Messcomputersystem Inquamess

(Inquamess=Industrielles QualitätsMesssystem.)
Mitte der 1980er Jahre entstand in der DDR ein Messcomputersystem, bevorzugt zur Messung feinmechanischer Größen. Auftraggeber war vermutlich Carl-Zeiss Jena, Entwickler war die Friedrich-Schiller-Universität Jena, Produzent war der VEB Feinmess Suhl.
Eine vollständige Übersicht, was alles zum Inquamess gehörte, gibt es leider bisher nicht.


Computer UPCI 1001

alias UPCI1001, UPCI-1001, UPCI1000, UPCI 1000, UPCI-1000

Der UPCI (Universal Personal Computer Instruments) entstand Ende der 1980er Jahre. Er konnte z.B. als Adapter zwischen der Messaufnahme und einem Bürocomputer (A5120, PC1715, EC1834) dienen. Die dazu notwendige Software wurde vom Hersteller auf EPROM geliefert, der Bürocomputer übernahm die Anzeige und Verarbeitung der Messwerte. Außerdem konnte der UPCI, mit einem anwenderspezifischen Programm ausgerüstet, als eigenständiger Messautomat arbeiten, beispielsweise zeitgesteuert Messwerte erfassen und Daten verdichten.


Messcomputer UPCI1001

Messcomputer UPCI1001

Messcomputer UPCI1001

Im Inneren arbeitete ein kleiner Computer auf Basis des Einchipmikrorechners U8840. In die Sloteinheit konnten, entsprechend der zu lösenden Aufgabe, verschiedene Schnittstellenkarten (manche aus mehrfach) gesteckt werden: Die Anbindung an den Bürocomputer erfolgte über eine V.24-Schnittstelle. Eine Beispielsoftware im Pascal-Quellcode sowie die entsprechenden UNITs wurden vom Hersteller mitgeliefert.


Prozessorkarte INT

Messeingangskarte INDAS

Der UPCI wurde in das Laborautomatisierungssystem LAS700 eingegliedert und gehörte zu einer Computerserie, die als "UPCI 1000" bezeichnet wurde. Ob außer dem UPCI 1001 noch weitere Geräte der Serie entsprangen, ist unbekannt.

Bis heute hat wahrscheinlich nur 1 Exemplar überlebt. Es befindet sich funktionstüchtig im Rechenwerk Computermuseum Halle.


Computer UPCI 2000

Dieser Messrechner war anscheinend die Weiterentwicklung des UPCI 1001 und basierte ebenfalls auf dem Einchipmikrorechner U8840. Neben den vom UPCI 1001 bekannten Steckkarten gab es auch eine Schnittstellenkarte CCD14 zum Ansteuern einer Zeilenkamera für berührungslose Messungen.

Der UPCI 2000 gilt heute als ausgestorben.
Existiert noch irgendwo ein UPCI 2000?


Messstellenumschalter MSU8

alias MSU 8, MSU-8

Geräte zur Feinlängenmessung hatten meist 1 oder 2 Anschlüsse für induktive Feintaster. Reichte das nicht aus, schaltete man einen Messstellenumschalter MSU dazwischen, der nacheinander bis zu acht induktive Feintaster auf einen Ausgang durchschaltete. Dies konnten entweder über manuell Umschaltung (per Tastendruck oder externem Triggersignal) passieren oder einstellbar zeitgesteuert nach Erstauslösung (per Tastendruck oder externem Triggersignal). Im Zusammenspiel mit einer Anzeigeeinheit AE bekam der MSU8 einen Analogwert zurückgeliefert, den er zur Ansteuerung von Bewertungs-LEDs (Übermaß, Nennmaß, Untermaß) benutzte, die separat für jeden Kanal eingestellt werden konnten. Die Bewertungs-LEDs wirkten speichernd, nach Ablauf einer Messreihe konnte man also das Messergebnis aller Kanäle ablesen. Nullpunkt und Verstärkung waren ebenfalls für jeden Kanal separat einstellbar.


Messstellenumschalter MSU8

MSU8 auf einer AE2

MSU8, geöffnet

Der MSU8 war aus integrierten Schaltkreisen aufgebaut, enthielt aber keinen Computer.

Vom MSU8 hat bis heute wahrscheinlich nur 2 Exemplare überlebt. Eins befindet sich funktionsfähig im Rechenwerk Computermuseum Halle.


Anzeigeeinheit AE1

alias AE 1, AE-1

Die AE1 hatte die Anschlussmöglichkeit für einen induktiven Feintaster. Außer für Dickenmessung gab es auch Geräte zur Neigungsmessung (AE1N). Der Messwert wurde auf einer Digitron-Ziffernanzeigen (AE1D) oder einem Zeigerinstrument (AE1A) angezeigt, die Messauflösung betrug dabei umschaltbar 1 µm und 100 nm. Für externe Anzeigen hatte das Gerät einen Analogausgang mit einem Skalenendwert von 1V.


Anzeigeeinheit AE1

geöffnete AE1, Rückseite

Sloteinheit der AE1

Die AE1 war aus integrierten Schaltkreisen aufgebaut, enthielt aber keinen Computer.

Von der AE1 werden sicherlich heute noch einige Exemplare im produktiven Einsatz sein. Ein funktionsfähiges Exemplar befindet sich im Rechenwerk Computermuseum Halle.


Anzeigeeinheit AE2

alias AE 2, AE-2

Gegenüber der AE1 hatte die AE2 die Anschlussmöglichkeit für zwei induktive Feintaster, konnte damit neben zwei separaten Messungen auch Differenzen zwischen zwei Feintastern messen. Der Messwert wurde auf Digitron-Ziffernanzeigen (AE2D) oder einem Zeigerinstrument (AE2A) angezeigt. Die Messauflösung betrug umschaltbar 1µm (Skalenendwert 19 mm) und 100 nm (Skalenendwert 1,9 mm), bei einigen Varianten (AE2DH) außerdem 10 nm (Skalenendwert 199 µm). Außerdem gab es drei einstellbare LEDs zur Bewertung des Messwertes (Übermaß, Nennmaß, Untermaß).


Verschiedene AE2-Geräte

geöffnete AE2

Die AE2 war aus integrierten Schaltkreisen aufgebaut, enthielt aber keinen Computer.

Von der AE2 werden sicherlich heute noch einige Exemplare im produktiven Einsatz sein. Einige funktionsfähige Exemplare befinden sich im Rechenwerk Computermuseum Halle.


Anzeigeeinheit AE80

(Alias AE 80, AE-80)

Dieses Gerät wurde von VEB Carl Zeiss Jena entwickelt und gebaut, diente der Anzeige (7-stellig, in mm, Zoll oder Inkrementen) und Verarbeitung der Impulse eines IGR oder IAL und wurde an CNC-Maschinen und Messmaschinen benutzt.


Anzeigeeinheit AE80

Rückseite der AE80

AE80-Rechnerkarte

In der AE80 arbeitete ein Mikrorechner auf Basis des Prozessors U880. Die Drehräder an der Gerätefront dienten zur Vorwahl (Setzen) des internen Zählers. Das Gerät besaß eine IMS2-Schnittstelle zur Kopplung mit anderen Geräten, beispielsweise mit einem Drucker. Über Relaisausgänge konnte ein automatisches Anfahren des Nullpunkts durch die Maschine erreicht werden. Manche Geber gaben bei Verschmutzung ein Signal ab, das die AE80 anzeigte und so zur Reinigung aufforderte.

Mit einer Anzeige "ERROR 7" weist das Gerät aus ein fehlendes Messsystem hin.

Von der AE80 existieren heute noch einige Exemplare. Ein funktionsfähiges befindet sich im Rechenwerk Computermuseum Halle.


Anzeigeeinheit AE101

(Alias AE 101, AE-101)

Die Anzeigeeinheit AE101 von VEB Carl Zeiss Jena war eine Zusatzeinrichtung für optische und mechanische Messsysteme und wahrscheinlich der Nachfolger der AE80. Das von einem Prozessor U880 gesteuerte Gerät ermöglichte die Anzeige und Verarbeitung der Daten einer Messachse und konnte programmierte lineare und nichtlineare Korrekturen einrechnen. Weiterhin stellte das Gerät die Versorgungsspannung für den Antastkopf des Messsystems IDL01 bereit.


Anzeigeeinheit AE101

Zum Anschluss an einen übergeordneten Rechner besaß das Gerät eine IMS2-Schnittstelle. Der Anschluss eines Protokolldruckers war ebenfalls darüber möglich.

Von der AE101 existieren noch einige Exemplare in unterschiedlichen Bauformen. Ein funktionsfähiges befindet sich im Rechenwerk Computermuseum Halle.




Letzte Änderung dieser Seite: 10.01.2018Herkunft: www.robotrontechnik.de