Messcomputer ECM700

(Alias ECM 700, ECM-700)

(ECM=Elektrochemisches Messsystem)
Unter dieser Bezeichnung wurde ab 1984 vom Zentrum für wissenschaftlichen Gerätebau der AdW ein vielseitiger Messplatz für elektrochemische und bioelektrochemische Untersuchungen gebaut. Er bestand laut Firmenunterlagen aus einer Mess-und Recheneinheit (MRE), einem Bildschirm, einer Tastatur, einem Drucker SD1154 sowie Elektroden und einigem Zubehör. Vermutlich wurde nur eine Kleinserie hergestellt und die genannte Konfiguration niemals in ganzem Umfang ausgeliefert.


Gesamtaufstellung des ECM7000-Systems

Die MRE besteht aus einem EGS-Gehäuse mit drei 19"- Einschüben (Bild) und scheint durch Zusammenfassung mehrerer ursprünglich getrennt und unabhängig voneinander konzipierter Geräteeinheiten entstanden zu sein.
Im oberen Teil befindet sich ein großzügig bemessener Netztrafo mit vielen galvanisch getrennten Sekundärwicklungen sowie stabilisierte Gleichrichter zur Stromversorgung der elektrochemischen Messkreise. Deren Elektronik sitzt ganz unten in einem Abschirmgehäuse, dort ist auch noch Platz für Erweiterungen.
Der mittlere Einschub enthält den Rechnerteil mit der üblichen Konfiguration: ZVE, 2x 16 KByte ROM, 2x 4 KByte RAM (davon 1 batteriegestützt), ADA und zwei spezielle Platinen mit DA-Wandlern, sowie die Stromversorgungsmodule für den Rechner. Platinenseitig basiert der Rechner auf dem K1520-Platinensatz, wobei neben Eigenentwicklungen der AdW auch Platinen von Robotron zum Einsatz kamen.


Außenansicht des Grundgeräts (Vorderseite)

Außenansicht des Grundgeräts (Rückseite)

Innenansicht (Vorderseite)

Innenansicht (Rückseite)

Den Kontakt zur Außenwelt bilden einige EFS39- sowie BNC-Buchsen an der Rückwand, u.a. SIF1000 Ein- und Ausgang, Anschlüsse für Video und Tastatur sowie für diverse Messelektroden.

Die Bedienung des ECM erfolgte über eine Spezialtastatur, die an einen modifizierten Bildschirm K7221 (ähnlich wie ein Terminal) angeschlossen wurde. Vom Bildschirm gingen die Leitungen von Bildschirm und Tastatur gemeinsam über ein geflochtenes Kabel. Die Ansteuerung des Bildschirms erfolgte vollgrafisch, was wegen der Diagrammausgaben auch notwendig war.


ECM700-Bedieneinheit


Rapunzel, Rapunzel, lass Dein Kabel runter!
Mit diesem Geflecht wird das Terminal angeschlossen.

Die Messung wurde über eine Quecksilberelektrode (mit programmierbarer Tropfdauer/Größe) oder eine beliebige andere Messsonde vorgenommen. Auf von einer rotierenden Ring-Scheibenelektrode wird berichtet.


Anschlusseinheit für die Messsonde

Die Software des Rechners befand sich auf 35 EPROMs, war also mit dem Einschalten sofort verfügbar. Über ein Menü konnte das gewünschte Messverfahren ausgewählt werden: Messwerte konnten rechnerintern in einem akkugestützen RAM abgelegt werden. Außerden hatte der Rechner eine SIF1000-Schnittstelle, über die Daten auf Lochband gestanzt oder an andere Rechner übergeben werden konnten. Ein Floppy- oder Magnetband-Anschluss war offenbar nicht vorgesehen.


Einschaltbildschirm

Parametereinstellung für Chronopotentiometriemessung

Parametereinstellung für Impedanzmessung

Von diesem seltenen Gerät sind heute nur noch 1 Exemplar sowie ein Gerätefragment bekannt. Es befindet sich im Rechenwerk Computermuseum Halle.
Leider liegt derzeit außer einem ziemlich nichtssagenden Firmenprospekt keinerlei Dokumentation zu dem Gerät vor.

Wer hat noch Doku zum ECM700 oder hat vielleicht früher mit diesem Gerät gearbeitet?



Letzte Änderung dieser Seite: 29.11.2016Herkunft: www.robotrontechnik.de