Verdrahtungsprüfautomaten

Robotron-Messelektronik Dresden beschäftigte sich längere Zeit mit der Entwicklung von Geräten, die speziell zur automatisierten Prüfung von Verdrahtungen gedacht waren. Typische Anwendungsfälle waren die Untersuchung der Belegung von Kabeln, der Prüfung von Rückverdrahtungseinheiten, der Prüfung unbestückter Leiterplatten sowie der Prüfung von Diodenkodierkarten. Die ersten Geräte arbeiteten noch ohne Prozessor, bald darauf zog auch hier die Computertechnik ein und die Geräte wurden durch K1520-Rechner gesteuert, was eine Ablage und Wiederbenutzung der Prüfprogramme ermöglichte sowie die Ausgabe der Prüfergebnisse auf einem Drucker.

Der Einsatz der Geräte erfolgte hauptsächlich innerhalb des Robotron-Kombinats, die Anlagen wurden aber auch in anderen Firmen eingesetzt.


Verdrahtungsprüfautomat P?000

Dieses Gerät bildete 1986 den Einstieg von Robotron-Messelektronik Dresden in die Prüfautomatisierung. Es war in der Lage, bis zu 99 Messpunkte zu bedienen und wurde hauptsächlich zur Prüfung von Vielfachkabeln benutzt. Die Prüfergebnisse wurden durch 99 Lampen auf der Geräte-Vorderfront angezeigt.


Verdrahtungsprüfautomat

Es gab drei Betriebsarten: Als Messspannung wurden 5V 100 mA eingespeist. Die Steuerung des Gerätes erfolgte elektronisch, aber noch nicht durch einen Computer.

Dieser Gerätetyp gilt heute als ausgestorben und sein Name ist bislang auch nicht bekannt.


Verdrahtungsprüfautomat P3000

(Alias P 3000, P-3000)

Der P3000 war das nächste Gerät der Verdrahtungsprüfautomaten-Serie und wurde wahrscheinlich ab 1988 produziert. Er bestand äußerlich aus mehreren Geräteeinheiten: einem Grundgerät sowie 1 bis 4 Messstelleneinheiten, einem Bildschirm K7221 sowie einer Tastatur K7636. Im maximalen Ausbauzustand mit 4 Messstelleneinheiten war es möglich, Prüflinge mit bis zu 5568 Messpunkten zu untersuchen.


Verdrahtungsprüfautomat P3000

Das Grundgerät beinhaltete einen K1520-Rechner, die Leiterplatten entstammten teilweise dem Standard-Sortiment, teilweise waren es Spezialentwicklungen für diesen Rechner. Als Prozessor arbeitete ein U880 mit 2,25 MHz Taktung, ihm standen 9 KByte EPROM-Speicher und 51 KByte RAM zur Seite. Die Netzteilmodule waren Standardmodule der STM-Serie. In der Gerätefront steckte ein K5200-Magnetkassettenlaufwerk, das zum Laden der Programme und zum Laden und Speichern der Prüfpläne benutzt wurde. Bei Bedarf (Kassetten-Kopieren) konnte ein weiteres K5200-Laufwerk extern angeschlossen werden, dazu wurden meist K5221-Kassetteneinheiten benutzt. Außerdem konnten über eine ADA-Karte extern ein Lochbandleser und ein Lochbandstanzer angeschlossen werden. Als Drucker wurde der Thermostreifendrucker G3407 vom Funkwerk Erfurt favorisiert, dazu besaß der P3000 eine IMS2-Interfacekarte. Über drei Buskabel erfolgte der Anschluss einer oder mehrerer Messstelleneinheiten.


P3000-Grundgerät

Rückseite des geöffneten P3000

Die Messstelleneinheiten bewirkten die Multiplexierung der Messsignale entsprechend der Anzahl der benötigten Messpunkte. Sie waren als eigenständige Geräte im EGS-Gehäuse mit eigener Stromversorgung und einer speziellen Sloteinheit ausgeführt, in die bis zu 24 Multiplexerkarten pro Erweiterungseinheit gesteckt werden konnten. Jede Multiplexerkarte enthielt griffseitig einen EFS58-Stecker, der über eine Opferkarte aus dem Gerät heraus geführt und an die wiederum der Prüfling über entsprechende Adapterleitungen angeschlossen wurde. Der Sinn der Opferkarte war, bei durch häufiges Stecken abgenutzten Steckverbindern diese ohne Austausch der Multiplexerkarte ersetzen zu können.


P3000-Messstelleneinheit

P3000-Messstelleneinheit, innen

Zur Prüfung wurde fortlaufend eine Messspannung (0,3V oder 1V oder 3V, 5 mA) in den Prüfling eingespeist und an allen anderen Messpunkten kontrolliert, ob dort die Messspannung wieder heraus kam. Tauchte die Spannung an ungewollten Messpunkten auf, wurde dies als Kurzschluss im Prüfling interpretiert. Tauchte die Spannung an gewollten Messpunkten nicht auf, wurde dies als Leitungsunterbrechung im Prüfling interpretiert. Außer direkte Leitungsverbindungen konnte der P3000 auch Diodenverbindungen (Sperrung und Durchlass) prüfen sowie Widerstandsverbindungen bis maximal 1 kOhm. Die typische Prüfzeit lag bei 4 ms pro Verbindung.


Arbeit am P3000

Das Betriebssystem des Rechners befand sich im EPROM, wurde also beim Einschalten automatisch geladen. Auf dem Bildschirm erschien ein Menü zur Auswahl von Programmen, die dann vom externen Datenträger (Magnetkassette oder Lochband) geladen wurden. Das Laden von diesen Datenträgern dauerte leider ziemlich lange und ohne dieses war der Rechner nicht nutzbar.
Mit Hilfe eines speziellen Texteditors wurde die Soll-Verdrahtung des Prüflings programmiert, anschließend das Prüfprogramm gestartet, das das selbständig ablief. Abweichungen von der erwarteten Verdrahtung wurden als Fehlermeldungen auf dem Bildschirm und ggf. auf dem Drucker ausgegeben.
Interessant war eine automatische Programmierfunktion: damit konnte die Verbindungsstruktur eines als fehlerfrei bekannten Prüflings vom Rechner selbständig ausgelesen und dann als Referenz bei weiteren Prüflingen zugrundegelegt werden.


Hauptmenü des P3000

Der Preis für einen P3000 lag bei ca 70.000 Mark.
Wieviele Rechner gebaut wurden ist unbekannt. Aufgrund des speziellen Einsatzgebietes ist aber zu erwarten, dass es nicht mehr als 1000 Exemplare gab.
Heute ist noch die Existenz von drei Geräten dieses Typs bekannt, eins davon sogar noch im produktiven Einsatz.


Automatischer Verbindungstester P3005

(Alias P 3005, P-3005)

Der P3005 wurde als Nachfolger des P3000 entwickelt. In der Bedienung unterschied er sich sich von diesem im Ersatz von Bildschirm, Tastatur und Magnetkassettenlaufwerk durch einen per Netzwerk (IMS2) verbundenen Bürocomputer: entweder ein EC1834 oder ein westlicher PC. Damit konnten die Programme komfortabel gespeichert und editiert werden. Die maximale Anzahl der Messstellen (16 Messstelleneinheiten á 2048 Messpunkte) wurde auf 32768 erhöht. Die Messung von Widerständen wurde erweitert auf 1 Ohm bis 1 MOhm, außerdem konnten nun auch Kondensatoren (10 nF bis 10 mF) gemessen werden. Offenbar sollte das Gerät nun auch zunehmend zur Prüfung bestückter Leiterplatten benutzt werden.


P3005.10-Anlage mit EC1834-Leitrechner

P3005.05-Anlage mit PC-Leitrechner

P3005-Anlage als Leiterkartentester

Die Steuersoftware arbeitete unter den Betriebssystemen DCP bzw. DOS. Zur Auswertung der Ergebnisse gab es eine Turbo-Pascal-Schnittstelle. Neben der manuellen Programmierung des Testsablaufs und dem Auswerten eines Musters-Prüflings gab es beim P3005 die Möglichkeit, die Verbindungsdaten direkt aus den CAD-Daten zu gewinnen.

Mit der Entwicklung des P3005 wurde wahrscheinlich erst nach der Privatisierung von Robotron-Messelektronik Dresden begonnen und es wurden anscheinend nur wenige Geräte dieses Typs produziert.

Abhängig vom Einsatzgebiet und von der Ausstattung unterschieden sich die Geräte im Namen: Zusätzlich zur Grundausführung konnte auch ein Hochspannungsprüfmodul bestellt werden.

Ein P3005 kostete 55.140 DM im Jahr 1990, zusätzliche Messstelleneinheiten schlugen mit jeweils 24.660 DM zu Buche.
Heute gilt er in allen Bauformen als ausgestorben.


Automatischer Leiterplattentester P3040

(Alias P 3040, P-3040)

Während es sich bei den obigen Geräten um relativ kleine Auftischgeräte handelte, war der P3040 mit seinen 1,2t Gewicht eine beeindruckend große Anlage, die der komplexen Prüfung bestückter Leiterplatten diente. Die Prüfleiterplatten konnten eine maximale Größe von 300x500mm und maximal 720 digitale Anschlüsse und 240 analoge Anschlüsse haben. Sie wurden durch eine Vakuumeinheit auf der Messfläche fixiert und durch ein Nadelbett kontaktiert. Als Finalproduzent trat der Robotron-Messelektronik Dresden auf, die Produktion begann 1988.


Leiterplattentester P3040

Arbeit am P3040

Arbeit am P3040

Arbeit am P3040

Herz der Anlage war ein 16-Bit-Mikrorechner Elektronika E60-1 (Importgerät aus der Sowjetunion), ausgerüstet mit 256 KByte RAM, zwei Diskettenlaufwerken MF6400 sowie zwei Festplatten K5502. Bedient wurde die Anlage über ein Bildschirmterminal K8911.

Die Programmierung der Prüfung konnte entweder manuell direkt am Gerät erfolgen oder offline auf einem anderen Rechner oder durch Ableitung direkt aus den CAD-Daten heraus.

Es ist davon auszugehen, dass nur sehr wenige Exemplare dieses Rechners gefertigt wurden und diese wahrscheinlich ausschließlich innerhalb des Kombinates Robotron zum Einsatz kamen.
Der P3040 gilt heute als ausgestorben.




Letzte Änderung dieser Seite: 29.11.2016Herkunft: www.robotrontechnik.de