenn auch mit einem scharf begrenztem Einsatzgebiet. Sie besitzen Elektronenröhren haben prinzipgebunden die Eigenschaft, bei längerem Gebrauch oder auch bei Lagerung zu altern. Außerdem unterliegen sie (wie alle Bauteile) Herstellungsfehlern oder Beschädigungen durch mechanische Einflüsse oder elektrische Überbelastung. Daher waren in Werkstätten, die röhrenbestückte Geräte reparierten, Röhrenprüfgeräte ein wichtiges Messinstrument.

Die Verwendung der Röhren und damit ihr Innenaufbau unterschieden sich stark von einander: es gab z.B. Gleichrichter, Verstärker, Anzeigeröhren. Die Anschlussbelegung war auch bei fast jeder Röhre anders. Selbst der Stecksockel variierte von Hersteller zu Hersteller bzw. vom Produktionsserie zu Produktionsserie. Und letztlich hatte jede Röhre typische elektrische Eigenschaften (Kennlinien). Die Anzahl unterschiedlicher Röhren lag weltweit bei mehreren Zehntausend. Mit einfachen Messinstrumenten waren diese Variationen kaum zu beherrschen. Daher wurden Röhrenprüfgeräte entwickelt, die eine schnelle qualitative Aussage zum Zustand einer Röhre ermöglichten.

Die Prüfung einer Röhre bestand im wesentlichen aus 2 Schritten: Spitzengeräte unter den Röhrenprüfgeräten besaßen außerdem z.T. Möglichkeiten zur Erfassung der Kennlinien von unbekannten Röhren sowie teilweise auch Einrichtungen zum Regenerieren gealterter Röhren.

Auf den Prüfgeräten war eine Vielzahl von (unterschiedlichen) Röhrenfassungen angebracht. Bei hochwertigen Prüfgeräten gab es auch noch Erweiterungskästen mit zusätzlichen Fassungen.
In die jeweils passende Fassung wurde die zu prüfende Röhre gesteckt. Um die unterschiedlichen Anschlussbelegungen der Röhren auszugleichen, wurde das Röhrenprüfgerät programmiert: Auf demselben Weg wurden die für die Röhre notwendigen Spannungen ausgewählt sowie eine Skalierung des Messwerkes vorgenommen.


Prüfgerät RPG61 mit Schiebeschalter-Programmierung

Prüfgerät RPG4/3 mit Kartenprogrammierung
Links das Kartenmagazin, rechts der Programmschalter

Innenansicht des RPG4/3


Eine Prüfkarte. Die Löcher dienen der Programmierung.

Die Prüfung erfolgte durch langsames Durchdrehen des Programmschrittschalters.
Die Defektprüfung beinhaltete Tests auf Kurzschlüsse zwischen den Elektroden sowie auf Intaktheit des Heizfadens. Eventuelle Defekte wurden durch Zeigerausschlag angezeigt.
Bei der Alterungsprüfung wurde das Emissionsverhalten der Röhre unter annähernden Arbeitsbedingungen gemessen und auf einem Zeigerinstrument prozentual dargestellt.

Trotz großem technischen Aufwands war eine hundertprozentige Prüfung einer Röhre nicht möglich. Es gab z.B. auch Fehler, die nur nach längerem Lauf oder nur unter bestimmten Bedingungen auftraten.

Im Bereich der DDR wurden Röhrenprüfgeräte hauptsächlich von der Firma "Bittorf & Funke" (später "VEB Röhrenprüfgerätebau") in Weida sowie der Firma "PGH Elektromess" in Dresden hergestellt.

Da Elektronenröhren für Sonderzwecke (HiFi-Audio) teilweise heute noch benutzt werden (und nicht zuletzt wegen der Radio-Historiker) und der Preis einer Röhre stark von deren Zustand abhängt, sind Röhrenprüfgeräte auch heute noch im Einsatz. Weil Röhrenprüfgeräte nicht mehr hergestellt werden, sind diese Geräte mittlerweile sehr gesucht und ausgesprochen teuer.



Letzte Änderung dieser Seite: 29.11.2016Herkunft: www.robotrontechnik.de