Mechanische Rechenmaschinen vom Mercedes

Das Mercedes-Werk in Zella-Mehlis (das übrigens nichts mit dem Automobilhersteller zu tun hat), produzierte eine große Anzahl mechanischer Rechenmaschinen. Nach einem verlorenen Rechtsstreit um den Firmennamen in den 1950er Jahren wurden Werk und Maschinen in "Cellatron" umbenannt. Unter den Bezeichnungen "Cellatron", "daro" und "Robotron" wurde im Werk später auch elektronische Rechentechnik produziert.

Den Buchungsmaschinen aus Zella-Mehlis haben wir eine eigene Seite gewidmet.


Mercedes Euklid-Serie

Anfang des 20. Jahrhunderts waren viele Rechenprinzipien durch Patente geschützt und so versuchten die Rechentechnikhersteller, möglichst eigene Rechenverfahren zu entwickeln. Das gelang dem Mercedes-Werk unter dem Konstrukteur Christel Hamann mit dem Proportionalhebelverfahren, das ausschließlich bei Mercedes zum Einsatz kam. Dieses Verfahren ermöglichte den Aufbau kompakter, schneller Tischrechner mit Ergebnis-Ziffernanzeige und den Rechenarten Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division. Während bei den älteren Rechnermodellen (Halbautomaten) die Bedienung von Multiplikation und Division recht umständlich war, wurde bei den letzten Modellen (Vollautomaten) eine einfache Bedienung bei selbsttätiger Ergebnisbildung erreicht. Die Euklid-Serie war das Zugpferd des Herstellers und verkaufte sich bis zum Übergang zur elektronischen Rechentechnik sehr gut.

Die Einsatzgebiete der Maschinen erstreckten sich von einfacher Büroarbeit bis hin zu wissenschaftlicher Anwendung. Für letzteres war die große Anzahl an Dezimalstellen besonders nützlich.


Rechenmaschine Mercedes R21

(R 21)

Die R21 war eine motorgetriebene, halbautomatische Rechenmaschine mit einer 9-stelligen Tastatur.


Rechenmaschine R21

Von der R21 existieren heute noch einige wenige Exemplare.


Rechenmaschine Mercedes R22

(R 22)

Die R22 war die verbreiterte Version der R21 mit einer 13-stelligen Tastatur.


Rechenmaschine R22

Die R22 gilt heute als ausgestorben.


Rechenmaschine Mercedes R29

(R 29)

Die R29 war eine manuell getriebene Rechenmaschine mit 9 Tastaturstellen, die Additionen und Subtraktionen ausführen konnte. Zum Auslösen des Rechenvorgangs war die Kurbel rechts zu drehen.


Rechenmaschine R29

Rechenmaschine R29

Von der R29 existieren heute noch einige wenige Exemplare.


Rechenmaschine Mercedes R31

(R 31)

Der R33 war motorgetrieben und verfügte über eine 9-stellige Tastatur und eine 9-stellige Ergebnisanzeige. Addition und Subtraktion konnten mit 1 Tastendruck ausgeführt werden. Multiplikation und Division waren auch möglich, waren jedoch komplizierter zu bedienen (Halbautomat).


Rechenmaschine R31

Gegenüber den anderen Rechnern der Serie hatten R31 und R33 ein Kunststoffgehäuse.

Von der R31 existieren heute noch einige wenige Exemplare.


Rechenmaschine Mercedes R33

(R 33, R-33)

Die R33 war ein Abkömmling der R31. Bei ihr befanden sich ein Reihe Drehrädchen oberhalb der Ergebnisanzeige, die ermöglichten, einzelne Dezimalstellen manuell auf 0 zu setzen (z.B. für Rundungen).


Rechenmaschine R33

Unterseite der zerlegten R33

Gegenüber den anderen Rechnern der Serie hatten R31 und R33 ein Kunststoffgehäuse.

Von der R33 gibt es heute noch einige Exemplare, erfreulicherweise auch einige noch in Funktion. Eine befindet sich im Rechenwerk Computermuseum Halle.


Rechenmaschine Mercedes R37

(R 37, R-37)

Die R37 verfügte über eine 12-stellige Tastatur und war gegenüber den Vorgängermodellen ein Vollautomat, konnte also auch Multiplikationen und Divisionen mit 1 Tastendruck ausführen.


Rechenmaschine R37

Die R37 gilt heute als ausgestorben.


Rechenmaschine Mercedes R38 / Mercedes R38SM

(R 38 SM, R-38SM)

Bei der R38 handelt es sich augenscheinlich um eine auf 16 Tastaturstellen verbreiterte R37.


Rechenmaschine R38SM

Rechenmaschine R38SM

Die R38 gilt heute als ausgestorben.


Rechenmaschine Mercedes R40

(R 40)

Die R40-Rechenmaschinen gingen aus den R30-Rechenmaschinen hervor, arbeiteten aber mit einer größeren Geschwindigkeit von über 500 u/min gegenüber knapp 400 u/min bei der R30-Serie.


Rechenmaschine R40

Die R40 hatte eine 15-stellige Tastatur und war eine halbautomatische Maschine. Für Multiplikation und Division waren also mehrere Handgriffe notwendig.

Die R40 gilt heute als ausgestorben.


Rechenmaschine Mercedes R43SM / Cellatron R43SM

(R 43 SM)

Sie war motorgetrieben, verfügte über eine 16-stellige Volltastatur und eine 16-stellige Ergebnisanzeige. Die Variante "SM" verfügte zusätzlich über einen 16-stelligen Zwischenspeicher und eine 6-stellige Rückübertragefunktion. Mit jeweils 1 Tastendruck konnten Addition, Subtraktion, Multiplikation, und Division ausgelöst werden, die dann vollautomatisch und in hoher Geschwindigkeit abliefen (Vollautomat).


Rechenmaschine R43SM

Von der R43 gibt es heute noch einige wenige Exemplare.


Rechenmaschine Mercedes R44SM / Cellatron R44SM

(R 44 SM)

Die R44 war die höchstentwickeltste, im Serie produzierte, mechanische Tischrechenmaschine aus Zella-Mehlis. Sie war motorgetrieben, verfügte über eine 20-stellige Volltastatur und eine 20-stellige Ergebnisanzeige, war also quasi eine R43 mit vergrößerter Tastatur. Die Variante "SM" verfügte zusätzlich über einen 20-stelligen Zwischenspeicher und eine 8-stellige Rückübertragefunktion.


Rechenmaschine R44SM

Mit jeweils 1 Tastendruck konnten Addition, Subtraktion, Multiplikation, und Division ausgelöst werden, die dann vollautomatisch und in hoher Geschwindigkeit abliefen (Vollautomat). Addition und Subtraktion konnten als Kettenrechnung (Postenrechnung) 20-stellig durchgeführt werden. Für Multiplikation und Division gab es zwei Eingabemöglichkeiten: Entweder wurden beide Zahlen max. 20-stellig nacheinander eingegeben oder nebeneinander mit max. 10 Stellen auf der Tastatur, die sich also quasi in der Mitte (rote Tastenreihe) teilen ließ.

Von der R44 gibt es heute noch einige Exemplare, erfreulicherweise auch einige noch in Funktion. Ein solches befindet sich im Rechenwerk Computermuseum Halle.


Rechenmaschine Cellatron R64

(R 64)

Die R64 war der Versuch des Zella-Mehliser Werks, eine druckende mechanische Rechenmaschine mit Zehnertastatur zu bauen.


Rechenmaschine R64

Da zu diesem Zeitpunkt bereits elektronische Tischrechner verfügbar waren, wurde die Produktion mangels Absatzchancen nach wenigen Exemplaren eingestellt, was das Ende der Produktion mechanischer Rechner in Zella-Mehlis bedeutete.

Die R64 gilt heute als ausgestorben.


Mercedes A-Serie

Obwohl die meisten Zella-Mehliser Rechenmaschinen nach dem Proportionalhebelprinzip (Mercedes Euklid) arbeiteten, produzierte das Werk auch eine Reihe mechanischer Zahnstangen-Addiermaschinen mit Einfachtastatur und Druckwerk. Sie wurden zur Abrechnung in kleineren Firmen eingesetzt.

Die Maschinen gab es als vollmechanische Variante (mit einem Hebel an der Seite zum Auslösen der Rechenvorgänge) und als elektromechanische Variante, angetrieben durch einen Motor.

Technisch standen die A-Rechenmaschinen in Konkurrenz mit den Ascota 110-Rechnern und den Soemtron AES-Rechnern.


Rechenmaschine Mercedes A51

Diese Maschine war das Einstiegsmodell in diese Serie. Sie wurde über einen seitlichen Hebel manuell angetrieben und konnte Additionen und Subtraktionen (letztere aber nur über Null!) ausführen. Die Maschine verfügte über ein Typenstangendruckwerk, mit dem eingegebene Zahlen und Rechenergebnisse auf einen Papierstreifen gedruckt wurden (nur einfarbig schwarz). Außerdem verfügte die A51 (im Gegensatz zu den Konkurrenzprodukten) über zwei Anzeigewerke: eins für die eingegebene Zahl und eins für das Endergebnis. Die eingegebenen Zahlen konnten maximal 10-stellig sein, die Rechenergebnisse 11-stellig.


Mercedes A51

Mercedes A51

Druckwerk der A51

Der Name legt nahe, dass die Produktion 1951 begann.

Die Bedienung der Maschine war recht einfach: Durch Drücken der R-Taste (Repetiertaste) konnte erreicht werden, dass der Tastaturspeicher nach der Rechnung nicht gelöscht wurde. Damit war es in begrenztem Maße möglich, Multiplikationen (mit kleinen Multiplikanden) durch wiederholte Addition auszuführen.


Die Anzeigewerke der A51

Ein Anzeigewerk ausgebaut, Blick auf die Zahnstangen

Das schwarzlackierte Blechgehäuse hatte der Hersteller durch handlinierte grüne Streifen aufgewertet.

Von der A51 existiert ein funktionsfähiges Exemplar im Rechenwerk Computermuseum Halle.


Rechenmaschine Mercedes A55

Die A55 (wahrscheinlich produziert ab 1955) unterschied sich gegenüber dem Vorgängermodell A51 im Wesentlichen durch ein geändertes Gehäuse und eckige Tasten.


Mercedes A55



Rechenmaschine Mercedes A56

Die A56 war die motorgetriebene Variante der A55. Im Gegensatz zur A55 hatte sie eine zusätzliche +-Taste, die wie anderen Steuertasten den Maschinengang (Motorlauf) auslöste. Der Handgriff auf der rechten Seite entfiel dafür.


Mercedes A56



Rechenmaschine Mercedes A57

Die A57 war eine motorlose Maschine, ziemlich ähnlich der A55.


Mercedes A57

Die Unterschiede zur A55 lagen hauptsächlich in der Gehäuseform (jetzt runder und einteilig) sowie in der Tastenform (jetzt konisch). Die Druckwalze war bei der A57 fast komplett im Gehäuse versenkt, was die Maschine insgesamt flacher machte.

Von der A57 ist heute noch die Existenz 1 Exemplars bekannt.


Rechenmaschine Mercedes A58

Die A58 war die motorgetriebene Variante der A57. Mit ihr endete die Produktion mechanischer Addiermaschinen in Zella-Mehlis und das Werk stellte sich endgültig auf elektronische Rechentechnik um.


Mercedes A58

Von der A58 existiert heute noch ein Exemplar im Rechenwerk Computermuseum Halle.




Letzte Änderung dieser Seite: 29.11.2016Herkunft: www.robotrontechnik.de