Steuerrechner PS2000

(PS 2000, PS-2000)

Die PS2000 (PS = "Programmierbare Steuerung") war eine von Numerik hergestellte, auf logischen Bausteinen basierende speicherprogrammierbare Steuerung ("SPS"). Sie war die erste freiprogrammierbare SPS der DDR und konnte bis zu 512 Ein- und Ausgangssignale verarbeiten.


Maschinensteuerung PS2000 in kleiner Bauform

Maschinensteuerung PS2000 in kleiner Bauform

Maschinensteuerung PS2000 in großer Bauform

Der Programmspeicher konnte in Stufen zu jeweils 1/4 Kiloworten (2 Byte pro Wort) auf eine Gesamtgröße von 4 Kiloworten (= 8 KByte) ausgebaut werden. In der PS2000 wurden als Programmspeicher 16 (2K-Variante) oder 32 (4K-Variante) EPROMs vom Typ U552C eingesetzt. Die Programmdarstellung erfolgte in einer Relaissymbolsprache (14 Grundbefehle, 7 Zusatzbefehle). Dazu gab es ein spezielles Inbetriebnahmegerät IBG2000. Außerdem wurde mit der Anlage das EPROM-Programmiergerät G3001 ausgeliefert.


Mechanischer Aufbau

Die PS2000 bestand aus folgenden Baugruppen: Alle Baugruppen waren in eine EGS-Kassette eingehängt. Die Baugruppe "Stromversorgung" stellte alle für die Steuerung benötigten Spannungen (+5V, +9V, -9V und +9,5V) zur Verfügung. Außerdem umfasste sie auch die Spannungs- und Temperaturüberwachung.


PS2000-Leiterplatte (Taktzentrale)

PS2000-Leiterplatte (Verarbeitungseinheit)

PS2000-Leiterplatte (Demultiplexer)

PS2000-Leiterplatte (ROM-Karte)

Die Baueinheit "Grundausrüstung" war ein Baugruppenträger, der mindestens folgende Kartenbaugruppen enthält: Dazu konnten je nach Bedarf kommen: Je nach Variante waren 128 (PS2000/1), 256 (PS2000/2) oder 512 (PS2000/3) digitale Ein-/Ausgänge möglich.

Die Verarbeitungseinheit realisierte die logische Verarbeitung von Informationen. Ihr Herzstück war der sog. Bitprozessor, der aus einem Verknüpfungsnetzwerk (aus einem Chip Typ D130D, zwei Chips vom Typ D110D und einem Chip vom Typ D120D), einem Akkumulator- und einem Hilfsregister (beides Chips vom Typ D172D) bestand. Weiterhin besaß die Verarbeitungseinheit noch Register für direkte Ein- und Ausgabe und einen Arbeitsspeicher-Chip vom Typ U202 mit 1 KBit Kapazität. Dieser war intern in einen Bereich für Eingangsinformationen (512 Bit) und einen Bereich für Ausgangsinformationen (512 Bit) aufgeteilt. Ein Programmwort setzte sich aus 4 Befehlsbits, 9 Adressbits und 1 Paritätsbit zusammen. Die PS2000 hatte ohne Zeitstufe eine Zyklusdauer von max. 18 Millisekunden.

Der Demultiplexer 1 diente zum Aufruf der Multiplexer bzw. Demultiplexer, die sich auf den in der Steuerung vorhandenen Eingangs-, Ausgangs- oder Sonderbaugruppen befanden.

Die Taktzentrale diente zur Erzeugung der Steuertakte für die Steuerung PS2000. Sie bestand aus Takterzeugung (4 MHz Takt), Adressierung, Zeitsteuerung und Zyklusüberwachung.

Die Serviceeinheit diente zur Anzeige und Beeinflussung des Arbeitsspeicherinhaltes, der Paritätskontrolle und der Verbindung der Kassette "Grundausrüstung" mit der Kassette "Erweiterung". Über zwei direkte und einen indirekten Steckverbinder gelangten die Informationen über die gedruckte Rückverdrahtung bzw. über ein Verbindungskabel an die übrigen Baugruppen.

Weiterhin besaß der Baugruppenträger der Grundausrüstung noch 16 freie Kartenplätze. In diese können Eingangskonverter, Ausgangskonverter oder Sonderbaugruppen gesteckt werden.

Die Erweiterungs-Einheit umfasste wiederum einen Baugruppenträger, in dem mindestens die Kartenbaugruppe "Demultiplexer 2" eingebaut sein musste. Dieser diente zum Aufruf der entsprechenden Multiplexer bzw. Demultiplexer auf den Erweiterungskarten der Erweiterungs-Einheit.

Der Rangierverteiler war eine Baugruppe, die mit 30-poligen Buchsen- oder Steckerleisten bestückt war. An diese wurden die Kabel, die von der zu steuernden Maschine kamen, angesteckt. Von hier aus wurden die einzelnen Steckverbinderanschlüsse an die Konverter geschaltet. Damit wurde jede von der zu steuernden Maschine kommende Leitung einer bestimmten Adresse zugeordnet.


Kartenbaugruppen

NameFunktion
Eingangskonverterüber diese Baugruppen gelangten die Eingangsinformationen vom Prozess zur Steuerung. Sie übernahmen auch die Potentialtrennung und die Pegelanpassung. Es gab sie in verschiedenen Ausführungen der Eingänge (Transistor- oder Relaiseingänge) und für verschiedene Gleichspannungs-Eingangspegel (12V, 24V und 60V) und auch für 110V Wechselspannung.
Ausgangskonverterüber diese Baugruppen gelangten die Ausgangsinformationen von der Steuerung an den zu steuernden Prozess. Auch sie übernahmen die Potentialtrennung und Pegelanpassung. Es gab Ausgangskonverter mit kontaktlosen (Transistor) und kontaktbehafteten (Relais) Ausgängen. Letztere konnten höhere Ausgangsströme schalten.
Haftspeicher ermöglichten, bestimmte Zustände von Steuerinformationen für den Prozess festzuhalten. Sie behielten ihren Schaltzustand beim Abschalten der Netzspannung. Beim Wiedereinschalten stand die Information, die der Haftspeicher vor dem Abschalten hatte, dem Prozess zur Verfügung.
Zeitstufen (Analog oder Digital) realisierte Zeitverzögerungen bei der Abarbeitung des Programms. Die analogen Zeitstufen ermöglichen Zeiten in einem Zeitbereich von 100ms bis 600ms, 600ms bis 6s und von 6s bis 60s bzw. im Bereich 100ms bis 1,5s, 1,5s bis 15s und 15s bis 120s. Mit der digitalen Zeitstufe können Zeiten bis 99,9 s in 100-ms-Schritten eingestellt werden.
Zählerermöglichte die Erfassung der Anzahl von Impulsen. Die erfassten Werte konnten intern ausgewertet werden.
Schieberegisterfür Serien-Parallelwandlung von Daten
TemperaturüberwachungVermeidung der Überhitzung der Steuerung


Von der PS2000 haben bis heute nur wenige Exemplare überlebt, leider augenscheinlich keins mehr in Funktion.


Inbetriebnahmegerät IBG2000

(IBG 2000, IBG-2000)

Mit Hilfe des IBG ließ sich der aktuelle Abarbeitungsstand des Programms betrachten. Außerdem konnten über das IBG direkt Programme in die PS2000 eingegeben werden. Weiterhin können über einen SIF1000-Anschluss ein Lochbandstanzer oder ein EPROM-Brenner G3001 angeschlossen werden, auf denen das geänderte Programm abgespeichert werden konnte.


Inbetriebnahmegerät IBG2000

In die beiden Slots, die sich unter der Klappe auf der Geräteoberseite befanden, wurden die Programmspeicherkarten der PS2000 zwei Karten zu je zwei KByte gesteckt und stattdessen wurde eine Adapterkarte anstelle der ersten ROM-Karte in die PS2000 gesteckt. Dann wurde das IBG mit der PS2000 über die Adapterkarte mit zwei Kabeln (Anschlüsse "PS" am IBG) verbunden.

Das IBG2000 gilt heute als ausgestorben.



Letzte Änderung dieser Seite: 19.01.2017Herkunft: www.robotrontechnik.de